ACHTUNG!
Den Umgang mit Flüchtlingen besser überdenken ...
Wohnungsproblematik in Deutschland ...
Diese sinnlose Kategorisierung in verschiedene Generationen ...
Das Problem mit der pluralistischen Ignoranz
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Diese Unterstützung der Ukraine ist falsch. Von Anfang an haben unsere Politiker da große politische Fehler gemacht. Auch das Gerede von der "Koalition der Willigen" geht an der Tatsache vorbei, daß die Mehrheit der Bevölkerung die Konsequenzen daraus nicht teilt, schon gar nicht für die Ukraine in den Krieg ziehen würde ...
Mit alledem rechtfertige ich auf gar keinen Fall Putins Angriffskrieg, ganz im Gegenteil; ich möchte jedoch dafür plädieren, auch die Vorgeschichten bei aller Bewertung stets objektiver zu sehen ...
Anläßlich einer aktuellen Festnahme:
Gedanken zur Sprengung der Northstream-Pipelines
(revisited)
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Gedanken 6
Manchmal vergehen einem Hören und Sehen ...
Bisweilen verschlägt es einem die Worte ...
Ist das "Deeskalation" oder nicht längst schon Resignation, Aufgabe eigentlich verpflichtenden Handelns sowie extrem falsche Rücksichtsnahme?
Wer flüchten muß (und dafür gibt es in der Tat zahlreiche Gründe, von Verfolgung, Kriegswirren bis hin zu Folgen aus Umweltkatatastrophen), sollte sich im Land seiner Zuflucht wenigstens den dortigen Sitten und Rechtssetzungen gemäß verhalten. (Ich persönlich denke: eine gewisse Dankbarkeit -- damit meine ich beileibe nicht: Selbstaufgabe -- sollte durchaus ebenfalls angemessen sein!)
Nicht dieser eigentlich ethischen und moralischen Verpflichtung entspricht einmal mehr das, was man (offenkundig stellvertretend für so manche andere Auswüchse im Kontext von Migration, Asylbegehren und Schutzbegehren!) am 16. September 2024 auf JF-Online lesen konnte (wer dieser Quelle -- m.E. zu Unrecht -- mißtraut, findet die Bestätigunge jener Vorfälle übrigens teilweise auch dort, wo man sich als "Qualitätsmedien" selbstdefinitorisch und nachweislich zumeist auch in intersubjektiver Übereinkunft versteht, sich also quasi als "die Besseren" im Informationsangebot versteht).
Der Aufhänger lautet: "Bahn stellt Mitarbeitern Ticketkontrolle bei Ausländern frei". Was verbirgt sich nun hinter diesem -- für viele vielleicht gar als großzügig und tolerant, vielleicht gar als Zeichen von "Weltoffenheit" gesehenen -- Sachverhalt?
Künftig sei es Zugbegleitern der Süd-Thüringen-Bahn zur "Deeskalation" künftig freigestellt sein, die Tickets von Ausländern zu kontrollieren. Die besagte Strecke werde intern bereits als "Bürgerkriegsgebiet" bezeichnet. Gegen entsprechendes Fehlverhalten (um es gelinge auszudrücken) der offensichtlichen Verursacher dieser mißlieben Zustände sollen nun auch "Kurse im Asylheim" helfen.
Eine Bahnsprecherin gegenüber der Thüringer Allgemeinen: "In schwierigen Situationen können unsere Mitarbeiter zu Deeskalation selbst entscheiden, wie sie vorgehen (Anm. d. V.: ob sie Ausländer kontrollieren oder nicht)." So habe sich in einem Leserbrief ein Ehepaar gegenüber der Thüringer Zeitung geäußert, eine Zugbegleiterin habe nur die Fahrkarten deutscher Reisender kontrolliert.
Diese Schilderung wies allerdings die Bahnsprecherin von sich: vielmehr sei die Zugbegleiterin schon mehrfach durch den Zug gelaufen; die Fahrkarten der Ausländer seien demnach vermutlich bereits kontrolliert worden, als das Ehepaar dazu stieg. Es stehe jedoch den Zugbegleiterin auch frein, zur "Deeskalation" Fahrkarten nicht zu kontrollieren (Sic! d. V.).
Allerdings warnt der Betriebsrat vor "Personen mit Migrationshintergrund". So hat in einem Brandbrief des Betriebsrats an Bodo Ramelow (derzeitiger Ministerpräsident Thüringens, Linkspartei) "extreme Gewalttätigkeit der Fahrgäste in den Zügen" beklagt. Dabei heißt es, daß es sich bei den Tätern um "Personen mit Migrationshintergrund" handele, die "vorwiegend aus der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Suhl" kommen.
In dem Brief bittet der Betriebsrat auch um Entschuldigung, daß er sich nicht der "modernen politischen Korrektheit entsprechend" ausdrücke. Obwohl man wisse, daß es "allzu oft und vor allem schon reflexartig passieren kann, in eine bestimmte politische Ecke gedrängt und als 'ausländerfeindlich' oder gar rechtsextrem abgestempelt zu werden" müsse man "Klartext" reden.
Es sei nun aus dem o.g. Artikel noch ausführlicher zitiert: << Strecke gleiche einem „Schlachtfeld“ Demnach kommt es auf der Strecke Erfurt-Suhl-Meiningen regelmäßig zu „Szenen, welche aus einem Bürgerkriegsgebiet“ stammen könnten. An anderer Stelle ist vom „Schlachtfeld Fahrgastraum“ die Rede. Bei Fahrscheinkontrollen würden die meist weiblichen Mitarbeiter in den Zügen sexistisch bedroht, angegriffen und angespuckt. Schläge und Tritte gehörten zur Tagesordnung. Auch die vorwiegend männlichen Lokführer seien Opfer dieser Angriffe. Aufgrund der Bedrohungen müsse man das Schwarzfahren „hilflos“ tolerieren. >>
Man rede hier nicht "über Ausnahmen oder die berühmt-berücktigten Einzelfälle". Es gehe vielmehr um "nahezu alltägliche Vorfälle". Auch würden die "Mitglieder dieser Personengruppe" auf freier Strecke die Notbremsen ziehen. Hierzu kann man lesen: << Eine „junge zierliche Lokführerin“ wurde dadurch genötigt, im „Schlachtfeld Fahrgastraum“ technische Maßnahmen durchzuführen. Unter „Todesangst“ und in einem „stark durch menschliches Blut verunreinigten Triebwagen hat sie die Fahrt bis zum Bahnhof Suhl fortsetzen“ müssen.>>
Es ist auch die Rede von "In wilder Flucht über die Gleise": Eine Kollegin kam zwei von den Migranten stark belästigten Mädchen zu Hilfe. Darauhin sei sie so sehr bedroht worden, daß sie nur in "wilder Flucht" vor körperlicher Gewalt über die Gleise entkommen konnte. Es gebe auch bei anderen weiblichen Fahrgästen regelrechte "Jagdszenen der genannten Personengruppe". In dem vierseitigen Brief des Betriebsrats heißt es auch, daß der Einsatz eines Sicherheitsdienstes und das Rufen der Polizie nichts helfen würden, da die Täter auch vor diesen Berufen keinerlei Respekt hätten; und würden sie einmal abgeführt, dann stünden sie bald darauf wieder im Zug, um ihre Fahrt nach Suhl ohne Ticket durchzusetzen.
Verständlicherweise und einer sachimmanenten Logik folgend fragt der Betriebsart Bode Ramelow: "Wie können Sie erwarten, daß Bürger dieses Landes der praktizierten Flüchtlingspolitik offen gegenüberstehen, wenn diese praktisch täglich – und nicht nur im ÖPNV! – Zeugen derartiger Gewalt, Verrohung und absoluter Verhöhnung und Verachtung unserer Gesetze und Gesellschaft, inklusive ihrer sogenannten ‘Werte’, werden müssen?"
Wie waren / sind nun die Reaktionen auf die vorgebrachten Vorfälle? Das Thüringeer Infrastrukturministerium hat in Absprache mit der Süd-Thüringer-Bahn und der Bundespolizei laut Thüringer Allgemeine beschlossen, bis Ende des Jahres 336.000 Euro in Sicherheit zu investieren. Im August 2024 habe man eine Zwischenbilanz gezogen und es sei nun sicherer geworden. Neben diesen Sicherheitsmaßnahmen werde "den Asylmigranten in der Erstaufnahmeeinrichtung zudem die Regeln des Zugverkehrs nähergebracht" und Ende des Jahres solle eine Neubewertung der Sicherheitslage vorgenommen werden. Davon abhängig könnte dann auch die Finanzierung verlängert werden ...
Daß man hier auf den Gedanken kommen kann, daß es traurig und auch widerwärtig ist, jemanden die normalen Umgangsformen in einer pluralistischen, demokratischen Ordnung beibringen zu müssen, dies dann noch mit weiterem großen finanziellen Aufwand, sollten auch jene in ihr Denken einbeziehen, die undifferenziert über Willkommenskultur ihre Lobesgesänge anstimmen.
Es sollte gerade für jene, die tatsächlich oder angeblich wegen Verstoßes gegen Menschenrechte in ihrem Herkunftsland fliehen, eigentlich selbstverständlich sein, andere -- gerade im Sinne eines friedlichen und toleranten Miteinanders -- nicht zu belästigen oder gar körperlich anzugreifen. Wer hier nun gerne mit einem "die wissen es eben (noch nicht) besser" argumentiert, der oder die hat meistens im Vorfeld des eigenen Denkens die Wirkmächtigkeit von Sozialisations- und Enkulturationsfaktoren ausgeklammert (oder war gänzlich unfähig jene überhaupt sachgemäß, besonders hinsichtlich ihrer Auswirkungen, zu beurteilen); entsprechend sollten jene in ihrer Wunschdenkenblase sich gegenüber jenen stärker zurückhalten, die zu einer etwas kritischeren Sicht, fundierend auf erlebten Realitäten befähigt sind. Natürlich ist es richtig, festzustellen "hier kommen Menschen"; dahinter steckt sicherlich auch das in Sozialisation erlernte Bild vom "Menschen" an sich. Nur darf man erwarten, daß sich diese Menschen dann auch wie Menschen verhalten (können) und man ihnen nicht erst noch beibringen muß, wie man sich in hiesigen sozialen Kontexten rücksichtsvoll und in die Notwendigkeiten des Zusammenlebens einfühlend zu verhalten hat.
Ich kann mich noch an die Empörungen über das Jammern "Das Boot ist voll" erinnern. Nun, das ist geraume Zeit her. Die Zuwanderungszahlen sind seitdem enorm gestiegen, die Belastungen sind für die Gesamtgesellschaft nun an Grenzen gestoßen. Man muß Menschen in Not auch die Möglichkeiten geben (können!), entsprechen menschlich leben zu können, ja, ihre Primärbedürfnisse befriedigen zu können. Hierunter fallen entsprechende Wohnungen, Möglichkeiten medizinischer und bildungsorientierter Betreuunge und Versorgung, u.a.m. Und da zeigen sich längst Grenzen, wie man besonders an Hand von Schulen und Kitas als auch auf über den Wohnungsmarkt aufzeigen kann. Es sind leider nicht genug Plätze vorhanden, schon gar nicht sind unter den Voraussetzungen "mulitkultureller Vielfalt" die personellen Ausstattungen längst nicht mehr gegeben, was letztlich auch zu einem Verhindern von Bildungsqualität führt. Wer das nicht wahrhaben möchte, der sollte sich erst einmal näher mit der enorm reduzierten Unterrichtmöglichkeit an Mittelschulen (um nur einen Bildungszweig zu nennen) beschäftigen.
Da hört man dann immer wieder: Migration habe damit gar nichts zu tun, das seien Versäumnisse des Staates in struktureller Hinsicht und man dürfe keinesfalls die derzeit vorherrschenden Probleme mit dem Migrationsphänomen vermischen, das seien unterschiedliche, voneinander unabhängige Sachverhalte. Kann man denn nicht merken, die einfältig, wie unlogisch, wie die Hintergründe verkürzend, ja: wie dumm!, eine derartige Dichotomisierung der Gesamtlage denn ist?!?
Zweifelsohne gibt es diese strukturellen Probleme in der Infrastruktur. Marode Brücken und Straßen sowie unzureichende Qualität von Bahntrassen sind die aktuellsten Beispiele. Aber um diese geht es nicht, wenn ein Kontext zu Migrationen und sich daraus ergebenden Überforderungen zu sehen ist! Der Staat kann nicht in irgendwelcher Voraussicht unbegrenzt Wohnungen, Schulen, ärztliche Versorgung etc. vorsorglich schaffen, diese dann leerstehen bzw. ungenutzt sein lassen, dies in der Hoffnung, all das werde irgendwann und irgendwie schon gebraucht. NEIN! Diese Infrastruktur -- ich bleibe aus Anschaulichkeitsgründen hier nur bei Schulen, Kitas und Wohnraum -- ist vorhanden bezogen auf mehr oder weniger realistischen gegenwärtigen Bedarf. Wenn nun eine Schule mit x Klassen, jede davon für eine Größe von y Schülern besetzt, einigermaßen funktioniert, dann aber plötzlich Migranten in großer Zahl eintreffen (die entsprechend zu versorgen sind), dann hat diese Zunahme mit der Folge von Überforderforderungen sehr wohl etwas mit Migration zu tun. Genauso trifft es auch Kitas, auf die Wohnungsnachfrage und entsprechend periphere Bereiche zu. Wer nun beispielsweise noch die -- leicht nachzuweisende -- Tatsache ins Auge faßt, daß in Klassen mittlerweile extrem unterschiedliche Lernvoraussetzungen und sehr unterschiedliche, meist durch den häuslichen und sozialen Hintergrund bedingte Motivationslagen, von sehr zunehmenden sprachlichen Differenzen / Kompetenzen ganz zu schweigen, vorherrschen, der wird kaum leugnen können, daß dadurch Unterricht eine enorme Verschiebung (in negativer Hinsicht, was Unterrichtsqualität als Ergebnis von Lernen, von Leistungsvermögen, etc. angeht) stattgefunden hat und weiterhin stattfindet. Das alles hat sehr wohl mit dieser Migration zu tun und das kann man nicht als "strukturelles Problem" des Staates, als "Versäumnis von Politk" abtun. Wer diese Einflüsse, diese Zusammenhänge, nicht sehen kann, nicht sehen will, ist bestenfalls naiv, jedoch unfähig zu sachlicher Erörterung, zur Wahrheitssuche (bzw. -- im Ergebnis ebenso schlimm -- ideologisch völlig verblendet!)
Man kann Probleme nur dann lösen, wenn man bereit ist, sie überhaupt zu sehen und anzuerkennen. Das ist eine notwendige Bedingung (freilich noch keine hinreichende) für die Verbesserung der Verhältnisse! Und das geht meistens eben nicht durch die Weigerung, entsprechend konsequent zu handeln!
Damit komme ich nochmals auf Exzesse zurück, wie sie oben in der Verhaltensproblematik von Migranten als Bahnfahrer geschildert worden. Wenn eigentlich positiv gestimmte Kräfte durch derartige Faktoren gebunden, gehindert, eingeschränkt werden, dann fehlt eben genau dadurch das Potenzial hinsichtlich Verbesserungsstrategien, auch im Sinne der Erbringung der eigentliche Leistung, tätig werden zu können. Im Gegenteil: es erfolgt Lähmung, Resignation bis hin zur Furcht /Angst, eigene produktive Beiträge leisten zu können. Und das zerstört eine Gesellschaft, macht unsicher und -- in vielen Fällen auch verstärkt es dann Ressentiments. Ein Lokführer, ein Zugbegleiter, überhaupt alle, die für die Gemeinschaft tätig sind und es auch gerne sein wollen, müssen eine Arbeitsumgebung haben, in der sie gesichert ihre eigentliche Tätigkeit ausüben können! Das gilt selbstredend für alle anderen Bereiche auch (man denke nur an die in den letzten Jahren zugenommenen Angriffe auf Hilfspersonal, an "Ausrastungen" in Krankenhäusern und in Arztpraxen o.ä.).
Und wie geht es wohl einer Lehrkraft, die -- hochqualifiziert pädagogisch und fachdidaktisch ausgebildet -- sich nun mehr überwiegend mit Disziplinschwierigkeiten, abweichendem Lernverhalten (sofern man in nicht wenigen Fällen überhaupt noch von Lernbereitschaft sprechen kann ...) und sprachliche Inkompetenz u.a.m. zwangsläufig zu kümmern hat?! Hier werden auch Ressourcen verschleudert, hier wird dem gesamtgesellschaftlichen Interesse ein Bärendienst erwiesen. Wer -- wenn ihn nicht ein Höchstmaß an Naivität oder ein Schwelgen in Wunschphantasien und Verdrängungsakrobatik leitet -- wird hier mit dem dämlichen Argument aufwarten wollen, das seien "ja nur strukturelle Probleme, die nichts, aber auch gar nichts mit der Migration zu tun haben" ...
Schafft man es nicht, hier wieder mehr Ehrlichkeit in der Betrachtung, mehr Konsequenz im Gegensteuern, mehr Sachlichkeit statt Wunschdenken, ja: auch mehr konsequentes Handeln gegenüber all jenen, welche sich normalen sozialen Gepflogenheiten und einem entsprechenden Verantwortungshandeln widersetzen, zu leisten, dann wird es tatsächlich weiter abwärts gehen und sozialer Sprengstoff ist garantiert ...
Zur Wohnungsproblematik in Deutschland
Es fehlen Wohnungen in Deutschland! Die Zahl steigt auch 2023 weiter. Zu groß die Nachfrage, zu gering das Angebot, zu unzureichend die Bautätigkeit bezüglich auch bezahlbaren Wohnraums.
Laut Meldungen fehlen derzeit ca. 800.000 Wohnungen und es seien Milliarden-Investitionen nötig. Der Fehlbestand sei sogar noch gestiegen: 100.000 mehr als noch im vorigen Jahr, so das Verbändebündnis Wohnungsbau auf dem Wohnungsbau-Tag in Berlin am11.04.2024.
Ursachen der großen Wohnungskrise in Deutschland seien: ein der Bevölkerungsentwicklung sehr stark hinterherhinkender Wohnungsbau, erfolgte Binnenwanderung, Rückgang des Sozialwohnungsbestandes, allzu komplexe Baustandards, der Trend zu Singlehaushalten und die Zweckentfremdung von Wohnraum.
Schon seit Jahrzehnten hinke der Wohnungsbau in Deutschland dem starken Anstieg der Einwohnerzahlen deutlich hinterher. Ein Grund dafür ist eine auch für Experten unerwartete Entwicklung der Bevölkerungszahlen. Etwa zwischen 1975 bis 1985 verzeichnete Deutschland eine Abnahme der Bevölkerung - und Demographen gingen davon aus, daß die Bevölkerung auch weiterhin schrumpfen würde. Infolgedessen ging sowohl der private als auch der öffentlich geförderte Wohnungsbau zurück, während die Bevölkerungszahlen aber seit 1985 bis heute stetig weiter wuchsen. Nach der Wende wurde der soziale Wohnungsbau weitgehend eingestellt, wodurch immer mehr Wohnungen aus der Sozialbindung fallen. Trotz der inzwischen wieder steigenden Bautätigkeiten bleibt der Wohnungsneubau weiterhin hinter der nach Expertenmeinung benötigten Größenordnung.
Signifikant auch eine zunehmende Landflucht der Bevölkerung aufgrund schlechter Infrastruktur in weniger dicht besiedelten Gebieten, was für weitere Wohnungsprobleme besonders in Ballungszentren führt. Gerade junge Menschen zieht es auf der Suche nach Arbeit oder Bildung in die Groß- und Universitätsstädte. Aber auch für Menschen mittleren Alters ist das gut angebundene Umland wirtschaftsstarker Ballungszentren interessant.
Erwähnt wird auch, daß auch der Wegfall der Wehrpflicht und die doppelten Abiturjahrgänge zu einer steigenden Zahl an Studierenden geführt haben, was den Bedarf an kleinen, preisgünstigen Wohnungen zusätzlich vermehrt hat.
Die Situation im Angebot an Sozialwohnungen ist besonders problematisch: 1987gab es noch 5,5 Millionen Sozialwohnungen, heute gibt es davon jedoch nur noch etwa 1,5 Millionen. Einschneidend zudem, daß jedes Jahr etwa 100.000 aus der Mietpreisbindung heraus fallen; ein Ersatz durch neu gebaute Sozialwohnungen hat nur in unzureichendem Umfang stattgefunden. Resultat ist eine schwierige Versorgungslage im preiswerten Marktsegment. Obendrein ist heute der Bedarf an Sozialwohnungen jedoch aufgrund niedriger Mietobergrenzen für Hartz IV-Empfänger, gestiegener Energiekosten und geringen Gehältern ungleich höher.
Mit dem Steuerreformgesetz von 1990 wurde zudem die Wohnungsgemeinnützigkeit aufgehoben, was zu einem mehr rendite- statt sozialorientiertem Wohnungsbau führte. Als Folge der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank werden Immobilien zunehmend Ziel von Spekulanten und Investoren, die Bauland erwerben, um es später für einen höheren Preis wieder zu verkaufen. Dadurch verdoppelten sich die Preise für Bauland in Städten wie Frankfurt seit 2014, und die Preise für Wohneigentum sind um 50% gestiegen.
Auch Immobilienkonzerne, die in großem Stil Wohnungen erwerben, um sie möglichst gewinnbringend zu vermieten, profitieren von der Wohnungsnot und verschlimmern die Situation noch weiter. Viele öffentliche Wohnungen wurden sogar auch von den Städten an solche Investoren verkauft. Elf Prozent der Kosten für Modernisierungsmaßnahmen können zeitlich unbefristet auf die Jahresmiete aufgeschlagen werden - sehr zum Nachteil der Mieter, da in den meisten Fällen die durch die Modernisierung erwirkten Ersparnisse beispielsweise bei den Heizungskosten in keinem Verhältnis zur Mieterhöhung stehen. Dadurch wird das Angebot an preisgünstigem Wohnraum noch knapper.
Ein weiterer Nachteil für die Bereitstellung günstiger Wohnungen ist, daß deutsche Immobilien auch bei internationalen Investoren sehr gefragt sind, was zusätzlich zu enormen Preiserhöhungen auf dem Wohnungsmarkt und im Wohnungsbau führt.
Auch sind die rechtlichen Vorschriften beim Wohnungsbau in Deutschland deutlich strenger als in anderen Ländern, was zu höheren Baukosten führt. Komplizierte technische Richtlinien, Genehmigungsprozesse oder Auflagen der Bauaufsichtsbehörden machen die Baudurchführung zu einem komplexen, aufwändigen Prozess mit einem hohen, teueren Koordinierungsaufwand, was sich dann nicht zuletzt in den Immobilienpreisen und Mieten wiederspiegelt.
Eine weitere Problematik ergibt sich aus der in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern bestehenden überdurchschnittlich hohen Anzahl von Ein- oder Zweipersonenhaushalten, die viel Platz wegnehmen. In rund 41% aller Haushalte lebt nur einer Person. Veränderungen in den Familienstrukturen, medizinischer Fortschritt und die ansteigende Verstädterung werden als Gründe angesehen.
Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass sich dieser Trend in Zukunft noch weiter verschärfen wird. Während die Anzahl der Haushalte zwischen 1961 und 2017 mit 3+ Personen annähernd gleich blieb oder gar abnahm, gibt es eine deutliche Zunahme von Ein- und Zweipersonen-Haushalten, wie sich aus dem Mirkrozensus des Statistischen Bundesamtes ergibt.
Daß die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt zu sozialen Spannungen bis hin zu Verwerfungen innerhalb einer Gesellschaft führt, liegt auf der Hand. Auch führen derartige Fehlentwicklungen nicht selten zu neuen Verhaltens- bzw. Umgangsformen, wovon eine davon sicherlich auch die "Lavendelehe" ist: weil die Preise für Wohnraum exorbitant ansteigen (angestiegen sind), hat sich -- um diese Kosten überhaupt stemmen zu können -- die Zahl sogenannter "Lavendel-Beziehungen" (Social-Media-Trend Lavendelehe) stark vergrößert. Hier binden sich Menschen aneinander, um in erster Linie die Kosten primärer materieller Bedürfnisse wenigstens etwas auffangen zu können.
EXKURS "Lavendelehe": Darunter versteht man eine Form der Partnerschaft, bei der es auch darum geht, Kosten zu teilen. Im Gegensatz zu Wohngemeinschaften (WGs) erstreckt sich dieses Zusammenleben auch darauf, Verantwortung zu teilen und "füreinander da zu sein". Auch ist der "Hilfe- und Sicherheitsaspekt" sowie der inhaltliche Bezug heute da ein anderer als bei früheren Hintergründen für die Bildung einer Lavendelehe.
Gänzlich neu ist diese Form des Zusammenlebens nämlich nicht, jedoch verändert sehr dürfte die gegenwärtige Orientierung gegenüber früheren Motivationen sein. "Lavendel" galt ja als Symbol für Homosexualität, was dann in den Begriff Lavendelehe mündete: schon in den 1920er-Jahren wurden Ehen zwischen Hetero- und Homosexuellen -- damals war Homosexualität noch tabuisiert und gar "verboten" -- geschlossen, die letztlich vielen LGBTQ+ - Personen Schutz vor strafrechtlicher Verfolgung (entsprechend der damals noch geltenden Gesetzeslage) und gesellschaftliche Akzeptanz boten.
Die heutige Lavendelehe zeigt einmal mehr deutlich: Beziehungs- und Lebensentwürfe sind vielfältig. Nicht nur materielle Bedingungen machen es für viele junge Menschen heutzutage notwendig, zu einer Art des Zusammenlebens als "praktische Zweckgemeinschaft" zu finden. Vielleicht nerven / stressen aber auch die schier unbegrenzten Möglichkeiten der Online-Welt beim Umgang mit der Partnersuche, führen zu einer Art von Quantität-Qualität-Dilemma, somit zu häufigen Frustrationen. Mag ja auch sein, daß die vorherrschende Schnelllebigkeit und Hektik die Suche nach Liebespartner in anderen Dating-Prozessen nicht gerade vereinfacht, ist also häufig nur wenig, wenn überhaupt, zielführend. So wird schon mal die Frage gestellt, vielleicht wäre es doch zielführender, die Suche nach einem Lebenspartner (zunächst) von dem Anspruch auf Liebe zu entkoppeln. So ließe sich "Druck" aus dem "Dating-Prozeß" nehmen und in der gegenwärtigen Zeit inflationärer Preise und hoher Mieten wäre es ja auch aus finanzieller Sicht ein Vorteil, nicht alleine zu wohnen, sich die Kosten zu teilen. Das Zusammenleben also als praktische Zweckgemeinschaft gestalten. So findet man gerade in den sogenannten Sozialen Medien (Beispiel: Hashtag #lavendermarriage), Suche nach Lebenspartneren, die Kosten und Wohnraum mit einem teilen wolle; dabei sei Freundschaft erwünschte, eine feste Liebesbeziehung aber nicht. Die andere Person soll also ihre Freiheiten beibehalten können. In diesem Zusammenhang wird immer wieder die "Generation Z" (hierzu mehr weiter unten) genannt: sie mache sich Sorgen um die Zukunft und die immer weiter steigenden Preise / Kosten. Sie ist auch nicht mehr bereit (offensichtlich in der eigenen Einschätzung und Definition anderer "Generationen" -- wie z.B. Generation Y, Generation X, Babyboomers, Generation Alpha, Schweigende Generation --, die man tunlichst auch kritisch bewerten sollte ...), ihre psychische und körperliche Gesundheit hinter beispielsweise beruflichen Erfolg einzuordnen. Eine Lebensgemeinschaft, in der man Miet- und Nebenkosten teilt, aber auch Aufgaben wir Kochen, Putzen, Einkaufen und auch Gemeinschaft lebt (Aspekt der Sicherheit, Verläßlichkeit, der Abwesenheit von Einsamkeit u.a.m.), bietet also -- nach deren Einschätzung -- neben materiellen Vorteilen auch vielfältig mentale. So gesehen ist die Lavendelehe auch der Ausdruck des Wunsches mit herkömmlichen (überholten? wirklich überholten??), also traditionellen Beziehungsformen zu brechen. Summa summarum: Liebe, Sex, Kindererziehung, gemeinsame Interessen, Beruf, u.a. lassen sich, jedenfalls in der Meinung jener jungen Menschen, heute nicht mehr realistisch verwirklichen, führen letztlich zu Selbsttäuschungen und Überforderungen. Die logische Konsequenz aus dieser Haltung, aus diesem Denkmuster: Es muß also nicht derselbe Partner sein, mit dem man Sex hat, die Wohnung und Interessen teilt, Kinder großzieht und für den man "Liebe" empfindet. Ergo (so zumindest die zugrunde liegende Theorie): In einer Lavendelehe geht man zwar gewissen Verpflichtungen ein und teilt Verantwortung, bleibt aber zugleich frei und unabhängig. (Die Leser mögen am besten selbst beurteilen, wie hier dann "frei" und "unabhängig" zu definieren / zu sehen sind bzw. welche Grade von Freiheit und Unabhängigkeit hier tatsächlich verwirklicht werden [können].)
Naheliegend dürfte in diesem Zusammenhang die Frage danach, ob man den jeweiligen Lavendelpartner auch heiraten sollte, sein. Denn immerhin ist dies ja auch ein möglicher Teil finanzieller Überlegungen (man denke an steuerliche Aspekte, an weitere finanzielle Privilegien, die sich aus einem Trauschein ergeben ...). Führt der (behauptete) Trend zur Lavenderehe dann auch dazu, daß sich viele platonische Freunde durch Eheschließung da aneinander binden? Wenn da nun behauptet wird, die Generation Z handele hier "ganz und gar nicht unbedacht, sondern sicherheitsorientiert und pragmatisch", bedarf diese Feststellung einer eingehenden und gründlichen Überprüfung, auch dahingehend, inwieweit es sich hier um tatsächliche -- und nicht nur verschleierte, ideologisch verbrämte -- Formen wirklicher alternativer Lebensgestaltung handelt. Wird hier nicht ein "viraler Trend" etwas überschätzt, schön geredet, euphemistisch verklärt? Diese Antwort steht meines Erachtens noch aus. Ich selbst kann mich gedanklich dieser Euphorie nicht uneingeschränkt anschließen / unterordnen ...
Sicherlich stimmt es, daß durch das Versagen der Politik auf dem Wohnungsmarkt zweckorientierter Lebensgemeinschaften notwendig werden, aber diese Formen gab und gibt es schon seit vielen Jahren. Ob man hier jetzt aber gleich davon sprechen kann / muß, gegenüber anderen Formen gemeinsamen Lebens (z.B. WGs) spiele bei den Lavendelehen die platonische Beziehung eine größere Rolle, sei besser gründlichst hinterfragt. Auch hinsichtlich notwendiger und dann auch hinreichender Bedingungen! Es ist ja wirklich banal, wenn festgestellt wird, daß der vorgebliche Trend zur Lavendelehe "einen ernsten Hintergrund" habe und "viel über die Gesellschaft und die Bedürfnisse der Generation Z" aussage und dann daraus u.a. gefolgert wird, Beziehungen und Lebensgemeinschaften seien so "vielfältig wie wir Menschen" und eine der "vielen" Optionen sei eben die "Lavendelehe". Oder ist es nicht vielmehr so, daß gerade hier einmal mehr ein künstlicher Hype über eine vermeintlich großartige gesellschaftliche Veränderungsmöglichkeit befördert wird, der faktisch einzig und allein denen dient, die aus einer seltsamen Mischung von Befriediungsmechanismen für die Masse aus Gewinnstreben heraus zu erzeugen und der künstlichen (sowohl in der Terminologie unscharfen wie in der Sache irrationalen) Erzeugung von sogenannten Trends (ein Trend sollte immerhin bezüglich seiner qualitativen und quantitativen Bedeutung und Wirklichkeit gekennzeichnet sein!) ihre ureigene Legitimation als Deutungshoheit ausleben?!
Über die Sinnhaftigkeit bzw. Grenzen, vor allem auch: was die Diskursfähigkeit derartiger Einteilungen angeht, der (leider oft dann gleichsam absolut gesetzten Kategorien!) Einteilung von Generationen, werde ich mich weiter unten noch etwas ausführlicher einlassen. Vorab nur dies zur Erläuterung: Unter "Generation Z" (auch: GenZ bzw. Gen Z) werden Menschen, die zwischen 1995 und 2010 geboren verstanden. Diese "Generation" folgt auf die "Generation Y" (Millennials). Diese Zugehörigen wachsen mit Smartphone und Social Media auf. Es handelt sich um Jugendliche bzw. junge Erwachsene, die noch in Ausbildung sind oder deren Berufseinstieg noch nicht weit zurück liegt. Meine zunächst eher implizite Kritik an der Einteilung in Generationen soll jedoch keineswegs bedeuten, daß so eine Einteilung generell inoperabel ist; jedoch sind Grenzen der Machbarkbeit wie auch der Aussagekraft zu beachten. So sagt der Soziologe François Höpflinger zwar mit zumindest einiger Berechtigung, es gäbe "kein Leben ausserhalb von Generationenbeziehungen" und wolle man diese verstehen und erfassen, dann bedarf "es auch eine(r) künstlichen Einteilung". Diese erlaube eine grundlegende Übersicht über Altersgruppen unserer Gesellschaft und ihrer jeweiligen Bedürfnisse und Anliegen im Kontext des demographischen Wandels. Und es sei das Verständnis der spezifischen Merkmale jeder Generation, das dazu beitrage, Konflikte zwischen den Generationen zu erkennen sowie den gegenseitigen Austausch zu fördern, Vorurteile abzubauen und Altersbilder zu hinterfragen. Es geht hier also genau genommen um eine idealtypische Abgrenzung bzw. Festlegung von jeweiliger "Generation", auf deren Basis man dann Überlegungen zu notwendigen Veränderungen (besonders auch hinsichtlich: Infrastrukturen, was uns u.a. wieder zur Situation auf dem Wohnungsmarkt führt!) anstellen kann / muß, nicht zuletzt um ein gesundes Kontinuum gesellschaftlicher Entwicklung und Entfaltung nicht zu gefährden oder besser: um diese zielführend zu unterstützen. Hier fällt -- zu Recht -- dann auch sofort das Stichwort der Generationengerechtigkeit, vor allem wie man entstandene und entstehende Kosten gerecht verteilt. Hüten muß man sich aber auf jeden Fall vor all den Versuchen durchaus einflußreicher Kräfte, künstliche, eher irrationale Definitionen vorzunehmen und in einem Amalgam aus Wunschwelt, Selbstgefälligkeit sowie Erfindungsreichtum als Teil einer Anmaßung von Definitionsmacht eine Scheinwelt als Wirklichkeit verkaufen zu wollen ...
Dagegen sind Realitätssinn und tatsächliche Analyse von Wirklichkeit zu setzen!
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Es dürfte jedoch selbst in Städten mit stagnierenden oder rückläufigen Bevölkerungszahlen zutreffen, daß bestimmte Trends eine zusätzliche Wohnungsnachfrage entstehen lassen.
Hierunter fällt auch die Zweckentfremdung von bestehenden Wohnungen: Beispielsweise werden über Internetportale Wohnungen an Feriengäste vermietet, was zwar für die Vermieter sehr lukrativ sein kann, aber diese Wohnungen stehen nicht als dauerhafter Wohnraum den Wohnungssuchenden zur Verfügung. Besonders angespannt ist heute auch die Marktsituation von Wohnhäusern in begehrten Lagen. Wenn das Angebot an Wohnungen nicht ausreicht, um die Nachfrage zu decken, folgen Überbelegung bestehenden Wohnraumes, steigende Mietpreise und Obdachlosenzahlen, sowie sozialer Segregation.
Als "leerstehend" werden Wohnungen bezeichnet, wenn sie nicht vermietet und nicht von den Eigentümerinnen oder Eigentümern selbst bewohnt werden. Allerdings werden Ferien- und Freizeitwohnungen nicht darunter klassifiziert. Hierzu eine Zahl: 2018 standen schätzungsweise 1,7 Millionen Wohnungen in Deutschland leer. Das entspricht 4,2 Prozent des gesamten Wohnungsbestands. Gründe für die steigende Leerstandsquote sind zum Beispiel auf dem Land (aber dort nicht im Einzugsbereich großer Städte!) einerseits die demografische Entwicklung und andererseits der Run auf Großstädte aufgrund der besseren Jobchancen und dortigen Infrastruktur. Dies wird aller Wahrscheinlichkeit nach das Überangebot an freien Wohnungen in den ländlichen Regionen noch verstärken.
EXKURS "Wohnungsleerstand": Eine Wohnung wird als leer stehend bezeichnet, wenn sie weder vermietet noch von der Eigentümerin oder dem Eigentümer selbst bewohnt wird. Verboten ist es, ohne Genehmigung eine Wohnung beruflich oder gewerblich oder zur Fremdenbeherberbung zu nutzen, abzubrechen oder länger als drei Monate leer stehen zu lassen. Dauerhafter Leerstand von Wohnräumen gilt schließlich als Zweckentfremdung und wird demnach bestraft. Jedoch ist nicht gleich jede leer stehende Wohnung zweckentfremdet. Eine Wohnung darf beispielsweise kurzfristig leer stehen, wenn sie saniert wird. Sie sollte aber nach spätestens drei Monaten wieder vermietet werden. Auch finanztechnisch (also für fiskalische Aspekte, z.B. Absetzbarkeit von Kosten) gelten praktische Definitionen: So hat der BFH (Bundesfinanzhof) geurteilt, daß ein Renovierungszeitraum bzw. ein Leerstand von mehr als 10 Jahren als zu lang angesehen wird. Dauert der Leerstand entsprechend lang, darf die Finanzverwaltung von vom "Fehlen der Vermietungsabsicht" ausgehen und entsprechend bewerten.
Ein Grundsatz ist, daß von Anfang an eine Vermietungsabsicht vorliegen muß und diese muß gegenüber der Finanzverwaltung auch glaubhaft gemacht werden. Objektive Umstände müssen also auf eine Vermietungsabsicht schließen lassen! Diese können beispielsweise sein: Vermietungsanzeigen, Beauftragung eines Maklers. Allerdings muß ein Vermieter innerhalb eines überschaubaren Zeitraums, zügig, das Mietobjekt so herrichten, daß eine Vermietung auch möglich werden kann. Die vorgenannten 10 Jahre des BFH sind kein absolut festgelegter, fester Zeitraum: man sollte durchaus hier in kürzeren Zeitdimensionen rechnen, will man auf der sicheren Seite (= Vermietungsabsicht zeigen) sein ...
Was leerstehenden Wohnraum angeht, gilt auch das Folgende: Sie müssen im Zweifelsfall, etwa bei einer Haussanierung, auch befristet vermietet oder zwischenvermietet werden. Verweigern Vermieter eine zumutbare Zwischenvermietung, kann die Kommune sie per Wohnnutzungsgebot dazu zwingen. Die andere Seite des Vermietens / Nichtvermietens dürfte jedoch aber auch die Tatsache sein, daß viele Mieter Ärger bereiten, mit der Mietsache unverantwortlich umgehen und ein Wohnraumvermieter sich dadurch in leidvolle Rechtsauseinandersetzung verwickelt sieht, sodaß man bereits im Vorfeld Mittel für eine Umgehung einer "Vermietungspflicht" sucht (und häufig dann auch findet!), um seine Ruhe zu haben. In diesen Kontext fällt auch der Aspekt der "Diskriminierung" (ebenfalls mit möglichen rechtlichen Belastungen!), der es einem Vermieter schwer macht, sich ihm genehme Mieter auszusuchen und unerwünschte dann abzulehnen. Hier sieht man dann einmal mehr, daß die Einschränkung der einen Seite nicht unbedingt größere Freiheit und Möglichkeiten für die andere schafft ...
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Abschließen soll nochmals explizit betont werden: Nicht zu übersehen sind auch die folgenden Sachverhalte, nämlich ursächliche Gründe für die geringe Quote an Wohneigentum in Deutschland sind hohe Finanzierungshürden. hohe Zinsen. hohe Grunderwerbssteuern und Kaufnebenkosten (Makler, Notar) für Immobilien. Hinzu kommt die Preisexplosion bei Eigentumswohnungen. Aufgrund dieser Entwicklungen können Wohnungen, die einige Zeit leer stehen und dann neu vermietet oder als Eigentumswohnungen verkauft werden, höhere Rendite bringen als bei einer dauerhaften Vermietung. Es bleibt für absehbare Zeit leider wohl nur pessimistische Schluß, daß es mit der Wohnraummisere eher schlechter denn besser werden wird. Damit sind gesellschaftliche Spannungen absehbar unausweichlich. Man hätte eben vorausschauender planen und handeln müssen, man hätte die Problematik eben in ihrer Mehrdimensionalität bearbeiten sollen. Aber die dafür verantwortlichen Politiker / Parteien werden schon findig sein, wenn es um Fremdattribuierung für auch diese Schuld geht ...
Wie sinnvoll ist die Kategorisierung in verschiedenen Generationen, (auch: wenn sie zeitlich relativ nahe beieinander liegen)?
Die Überschrift impliziert letztlich bereits auch eine Kritik an dieser Ein- / Aufteilung in Generationen. Dieses Tun ein Ergebnis gar manischer Zwanghaftigkeit oder aus dem Reich anderer Notwendigkeit geboren? Ich versuche hier, mich einer Antwort wenigstens anzunähern. Beiden Aspekten sollte man zumindest keine einseitige Dominanz zuerkennen. Wie eigentlich auf fast allen Gebieten, verbieten sich voreilige Bewertungen, will man einer komplexen Thematik wirklich entsprechen. Meine, implizit gesehen, hier bereits durchaus angedeutete Kritik bedeutet jedoch nicht, daß die Einteilung in Generationen bedeutungslos wäre. Ganz im Gegenteil. Denn wie Soziologe François Höpflinger sagt: «Es gibt kein Leben ausserhalb von Generationenbeziehungen». Und um diese zu verstehen und zu erfassen, braucht es auch eine künstliche Einteilung. Diese erlaubt eine grundlegende Übersicht der Altersgruppen unserer Gesellschaft und ihrer jeweiligen Bedürfnisse und Anliegen im Kontext des demografischen Wandels: Das Verständnis der spezifischen Merkmale jeder Generation trägt dazu bei, Konflikte zwischen den Generationen zu erkennen sowie den gegenseitigen Austausch zu fördern, Vorurteile abzubauen und Altersbilder zu hinterfragen.
Um es kurz und hinführend zu skizzieren: Ich wende mich mit einigen Gedanken den Phänomina (so es denn auch wirklich welche sind ...) zu, die gemeinhin und auch weitverbreitet unter folgenden Kategorisierungen behandelt und abgehandelt werden: "Stille Generation", "Babyboomer", Generation X, Generation Y (Millenials), Generation Z. Es lohnt, einen Blick auf die entsprechenden Typisierungen zu werfen, um dann zu bewerten, ob bzw. inwieweit tatsächlich hier tragende Inhalte für ein generalisierendes Urteilen vorzufinden sind. Anders gewendet: wie ist die Gültigkeit und wie sind jeweilige eindeutig einer Generation zuordenbare Erscheinungen von tatsächlicher Bedeutung für die Gesellschaft, für deren Entwicklung. Eine weitere notwendige Frage dürfte vor allem auch die nach aufzeigbaren und entsprechend wirksamen Automatismen sein. Und vor allem auch dieser Gedanke: wie objektiv sind die behaupteten Unterschiede, wie "einzigartig" für die jeweilige Population, sind sie denn tatsächlich?
Ich wähle hier einen vielleicht etwas unüblicheren Weg in der Reihenfolge der Darstellung: zunächst stelle ich die Kritik an diesen "Generationen-Konzepten" dar (man wird dabei sehen, daß sie eher keine brauchbaren Konzepte hinsichtlich Erfassung von Wirklichkeit sind!), daran anschließend erfolgt dann erst die Auflistung von "Generationen", wie sie gerne immer noch häufig (vor allem: populärwissenschafltich) vorgenommen wird.
So zeigt Prof. Dr. Martin Schröder die Untauglichkeit von Generationenlabel XYZ etc. auf und stellt nach Auswertung von Metastudien fest: "Empirisch gibt es keine Generationen. Sie sind ein Mythos, statt ein messbarer Fakt.." Er verweist darauf, daß die Aussage, es gäbe Generationen, durch die Einstellung der jeweiligen Menschen durch ihr Geburtsjahr erkären kann, unabhängig davon wie alt sie gerade sind (was allerdings kein Generationen- sondern ein Altersaffekt wäre!). Befragt man jene so dann nach ihren Einstellungen, haben wir es aber aber "nur" mit einem Periodeneffekt, nicht jedoch mit einem Generationeneffekt zu tun.
Schröder, ein vehementer Kritiker der Generationenzuordnungen, belegt das gründlich und umfassend. Aufgrund seiner umfassenden Datenanalysen hat er herausgefunden, daß die Werte und Einstellungen einer (vermeintlichen) Generation Z oder Y nicht anders sind als die Werte und Einstellungen der Babyboomer. Aus seiner Sicht das wichtigste Fazit dieser Forschung: Man ist schlecht damit beraten, sich an vermeintlichen Eigenschaften einer Generation zu orientieren. Besser ist es, die Zielgruppe direkt zu beteiligen, um herauszufinden, was den Menschen auf die es ankommt wirklich wichtig ist. Die Unterscheidung nach Generationen findet er sinnvoll, um gesellschaftliche Veränderungen zu beobachten, zu thematisieren und Zukunft gemeinsam mit jüngeren und älteren Menschen zu gestalten. Stellt man jedoch Alters- und Periodeneffekte in Beziehung, bleiben "eben kaum Generationeneffekte übrig"; man könne also Einstellungen (Haltungen) von Menschen mit ihrem Alter erklären und / oder man kann Einstellungen von Menschen damit erklären, wann sie befragt wurden. Aber man könne Einstellungen von Menschen "kaum mit deren Geburtsjahr erklären. Und insofern gibt es keine (inhaltlich sinnvolle Kategorisierung von) Generationen." Von Generationen könne man gegenüber diesen Alters- und Periodeneffekten nur sprechen, wenn Menschen gleichen Alters zum gleichen Zeitpunkt je nach Geburtszeitpunkt unterschiedliche Einstellungen haben. Mittlerweile kann man feststellen, daß sowohl in der Forschungsliteratur als auch bei namhaften internationalen Umfrage-Instituten diese Orientierung an "Generationenzugehörigkeit" keine große Rolle mehr spielt. Laut Schröder sei da eher die Beantwortung der Frage notwendig, weshalb man in weiten Kreisen immer noch an diesem Konzept festhalte. Es bleiben bei Berücksichtigung des Effekts unterschiedlicher Lebensphasen und Befragungszeitpunkte kaum mehr Generationeneffekte übrig, so Schröder. "Junge denken also durchaus anders als Alte. Und wir alle denken heute durchaus anders als früher. Doch bestimmte Generationen denken nur selten systematisch anders, wenn man sie im gleichen Alter und zum gleichen Zeitpunkt befragt."
Schröder begab sich auf die Suche nach Gründen, weshalb vielfach immer noch "Unterschiede zwischen Generationen" behauptet werden: "Wir haben also gesehen, dass vermeintliche Unterschiede zwischen Generationen sich in Wirklichkeit durch Periodeneffekte erklären lassen. Wir alle denken heute anders als früher. Doch fälschlicherweise schreiben wir diese gesamtgesellschaftlichen Unterschiede den unterschiedlichen Generationen zu, statt dem unterschiedlichen Zeitgeist, welcher mit dem Befragungszeitpunkt einhergeht und uns somit alle gleichzeitig erfasst. Doch warum glauben wir trotzdem an Generationen? In der Literatur, die sich ernsthaft damit beschäftigt, habe ich vier Gründe gefunden, warum wir an Generationen glauben, obwohl es kaum Sinn macht.
Schröder verweist erstens auf "reale Unterschiede": Es seien nach Kontrolle von Periodeneffekten durchaus schwache Generatioenunterschiede erkennbar; so sei "Erfolg im Beruf" mit jeder Geburtenkohorte seit 1955 unwichtiger geworden. Die Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation sei mit jeder seit 1990 geborenen Kohorte gesunken. Und Umweltschutz sei den zuletzt geborenen Kohorten "minimal wichtiger" geworden. Auch sei das politische Interesse bei der "Generation Z" minimal höher. Eine Fehlerquelle -- neben dem klaren Blick auf Periodeneffekte -- ist aber auch, daß fälschlicherweise die Aktivität(en) weniger einer sog. Generation auf die Gesamtpopulation übertragen werde, wobei man zutreffenderweise allenfalls von Milieus sprechen dürfe. Klar ist jedenfalls: der Einfluß des Geburtsjahres auf Einstellungen ist "sehr, sehr klein".
Zweitens nennt Schröder als Grund für das Festhalten an Generationenzuschreibungen das Verwechseln von Generationen- mit Alters- und Periodeneffekten. So sei zwar der Eindruck, daß "junge Menschen heute weniger arbeiten wollen" nicht falsch, aber das habe nichts mit Generationen zu tun, sondern liege daran, "dass a) junge Menschen schon immer weniger arbeiten wollten als mittelalte und b) dass alle Menschen (gleich welchen Alters und Geburtsjahres) Erwerbsarbeit heute für weniger wichtiger halten als früher." Hier werde "also Alters- und Perioden- mit Generationeneneffekten verwechselt, man sehe deswegen Generation, wo keine sind. Schröder betont, daß es bei der Differenzierung von Perioden- statt Generationeneffekte nicht um einen rein semantischen Unterschied gehe, sondern daraus ergeben sich reale Folgen. Wer z.B. "eine niedrigere Arbeitsmotivation mit Generationenzugehörigkeit erkläre, muss davon ausgehen, dass eine bestinmmte Generation und nur diese Generation weniger motiviert ist zu arbeiten. Wer dagegen den Periodeneffekt als Grund feststellt, der bezieht ein Gesamt (hier z.B. die Belegschaft) in seine Betrachtung ein, was zur Behebung von Problemlagen eben unterschiedliche Vorgehensweisen erfordert (hier beispielsweise "Generationencoaching versus Auseinandersetzung mit der Arbeitsmotivation aller).
Als einen dritten Punkt hebt Schröder "Generationen als neuer -ismus" hervor. Er sieht beim "Generationismus" einen ähnlichen Zweck wie in anderen Bereichen (Sexismus, Rassismus, etc.): "Unser Gehirn liebt es, Menschen in Gruppen einzuteilen. Denn dann können wir unsere eigene Gruppe aufwerten, indem wir andere Gruppen abwerten, was sich gut anfühlt." Diese Verfahrensweise sei aber "nicht nur unmoralisch, sondern auch illegal". Menschen sind als Individuum wahrzunehmen und nicht illegitimerweise aufgrund gewisser Gruppenmerkmale. Es sei übrigens auch Diskriminierung, wenn jemand aufgrund des angeborenen Merkmals Geburtsjahr bewertet werde. Kategorisieren, Stereotypisieren und Diskriminieren sind offensichtlich negativ für sachliche Auseinandersetzungen. (Er verweise in diesem Zusammenhang auf "spöttische Aussagen" wie "Ok Boomer" und "Generation Snowflake"). Fakt sei: Diskriminierung wird nicht besser dadurch, das man das entsprechende Diskrimierungsmerkmal ändert.
Interessant und besonders beachtenswert finde ich den von Schröder genannten vierten Grund: "Generationen als Geschäftsmodell". Auch hier spricht Schröder Klartext: Es sei "immer noch davon aus(zu)gehen, dass Menschen mit dieser Behauptung ("Generationen", d.V.) Geld verdienen". Dies ist ja kein neues Phänomen, daß Kreise häufig Gewinn- bzw. Legitimationsinteressen (da eher dann: Ideologie kaschiert ...) leugnen, zumindest nicht freiwillig offenlegen, um ihre ureigenen Ziele zu verfolgen. Prof. Dr. Schröder: "Diese selbsternannten Jugendforscher und Generationenversteher müssen ihnen zuwiderlaufende wissenschaftliche Evidenz ignorieren. Denn ihr Einkommen hängt davon ab, trotz besseren Wissens weiterhin generationssensible Coachings, Bücher und Key Note Speeches zu verkaufen, die – wenn man den Daten glaubt – eigentlich keinen Sinn machen." Und diesbezüglich wird Schröder ganz besonders deutlich: "Googlen Sie es gerne einmal. Sie werden einen verblüffenden Zusammenhang feststellen: Alle, die steif und fest behaupten, dass es Generationen gibt, verdienen mit dieser Unterstellung Geld, indem Sie sich auf ihren Webseiten als Generationenexperten empfehlen, die man als Coach oder Speaker einladen kann. Alle, die dahingegen immer wieder zeigen, dass es keinen Sinn macht, Generationen zu unterscheiden, profitieren finanziell nicht von dieser Aussage. Wenn Sie eine Ausnahme finden, schicken Sie mir gerne eine Email. Ich habe noch keine gefunden."
(Quelle: Martin Schröder | 17. Juli 2023 | Blog, Warum es keine Generationen gibt; entnommen 18.11.2024 https://www.martin-schroeder.de/2023/07/17/warum-es-keine-generationen-gibt/)
Ergänzende Informationen zum o.g. Inhalt:
Prof. Dr. Martin Schröder; Martin Schröder ist Professor für Soziologie und forscht zu den Themen soziale Ungleichheit, Sozialstaat, Kapitalismusvarianten, Wirtschaftssoziologie, Moral und Lebenszufriedenheit. Er promovierte am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln und studierte in Osnabrück, der Sciences Po Paris und der Harvard University. Sein erstes populärwissenschaftliches Buch zeigt, warum wir nie das Gefühl haben, dass unser Leben besser wird, obwohl sich objektiv gesehen fast alles in der Welt und in Deutschland verbessert. Sein zweites Buch für die Öffentlichkeit zeigt, unter welchen Umständen Menschen mit ihrem Leben zufrieden sind.
Weiterer Hinweis von Prof. Schröder: "Und im Sinne von Open Science und Replizierbarkeit: Vielleicht zweifeln Sie daran, wie ich zu meinen Ergebnissen komme oder Sie möchten diese selbst berechnen. Hier ist der Code, den ich genutzt habe, um zu meinen Ergebnissen zu kommen: Stata code for replication – data preparation and calculation. Wenn Sie diesen in ein Stata do file kopieren und mit dem SOEP v38 durchlaufen lassen, müssten Sie zu genau denselben Ergebnissen kommen wie ich. Wenn Sie den Code nutzen, bitte ich nur darum anzumerken, dass der Code von mir stammt.)
Aus meinen bisherigen Ausführungen dürfte klar geworden sein, daß ich diese Klassifizierung von Generationen für zumindest keinen zielführenden Versuch als Erklärungsmodell von generell zuordenbaren Verhaltensweisen, schon gar nicht von generalisierbaren "typischen" halte. In der Folge nun eine kurze Darstellung jener "Generationen":
Da ist vielfach von der Generation der "Traditionalisten"*) die Rede. Sie weisen angeblich vor allem diese Merkmale auf: geboren zwischen 1922 und 1949 und sind -- so die entsprechende Definition -- geprägt durch eine Jugend mit Entbehrungen, Krieg und Wiederaufbau; typisch seien für sie klare Verhaltensregeln, Respekt vor Autorität, Fleiß und die Arbeitseinstellung "Arbeit ist das Leben." Sie werden als "Kinder der Großen Depression und des Zweiten Weltkriegs" gesehen. (Hier einmal mehr auch der Fehler, einschneidende Ereignisse auf Weltweitdimensionen zu übertragen!)
*) Man nennt die "Traditionalisten" oft auch die Silent Generation (= Stille Generation), vor allem deshalb, weil man sich mit dem Etikett "Still / Silent" auf deren angeblich bürgerlichen und konformistischen Instinkte bezieht, jene schwiegen / schweigen deshalb, weil es (in jener Zeitspanne) "gefährlich war, die Wahrheit zu sagen", man also vorzugsweise schwieg und sich völlig anpasste, den Gegebenheiten völlig unterordnete. Diese Einschätzung / Typisierung der Traditionalisten geschieht in einer Art Kontrastdenke durch die Betonung zu den lauten Lebensweisen der Anti-Establishment-Boomer. (Welch ideologisch überfrachtete Beschreibung der Boomers, welche dann hinsichtlich qualitativer geistiger Qualitäten etc. völlig überschätzt und entsprechend falsch dargestellt werden. Oft wird hier Massenhysterie mit tatsächicher Effektivität hinsichtlich Verbesserung kommunikativer Fähigkeiten sowie gesellschaftverändernden Aktionen verwechselt! Multa ist eben nicht mit multum gleichzusetzen, Quantität belegt meist alles andere als Qualität !) Natürlich ist es Fakt, daß Menschen, die durch Krieg viel oder gar alles verloren haben, eine andere Einstellung und Haltung zur Lebensgestaltung (allein schon zwangsläufig!) entwickeln müssen als jene, die im Überfluß leben und denen man obendrein heliokopterelternhaft ihre (materiellen) Probleme gegen Null tendierend beseitigt. Auch sollte die Diskrepanz zwischen (aufgezwungen durch Fakten) Realitätssinn und Wunschdenken-Manie stets im Auge behalten werden, wenn man sich schon in derartige "Generationen-Gedanken-Spiele" einläßt. Nachdenklich sollte diese weitverbreitete Definition stimmen, nachdenklich insofern, als sie umfassend und gründlich zu diskutieren sind und man durchaus zeigen kann, daß zu anderen Zeiten durchaus ähnliche Probleme für sog. "andere Generationen" gelten, vor allem wenn man diese Sachverhalte "weltweit" betrachtet (also mit ihren Aus- und Rückwirkungen auf das Leben anderer, sog. entwickelteren Länder): "Die stille Generation (1928 bis 1945) ist eine Gruppe von Menschen, die vor allem durch den Zweiten Weltkrieg geprägt wurde. Diese Zeit war mit vielen Ängsten, Unsicherheiten und großen Entbehrungen verbunden. Zahlreiche Menschen hatten durch den Krieg alles verloren – ihr Zuhause, Familienmitglieder, ihre Arbeit. (...) Menschen, die in diesen Jahren zur Welt gekommen sind, lernten, mit wenig auszukommen und das Beste aus dem Möglichen zu machen. Sie gelten als bescheiden und duldsame „Traditionalisten“, denen Hierarchien und Bräuche wichtig sind. Eine „stille Generation“ ist sie vor allem deshalb, weil es in den Kriegsjahren gefährlich war, Gedanken offen zu äußern. Sie ist aber auch als aktive, anpackende Generation bekannt, die harte Arbeit nicht scheut."
Es ist schlicht Unsinn, zu behaupten, daß in jener Generation das Schweigen typisch war! Zumindest taugt es nicht zu sachlicher Abgrenzung zu anderen Generationen, in denen offenkundig ebenso Mechanismen wirksam werden / sind, die vielen Leuten "Schweigen" nahelegen, um keine Nachteile zu erleiden. Man kann nämlich auch Schweigen übertünchen durch lautes, massenhaftes, Aufmerksamkeit forderndes Deklamieren von Phrasen und durch Scheinaktiviäten, die letzlich im Kontext von Massenpsychologie erklärbar sind, als das, was sie tatsächlich kennzeichnet: Viel Lärmen um Nichts, weil man sich dem vorgegeben behaupteten Gegenstand mit der eigenen Person und mit eigenem Risiko faktisch überhaupt nicht entgegenstellt, sondern ihn nur lauthals und happeninghaft inszeniert. Notwendige Veränderung bewirken derartige "Mutmärsche" und "Gesichtzeigen-Aktionen" in fast allen Fällen nicht; da kann man schon eher feststellen, daß die angeblich "schweigende Generation" durch ihre Aufbauarbeiten mehr geleistet hat als so viele sich als modern verstehende Krakeeler. Vielleicht ließ die Aufbaunotwendigkeit auch weniger Zeit übrig, um sich noch groß inszenieren zu können oder es auch nur zu wollen ...
Ihnen (den Traditionalisten / "Schweigern") folgen die sogenannten Babyboomers: geboren zwischen 1950 und 1964, in der Jugend sind sie geprägt durch das Wirtschaftswunder, den Kalten Krieg, die 68er Bewegung sowie durch die (eine?) Friedensbewegung. Typisch seien für diese Population: hohe Karriereziele, Anpassungsfähigkeit, Tatkraft und eine "liberalere Einstellung zur Arbeit": Leben um zu arbeiten.
Nun werden in der Folge die Generationen mit X, Y, Z, Alpha, Beta benannt. Einfach gesagt: Generation X sind die zwischen 1966 bis 1980 Geborenen, Generation Y (= zwischen 1981 und 1995 geboren), Generation Z (= ab 1995 bis 2009), Generation Alpha (geboren ab 2010 bis heute) und dann dem griechischen Alphabet folgend die Generation Beta (ab 2025) Bei dieser Reihenfolge wird der in der Wissenschaft vielfach üblichen Praxis, am Ende des lateinischen Alphabets mit dem griechischen weiterzumachen, gefolgt. Angeblich gehen all diese Bezeichnungen letztlich auf den Kanadier Douglas Coupland zurück: er hat mit seinem Buch "Generation X - tales for an accelerated culture" den Begriff Generation X zunächst in Nordamerika populär gemacht.
Blicken wir nun also noch auf die den Babyboomers folgenden Generationen (es sei für mich festgestellt: ohne Anerkennung deren Sinnhaftigkeit und Aussagekraft ...):
Generation X (1965 - 1979), geprägt in der Jugend durch Wohlstand, Computer, Tschernobyl, Anti-Babypille, steigende Scheidungsrate; besonders typisch seien Individualismus, Sinnsuche, Null-Bock-Stimmung, Work-Life-Balance mit der Arbeitseinstellung, man arbeitet um zu leben, nicht umgekehrt.
Generation Y (1980 - 1994), angebliche typische Merkmale sind Wohlstand, E-Mail, Handy, Elternspruch "mach, was dich glücklich macht", Freiheitorientierung - also die Freiheit liebend, Ende der Wehrpflicht, Egoismus - erst Selbstverwirklichung, dann ggf. Familienplanung, Leben für den Moment (keine / kaum Gedanken an spätere Rente), und was die Arbeit angeht, gelte "erst das Leben, dann die Arbeit".
Generation Z (1995 - 2009), eine "Generation" die in der Jugend angeblich durch Angst vor Wohlstandsverlust, Smartphones, Social Media, Eltern als "best friends", Dauerkrisen (in Wirtschaft, Politik, Umwelt, etc.) sowie zunehmenden Terrorismus / Terror geprägt worden sein. Typisch sei für sie Dating über Apps und Social Media, die Sucht nach Feedback und Anerkennung, Angst vor der Zukunft, Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen, "Konzentration wie bei der Radarüberwachung" (was das dann auch immer sein soll ..., d.V.), die Top Prioriät hätten "Zusammenhalt in der Familie", Vertrauen über Bewertungen und "Likes" und sie wiesen Schwierigkeiten in der persönlichen Kommunikation auf. Die Einstellung zur Arbeit sei durch eine Dichotomie gekennzeichnet: hier ist die Arbeit, da mein Leben.
Das führe nun zur Generation Alpha (2010 - 2024): prägend seien in der Kindheit Smartphone und Tablet schon als Baby, Alexa, Google und Siri als "best friends", Zähneputzen mit Hackiback; typisch seien Social Media Star schon im Kindesalter (Muttis WhatsApp Kanal, You Tube, Instagram u.a.). Hier schreibt einer der Generationen-Idee-Verfechter dann: "Ich bin gespannt, wie die intensive Nutzung smarter Geräte diese Generation verändert."
Fortgeführt werde diese Liste dann mit der Generation Beta (die ab 2025 Geborenen -- während meines Schreibens also: in zwei Monaten geht's damit los ...) und da wird ausgeführt, deren Prägung wird durch die "Generationen Z & Alpha sein" und man "könne(n) gespannt sein.
Ich bin da eher "gespannt" und voller Hoffnung, daß (und wann endlich!) diese geistige Akrobatik mit den zumindest so dargestellten und definierten Generationen ein baldiges Ende findet und man wieder auf der Basis wirklicher wissenschaftlich -- und selbst auch "nur" plausibel erklärbaren -- Modellen (sofern sie überhaupt möglich sind!) sich dem Kontinuum einer menschlichen Gesellschaft (natürlich auch unter dem Gesichtspunkt vielfältiger Sozialisations- und Enkulturationserscheinungen in unterschiedlichen Gesellschaften!) so zuwendet, wie es sachlich geboten ist.
So schreibt u.a. Simon Schnetzer, der sich als "Jugendforscher, Speaker, Futurist" vorstellt (Quelle: ) auch selbst, daß die Abgrenzung zwischen den Generationen XYZ nicht trennscharf sei und seine "Generationenübersicht" greife "daher verschiedene anerkannte Abgrenzungen der wissenschaftlichen Literatur auf.
(Quellen u.a.: Wikipedia , Laura Beigel, rnd vom 02.03.24: "Typisch Boomer? Typisch Millennials? So ticken die verschiedenen Generationen – oder etwa nicht?"; Simon Schnetzer, Generation XYZ - Übersicht, simon-schnetzer.com/generation-xyz/ entnommen am 20.22.2024)
Simon Schnetzer hat sich u.a. auch zur Kritik Martin Schröders am Generationenlabel XYZ geäußert und zieht da folgendes Fazit: "Ein vehementer Kritiker der Generationenlabel XYZ ist beispielsweise Prof. Dr. Martin Schröder. Aufgrund seiner umfassenden Datenanalysen hat er herausgefunden, dass die Werte und Einstellungen einer (vermeintlichen) Generation Z oder Y nicht anders sind als die Werte und Einstellungen der Babyboomer. Aus meiner Sicht das wichtigste Fazit dieser Forschung: Man ist schlecht damit beraten, sich an vermeintlichen Eigenschaften einer Generation zu orientieren. Besser ist es, die Zielgruppe direkt zu beteiligen, um herauszufinden, was den Menschen auf die es ankommt wirklich wichtig ist. Die Unterscheidung nach Generationen finde ich sinnvoll, um gesellschaftliche Veränderungen zu beobachten, zu thematisieren und Zukunft gemeinsam mit jüngeren und älteren Menschen zu gestalten." (Schnetzer, ebd.) Damit kann ich ihm großenteils zustimmen, allerdings erschließt sich mir nicht, wie man eine Typisierung nach sog. Generationen, die ja nachweislich so nicht möglich ist, vornehmen will und darauf fußend gesellschaftliche Veränderungen festmachen möchte. Ich denke, auch wird es, will man das sachlich bewerkstelligen, eher den Weg über Zielgruppen und Milieus gehen müssen.
Schauen wir nochmals etwas genauer hin ... ("Generationen" und ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede).
(QUELLEN u.a.: Simon Schnetzer | Jugendforscher, Speaker, Futurist)
So stellt Schnetzer fest: "Die Abgrenzung zwischen den Generationen XYZ ist nicht trennscharf. Die Grafik “Generationenübersicht” greift daher verschiedene anerkannte Abgrenzungen der wissenschaftlichen Literatur auf." Des weiteren benennt Schnetzer "zwei zentrale Gemeinsamkeiten der verschiedenen Generationen in Deutschland". So zählen nach seiner Erkenntnis die Werte "Gesundheit, Familie und Freundschaft (...) für die Generatione X,Y und Z zu den fünf wichtigsten Werten." Was "Bedürfnisse" angeht, seien die Grundbedürfnisse von Menschen ungeachtet der Generation dieselben: Bindung, Sicherheit, Selbstwerterhöhung und Lustgewinn. Allerdings verlagern sich die Schwerpunke je nach Lebensphase. (Schnetzer, ebd.)
Hinsichtlich Veränderungen zwischen den Generationen, nennt Schnetzer seine Beobachtungen: vier Bereiche, nämlich Kommunikation, Verbindlichkeit, Respekt und Ökologie.
Für die "Generation Beta" (geboren ab 2025) stellt Simon Schnetzer lapidar fest: "Prägend in der Kindheit: Kinder der Generationen Z & Alpha sein, wir können gespannt sein." (Schnetzer, ebd.) Was will man da auch mehr sagen, mit Fortschreibungen läßt sich hier allenfalls nur wenig operieren, weitere Aussagen dürften eher ein Blick in die Glaskugel sein ... Wer weiß schon, vor allem vor dem Hintergrund anstehender (zu vermutender) enormer Veränderungen, wie sich diese "Generation" einmal entwickeln wird, entwickeln kann ...
Schauen wir auf einige ausgewählte Bereiche. Hier zeigt sich, daß hinsichtlich Kommunikation erhebliche Veränderungen gegenüber früher stattgefunden haben und wohl auch weiterhin stattfinden (Stichwort KI u.a.): E-Mail, Smartphones und Social Media haben das "Tempo" beim Kommunikationsaustausch enorm verändert; dies führt natürlich -- wenn man mit diesen Errungenschaften (mag man sie positiv oder negativ gewichten) sozialisiert, sprich: aufgewachsen, ist, dazu, daß eine andere Erwartungshaltung entsteht / entstanden ist: man möchte ebenso schnell die Antwort erhalten. Das betrifft besonders die "Generation Z". Schnetzer nennt diese Kommunikationsorientierung, diese einschlägige Erwartungshaltung, "Instant Feedback" und rät, man solle dieser "jungen Generation" eben "zeitnah und konstruktiv (ein) Feedback geben". Andererseits bedeutet dies -- ich nenne es mal Unterordnung unter durchaus auch kritikwürdige Zustände -- ein Verstärken dieses Trends, damit eingehend eine Verkürzung von Inhalten, mit der höchstwahrscheinlichen Folge sprachlicher und inhaltlicher Verarmung. Inwieweit dies qualitativ durch dieses Defizit ausgleichende Maßnahmen kompensiert werden kann, bleibt bislang unbeantwortet. Man sollte die Unterwerfung unter diesen Zeitgeist nicht so ganz bedingungslos und kampflos betreiben. Etwas überzeichnet kann hier auch die Frage gestellt werden, ob man in einer Entwicklung lieber Amboß und nicht der Hammer sein möchte ... Ich plädiere für eine differenzierte Umgangsweise mit derartigen "Errungenschaften" und für einen Fortbestand inhaltlicherer und spachlich wertvollerer Kommunikation.
Weiter wird gefragt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, daß junge Leute ihre Verabredung einhalten. Hier nennt Schnetzer den Punkt "Verbindlichkeit". Schnetzer: "Die Generation Z hat gefühlt unendlich viele Möglichkeiten bei egal was sie tut. Eine der größten Schwierigkeiten ist, Entscheidungen zu treffen. Sie halten sich daher möglichst viele interessante Optionen offen, um sich dann spontan für das Beste entscheiden zu können. Zudem sehen sie digital getroffene Vereinbarungen nicht so verbindlich." Und er nennt als "Tipp", man solle bei Leuten der Generation Z "proaktiv und mit Nachdruck für Entscheidungen" werben. Aus meiner Sicht fehlen fundierte Fakten, die so eine Generalisierung hinsichtlich dieser Generation zulassen würden. Die jetzt Lebenden sind natürlich auf der Suche nach Antworten auf von ihnen gefühlte oder erlebte Problemstellungen. Daß sie diese Aufgabe, den von ihnen gesehenen Herausforderungen entsprechend, etwas anders angehen können (und auch müssen), wenn mannigfaltigere Lösungsmöglichkeiten (wie sie ggf. früher nicht gegeben waren), dies dann noch in komplexeren Zusammenhängen, gegeben sind, dürfte einleuchtend sein. Daß dies eine bisweilen andere Zeitdimension -- aber auch mit Blick auf Realisierung: bisweilen andere Umsetzungsstrategien (z.B. Umweltschutzbewegung machen das deutlich) mit entsprechendem Aufwand -- offenbart, zeugt nicht primär von "Sich-Offenhalten", sondern ist eher notwendiger sorgfältiger Abwägungsprozesse geschuldet. Ich denke, daß proaktive Werbung und Nachdruck auf Entscheidungen hier bisweilen eher als lästiger Druck und dominante Einflußnahme empfunden werden (als "belehrend"), somit kontraproduktiv auf Entscheidungsfindung wirken. Und ich denke, daß gerade Menschen, die mit Digitalisierung aufwachsen, mit ihrer ständig konfrontiert sind, mit ihr arbeiten, sehr wohl dadurch getroffene Vereinbarungen als verbindlich ansehen. Der Charakter von Unverbindlichkeit entsteht eher dadurch, daß Kommunikation als einseitig und belehrend empfunden wird und man sich -- aus subjektivem Empfinden -- dagegen entsprechend der Möglichkeiten verwahrt.
Was einen weiteren Faktor, nämlich den häufig genannten und oft dessen Fehlen bedauernden Respekt, angeht, läßt sich unschwer feststellen, daß diesbezüglich eine -- zugegeben eher negative -- Veränderung aufzeigbar ist. Wenn Respekt gegenüber Personen fehlt, dann kann dies einerseits daran liegen, daß Personen nicht mehr als Personen (im philosophischen Verständnis) erkennbar sind, daß sie keine oder schlechte Vorbildwirkung zeigen, daß man sie nicht "ernst" nehmen kann (oder will -- dann kann dies auch eine Form der Aufsässigkeit sein!); natürlich spielen, wenn es um die Vorbildswirkung geht, Schnelllebigkeit, rasante Entwicklung, die große Dynamik (auch im Wissenszuwachs) eine große Rolle. Früher war "Wissen", war "Erfahrung", gewiß von längerer Konstanz, von mehr oder weniger großer Nachhaltigkeit, also von quantifizierbarer Dauer und damit wurden auch "Personen", "Vorbilder", "Respektsubjekte" konstituiert. Heutzutage ist auf vielen Gebieten zum Beispiel Erfahrung, also deren "Wert", deren "Brauchbarkeit", nur mehr von sehr relativer Qualität. Sich schnell ändernde Technologien, zunehmendes bzw. im Sinne von jeweils nur vorläufiger Gültigkeit für (jedes Wissen sollte nur Bestand haben, solange es nicht faktisch widerlegt bzw. modifiziert wird -- Stichwort: Prozeß der ) die Dauer bestehender Widerspruchsfreiheit, Wertsetzungen u.a.m. führen auch dazu, daß sich die Bezugspunkte von Respekt verändern, relativieren, also nur "Gültigkeit in der Zeit" haben. So gesehen wird dann "altes Wissen" relativiert, allein schon dadurch, daß es schnell über Digitalisierung überprüfbar und differenzierter in kurzer Zeit abrufbar ist. So gesehen dürfte der Respekt vor Dingen und Sachen wie auch Errungenschaften (sofern diese dann auch "Respekt" verdienen!) schon einen anderen Stellenwert, eine andere Gewichtung, als früher haben.
Anders jedoch sollte und müßte es mit dem Respekt vor Personen als Person sein! Hier muß gelten: ich achte die Person als Menschen, in ihrem So-Sein (so es denn moralisch und ethisch sich zeigt und auswirkt), in ihrer Lebensleistung, als Partner im konstruktiven (mitmenschlichen) Dialog. Dieser Respekt zeigt sich übrigens auch in der Sprache ganz besonders. So manche Unsitte, die offensichlich als "modern" Verbreitung findet (z.B. die Faulheit, einen Dank entsprechend würdigend auszudrücken, Floskelhafte Ein-Wort-Sätze: hier fällt mir immer wieder auf, daß vor allem in den Medien ein Gesprächspartner auf den Dank für das Gespräch mit einem m.E. blödsinnigen, unhöflichen "Gerne!" antwortet, andere lösen das besser, z.B. mit "Ich danke für die Einladung." oder "Danke, daß ich meine Ansichten hier vorbringen konnte." etc. -- Was mir persönlich besonders auffällt: daß jene, die sich hier mit einer merkwürdigen Flapsigkeit hervortun, meist auch inhaltlich nur "Dünnes"beizutragen wußten ... Frage: Ist es denn der Gesprächspartner nicht mehr wert, mit einem aufmunternden Satz erfreut zu werden? Verarmung im Stil! Verarmung der Sprache! Verarmung der Kommunikationskultur!)
Hinsichtlich des Erweisens von Respekt plädiert Schnetzer wie folgt: "Respekt basiert heute auf: Kompetenz, Vorbild sein, Augenhöhe." (ebd.) War das denn eigentlich nicht immer so? Verschoben haben sich eher die Faktoren, die heutzutage "Kompetenz" ausmachen. Aber welche Kompetenz denn? Die Kompetenz hinsichtlich Faktenwissen und Umgang mit Erneuerungen. Sicherlich. Aber die Kompetenz hinsichtlich Personalführung, Umgang mit anderen Menschen, Kompetenzen hinsichtlich Emotionalität, Intelligenz, Wahrbehmung, Visualität etc. -- die sollte stets grundlegend gewesen sein, modifiziert allenfalls dann, wenn es durch veränderte Umstände notwendig wurde / wird (Stichwort: Anpasssung im konstruktiven Sinn!). Und das gelte für alle Generationen ...
Leider unübersehbar (allein die vielen Folgen, vor allem Naturkatastrophen machen es besonders deutlich; Stichwort: Klimaveränderung) ist der notwendige, andere Umgang mit Ökologie.Hier setzt die gegenwärtige Generation -- zumindest hinsichtlich Forderungen -- andere, neue, bewußtere Akzente. Klimaschutz und ökologie erfordern dringendes Handeln, will die Menschheit sich nicht ihrer notwendigen Grundlagen berauben. Aber ich sehe momentan noch keinen Grund, hinsichtlich Lösungen und Umsetzungen in Euphorie zu verfallen. Zwar ist die (überwiegend vorerst nur formulierte) Erwartungshaltung an alle -- Eltern, Kinder, Schulen, Kommunen, Arbeitgeber, Wirtschaft u.a.m. -- deutlich geworden, geredet und gefordert wird diesbezüglich viel. Doch möchte ich hier frei mit dem Dichter sagen "die Worte vernehm ich wohl, aber wo sind die Taten". Damit übersehe ich nicht, daß schon sehr wohl etwas für die Umwelt getan wird, aber es ist viel zu wenig, will man den Niedergang aufhalten. Das Lied der "Wachstumsideologie" geistert eben immer noch auf fast allen Bühnen, als wäre das die Antwort auf die Anforderungen, die Natur an uns stellt. Die Rhetorik geistert hier die gesamte Bandbreite von einer "Nach-mir-die Sintflut-Haltung" (i.e. alles mir doch egal, mich betrifft es ohnehin nicht / kaum -- also ein Haltung, der sich junge Menschen wohl kaum anschließen können noch es dürfen!) bis hin zu den Gesundbetern und Worthülsenverbreiter ("alles wird gut". "Umweltschutz!" -- als Vokabel ohne darauf folgende radikale Umsetzung ...) entlang. Wollen wir hier wirklich Erfolg haben, sprich: einer für uns gesunden Umwelt gemäß uns verhalten), dann bedarf es mehr als großer Wörter und gewisser "Teilkosmetik". Vor allem muß materielles Wachstum (und die mit ihm verbundene Ressourcenverschleuderung) durch immaterielles (=qualitatives) Wachstum ersetzt werden. Der Mensch in seiner Verantwortung, Würde und, ja auch: in einer gewissen Bescheidenheit!, muß wachsen! Auch muß man es in den Griff bekommen, daß die Populationen auf der Welt immer mehr zunehmen. Das mag hart klingen. Aber gelingt es nicht schnell, ein bald in jeglicher Hinsicht gesundes Wachstum zu erreichen, wird die Erde, wird die Ökologie, "uns" eines lehren: Der Mensch braucht die Erde, aber die Erde braucht den Menschen nicht! Qualitatives Wachstum muß das quantitative ablösen, und zwar schnell! Ja. wenn hier Schnetzer rät "Sorgen Sie dafür, dass Ihr Beitrag zum Klima- und Umweltschutz spürbar ist", so ist dem sicherlich zuzustimmen. Aber dabei ist eines nicht zu übersehen: das sich extrem negative time-gap (i.e. die Zeit, die uns noch bleibt zum Umsteuern!) sowie der verhaltensorientierte Zwiespalt zwischen Verantwortungshandeln und (der Umwelt gegenüber rücksichtslosen) Gewinnorientierung und .maximierung -- letzteres ist leider immer noch die weitaus treibendere Kraft und die Schere zwischen wirksamem Umwelthandeln und weitere Umweltausbeutung geht weiter auf ...
Mein Beispiel der beiden Extrem-Pole hinsichtlich Veränderungen zum Retten von Natur, Umwelt und Menschheit deutet auch darauf hin, daß es eben je nach Interessenlage unterschiedliche Sichtweisen zwischen den postulierten Generationen geben kann / gibt. Sicherlich darf man hier nicht den Gesichspunkt der Verantwortungsethik außer Acht lassen (i.e.: eigentlich sollten alle an guter Ökologie interessiert sein), aber zahlreiche Bespiele zeigen eben leider auch, daß für viele "Verantwortungsethik" faktisch eher unbedeutsam (wenn nicht gar hinderlich, besonders bei Gewinnmaximierung als Zielsetzung) ist. Auch kann Resignation -- gerade bei älteren Menschen -- einen entsprechenden Einfluß ausüben (e.g. "Was soll ich michmeine letzten Jahre /Jahrzehnte noch da groß rumärgern oder gar engagieren.")
Es sind dann offenkundige gegenläufige Interessen, die zu Generationenkonflikten führen (können). Ob man sich nun auf (die relative Abgeschlossenheit von) "Generationen" einigt (und dies dann sprachlich in weiteren Diskussionen so betreibt) oder sich "nur" auf auffällige "Brüche" in zeitlichen Abfolgen beschränkt: Konflikte entstehen durch die jeweilige Abhängigkeiten zwischen Gruppen, Kohorten, etc. immer wieder; als Beispiel sei hier vor allem die Alterssicherung ("Generationenvertrag / gesetzliche Rentenversicherung") genannt. Früher relativ einfach: viele Beitragszahler leisten in diese Versicherung für relativ wenig Anspruchsberechtigte ("Rentner"). Dieses Verhältnis hat sich leider umgekehrt und droht sich noch weiter zu verschlechtern. Frage: Wieviel und was kann man den Jüngeren diesbezüglich alles zumuten. Weitere Frage: Wann ist die Schwelle zum offenen Konflikt überschritten. Übrigens gehört auch die Diskussion um die "Schuldenbremse" in diesen Kontext: Welche Schulden darf / kann man nachfolgenden "Generationen" überlassen, was ist ihnen da zumutbar, welche Gegenleistungen erhalten die Jüngeren aus Ausgleich (z.B. geleistete Kosten für Innovationen zur weiteren Absicherung des Erwerbs von materiellem -- und psychischem -- Lebensunterhalt; ein Stichwort: die kostenträchtige Energiewende mit behaupteter Aussicht auf spätere hohe Renditen ...) Bestehen in derartigen Fragen (und natürlich: Antworten) erheblich unterschiedliche Vorstellungen, Erwartungshaltungen und Voraussetzungen, dann ist so ein Konflikt immanent. Nicht anders verhält es sich mit dem Blick auf "Klimawandel" bzw. "Klimakatastrophe". Deutlich wird dies nicht nur durch die Aktivitäten von Gruppierungen wie "Fridays for Future", sondern längst auch durch recht deutliche Forschungsergebnisse (u.a. hinsichtlich der gefährlichen Auswirkungen der Erderwärmung) und jenen, die entweder dogmatisch diesen Wandel gänzlich bestreiten bzw. jenen, die ihn aus Gründen von falschem Wachstum und Profitgier ignorieren. Eine weiteres Problem dürften Veränderung innerhalb der Arbeitswelt bereiten: "Junge" sind vielleicht gegenüber den (technischen) Veränderungen flexibler, können entsprechende Arbeitstugenden adäquater umsetzen, wohingegen "Ältere" mit den Umwälzungen hinsichtlich einer gewissen (früheren erfolgreichen) Arbeitstugend sich schwertun.
Kurz: Vieles / einiges von dem, was "früher" wertvoll und notwendig war, ist im Rahmen der Weiterentwicklungen nun relativierter zu sehen (und zu empfinden!); dies führt nicht nur notwendigerweise zu einem neuen Umgang der Führungskräfte, sondern auch zu anderen Ansprüchen an Perspektivenwechsel, Empathie, Kommunikation und Toleranz aller Beteiligten. Von Bedeutung dürfte auch sein, daß eine gewisse Furcht der Älteren "abgehängt" zu werden (zum "alten Eisen" zu gehören) mit einer völlig neuen Perspektive zahlreicher Jüngerer, nämlich dem Betonen einer andere Work-Life-Balance konfligiert; das Ergebnis: Unverständnis auf beiden Seiten. Dieses gilt es zu sehen und positiv aufzulösen. Nicht zuletzt auch wegen des stets beklagten Mangels an Arbeitskräften. man kann nicht länger auf positive (und durchaus mögliche!) Beiträge aller Betroffenen verzichten.
Ob man zu lösende Problemlagen nun unter "Generationen" subsumiert oder anderweitig versucht, auffallende Abgrenzungen zwischen "Interessenlagen" vorzunehmen, Auffallendes hinsichtlich Unterschiedlichkeit zu betonen, ist nicht der entscheidende Faktor; entscheidend ist es, sich um ein möglichst exaktes Wissen diesbezüglich zu bemühen und entprechende Lösungswege zu finden, die zu mehr Zusammenhalt und Verständnis und nicht zu weiteren Diskrepanzen sowie Gegensätzlichkeit führen. Mit Typisierungen sollte man sehr behutsam und zurückhaltend umgehen ...
Diese Ausführungen abschließend möchte ich nochmals auf den o.g. Aspekt des Resignierens, man mag es auch: Ohnmacht nennen, zurückkommen. Es gibt leicht nachweislich und aufzeigbar Menschen, welche angesichts gefühlter oder tatsächlicher Trostlosigkeit geradezu schon apokalyptische Haltungen entwickeln. Mehrmals habe ich in Gesprächen mit älteren, bisweilen aber auch schon mit jüngeren Menschen gehört, daß es aber auch ein Vorteil sei, zunehmend "Schlechtes" zu hören, zu erleben, also den Niedergang in Staat, Gesellschaft und Umwelt zu erfahren, weil einem dann der endgültige Abschied aus dem Leben, bzw. der Gedanke daran, nicht mehr so schrecklich vorkäme. Groß wundere ich mich nicht, höre ich Derartiges oder Ähnliches. So habe ich in einer Notiz von Wilhelm Genazino unlängst gelesen: "Häufig wiederkehrendes Gefühl; mein Leben ist zu Ende, ich lebe jetzt nur noch ein bißchen weiter, um mir Gewißheit zu verschaffen, daß ich meinen Abgang nicht bedauern muß." (Notiz vom 15. November 2004; Quelle: Der Traum des Beobachters, Hanser Verlag München, 2023, S. 311) Es ist also durchaus wohl gefährlich, verantwortungslos und unmoralisch, wenn Politik dazu beiträgt, (sicherlich ungewollt, aber faktisch dann doch!) Zustände entwicklen zu lassen, die mehr oder weniger verbreitete "Ohnmachtsstimmungen" als Folge zeitigen. Die Grenzen von Ohnmacht über Resignation, Hoffnungslosigkeit bis hin zur Verzweiflung dürften recht fließend sein, bei so manchen auch radikale Erscheinungsformen annehmen. Wie hat es seinerzeit Johann Wolfgang von Goethe schon erkannt: "Das Hoffnungslose kündet schnell sich an!" Ich denke, hoffe und erwarte, dieser Ankündigung(en) von Hoffnungslosigkeit versuchen verantwortungsvolle Politik, die entsprechenden Parteien, eine an Verantwortungsethik orientierte Gesellschaft mit ihren jeweiligen Organen positiv entgegenzuwirken. Insofern sind auch diesbezüglich die "Generationen"-entwicklung und "Generationen"-Untersuchungsaktionen in ihrer Gesamtverantwortung für eine Gesellschaft, und zwar mit Blick: auf alle Mitglieder, gefordert.

Problem der pluralistischen Ignoranz ...
Dieses Phänomen haben u.a. Dale T. Miller und Cathy McFarland beschrieben: "Pluralistic Ignorance: When similarity is interpreted as dissimilarity" (Journal of Personality and Social Psychology, 1987, 53. Jg., Nr. 2, S. 298). Man orientiert sich in Situationen an anderen (z.B. weil man unsicher ist), stellt fest / interpetiert auf Grund des Verhaltens anderer (z.B. ratloser / gleichgültiger Gesichtsausdruck), daß keine eigene Handlung geboten ist, daß keine Problemlage vorliegt, daß man selbst also (auch) nicht handeln muß. [Beispiel hierfür: uneindeutige Situation in einem öffentlichen Verkehrsmittel, laute Stimmen, aber man kann nicht unmittelbar erkennen, ob es sich "nur" um einen Streit zwischen einem Paar, einer Gruppe handelt, oder ob gar ein sexueller Übergriff vorliegt. Man blickt auf andere, die durch ihr passives Verhalten (angeblich) "signalisieren" , daß es augenscheinlich keinen Grund zu einem Eingreifen gibt, so bleibt man selbst also auch untätig. Stichwort: Bystander-Effekt!]
Beim vorgenannten Beispiel können wir, übertragend, feststellen: Jemand (oder mehrere) wird bzw. werden in der Öffentlichkeit angegriffen, viele (bzw. die meisten) schauen weg, geben sich indifferent, gleichgültig, zeigen keine Anzeichen von Betroffenheit oder Panik, was dann zu eigener Inaktivität führt (man "legitimiert" die eigene Handlungsunterlassung fälschlicherweise durch den durch andere vermittelten Anschein, es bestehe kein Handlungsbedarf.
Letztlich ist so ein Verhalten des Schweigens, der Inaktivität (dort wo eigentlich Aktivität geboten wäre) auch ein Ausdruck (grundsätzlicher) Fremdbestimmung (also die "eigene" Orientierung ausschaltend). Oft erlebt man, daß oft weniger Leute eingreifen, desto mehr "Zuschauer" (hier: Inaktive) anwesend sind. Dies mag sich u.a. daraus erklären, daß man diese Mehrheit als "Beweis" für die Notwendigkeit eigenen Unterlassens (Nicht-aktiv-Werdens) ansieht.
Einen solchen Stillstand erleben wir heute partiell auch im Verhalten bezüglich Klimaveränderung (vor allem: Ansteigen der Temperaturen mit der Folge von Klimakatastrophen). Hier gibt es -- neben zunehmenden und weitverbreiteten Konsens über diese Bedrohungen -- leider auch viele "Klimaleugner" (es soll an dieser Stelle nicht weiter erörtert werden, ob schon die einschlägigen wissenschaftlichen Erkenntnisse geleugnet bzw. ideologisch geleugnet werden oder ob Personen es sich mit dieser Haltung "bequem" einrichten, um ihre Profitmaximierungsinteressen -- ergo: rücksichtsloses Ausbeuten der Natur / Umwelt -- zu verfolgen: die Auswirkung auf die weitere Entwicklung dürfte dieselbe sein!), die einen sachlichen und in positive Richtung gelenkte Diskussion verunmöglichen. Es zeigt sich das altbekannte Phänomen: Wenn wirksames politisches Handeln für jeden Einzelnen große Anstrengung und spürbare Kosen bedeutet, wartet man (beruhigt?!) darauf, inwieweit andere mitmachen, sich diesbezüglich verhalten, also: aktiv werden. Es kann hier jedoch auch so sein: die meisten sind sich zwar einig in ihrer Ansicht, doch alle glauben -- mangels fehlenden Austauschs, schlechter Kommunkation, Machtgefälle?! -- mit ihrer Meinung "allein" zu sein, resultiert daraus keine bewegende, auf Veränderung wirkende Kraft, sondern Stillstand. Diese Erscheinungsform ist nichts anderes als: pluralistische Ignoranz! Man kann hier leicht ahnen, a) wie wichtig der Konsens unter den Bürgern grundsätzlich ist, und b) inwieweit darin ein Motor für positive Entwicklung oder Stillstandsstrategien liegt ...
Besonders wirksam ist der Effekt dann, wenn Einigkeit innerhalb des unmittelbareren sozialen Umfelds herrscht, denn Menschen kümmert die Meinung ihrer "Lieblingsumgebung" besonders. Diese "Lieblingsumgebung" schafft auch -- im positiven wie im negativen Sinn -- das Phänomen des Handelns / Nichthandelns im Zuge "intersubjektiver Übereinkunft"!
Folge: Menschen muß -- sofern die Fakten es zulassen -- vermittelt werden, daß ihre Haltung von sehr vielen (einer Mehrheit) geteilt wird, damit sie eher aktiv werden (wollen / können). Dies kann auch im politischen Denken, in der politischen Sozialisation, eine starke Wirkung haben, besonders auch mit Blick auf rechts- bzw. linksradikale Entwicklungen.
Eigentlich geht der Begriff auf Daniel Katz und Floyd Allport zurück, wird also bereits seit 1931 (!) in der Wissenschaft gesehen: Pluralistische Ignoranz beschreibt die Situation, in der eine Mehrheit eine Norm insgeheim ablehnt, jedoch fälschlicherweise davon ausgeht, daß die Mehrheit diese Norm akzeptiert. Vice versa gilt dies natürlich auch dann, wenn eine negative Ausgangslage angenommen wird (z.B. faschistisch, sozialistisch vorgegebene "Normen"). Salopp so formulierbar: Jeder (bzw. sehr viele) glaubt / glauben, daß alle anderen daran glauben, während in Wirklichkeit keiner / nur wenige daran glauben.
Ich greife mit Bezug auf Katz und Allport die o.g. Ausführungen nochmals auf: "Wenn sich eine Gruppe von Menschen in einer mehrdeutigen, schwer einschätzbaren Situation befindet und keiner weiß, was zu tun ist, versuchen die Anwesenden aus der Beobachtung der jeweils anderen Hinweise auf mögliches sinnvolles Verhalten zu bekommen. Die Gruppe übt auf ihre einzelnen Mitglieder informativen sozialen Einfluss aus. Wenn die anderen aber ebenfalls ratlos sind, entsteht pluralistische Ignoranz. Diese führt – gemeinsam mit der Verantwortungsdiffusion – in einer Notfallsituation dazu, dass niemand einschreitet oder hilft, da sich jeder Einzelne dem passiven Verhalten der Menge anpasst. Dies kann fatale Folgen haben, wenn sich niemand aus dieser pluralistischen Ignoranz herauslöst und zum Modell wird, dem die anderen Bystander (Zuschauer) folgen können." (Quelle: Wikipedia, Hervorh. d.V.)
Den Bystander-Effekt haben Bibb Latané und John M. Darley ("decision model of bystander intervention") hinsichtlich Hilfeleistung / Unterlassung von Hilfeleistung in Notsituationen besonders hervorgehoben. Der besondere Blick ist dabei auf "Zeugen" gerichtet: "Notsituationen können leicht uneindeutige bzw. schwer zu deutende Situationen sein, die nicht durch die Hinweisreize der Situation selbst eingeordnet werden können. In solchen uneindeutigen Situationen versuchen Menschen, Informationen über ihre Umwelt zu gewinnen, indem sie die Reaktionen ihrer Mitmenschen als Deutungshilfe benutzen." (Quelle: Wikipedia)
Eine ähnliche Fehlentwicklung, das durch ein ähnliches Mißverhältnis innerhalb einer Gruppe ausgelöst wird, beschreibt das Abilene-Paradoxon: eine Gruppe entschließt sich kollektiv zu einer Handlung, der der persönlichen Präferenz jedes einzelnen (oder mehrerer einzelner) Gruppenmitglieds zuwiderläuft. Hier ist eine typische Ursache, das Versagen innerhalb der Gruppenkonversation: ein Gruppenmitglied (bzw. mehrere) glauben irrtümlicherweise, die eigene Einstellung würde der anderer Personen widersprechen und deshalb werden dann keine Einwände vorgebracht. Aus dem luftleeren Raum entsteht natürlich so eine Mißinterpretation mit der erfolgten kommunikativen Unterordnung nicht: es müssen hier entsprechende Vorgaben gegeben sein, gegen die faktisch keine Einwände geleistet werden. Die Intersubjektivität der Schweigenden muß auf eine entsprechende "Phalanx" (in der Auswirkung!) einer Gegenmeinung stoßen, gegen die man tunlichst anschweigt. Wir erkennen hier sehr leicht und schnell die Diskrepanz zwischen Meinungsführer(n) und dem kontraproduktiven (faktischen) Mitläufertum. Inwieweit hier andere Dispositionen eine Rolle spielen (z.B. Ärger vermeiden, nicht auffallen wollen, unkritischer Sachstand, Feigheit, Blind- und Dummheit, etc.) gilt es jeweils im konkreten Fall zu untersuchen. Ich denke, das Abilene-Paradoxon spielt innerhalb von Vereinsmeierei, aber auch im politischen Partei-Geschehen eine nicht unbeachtliche Rolle.
Der eher populärwissenschaftlich bekannte Eckhart von Hirschhausen liefert unter der Überschrift "Was hält uns denn davon ab, nachts aufs Klo zu gehen beziehungsweise die Zukunft unserer Kinder zu retten?" folgende einfache, gleichwohl verständnisleichte Erklärung für pluralistische Ignoranz: "Wir reden hier und da über kleinere Therapie-Maßnahmen: Müssen wir schneller aus dem Verbrenner raus? Müssen wir E-Autos oder Heizungen subventionieren? Darüber kann man sich super streiten und dann entsteht dieses Gefühl, dass keiner so richtig zuständig ist und dass es so ernst schon nicht sein wird, sonst würde ja jemand etwas tun. Das nennt sich in der Psychologie "pluralistische Ignoranz". Das kennt man. Nach einem Unfall etwa fahren viele Leute daran vorbei, weil sie denken: "Irgendwer wird das besser können als ich. Der wird sich drum kümmern." Und wenn keiner hilft, dann ist es nicht so schlimm." Und -- wohl im Glauben und Hoffen, so allgemein besser verstanden zu werden -- erklärt er auf die hinsichtlich Krimakrise gestellte Frage, weshalb es so schwer ist vom Reden ins Handeln zu kommen, mit einer "Metapher, die ich häufiger verwende: Unser Verhalten in der Klimakrise ist ein bisschen so wie nachts Wachwerden mit voller Blase. Du weißt genau, was du jetzt tun musst. Du weißt auch, es wird von allein nicht besser. Aber wir machen die Augen zu, rollen uns hin und her und denken: 'Vielleicht geht das Problem doch irgendwie weg.' Tut es aber nicht." (Quelle: RiffReporter / Umwelt / vom Recherche-Kollektiv Klima & Wandel: Tomma Schröder, 26.11.2024 "Eckart von Hirschhausen über extreme Hitze, Gesundheit und die Angst vor der Klimakrise")
Weiter sagt von Hirschhausen, daß kein Mensch sich seine eigene Außentemperatur kaufen könne. Er halte auch die Menschheit für nicht zu doof, das eigene Aussterben zu verhindern. Man muß die Art der Darstellung, vor allem das Blasen-Beispiel, selbst nicht teilen, aber sie zeigt sicherlich einen weiteren Versuch, Aufklärung für eine große Masse zu betreiben, dies in der Hoffnung so dann endlich verstanden zu werten. (Für mich hinkt das Blasenbeispiel, auch habe ich nicht diese positive Sicht, wenn es heißt, die Menschheit sei nicht zu doof ...) Aber ich muß zugestehen: diese Art medialer Kommunikation scheint wohl diejenige zu sein, mit der die große Masse der Bevölkerung eher erreicht werden kann als mit streng wissenschaflich strukturierten Ausführungen. (lch persönlich wünschte es wäre anders, was zugleich als Medienschelte gelten soll ...)
Gleichwohl trifft Eckhart von Hirschhauen erfreulich den (eigentlich leicht zu verstehenden) Kern der Klimaproblematik, wenn er verdeutlicht: "Wir müssen nicht die Erde oder das Klima retten, sondern uns". Würde diese Einsicht die notwendige Verbreitung und Wirkung finden, trüge dies automatisch zur Rettung von Erde und Klima (also zur Besserung der entsprechenden Verhältnisse) bei. Und man kann wohl nicht widersprechen, wenn es weiter heißt: "Im Alltag sind die Klima-Kommunikatoren oft ziemlich allein. Auch in den Redaktionen sind es die Warner in der Wüste. Und die nerven. Medien müssen sich aber auch klar machen, wie leicht es ist, diese Themen zu diskreditieren. Denn Rechtspopulisten und Klimaleugner sind gut finanziert, gut verdrahtet und gut orchestriert. Die fahren einen extremen Desinformationskurs und versuchen uns immer wieder in Diskussionen zu verstricken, die am Kern der Sache vorbeigehen. Denn der Kern der Sache ist: Gesundheit ist allen Menschen wichtig. Gesunde Menschen gibt es nur auf einer gesunden Erde. Unsere Erde ist alles andere als gesund, aber wir haben jetzt noch die Chance, mitzubestimmen, wie die nächsten Jahrzehnte und auch wie dieses Jahrhundert zu Ende geht." (Quelle: web.de Aktualisiert am 28.11.2024: "Wir müssen nicht die Erde oder das Klima retten, sondern uns" // Ich möchte abschließend noch anmerken: Die Hervorhebungen stammen von mir; daß die Klima-Kommunikatoren im Alltag oft ziemlich allein sind, trifft leider besonders ihrer mangelnden Wirksamkeit zu, auch die Medienkritik hat ihre Berechtigung.)
Dieses Fazit ist gegenwärtig sicherlich -- leider! -- noch gerechtfertigt: die pluralistische Ignoranz herrscht fast auf allen relevanten Ebenen vor.
Die Ukraine wird ihre Forderungen nach immer mehr Waffen wohl (notwendigerweise) erst dann aufgeben (müssen), wenn der Krieg zwischen ihr und Rußland zu einem großen Flächenbrand eskaliert ...
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Dieses schon mal vorab, es wird weiter unten wiederholt und weiter ausgeführt ...
Betrachtet man diese gesamte Entwicklung, fällt einem unter anderem jene Selbstverständlichkeit ein:
"Tatsachen muß man kennen, bevor man sie verdrehen kann.“
(Mark Twain)
Und es wurden so einige Tatsachen von den Akteuren, die zur Unzeit für eine Aufnahme der Ukraine in die NATO und auch in die EU heftigst plädierten, gekannt, so z.B. Amerikas berechtigte Aufregung über russische Raketen auf Cuba. Warum wurden da in Analogie die Besorgnisse Rußlands über Probleme für ihre Schwarzmeerflotte und grenznahe NATO-Erweiterung nicht entsprechend ernst genommen? Daß die USA überhaupt nicht mehr expansionistische Bestrebungen zeigt, somit nur als politisch-lammfromm einzustufen ist, wird wohl niemand behaupten können, der die Begehrlichkeiten der USA unter Trump gegenüber Canada, Island und Mexiko zur Kenntnis genommen hat ... Man muß kein Freund Rußlands sein, wenn man feststellt, daß in Rußland berechtigterweise eine große Skepsis gegenüber amerikanischen Beteuerungen vorherrscht.
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Blicken wir nun mal ein wenig zurück, verbessert hat sich da nichts, eher das Gegenteil ist der Fall ...
Entgegen all den Waffenlieferungsbeführwortern in CDU/CSU, Die Grünen und FDP (da an vorderster Front Agnes Strack-Zimmermann!) lehnen Politiker der Partei Die Linke diese weiterführende Unterstützung ab, dies mit durchaus nachvollziehbaren Gründen, die ich weiter unten zu belegen versuche. So sprach sich die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht am heutigen Dienstag, 24. Januar 2023 erneut gegen weitere Waffenlieferungen aus. Hinter den wiederholten Waffenlieferungen stecke die Strategie der Ukraine, die Nato in den Krieg hinzuziehen, so Wagenknecht. (Quelle: Frankfurter Rundschau vom 24.02.2023: Bona Hyun, Wagenknecht gegen Waffenlieferung: „Ukraine will die Nato in diesen Krieg hineinziehen“)
Auch die Linken-Parteichefin Janine Wissler kritisiert diese Waffenlieferungen: "Das (die Panzerlieferungen, d.V.) ist keine gute Nachricht, weil wir befürchten, dass das wirklich ein ganz gefährlicher Irrweg ist. (... ) Immer mehr und immer schwerere Waffen in dieses Land reinzuliefern, das ist keine Strategie. Wissler fordert stattdessen stärkere diplomatische Bemühungen: Rußland müsse an den Verhandlungstisch gezwungen werden (ich ergänze das mit: die Führung der Ukraine allerdings auch!), außerdem sei es wichtig, "Länder wie China stärker mit ins Boot zu nehmen und dort auch den Druck auf Moskau zu verstärken". (Quelle: zdf.de/nachrichten/politik/leopard-kampfpanzer-reaktionen, vom 25.01.2023) Auch der Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch bestätigte diese Linie der Linken im BR: "Was wir brauchen, ist eine europäisch abgestimmte Friedensinitiative. (...) Wer meint, dass dieser Konflikt auf dem Schlachtfeld entschieden wird, der liegt falsch." Er kritisiert entsprechend die im Rahmen einer internationalen Allianz geplanten / durchgeführten Panzerlieferungen. Auch die Parteikollegin Amira Mohamed Ali lehnt(e) die Lieferung von Kampfpanzern aus deutscher Produktion ab: "Es ist richtig, hier zu sagen: Nein, das machen wir nicht. (...) Bei der Lieferung der Leopard-Panzer geht es eben nicht um Kühlschränke. Es geht um Tötungsmaschinen." Gleichermaßen deutlich die Außenpolitikerin der Fraktion Die Linke, Sevim Dagdelen, die um eine Ausweitung des Krieges besorgt meinte: "Kanzler Scholz darf die Panzerlieferungen an die Ukraine nicht genehmigen, damit Deutschland nicht immer weiter in den Krieg hineingezogen wird, sondern muss endlich diplomatische Initiativen für einen Waffenstillstand und einen Verhandlungsfrieden starten." (Handesblatt, 24.01.2023)
Daß auch noch im Bundestag die AfD die Entscheidung zugunsten der Panzerlieferung als "unverantwortlich und gefährlich" bezeichnete und dabei ihr Fraktionschef Tino Chrupalla die Befürchtung aussprach "Deutschland droht dadurch direkt in den Krieg hineingezogen zu werden.", dürfte jedoch bei den anderen Parteien und in breiten Öffentlichkeit kaum ernsthaft aufgegriffen werden, da ja bekanntermaßen die AfD von anderen politischen "Mitbewerbern" gemieden und ihre Argumente nicht einmal aufgegriffen werden.
Man muß jedoch die AfD nicht gerade mögen, sie vielleicht sogar auf das heftigste verteufeln: Könnte es nicht sein, daß hier einmal mehr als nur ein Körnchen Wahrheit ausgesprochen wurde?! Ich sehe jedenfalls -- und ich bin kein Anhänger der AfD! -- auch diese große Gefahr, in diesen Konflikt hineingezogen zu werden allein schon -- neben der Realität! -- durch die nimmersatten Forderungen seitens der ukrainischen Führung (siehe weiter unten!): das ist eine Spirale, die enorme Gefahren birgt, sofern man diesen nachkommt! Die Kriegsgefahr ist längst sehr real!
Ich denke, es spricht sehr viel gegen weitere Waffenlieferungen, es muß stattdessen viel mehr Druck auf Verhandlungsbereitschaft und Verhandlungslösung ausgeübt werden. Diese Krieg ist von der Ukraine (und dem Westen, der faktisch bereits zur "Kriegspartei" *) geworden ist) ohnehin nicht zu gewinnen!
*) Laut der völkerrechtlichen Definition von "Kriegspartei" wird man das nicht allein schon durch Waffenlieferungen; jedoch dürfte diese juristische Definition für den weiteren Fortgang des Kriegsgeschehens hier unbeachtlich sein, vor allem aus der -- gewiß sehr wesentlichen und für weiteres Handeln bestimmenden -- Sicht und Einschätzung Rußlands / Putins!
Pressemitteilung vom 27.01.2022 externer Link der Kampagne „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“ („Keine Waffenlieferungen in die Ukraine! „Normandieformat“ stärken, statt Öl ins Feuer zu gießen“) und hier im Dossier weitere gesellschaftliche/linke Aufrufe – mittlerweile gegen den Krieg„Kampagne „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“ fordert ein Rüstungsexportkontrollgesetz, das Waffenlieferungen in Krisen- und Kriegsgebiete verbietet: „Dieser Konflikt wird nicht militärisch zu lösen sein“ (…) „Man sollte eigentlich niemandem mehr erklären müssen, dass es Defensiv- oder Verteidigungswaffen nicht gibt, wie sie gefordert werden. Jede Waffe kann immer auch als Unterstützung für einen Angriff genutzt werden. Außerdem stellt sich die Frage: Wann haben mehr Waffen jemals zu Frieden geführt? Allein im Jahr 2021 sind trotz des offiziellen Waffenstillstands und Waffenlieferungen anderer Länder mindestens fünfzig Menschen in dem Konflikt getötet worden...“ (Quelle: LabourNet Germany vom 11. Januar 2023: "Keine Waffenlieferungen in die Ukraine! Friedenspolitik statt Krieg!")
Als jüngst der Brigadegeneral Erich Vad am Sonntags-Stammtisch im BR Fernsehen bei der Panzerlieferung zur Vorsicht gemahnt hatte (er war der langjährige militärische Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel und besitzt sicherlich auch eine hohe militärische Kompetenz und den dazu notwendigen Weitblick), kritisierte er in der hitzigen Debatte vor allem die Regierungsparteien FDP und die Grünen (er hätte da gleichermaßen deutlich allerdings auch die CDU und CSU miteinbeziehen können). [Die Grünen haben sich, auch was Militär und Krieg betrifft, mittlerweile sehr weit von ihren Gründeridealen entfernt!]
Vielleicht bringt es der Kommentar eines Lesers der FR auf den Punkt, wenn er die vorsichtige Zurückhaltung eines Militärs im Vergleich zu den lautstarken Forderungen der fordernden Politiker folgendermaßen pointiert darstellt: "(...) es mutet schon seltsam an, dass man angesichts all der Kriegswilligen in Politik, Medien und Öffentlichkeit ausgerechnet auf die Vernunft hoher Militärs hoffen muss. Darauf, dass diese bei den Entscheidungsträgern ihren Einfluss geltend machen können, eine weitere Eskalation des Krieges zu vermeiden. Früher dachte man, eine "Zivilgesellschaft" müsse kriegslüsterne Generäle davon abhalten, zum Angriff zu blasen, heute ist es umgekehrt. Vielleicht rührt die Vernunft eines Brigadegenerals aus dem Wissen um die grauenhafte Realität von Kriegen, während andere mit ihren Hau-drauf-Parolen sie für eine Art Videospiel zu halten scheinen, bei dem man sich freut, wenn die eigene virtuelle Mannschaft gewinnt." (G. Gerland, FR, ebd.)
Daß Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) die Entscheidung zur Panzerlieferung lobte, entspricht der Logik ihrer bisher stets erhobenen Forderungen: "Die Entscheidung war zäh, sie dauerte viel zu lange, aber sie ist am Ende unausweichlich. Dass Deutschland die Lieferung seines Panzers Leopard 2 durch Partnerländer freigibt und auch selbst liefert, ist eine erlösende Nachricht für das geschundene und tapfere ukrainische Volk." (Quelle: Deutschland liefert Leopard-Panzer an Ukraine, 24.01.2023)
Aber was soll das: "unausweichlich" ... ? Unausweichlich, weil der Druck von politischer Seite und der Ukraine zu stark wurde? Unausweichlich, weil man um den Bruch der Koalition (sofern Scholz hinsichtlich Ablehnung konsequent geblieben wäre) fürchtete? Unausweichlich, weil man primär auf militärische Lösung und nicht einmal mehr halbherzig auf eine Verhandlungslösung setzt?
Nein, "unausweichlich" war und ist da genauso wenig wie es seinerzeit der Rückzug auf "alternativlos" (Angela Merkel) war, wenn es um intensive und offene Erörterung von Lösungsszenarien geht, um einen Weg zu einem tatsächlichen und vor allem dauerhaften Frieden geht. Ein solcher wird nicht durch Aufrechterhaltung aller von den in dem Krieg involvierten Ländern erhobenen Forderungen ("unabdingbare Voraussetzung zu Verhandlungen") zu erreichen sein. Schon gar nicht braucht man sich der Illusion hingeben, Rußland werde diesen Krieg verlieren, seine Macht und seine Größe einbüßen, als Konkurrent im politischen Weltgeschehen bedeutungslos(er) werden -- Rußland ist und wird (auch entgegen so manchem geäußerten Wunsch aus der Ukraine!) Atommacht bleiben! Und so ein Land wird auch in letzter Konsequenz einen Krieg gegen ein auch wie immer hochgerüstetes Land nicht verloren geben, das dürfte so sicher sein wie "das Amen in der Kirche" ...
Ich bezweifle, daß all jene, welche auf die Waffenlieferungsstrategie setzen, sich diese Tatsache in ihrem Denken und Handeln entsprechend bewußt machen. Aus der distanzierten Sesselperspektive (da können auch einige medial sehr wirksam inszenierte Besuche "vor Ort" nichts oder nur extrem wenig korrigieren!) und aus der trügerischen Saturiertheit aus Wunschdenkenideologien kann und wird nichts Gutes erwachsen können!
Wie reagieren nun Selenskyj und die Ukraine darauf, daß nun endlich -- ihrer Ceterum-censeo-Pentetranz gehorchend -- "endlich" auch die Panzer geliefert werden? Gibt man sich damit nun zufrieden? Ist das Ende der "Forderungsfahnenstange" jetzt erreicht? Mitnichten! Es geht weiter in dieser Forderungsspirale! Es ist und bleibt zu wenig, um die ukrainische Spirale der Waffenbegierde zu befriedigen. Ehrlicherweise muß man all diese Forderungen aus ukrainischer Sicht ja verstehen. Auch hat man auf unserer Seite den Fehler begangen (und begeht ihn immer noch weiter), diesen Krieg als einen "Stellvertreterkrieg" zu bezeichnen. Das geschah derart massiv, daß die Ukraine dieses Narrativ natürlich gerne aufgreifen konnte. Der eigentliche Fehler liegt aber woanders, nämlich in der mangelnden Einsicht, daß dieser Krieg gegen die Atommacht Rußland (leider) nicht zu gewinnen ist.
Rußland wird sich unter keinen Umständen einer konventionellen Niederlage beugen, sollte es überhaupt soweit kommen; wer das glaubt, hat eine tölpelhafte Sicht auf die Dinge! Ehe Rußland sich einer (mit konventionellen Waffen unabwendbaren) Niederlage beugt, wird es zum Einsatz von Atomwaffen kommen. Die bisherige skrupellose Vorgehensweise Putins und Rußlands in diesem Krieg sollte da eigentlich keine Zweifel aufkommen lassen ...
Ungezügelte Freude ob der Panzerlieferungen herrscht jedenfalls bei Wolodymyr Selenskyj nicht: er hat sich betont zurückhaltend zu Berichten über die Freigabe aus Berlin zur Lieferung von Leopard-Kampfpanzern an sein Land geäußert. Er sei dankbar, doch gehe es nicht um 15 Panzer, der Bedarf sei viel größer, sagte er am Dienstagabend in seiner täglichen Videoansprache. Sein Außenminister Dmytro Kuleba zeigte schon die weitere Entwicklung in der Forderungsstrategie an: den Wunsch der Ukraine nach modernen Kampfflugzeugen aus westlicher Produktion. Lediglich Selenskyjs Kanzleichef Andrj Jermak soll sich erkennbar gefreut haben. (Quelle: web.de / dpa/thp, vom 25.01.2023) Selenskyj sieht einen "hohen Bedarf an Kampfpanzern"; die monatelange Diskussion um die Lieferung derselben bewertete er am 24.01.2023 in seiner täglichen Videoansprache mit "Viele Bemühungen, Worte, Versprechen" und meinte, es sei wichtiger, die Realität zu sehen: "Es geht nicht um fünf oder zehn oder fünfzehn Panzer. Der Bedarf ist größer." Die Ukraine bemühe sich täglich, den Mangel an schweren Kampfpanzern auszugleichen. "Und ich danke jedem Einzelnen von Ihnen, der uns dabei unterstützt." Es gehe um Entscheidungen, "Entscheidungen, die unsere Verteidigung gegen die (russischen) Terroristen wirklich stärken." Klingt es gar ein wenig zynisch, wenn Selenskyj meinte die "Verbündeten der Ukraine" (deutet das nicht doch die Gefahr, "Kriegspartei" zu werden oder es schon zu sein an?) verfügten über die erforderliche Anzahl von Panzern und darauf abhebend äußert "Wenn wir das nötige Gewicht an Entscheidungen haben, werden wir Ihnen gern für jede einzelne wichtige Entscheidung danken. Daran arbeiten wir noch."? Woran arbeitet denn dieses "wir" da noch? Was wird vorerst hier ausgebremst? Woran wird gearbeitet? Am Dank für "jede einzelne wichtige (sic! d.V.) Entscheidung"? Also noch nicht entsprechendes Wohlverhalten seitens Westen? Oder was soll damit denn sonst gemeint sein? Zumindest läßt diese kryptische Formulierung es auch zu, Erpressung und Undank herauszulesen ...
Wenn da Kanzleichef Andrij Jermak -- für so manche westliche Ohren und Gemüter wohlklingend --- meint: "Wir werden alles haben, alles für die Rückeroberung unserer Gebiete und für die Gegenoffensive", Panzerfahrer werden sich freuen, ebenso wie Artilleristen und später auch Piloten." Bald werde "alles wieder Ukraine" sein, dann sollte dies uns eher hellhörig stimmen. Besonders wenn man die Aussage von Außenminister Dmytro Kuleba zur Kenntnis nimmt: "Jetzt F-16? Ja!, ich übernehme das", schrieb er auf Facebook über ein Gespräch mit einem nicht genannten europäischen Kollegen. Ebenso beunruhigend klingt es da eigentlich für uns, wenn man den ukrainischen Ex-Botschafter in Deutschland, Andrij Melnik (ja, der! man kennt ja seinen Sprachduktus zur Genüge!) vernimmt: "Halleluja! Jesus Christus!", schrieb er auf Twitter, "Und nun, liebe Verbündete, lasst uns eine starke Kampfjet-Koalition für die Ukraine auf die Beine stellen, mit F-16 und F-35, Eurofightern und Tornados, Rafale und Gripen-Jets - und allem, was ihr der Ukraine liefern könnt."
Höchste Zeit offensichtlich, hier schnell und eindeutige Grenzen diesen Gelüsten und Ansinnen aufzuzeigen! Einen deutlichen Unterschied ziehen zwischen "Verbündeten" und "Kriegsverbündeten"!
Die ukrainischen Vertreter können und dürfen natürlich sagen und sich verhalten, wie sie es aus ihrer Warte für ziemlich (bzw. angemessen) halten, zumindest mit etwas Analogie zu Ludwig Wittgenstein mag vielleicht auch zutreffend sein "Die Grenzen meiner Sprachen bedeuten die Grenzen meiner (sic! d.V.) Welt"; allerdings sollten wir daraus auch die notwendigen Schlüsse ziehen, die sich daraus für uns ergebenden Gefahren und Zwänge erkennen und entsprechende Konsequenzen ziehen: allem, was zur Eskalation beiträgt, unterbinden, unterlassen!
Daß die Ukraine sich zumindest expressis verbis immer wieder als "Verteidiger unserer Werte" sieht, ist allen schon deshalb kaum verwunderlich, weil der Westen deren politischen Vertretern diesen Gedanken immer wieder nahegebracht hat, nicht zuletzt um seinen eigenen Einsatz in und für diesen Krieg für sich selbst zu legitimieren. So wird der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nicht müde, bei fast jedem Anlaß (besonders wenn es um Unterstützungsforderungen geht!), zu erkären, daß der Krieg gegen Rußland auch der Krieg von Demokratie gegen Autokratie sei, ein Krieg für die westlichen Werte, ein Krieg gegen Rußlands (laut Selenskyj & Co faktischer) Bedrohung gegen uns, den die Ukraine stellvertretend für die NATO und die EU führe. Vor diesen Hintergründen läßt sich auch das verbalisierte Selbstverständnis des derzeitigen Botschafters der Ukraine in Deutschland, Oleksij Makejew, erklären, wenn er gegenüber dpa sagt, er halte den Krieg in der Ukraine für einen "Stellvertreterkrieg".
Davon abgesehen, daß dies meiner Meinung nach falsch ist, verheißt diese Grundhaltung für unsere Zukunft, nicht nur was weitere Begehrlichkeiten angeht, nichts Gutes!
Natürlich hört man solche Äußerungen vor allem immer dann, wenn zusätzliche Militärhilfe gefordert wird oder das Gedanken-Szenarium für solche vorbereitet werden sollen. Mit der (nun am 25.01.2023) leider realisierten Umsetzung dieses ukrainischen Verlanges (Zusage der Lieferung der Kampfpanzer "Leopard-2" der Bundeswehr und des"Abrams" der US-Streitkräfte) ist ein weiterer Beweis für meine Befürchtungen gegeben. Der Historiker Christian Th. Müller drückt das so aus: "Die ukrainische Seite hat ein verständliches Interesse daran, dass der Krieg im Westen als Stellvertreterkrieg gesehen wird. Davon hängen nicht zuletzt Art und Umfang der weiteren westlichen Unterstützung ab." Das erklärt den Zeitpunkt der Äußerung von Makejew zusätzlich.
Müller macht deutlich, es sei faktisch aber davon abhängig, ob die relevanten Akteure diesen Krieg auch selbst als "Stellvertreterkrieg" sehen und verstehen. (Laut Müller kenne man das aus Zeiten des "Kalten Krieges": die "Supermächte" USA und Sowjetunion hatten Kriege als Stellvertreterkriege deklariert und durch Waffenlieferung und Personalbereitstellung entsprechende Fakten geschaffen.) Gefährlich ist dabei vor allem auch der Umstand, daß es sich bei einem "Stellvertreterkrieg" um eine sogenannte selbsterfüllende Prophezeiung (self-fulfilling prophecy) handelt, mit einem offenen Ende bis schlimmstenfalls hin zu einem Armageddon. Nicht nur laut Christian Th. Müller haben sich mittlerweile viele der Akteure auf diesen -- eventuell faktisch sehr gefährlich wirkenden -- Begriff "Stellvertreterkrieg" verständigt: "Man kann beim Krieg in der Ukraine insofern von einem Stellvertreterkrieg sprechen, als dass er inzwischen von Vertretern beider Seiten als solcher betrachtet wird." Müller weiter: "Von russischer Seite gebe es den Vorwurf, der Westen führe hier einen Stellvertreterkrieg gegen Russland, während der ukrainische Botschafter und die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen darauf verweisen würden, dass die Ukraine stellvertretend für unsere westlichen Werte kämpfe." (vgl.: web.de, ebd.)
Man sollte also auch mit Sprache und ganz besonders mit bestimmten Begrifflichkeiten äußerst sorgfältig umgehen, um weitere Eskalationen zu vermeiden und dadurch jenen, die so manches zur Trennunschärfe verkommen lassen wollen, den Wind aus den Segeln nehmen.
Da erinnere ich mich an eine Äußerung, die Annalena Baerbock im September 2022 getätigt hat als sie sich "grundsätzlich für eine Lieferung von Waffensystemen" an die Ukraine ausgesprochen hat: "Ich bin dafür, dass wir alles liefern, was einen Unterschied macht, die Menschen zu befreien."(www.rnd.de/politik/waffenlieferungen, am 19.09.2022) "Alles liefern, was einen Unterschied macht, die Menschen zu befreien"? Wie weit soll dieses "alles" denn gehen, was ist unter dem "was einen Unterschied macht" zu verstehen? "Alles" jedenfalls verweist auf keine Grenzen! Und "Unterschied"? Unterschied sicherlich im Sinne von Optimierung, und wenn das so verstanden werden soll (anders machte es ja überhaupt keinen Sinn ...), dann bedeutet das, gegenüber jeglichem russischen Waffensystem-Einsatz ein diesem überlegenes zur Verfügung zu stellen. Wo sieht die so leicht daherredende Außenministerin denn da dann die Grenzlinien? Gilt hier dann etwa: es leben die Eskalation ad infinitum? Beruhigend sind solche Äußerungen nicht, vor allem aber auch nicht sinnvoll für ein zielführendes Vorgehen, wobei das Ziel eigentlich nur eines sein kann und darf: eine Friedenslösung und vor allem keine weitere Eskalation dieses Krieges.
Für die Art und Weise, wie zu viele gegenwärtig mit dem Selbstverteidigungskrieg der Ukraine gegen Rußland umgehen, mag vielleicht Winston Churchills Aussage eine Mahnung sein: "Es ist nicht das Ende. Es ist nicht einmal der Anfang vom Ende. Aber es ist, vielleicht, das Ende vom Anfang."
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"Kriegspartei" und die Legaldefinition: Es geht natürlich überhaupt nicht ohne Legaldefinitionen, nicht nur das weltweite Zusammenleben bedarf entsprechender rechtlicher Regelungen und demzufolge Abgrenzungen. Nun ist man nach der UN-Charta als ausschließlicher Waffenlieferant und durch finanzielle Unterstützung noch nicht "Kriegspartei". Um nach jener Definition zu solch einer zu werden, müßte man mit Personal und eigener Waffenbedienung, eigenem Waffeneinsatz im jeweiligen Kriegsgebiet aktiv sein.
"Als Kriegsparteien, auch Konfliktparteien oder Kriegführende, bezeichnet das Völkerrecht Gruppen von Kombattanten, die Teil einer Befehlskette sind. Erstmals definiert wurde der Begriff in der Haager Landkriegsordnung, die dabei Staaten als Regelfall annahm, aber auch Milizen und Freikorps einbezog. Zu dieser Zeit unterschied das Recht nur zwischen Konfliktparteien und einem Neutralitätsgebot unterliegenden Drittstaaten bzw. -gebieten. Mit dem Briand-Kellogg-Pakt von 1928, auch bekannt als Kriegsächtungspakt, wurde das Führen eines Angriffskriegs als Verbrechen gegen den Frieden definiert. Dadurch änderte sich auch die Rechtsstellung der Drittstaaten: gegenüber dem den Pakt verletzenden Aggressor konnten diese nun ihrerseits ablehnen, Neutralität zu wahren. Stattdessen entstand der neue Status der Nichtkriegsführung, bei der der Drittstaat sich zwar nicht aktiv an Kampfhandlungen beteiligt, die angegriffene Partei jedoch durch beispielsweise Finanzhilfen oder Waffenlieferungen unterstützt, um den Rechtsbruch abzuwehren. Dieses zwar parteiische Handeln führt somit nicht zum Status einer Konfliktpartei. Bei der Nichtkriegführung handelt es sich nicht um eine Zwischenstufe zwischen Neutralität und Kriegszustand, sondern um eine die Neutralität ersetzende Rechtsstellung." (wikipedia)
Es ist also völkerrechtlich (weitestgehend) gesichert, daß die militärische Unterstützung einer bestimmten Konfliktpartei -- vor allem wenn sie sich gegen einen Angriffskrieg wehren muß -- in Form von Waffenlieferungen, einer Zurverfügungsstellung von militärischer Ausrüstung o.ä. noch nicht die Grenze zur Konfliktteilnahme überschreitet. Allerdings dürfte die Feststellung (die dann wohl auch zu entsprechenden Reaktionen führen dürfte), wann eine "Grenze überschritten" ist, in der politischen Realität leider nicht aus unserer Sicht allein festzulegen sein ... (Rußland und Putin dürften das sehr wohl für ihre eigenen Zwecke selbst definieren, daran sollte kein Zweifel bestehen.)
Auch dürften jene Grenzen dann bereits auch gemäß der von den meisten Ländern anerkannten Konvention sehr wohl überschritten sein, wenn Personal involviert ist (z.B. Ausbildungspersonal, Wartungspersonal, Transporteure, etc.), wie ich weiter unten zu diesem Gesamtkomplex noch kurz belegen werde.
Es sollte jedoch bei der Bewertung der Forderungen seitens Ukraine auch gesehen werden, daß es sich faktisch offensichtlich um ein Faß ohne Boden handelt: kaum wurde nach langwierigen und von einigen Politikern sicherlich sehr sorgfältigen Überlegungen über Lieferung von Kampf-Panzern dem ukrainischen Wunsch (aus deren Sicht: "endlich") entsprochen und ein bestimmtes Kontingent zugesagt, heißt es von der Führung, man brauche viel mehr davon, zusätzlich wird (Stand 26.01.2023) für alle Sektoren immer mehr gefordert, und das hört sich seitens Selenskyj dann so an:
>>Ich danke allen unseren Verbündeten für ihre Bereitschaft, uns moderne und dringend benötigte Panzer zur Verfügung zu stellen." Er fügte hinzu, nunmehr brauche sein Land vor allem Langstreckenraketen, Kampfflugzeuge und mehr Artillerie. Nunmehr müsse "eine Faust der Panzer" gebildet werden, sagte Selenskyj. "Eine Faust der Freiheit, die nicht zulässt, dass die Tyrannei wieder aufersteht." Der Schlüssel dazu aber liege nunmehr in der Geschwindigkeit der Ausbildung der ukrainischen Panzerbesatzungen und der Lieferung von Panzern in die Ukraine. Auch die Menge der zu liefernden Panzer sei entscheidend. Allerdings seien auch Fortschritte in anderen militärischen Fragen nötig, sagte Selenskyj. Vor allem brauche sein Land nunmehr Langstreckenraketen, Kampfflugzeuge und mehr Artillerie. "Das ist ein Traum, das ist eine Aufgabe", betonte er. "Eine wichtige Aufgabe für uns alle", gab er die Marschrichtung für künftige Verhandlungen über weitere Unterstützung für die Ukraine vor. "Der terroristische Staat (Russland) muss verlieren." << (Quelle: web.de am 26.01.2023: Erst Panzer, jetzt Flugzeuge: Ukraine will mehr Waffen - die Lage im Überblick; Hervorh. d. Fettdruck, d.V.!)
(Zum vielfach gepflegten Sprachduktus so mancher ukrainischen Vertreter weiter unten noch ein paar Anmerkungen!)
Aber wieder zurück zum Begriff "Kriegspartei" und möglichen Abgrenzungen:
"Das Neutralitätsrecht wird durch das allgemeine Gewaltverbot und das System der kollektiven Sicherheit, welches die VN-Charta in Kapitel VII geschaffen hat, gewissermaßen überlagert. An die Stelle der Neutralität trat ein neuer Rechtsstatus der Nichtkriegführung („non-belligerency“)." (Wissenschaftliche Dienste Deutscher Bundestag, "Rechtsfragen der militärischen Unterstützung der Ukraine durch NATO-Staaten zwischen Neutralität und Konfliktteilnahme", WD 2 – 3000 – 019/22, 16. März 2022, S. 4)
Nun wäre es ja schön und beruhigend, würden sich alle Staaten dieser Legaldefinition unterwerfen, sie entsprechend beachten und auch so verhielten. Dem ist jedoch nicht so, wie man auch der Genese dieser Auslegung bis heute (Januar 2023) unschwer entnehmen kann. Rußland und Putin dürften da sehr wohl eine eigene Definition haben und sie für sich auch als entsprechend gültig sehen. Es ist also ein Problem: Wir können uns auf noch so edle Haltungen berufen -- entscheidend ist vor allem auch, wie andere Beteiligte sich hier positionieren, wie sie auf unser Verständnis von und unser Berufen auf "Nichtkriegführung" (Zwischenstufe zwischen einer Neutralität und einem Kriegszustand, s.o.) reagieren.
Sollten Putin & Co für sich festlegen, unsere Waffenlieferungen seien bereits eine kriegerische Einmischung, dann würde das auch für uns eine normative Kraft des Faktischen mit all ihren möglichen Auswirkungen bedeuten.
Wie steht es denn beispielsweise um die sicherlich notwendig werdende Wartung und Reparatur von geliefertem Kriegsmaterial? Die Ukraine wird dies mit ihrem vorhandenen Personal, vor allem vor dem Hintergrund der komplizierten Waffentechnik des von uns gelieferten Materials, kaum leisten können und auf direkte Hilfe angewiesen sein. Wie das dann wohl Rußland bewerten wird? Auch der immer häufiger -- vor allem seitens Ukraine -- verwendete Begriff "Verbündete" ist in diesem Kriegskontext alles andere als trennscharf. Ob da nur der (ukrainische) Wunsch Vater des Gedankens ist oder ob hier bereits eine intersubjektive Übereinkunft der Kriegspartei Ukraine und aller sie unterstützenden Länder diesbezüglich besteht, dürfte aus russischer Sicht ziemlich egal sein: Rußland und Putin werden die Situation so interpretieren, wie sie sie sehen und gewiß dann auch entsprechend handeln. Diese Logik mag uns unverständlich sein (weil sie uns nicht paßt, aber auch weil wir sie auf Grund unserer Sicht- und Defintionsweise nicht nachvollziehen können, oder auch noch aus anderen Gründen und Überlegungen ...), für Rußland dürfte sie genauso handlungs- und entscheidungsleitend sein, wie dessen subjektiv gespürtes und auch so deklariertes Bedrohungsszenario durch die NATO und EU. Wir können tausendmal beteuern, daß eine solche Bedrohung nicht bestehe, solange Rußland das anders empfindet, nicht zuletzt auch durch unsere Ausweitung der Einflußsphäre.
Es ist wirklichkeitsfremd, wenn wir nur unsere Definitionen, Sichtweisen, Beteuerungen generalisieren und als ausschließliche Wirkmechanismen für andere als ebenso gültig annehmen. Wunschdenken ist hier jedenfalls kontraproduktiv und deplaziert! Nein, auch wer unsere Werte tatsächlich verteidigt und wie diese qualitativ beschaffen sind, sollten wir durchaus selbst festlegen (sie natürlich auch immer wieder auf ihre Gültigkeit überprüfen!), uns notfalls auch entsprechend abgrenzen.
Daß leider keine für alle verbindliche Einigkeit hinsichtlich des Status "Nichtkriegspartei" vorherrscht, kann man bereits aus der Entwicklung dieses Gedankens erkennen, wie sie der Bonner Völkerrechtler Stefan Talmon ausgeführt hat:
"Der Begriff der „Nichtkriegführung“ bzw. des „Nicht-Kriegführenden“ war auf der 38. Tagung der Vereinigung für Internationales Recht im September 1934 in Budapest vom schwedischen Völkerrechtler und späteren Richter des Ständigen Internationalen Gerichtshofs Åke Hammarskjöld in Abgrenzung zum klassischen Begriff der Neutralität gewählt worden, um die Rechtsstellung der Vertragsparteien des Kriegsächtungspaktes zu beschreiben, die sich gegen den Aggressor stellen, ohne selbst aktiv an den Kampfhandlungen teilzunehmen. Obwohl die Budapester Interpretationserklärung des Kriegsächtungspakts vor allem in der Völkerrechtswissenschaft nicht unumstritten war, wurde sie in den Folgejahren von mehreren Staaten aufgegriffen. Bereits im April 1935 berief sich der ehemalige US-Außenminister Henry L. Stimson in einer Rede vor der amerikanischen Gesellschaft für Völkerrecht auf die Budapester Interpretationserklärung, als er erklärte, dass ein Verstoß gegen den Kriegsächtungspakt ein Völkerrechtsverstoß gegen alle Vertragsparteien darstelle und diese dazu berechtige, dem Aggressor die klassischen Rechte der Neutralität zu versagen." (Stefan Talmon, „Waffenlieferungen an die Ukraine als Ausdruck eines wertebasierten Völkerrechts“, Verfassungsblog vom 9. März 2022, https://verfassungsblog.de/waffenlieferungen-an-die-ukraine-als-ausdruck-eines- wertebasierten-volkerrechts/.; Hervorhebung durch Unterstrich, d.V.)
Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages macht nochmals überdeutlich,wie man gegenüber einem Aggressor-Staat sich verhalten kann, ohne zur "Kriegspartei" zu werden, von welcher Qualität dabei Waffenlieferungen sein dürfen, weist zugleich aber auch auf die von mir weiter oben angedeutete Gefahren durch Hilfspersonal hin:
"Gilt es also, der Verletzung des Gewaltverbotes (Art. 2 Ziff. 4 VN-Charta) durch einen Aggressor-Staat als Staatengemeinschaft entgegen zu treten, ist heute kein Staat mehr zur „Neutralität“ gegenüber den Konfliktparteien verpflichtet. Jeder Staat kann und darf den angegriffenen Staat unterstützen, ohne dabei selbst Konfliktpartei werden zu müssen; dabei nimmt der unterstützende Staat eine nicht-neutrale, gleichwohl aber am Konflikt unbeteiligte Rolle ein. Diese Rolle (non-belligerency) ist zu unterscheiden von der kollektiven Selbstverteidigung/Nothilfe gem. Art. 51 VN-Charta. Auch hier wird dem angegriffenen Staat militärische Hilfe geleistet – aber als Konfliktpartei. Bei Unterstützungsleistungen auf der Grundlage von non-belligerency bleibt der Umfang von Waffenlieferungen, aber auch die Frage, ob es sich dabei um „offensive“ oder „defensive“Waffen handelt, rechtlich unerheblich. Erst wenn neben der Belieferung mit Waffen auch die Einweisung der Konfliktpartei bzw. Ausbildung an solchen Waffen in Rede stünde, würde man den gesicherten Bereich der Nichtkriegsführung verlassen." (WD, ebd., Hervorh. d. Fettdruck, d.V.)
Haben wir also (teilweise auch aus Übereifer und durch ein Verhalten, was in anderem Kontext häufig als "vorauseilender Gehorsam" bezeichnet wird, nicht doch längst schon den Rubikon überschritten? Ich fürchte: es ist so ... Alle Kraft für Verhandlungsbemühungen (da kann durchaus -- trotz aller Bedenken -- auch wirksam "Zwang" ausgeübt werden, können "Anreize" geboten werden), eine künftige Absage an weitere miliärische Unterstützung an Leute, die in ihrer Kriegsorientiertheit längst jegliches Maß verloren haben, auch für die Belange jenseits ureigener Interessen und teilweise unrealistischen Zielsetzungen.
Übrigens, daß meine These hinsichtlich der unterschiedlichen Sicht dessen, was schon als "Kriegspartei" zu sehen ist, ihre Entsprechung in der Wirklichkeit findet, zeigt die Reaktion des Kreml -- Dmitri Peskow sagte am 26.01.2023, also einen Tag nach Bekanntgabe der erneuten Waffenlieferung, man bewerte die Panzerlieferung als "direkte Beteiligung" an dem "Konflikt": "In Moskau betrachten wir dies als eine direkte Beteiligung am Konflikt."
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Ist das der richtige Ton in der Diplomatie, ist das Ausdruck von Verständnis für unsere Werte? Um es gleich vorwegzunehmen: es ist weder der "richtige Ton", schon gar nicht hat es mit "Respekt" und "Höflichkeit" sowie "Achtung" zu tun; zu unseren Werten (die man angeblich ja verteidigt und für uns in einer Art behaupteten "Stellvertreterkrieg" wahrnimmt) sehe ich da längst keinen erträglichen Bezug mehr. Einmal mehr geht es um den ukrainischen Ex-Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, der -- man kennt ja seine Umgangsformen mit jenen, die nicht harmonisch in seine Gedankengesänge einstimmen zur Genüge -- nun seine Vorwürfe und Beleidigung aus der ferneren Ukraine verkündet. Als Sahra Wagenknecht auf Twitter betonte, Deutschland sollte keine Kampfpanzer an die Ukraine liefern, kommentierte dies Melnyk mit "So eine widerliche Hexe!". Aber auch Frau Wagenknecht ist mit Melnyk nicht gerade immer zimperlich umgegangen; weil er sich u.a. positiv über Stepan Bandera geäußert hatte und weil er vor allem besonders (sprachlich) rüde mit jenen umgegangen ist, welche nicht seine Sichtweise und Forderungen (im Kontext des ukrainischen Krieges gegen Rußland) teilten, nannte Wagenknecht ihn letzte Woche auf einer Berliner Wahlkampfveranstaltung einen "Rüpelbotschafter und Naziverehrer". (vgl.: Spiegel.de, "Linksfraktion attestiert Melnyk »armseliges Demokratieverständnis«, vom 24.01.2023)
Nun ist es natürlich Sache der Ukraine, wen sie für ihre Interessen sprechen lasse, von wem sie sich vertreten lasse und wen sie als "Aushängeschild" gerne akzeptiert. Melnyk scheint dort zu jenen Bevorzugten dort zu gehören. Wir hören ja auch immer wieder dies: die Ukraine verteidige in ihrem Krieg gegen Rußland "unsere Werte", auch "unsere Freiheit".
Nun gehört es allerdings zu den Werten einer Demokratie (oder sollte zumindest dazu gehören!), daß man mit anderen Ansichten, Einschätzungen, Empfindungen, Urteilen sachlich und respektvoll umgeht. Dies hat Melnyk wiederholt offensichtlich nicht gekonnt oder nicht gewollt. Es ist jedermans, auch Frau Wagenknechts, gutes Recht -- und es gibt durchaus viele Gründe (da kann man natürlich unterschiedlicher Ansicht sein!) -- gegen Waffenlieferungen an die Ukraine (oder in sonst irgendein Land) einzutreten!
Wenn aber Hern Melnyk hierzu dann nichts anderes einfällt -- er zumindest nichts anderes zu sagen vermag -- als "So eine widerliche Hexe", dann begibt er sich meines Erachtens selbst auf ein Feld der "Widerlichkeit". Wenig verwunderlich, und vor allem auch: sehr gerechtfertigt, wenig hier von den beiden Fraktionsvorsitzenden der Linken, Amira Mohamed Ali und Dietmar Bartsch, dem Herrn Melnyk ein "armseliges Demokratieverständnis" (auf Twitter) bescheinigen: "Eine gewählte Abgeordnete derart zu beschimpfen, weil sie Ihre Positionen nicht teilt – was für ein armseliges Demokratieverständnis. Und Sie nennen sich Diplomat?" (spiegel.de, ebd.)
Herr Melnyk sollte sich auch einmal Gedanken machen, was Vorbildwirkung ausmacht, welchen Vorteil Diskurs (gegenüber einseitiger, meist dann auch ideologisch verbrämter Sichtweise) für Debatten hat, aber auch, ob sich eigenes (nach meinem Verständis primitives, beleidigendes, aggressives, u.a.m.) Gepoltere nicht auch nachträgliche auf die breite Bevölkerung hierzulande auswirken könnte, dergestalt daß vorhandene Sympathien für die Ukraine allmählich wieder schwinden ...
Und ein wirklicher Demokrat wird sich nolens volens doch auch mit Gedanken auseinandersetzen können und wollen, es zudem müssen, wie sie z.B. Amira Mohamed Ali (ebenfalls: Die Linke, Fraktionsvorsitzende) bereits vor einiger Zeit formuliert hat: "Auf militärischen Wegen findet dieser Konflikt kein Ende.", und es habe seinen Grund, dass die Richtlinien Waffenlieferungen in Krisengebiete untersagen.(WELT, "Waffenlieferungen führen nicht zu einer Entschärfung der Lage", 03.03.2023)
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EINE STIMME VON VIELEN: Der Konfliktforscher Hein Goemans sieht die Panzerlieferungen Deutschlands und der USA an die Ukraine als einen Wendepunkt des Krieges an: "Mit dieser Entscheidung scheint der Westen den Rubikon überschritten zu haben", sagte der Professor für internationale Politik an der Universität Rochester im US-Staat New York der dpa. "Der Westen verfolgt nicht länger die Linie, dass die Ukraine nicht verlieren darf. Er verfolgt jetzt das Ziel, dass die Ukraine gewinnen muss." (Meldung vom 26.01.2ß23)
Meine Anmerkung hierzu: Das nun von Geomans so konstatierte Ziel ist ohne Eskalation / Ausweitung des Krieges auf das NATO-Bündnis nicht zu erreichen, eine solche Zielverfolgung führt genau zu dem, was einige in der Ukraine gerne hätten: Krieg zwischen Rußland und den NATO-Staaten ...
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António Guterres befürchtet eine Ausweitung des Krieges in der Ukraine: "Ich befürchte, die Welt schlafwandelt nicht in einen größeren Krieg hinein - ich befürchte, sie tut dies mit weit geöffneten Augen!" (so Guterres am Montag, 06.02.2023, in New York vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen. dpa) Knapp ein Jahr nach der Invasion Russlands in sein Nachbarland werde die Aussicht auf Frieden immer geringer, die Gefahr einer weiteren Eskalation wachse. Das Risiko eines Atomkriegs sei so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Die Welt brauche Frieden in der Ukraine, sagte Guterres. (dpa)
Anmerkung: Der Generalsekretät der UNO, António Guterres, hat vielleicht das "schlafwandelt" im Gegensatz zu "mit weit geöffneten Augen" der Darstellung Christopher Clarks über die Entstehung des Ersten Weltkrieges entnommen: "The Sleepwalkers: How Europe Went to War in 1914" (Hrsg.:Allen Lane, 27. September 2012). Was damals für die breite Öffentlichkeit eher undeutlicher und in schwer durchschaubaren Hintergründen sich entwickelte, scheint seiner Ansicht nach, den derzeitigen Konflikt betreffend, eben überdeutlich und somit recht klar vor Augen zu liegen.
"Die deutschen Medien haben in den letzten Wochen ja nichts anderes getan, als die Lieferung schwerer Waffen zu fordern. Sie haben Druck ausgeübt auf den Kanzler. Sie sind erleichtert, man hat ihm zugejubelt. Endlich habe sich Scholz dazu durchgesetzt. Man traut seinen Augen nicht. Eine Kriegsbegeisterung dieser Schreibtischstrategen, die, jetzt auch wieder etwas freihändig gedeutet, an die Kriegsbegeisterung in den Tagen und Wochen vor dem 1.Weltkrieg erinnert."
(Roger Klöppel, Chefredakteur der Weltwoche, im: DAILY SPEZIAL/Deutschland auf YouTube am 27. Januar 2023, "Danke, Annalena: Baerbock entlarvt den Wahnsinn")
Die Äußerungen Klöppels blieben nicht unkommentiert. So schrieb eine Leserin (Brigitta) an Roger Klöppel, es handele sich tatsächlich um eine "brandgefährliche Lage in Deutschland und Europa", dankte dabei Klöppel für seinen "ausgezeichneten Beitrag" dazu und meinte, für sie am schlimmsten "die Ohnmacht, mit der man dieser Lage gegenübersteht". Sie kritisierte, daß in den "Mainstream-Medien kritische Stimmen ignoriert würden. Dann beschrieb sie noch kurz, was in einem einschlägigen Gespräch ihr Augenarzt gesagt hat: ""Ich kann die Kriegstreiberei der FAZ nicht mehr aushalten und werde die Zeitung abbestellen." Woraufhin sie ihm sagte, das hätte sie schon zur Corona-Zeit getan und (sie) empfahl ihm stattdessen Ihr (= Klöppel; Weltwoche/ Daily Spezial) Medium. Ein anderer Leser / Hörer (starbuck) schrieb an Herrn Klöppel, er bleibe "ein einsamer Rufer inmitten der Wüste des medialen Strammstehens vor dem politischen Erwünschten". Gleichwohl meint er, "dass (Klöppels) Ansatz zu kurz greift. Aussagen wie die von Baerbock (hinsichtlich Ukraine-Krieg, d.V.) oder von van der Bellen (er würde niemals einen FPÖ-Politiker zum Kanzler ernennen, d.V.) sind schizophren, übergriffig und abstrus, ja. Gefährlich. Aber ich glaube, sie sind beabsichtigt, um unser Empfinden für richtig und falsch, wahr und unwahr zu vernebeln, aufzuweichen: 'Credo quia absurdum'! das ist das Ziel und also die pure Blasphemie. (Anmerkung: unverändert, unkorrigiert übernommen, d.V.)
Vielleicht hat William F. Buckley Jr. ja recht, wenn er implizit darauf hinweist, man solle sich auch in einer Demokratie, was Qualität angeht, niemals von einer kleinen Elite beherrschen lassen:
“I would rather be governed by the first 2000 people in the Manhattan phone book than the entire faculty of Harvard.”
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Meine Meinung: Nicht so sehr den Stimmen eines Selenskyj oder denen der "Melnyks" und all jenen, die in dasselbe Horn blasen, folgen, nicht auf jene hören sondern den eigenen Verstand gebrauchen, weniger Fremdbestimmung und Manipulation, mehr eigene Recherchen und vor allem auch mehr eigenen Sinn, sich ein eigenes Bild der Lage(n) machen! Den selbsternannten beziehungsweise über intersubjektive Übereinkunft generierten Gralshütern angeblicher Wahrheiten echten Diskurs entgegensetzen! Allem, was totalitären und undemokratischen Geist pflegt, d.h. auch: Information lediglich einseitig (und demagogisch) zu betreiben bzw. vorzuenthalten, zeigen, was Diskurs, eine notwendige Bedingung einer Demokratie!, wirklich ausmacht ...
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Wenn Olaf Scholz von Mitgliedern seines Kabinetts wegen seiner "Besonnenheit", "Zögerlichkeit", etc. Vorwürfe gemacht werden, vor allem von jenen, die selbst immer wieder in den Fetttopf treten (z.B. Baerbocks Äußerung "wir sind im Krieg mit Rußland"), dann sollten jene vorher überlegen, warum bisweilen Zögern (man lerne von Quintus Fabius Maximus!) zielführender ist als voreiliger Aktionismus und entsprechend ihre Aussagen nochmals überdenken. An den Kanzler gewendet jedoch sollte gelten: Er soll endlich Rückgrat zeigen und die unfähigen Minister samt und sonders entlassen, notfalls auf Kosten seines Amtes, wie es sich für jemandem der für sein Volk sorgen soll gehört.
Der Kolumnist Wolfram Weimer (N-TV) ist folgender Auffassung: Der «Eklat» verrate, dass es zwischen der Aussenministerin und dem Bundeskanzler seit längerem krache: «Von den Waffenlieferungen an die Ukraine über den Einstieg der Chinesen beim Hamburger Hafen bis zur neuen Sicherheitsstrategie gehen die Meinungen von Scholz und Baerbock zum Teil weit auseinander.» Weimer ist sicher, dass man im Kanzleramt «schwer verärgert» ist, weil sich Baerbock regelmässig auf Kosten von Scholz öffentlich profiliere. So habe sie ihm mehrmals «die Leviten gelesen» – vor dem Leopard-Entscheid etwa oder vor der China-Reise von Scholz. Sie habe den Kanzler «öffentlich gemassregelt», er möge sich gefälligst an den Koalitionsvertrag halten.
Retourkutschen aus der SPD gegen Baerbock folgten: «Wenn sie Scholz in Berliner Hintergrundkreisen als wankelmütigen Zauderer diffamiert, dann wird sie nun als eitle Selbstdarstellerin und Blenderin blossgestellt.»
Sozialdemokraten wiesen damit darauf hin, dass das Auswärtige Amt im vergangenen Jahr 136.552,50 Euro allein für das Make-up der Ministerin ausgegeben hat.
(Quelle: Die Weltwoche vom 01.02.2023, Scholz «schwer verärgert» über Baerbock: Weil die Aussenministerin den Kanzler öffentlich massregelt, schlägt ihr «kühl-stechende Kritik» entgegen)
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"Im Leben gibt es kein Glück. Die Welt ist generell ein schlechter, ungerechter, schwer erträglicher Ort, an dem die einzige Daseinsform darin besteht, permanent zu kämpfen, sich zu prügeln und im Extremfall zu töten."
(angebliche Aussage von Wladimir Putin Mitte 2021, zitiert nach: Grigori Borissowitsch Judin -- russischer Sozialwissenschaftler und Philosoph. Er lehrt an der
(Moscow School of Social and Economic Sciences (MSSES) in Moskau -- , Interview mit Meduza auf dekoder.org, entnommen am 24.02.2023; Putin soll das laut Judin "ohne jeglichen Anlaß" gesagt haben.)
Anmerkung: zwei Tage vor Beginn des Großangriffs auf die Ukraine am 24. Februar 2022 schrieb Judin in einem Gastbeitrag für openDemocracy, Putin sei kurz davor, "den sinnlosesten Krieg unserer Geschichte" zu beginnen.
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"Wir sollten zwei Dinge unterscheiden: Das eine ist, wie hoch man die Wahrscheinlichkeit einschätzt, dass eine Handlung, die Person X unternimmt, zum Erfolg führt. Etwas anderes ist es, wie hoch man die Wahrscheinlichkeit einschätzt, dass Person X
diese Handlung unternimmt. Man mag zu Recht der Meinung sein, dass dieses Handeln zum Scheitern verurteilt ist, aber daraus folgt nicht, dass die Person es nicht tut. Nicht, weil die Person irrational wäre, sondern weil sie zum Beispiel der Meinung ist,
keine andere Wahl zu haben."
(Grigori Judin)
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Halten wir uns einmal mehr das Gerede weniger (gemessen an der Gesamtzahl der Bevölkerung!) über "Die Koalition der Willigen" vor Augen! Wer sind sie denn, diese "Willigen"? Bestimmt nicht jene, die im Falle der Eskalation für die Sicherheit der Ukraine in den Krieg ziehen würden. Unlängst ergab eine Umfrage unter Jüngeren in Deutschland, daß über 60 Prozent nicht einmal für Deutschland in einen Krieg ziehen würden! Geschweige denn für ein anderes Land. Schon gar nicht für die Ukraine. Wie steht es also mit dieser "Koalition der Willigen?" Das sind jene relativ wenigen, die mit dieser Kriegsrhetorik auf Kosten der überwiegenden Mehrheit ihr jeweiliges Süppchen kochen (wollen). Anders kann ich es zumindest nicht sehen ... Für einen solchen Krieg, für eine derartige Kriegsvorbereitung darf es keine "Willigen" geben! Es gilt: die geographischen, vor allem auch die geopolitischen und geschichtlichen Realitäten zu sehen und auf dieser Basis in Verhandlungen einzutreten.
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Betrachtet man diese gesamte Entwicklung, fällt einem unter anderem jene Selbstverständlichkeit ein:
"Tatsachen muß man kennen, bevor man sie verdrehen kann.“
(Mark Twain)
Und es wurden so einige Tatsachen von den Akteuren, die zur Unzeit für eine Aufnahme der Ukraine in die NATO und auch in die EU heftigst plädierten, gekannt, so z.B. Amerikas berechtigte Aufregung über russische Raketen auf Cuba. Warum wurden da in Analogie die Besorgnisse Rußlands über Probleme für ihre Schwarzmeerflotte und grenznahe NATO-Erweiterung nicht entsprechend ernst genommen? Daß die USA überhaupt nicht mehr expansionistische Bestrebungen zeigt, somit nur als politisch-lammfromm einzustufen ist, wird wohl niemand behaupten können, der die Begehrlichkeiten der USA unter Trump gegenüber Canada, Island und Mexiko zur Kenntnis genommen hat ... Man muß kein Freund Rußlands sein, wenn man feststellt, daß in Rußland berechtigterweise eine große Skepsis gegenüber amerikanischen Beteuerungen vorherrscht.
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Heute am 21. August 2025 können wir lesen: "Festnahme in Italien: Ein Ukrainer soll als Koordinator an der Sabotage der Nord-Stream-Pipelines beteiligt gewesen sein. Sie waren 2022 durch Sprengsätze beschädigt worden." (Quelle: dpa / web.de) Der Festgenommene Serhuj K. wird von der Bundesanwaltschaft verdächtigt, im September 2022 am gemeinschaftlichen Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und verfassungsfeindlicher Sabotage beteiligt gewesen zu sein. Die italienischen Behörden müssen über die Vollstreckung des internationalen Haftbefehls entscheiden. Die deutschen Ermittler gehen davon aus, daß das Sabotage-Kommando mutmaßlich aus fünf Männern und einer Frau bestand, darunter auch der noch flüchtige Ukrainer Wolodymyr Z. (er soll über die polnische Grenze entflohen sein). Die Bundesanwaltschaft: "Es ist uns gelungen, zwei Beschuldigte zu identifizieren". Es bleibe allerdings noch viel zu tun. "Die Identität weiterer Beteiligter, die Tatmotivation und insbesondere die Frage nach einer etwaigen staatlichen Steuerung der Operation sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen."
Wir erinnern uns, daß damals eine Beteiligung von Ukrainern an diesem Terrorakt sofort dementiert wurde, daß teilweise abstruse Konstruktionen der Schuldzuweisungsmöglichkeiten kursierten, auch die, Rußland selbst könnte darin involviert sein (also das eigene Netz zerstört haben ...). Wer damals auch nur vorsichtig andeutete, die Ukraine selbst könnte in irgendeiner Form darin verwickelt sein, machte sich gewiß keine Freunde ...
Nun, wir werden abwarten müssen, was das weitere Vorgehen an Aufklärung bieten wird. Jedenfalls scheint es nun doch eine zielführende Aufklärung des Attentats geben zu können. Es wäre ja schön (für manche dann vielleicht auch desillusionierend), sollten die Hintergründe des Anschlags beweisbar werden.
Aus diesem aktuellen Anlaß hier noch eine frühere Abhandlung, die ich damals anläßlich des Attentats verfaßt hatte:
Wer war es denn? Die Sprengung der Nordstream-Pipeline ... Fakt ist: genau weiß man es nicht. Genauer: man kann bislang allenfalls Vermutungen anstellen. Sofort nach Bekanntwerden der Sprung wurde von einigen westlichen Stellen behauptet: es war Putin, er habe dazu den Auftrag gegeben. Beweise dafür konnte man allerdings nicht vorlegen. Die Logik: die Russen hätten diese Sprengung selbst veranlaßt, um die Schuld dafür auf den Westen zu schieben, um weiteren Unfrieden zu schüren. Dagegen spricht allerdings, daß für derartige psychologistische Tricksereien der Preis, die eigenen Infrastruktur zu zerstören, doch etwas zu hoch sein dürfte. Auch die Unterstellung, Rußland habe auf diese Art die Versorgung endgültig beenden wollen, ist naiv: Zur Unterbrechung konnten die Russen den Gashahn schlicht und einfach zudrehen, wie ja bereits mehrmals davor praktiziert. Und sollte seitens "Putin" die Absicht bestanden haben, den "Westen" einmal mehr in einem negativen Licht, als den "Bösen" erscheinen zu lassen, hätte es gewiß einfachere, billigere, vor allem einen nicht-selbst-schädigende Mittel gegeben. Meine Vermutung -- Fakten gibt es ja bislang noch keine für die Öffentlichkeit -- ist, daß Rußland als Täter eher nicht in Betracht kommt.
Deutschland selbst als Verursacher anzunehmen, erscheint mir völlig absurd. Wenn man schon Mutmaßungen über die Täterschaft anstellt, dann kommt man nicht umhin, zu suchen, wer nicht nur keine Interessen an der Pipeline hatte, sondern wer völlig gegen deren Existenz und Inbetriebnahme war. Hier gibt es durchaus Indizien (mehr ist aber auch das nicht!): so waren die USA schon bei der Planung massiv gegen diese Pipeline, weil diese Deutschlands allzu große Abhängigkeit von Rußland, ein strategisches Risiko, bedeutete -- so zumindest stets die offiziellen Stellungnahmen seitens der US-Administration. Auf diplomatischem Weg ist der Versuch, Nordstream 2 zu verhindern, jedenfalls gescheitert. (Übrigens setzte sich damals Angela Merkel unmißverständlich für die Existenz dieser Pipeline mit der entsprechenden Energieversorgung ein.) Die Skepsis der USA hatte u.a. Antony Blinken im März 2021 auch im Namen Bidens klar ausgedrückt: Nordstream 2 sei "ein schlechtes Geschäft -- für Deutschland, für die Ukraine und für unsere osteuropäischen Partner und Alliierten". [Daß vor allem auch die Ukraine und Polen gegen diese Pipeline waren -- dies nicht nur, aber auch, wegen der dadurch dann ihnen entgehenden Transiteinnahmen -- wurde von deren Seite immmer wieder betont: sie hatten also ebenfalls keinerlei Interesse an der Inbetriebnahme von Nordstream 2.] Bekannt sind ja auch die von den USA verhängten Sanktionsmaßnahmen gegen Firmen, die an Nordstream 2 beteiligt waren ... Was man bereits aus diesen Aspekten erkennen kann: hier ist durchaus ein massives Interesse vorhanden, den Betrieb von Nordstream 2 zu verhindern.
Durch den Angriffskrieg Rußlands gegen die Ukraine bedingt, hat dann Deutschland allerdings selbst von Nordstream 2 -- die Leitung war da bereits fertiggestellt -- nichts mehr wissen wollen, die Inbetriebnahme abgelehnt. So ganz ohne Skepsis, ob Deutschland da auch wirklich konsequent bleiben würde, scheint vor allem die USA nicht gewesen zu sein.
Für die Betrachtung der Angelegenheit ist sicherlich nicht unwesentlich: Im Dezember 2021 wurde in den USA über die Stilllegung der Nordstream-Pipelines debattiert, involviert waren da der Präsident Joe Biden, der Nationale Sicherheitsberater Jake Sullivan, Außenminister Blinken und die Staatssekretärin für politische Angelegenheiten Victoria Nuland. Für mich ist jedoch auch erwähnenswert, wie Joe Biden unmißverständlich antwortete als Reporter Anfang Februar 2022 ihn fragten, wie denn die USA die Pipeline stoppen wolle, da diese ja "unter deutscher Kontrolle" läge: "Wenn Russland eindringt, in die Ukraine, Panzer und Soldaten, eine Armee, dann wird es kein Nord-Stream-2-Projekt mehr geben. (...) Ich darf Ihnen versprechen, dass wir dazu in der Lage sein werden." Aufschlußreich dabei auch seine Körperhaltung und Mimik. Citing a source “with direct knowledge of the operational planning,”[Hier noch Bidens O-Ton: "If Russia invades, that means tanks or troops crossing the ... border of Ukraine again, then there will be ... no longer a Nord Stream 2. We, we will bring an end to it." Asked how, given the project is in German control, Biden said: "I promise you, we'll be able to do it."]
On February 7th, 2022, President Biden held a joint news conference with German Chancellor Olaf Scholz, and Biden brought up the future of the Nord Stream pipeline.
PRESIDENT JOE BIDEN: If Russia invades — that means tanks or troops crossing the border of Ukraine again — then there will be — there will be no longer a Nord Stream 2. We will bring an end to it.
ANDREA SHALAL: How will you — how will you do that exactly, since the project and control of the project is within Germany’s control?
PRESIDENT JOE BIDEN: We will — I promise you we will be able to do it.
AMY GOODMAN corrects: “I’ll promise you we’ll be able to do that.”
from: democracynow.org/2023/2/15/nord_stream
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Ich halte es vor dem Hintergrund dessen, was man tatsächlich weiß -- nämlich nur, daß die Pipelines an drei Stellen gesprengt wurden --, nicht für zielführend, irgendeine Form von "Wahrheit" zu reklamieren. Es bleibt da bislang alles reine Spekulation, diese freilich durch unterschiedliche bekannte Indizien genährt auch mit entsprechend unterschiedlicher Plausibilität. Ich fürchte, die Wahrheit wird man da zumindest in absehbarer Zeit nicht erfahren, zumal sie -- für welchen Verursacher auch immer -- allzu problematisch wäre ...
Nun hat sich zu diesem Thema der Pulitzer-Preisträger und Enthüllungsjournalist Seymour Hearth am 3. Februar 2023 mit seiner Enthüllungsstory "How America Took Out The Nord Stream Pipeline" zu Wort gemeldet. Hearth beruft sich auf a source “with direct knowledge of the operational planning”, nennt jedoch aus journalistischen Grundsätzen, den Infromanten zu schützen, keinen Namen. Auch hat Hearth offensichtlich nur eine einzige Quelle, demzufolge konnte er hier keine Gegenprüfung vornehmen. Dies muß man sicherlich berücksichtigen wenn es heißt: "But according to a new report by the legendary investigative journalist Seymour Hersh, it was the U.S. Navy that carried out the sabotage, with help from Norway (democracynow, ebd.), denn beim Recherchieren gilt mindestens die "Zwei-Quellen-Regel" (zwei voneinander unabhängige Quellen müssen ein Ergebnis bestätigen). Andererseits hat Hersh mit seiner Methode häufig richtig gelegen, besonders bekannt sind seine Enthüllungen über US-Kriegsverbrechen.
Laut Hearth / seinem Informanten soll sich es folgendermaßen abgespielt haben: die Planung zum Anschlag habe bereits neun Monate vor der eigentlichen Tat und zwei Monate vor Beginn von Rußlands Angriffskrieg begonnen. Dies alles unter strengster Geheimhaltung, denn diese Tat könne zudem als "eine Kriegshandlung" bewertet werden. Während des Manövers "Baltops" (5. bis 22. Juni 2022) wurde C4-Sprengstoff angebracht, sodaß zwischen Manöver und tatsächlicher Zündung ein großer Zeitraum vergehen konnte. Die US-Marine soll dem Informanten zufolge die Taucher gestellt haben, der CIA und der Norwegische Geheimdienst sollen ebenfalls involviert gewesen sein. Dreieinhalb Monate später sollen Norwegische Agenten dann die Sprengung mittels einer aus einem Flugzeug abgeworfenen Sonarbombe ausgelöst haben. Der US-Kongreß sei aufgrund "strengster Geheimhaltung" nicht informiert worden. Es heißt, am 26. September 2022 zwischen zwei Uhr nachts und 19 Uhr abends erfolgten mindestens vier Explosionen in der Ostsee in achtzig Meter Tiefe, drei der vier Rohre wurden zerstört. Strang A der jüngeren Röhren von Nordstream 2 wurden zweifach beschädigt. Die Explosionen in der Ostsee erfolgten in den Wirtschaftszonen von Dänemark und Schweden. Beide Staaten schickten Inspektionsteams dorthin, Rußland wurde nicht in die Untersuchung einbezogen, weil es laut der schwedischen Behörde für Verteidigungsforschung wohl zu "Ländern, mit denen wir nicht zusammenarbeiten wollen" zählt.
Alle Seiten dementieren (natürlich), auch nur irgendetwas mit der Zerstörung zu tun zu haben, werfen sich gegenseitig die Schuld zu, oder sie sind bisweilen zurückhaltender und enthalten sich eines Urteils wegen mangelnder Faktenlage. Der Schaden ist immens, ob und von wem die Röhren jemals repariert werden, steht in den Sternen. Mehr als eine halbe Million Tonnen Methangas sind ins Meer geströmt ... Zusätzlich dürften weiteres Mißtrauen und Unsicherheit entstanden sein. Gerade auch deshalb wäre es dringend erforderlich, daß eine schnelle Aufklärung erfolgt -- aber darauf zu hoffen ist eher "wishful thinking". Vielleicht wird mit der Zeit -- wie ja schon mehrfach -- dann doch Investigationsjournalismus die Schleier lüften ...
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