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Antworten ?
Alles fließt ...
Gegen jene Menschen die der Natur nicht das ihr Zustehende gewähren wollen ...
Wann und wie sich einmischen?
Eine andere Form des Rassismus? Der Intoleranz? Eine Dis-kussionsfeindlichkeit? Diese dann ignorieren oder geeignet dagegen vorgehen? Und welches Menschenbild versteckt sich hinter dem einschlägigen Beitrag von Hengameh Yaghoobifarah über die Polizei in der taz und ähnlichen Angriffen?
Oder vielleicht nur: eine andere, ganz besondere Form von "Misery loves company"?
Wie denn noch nach Antworten suchen ...
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Fragmente 4
Antworten? Worauf ...
... alles fließt ...
"Närrische Tadler und Lober auf beiden Seiten! Doch darum
hat mir mein Schöpfer den Kopf zwischen die Ohren gesetzt."
Eduard Mörike
Was ist neu? Wieso neu? Wie schon gesagt: Alles fließt ...
Es ist besser, seine Kraft für das Machbare zu verwenden als sie an Illusionen und nicht erfüllbaren Wünschen zu verbrennen.
Fagusarua
Photo nebenstehend: Als "Die Jugend" oberhalb von Schloß Neuschwanstein noch der schöne alte Platz war und noch nicht der Orientierung an einem touristischen Ameisenweg zum Opfer fiel ...
Das Alte wird nie alt, es wird nur alt das Neue.
Friedrich Rückert
Exigua pars est vitae qua vivimus. Ceterum quidem omne spatium non vita sed tempus est!
Seneca
Die von mir gewählten Titel der hierzu gehörenden Unterseiten bedürfen einer kleinen Erläuterung: "Misfit" steht überwiegend nicht für die originäre Übersetzung des englischen Begriffs, der bekanntlich "Außenseiter", "Nichtangepasster", bedeutet, auch nicht für das Verhaltensweisen eher verharmlosende "Blindgänger", schon gar nicht habe ich hier den "Eigenbrötler" im Sinn, sondern es steht hier für Menschen, die sich durch ihr negatives Verhalten außerhalb der gesellschaftlichen Normen und Gesetze bewegen, deren Verhalten sich also von unangepaßt (in einem sehr negativen Sinn!) bis hin zu rechtswidrig und kriminell bewegt. "Ausgeschlossen", eine Rubrik die eben nicht signalisieren soll, daß etwas eher kaum möglich, also höchst unwahrscheinlich, ist, sondern in wortwörtlicher Bedeutung eher dem nahekommt, was zu früherer Zeit mit "Verbannung" beschrieben wurde: es geht also um Verhaltensweisen, die aufgrund der Schwere, von z.B. Schädigungen, innerhalb unserer Gesellschaftsordnung nicht zu dulden (i.e.: nicht zu tolerieren!) sind. Also Personen, die sich durch ihr negatives und gefährliches Verhalten selbst ausschließen. in den Rubriken von "Achtung" möchte ich einige ausgewählte Fallstricke aufzeigen, vor denen man sich sinnvollerweise in Acht nehmen sollte (Motto: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste ..., oder auch: aus Schaden wird man klug ...) .
... mein allererster Kretaaufenthalt führte mich bei strömendem Regen im Winter auch nach Knossos ...
... hier in einer erholsamen Phase auf dem uralten Königsthron ...
... und dann auch das noch ...
... und es grüßt dann auch noch in alle Richtungen der "Held der Arbeit" ...
WIRKLICH EINE "QUAL" der "WAHL"? ich meine (und hoffe): eher wohl doch nicht ... [Aber Hoffnung ist immer wieder auch vergebens, wie man erneut sieht!]
... und die politische Szenerie spricht dann doch einmal mehr für sich: schlechter geht es anscheinend nimmer, oder doch (wie Realisten befürchten ...)?
Literarum radices amarae, fructus dulces! (Ja, so ist es häufig: Der Aufwand für Bildung mag bitter sein, das Resultat dafür ergiebig ...)
Cicero
Die Welt kann nur durch die Leute verbessert werden, die zu ihr im Widerspruch stehn.
Robert Musil
Magna res est vocis et silentii temperamentum! (Es ist eine große Sache, Stimme / Reden und Schweigen richtig zu mischen / das richtige Maß zu finden.)
(Publilius Syrus, geb. 85 v. Chr.)
Zwei Jungstörche ermordet ? So zunächst die erste Stimmungslage. Aber was geschah wirklich?
Am 14. Juli 2020 meldete es u.a. BR24, am 23. Juli 2020 griff es Christoph Süß in seiner Sendung "quer" (Bayerisches Fernsehen) auf: In Spalt (Landkreis Roth) wurden zwei Jungstörche tot aufgefunden. Beide hatten Kopfverletzungen, die ihnen offensichtlich mutwillig zugefügt worden waren. Eine durchgeführte Röntgenuntersuchung ergab, daß keine Geschosse in den Körpern der Jungstörche zu erkennen waren. Die Staatsanwaltschaft hat eine Obduktion angeordnet, um die Todesursache herauszufinden.
Beide Jungstörche waren von Passanten auf der Hauptstraße in Spalt gefunden worden. Ein Storch lag auf der Fahrbahn, der andere auf einem gläsernen Vordach einer Gaststätte in unmittelbarer Nähe. Der Abstand der beiden Totfunde betrug ca. 50 Meter. Die Storcheneltern waren letztes Jahr erstmalig in jenem Nest auf dem Kornhaus am Gabrieliplatz eingezogen. Heuer hatten sie drei Storchenkinder, davon lebt nun nur mehr eines.
Es wird wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetzes sowie gegen das Bundesnaturschutzgesetz ermittelt. Der Storch gehört zu den geschützten Tieren.
Eine Frau habe laut Aussage noch gesehen, wie die beiden Vögel aus Angst fortgeflogen und dann torkelnd abgestürzt seien, so die Meldung von BR24.
Anzeige wurde auch durch die Stadt sowie durch den LBV (Landesbund für Vogelschutz) erstattet. Die Stadt Spalt setzte eine Belohnung (500€) für sachdienliche Hinweise aus. Der LBV sogar 1000€ Belohnung.
Bürgermeister Udo Weingart sagte, die Störche sagten, die Störche seien im Ort sehr beliebt (bezogen auf die ermordeten: gewesen), der "ganze Ort hätte sich über sie gefreut"; besonders für die Kinder im angrenzenden Kindergarten sind die Störche Begleiter im Alltag. Sie haben den Störchen auch Namen gegeben.
Vor vierzehn Tagen waren die Tiere beringt und registriert worden, vor einer Woche sind sie mit den Eltern erstmals zur Futtersuche ausgeflogen.
Egal was die weiteren Untersuchungsergebnisse dann in diesem Fall letztlich ergeben, zeigen viele andere Erfahrungen im Zusammenhang mit Tod und Quälereien von Tieren, daß folgender Schluß aus meiner Sicht nur allzu berechtigt ist: Leider findet der Haß auf Tiere, die Feindschaft gegen sie, das niederträchtige Degradieren von Lebewesen zu einem Objekt eigener Triebbefriedigung, an dem man die eigene miese Gesinnung ausleben zu können glaubt, immer wieder statt. Mein Kommentar hierzu ganz kurz: Wahres Menschsein sieht so jedenfalls nicht aus! Konsequente Strafverfolgung sollte bei solchen Delikten absolute Priorität haben und entsprechende Strafsanktionen gehören verstärkt ...
Wie ging es nun weiter, welche Erkenntnisse ergaben die folgenden Untersuchungen?
Der Lösung des Falles der beiden "mutmaßlich getöteten Jungstörche" machte Fortschritte. Hatte man zunächst wegen der auffallend fast kreisrunden Wunden am Kopf der Jungstörche befürchtet, jemand könnte die Tiere erschossen haben, ergab eine Röntgenuntersuchung diesbezüglich noch keine Gewißheit: weder gab es eindeutige Beweise für eine Schutzverletzung noch konnte eine solche zunächst völlig ausgeschlossen werden . Es wurden (s.o.) weitere Untersuchungen angeordnet. Klar war jedoch, daß sich die beiden Tiere die Verletzungen nicht selbst zugefügt haben konnten. Zur weiteren Klärung ordnete die Staatsanwaltschaft eine Obduktion an, diese auch mit dem Ziel etwaige Rückstände von Schußwaffenmunition zu finden. Ein Polizeisprecher hatte auch Kritik am LBV geäußert, weil von dort von "glatten Durchschüssen im Kopf" die Rede war. Für die Polizei blieb der Fall zunächst "merkwürdig" und ungeklärt, gegenüber der "Schußtheorie" war man auch deshalb skeptisch, weil sich kein einziger Zeuge gemeldet hatte, der einen Schußknall meldete, dies obwohl Schießen am Sonntagnachmittag in der Altstadt doch hätte auffallen müssen.
Vielleicht haben ja auch vier Schußlöcher in einer Straßenlaterne nahe dem Kindergarten zusätzlich dazu geführt, daß der Schußverdacht vielfach erhoben wurde. Auch war die Rede von einer Taube, in deren Körper ein Armbrustpfeil steckte; sie war kürzlich in Eckersmühlen aufgefunden worden. Es gibt bekanntlich eben immer wieder Gewalt gegen Tiere, sodaß -- vor allem wenn erste Indizien dies nahelegen -- es nicht verwundern sollte, wenn jemand sehr schnell einen entsprechenden Verdacht äußert. Auch Störche und vor allem Schwäne sind bundesweit immer wieder von Angriffen bedroht. Ich denke, der Vorwurf gegenüber dem LBV ist nicht zielführend gewesen (zielführende Arbeit leisten ja die Ermittlungsbehörden dann hoffentlich immer mit einem erhellenden Ergebnis), denn wenn eine Anwohnerin erklärte, sie habe beobachtet wie ein Storch in der Luft zu taumeln begann und dann vom Himmel stürzte, dann ist das schon ein mehr als ungewöhnlicher Vorgang, auf keinen Fall einer, der sich durch naturgemäßes Verhalten von Störchen erklären läßt. Hier zu vermuten (der Kommentar hierzu beinhaltete ein "möglicherweise"!), daß etwas widerrechtlich gelaufen sein könnte (dann noch mit den beiden kreisrunden Wunden am Kopf!), ist das verständlich. Zum besseren Verständnis die entsprechende und kritisierte Äußerung der LBV-Storchenbeauftragten Oda Wieding: "Möglicherweise hat der Täter die Tiere auf einer Wiese mit einem flachenTümpel nahe dem Nest beschossen. Dorthin hatten die Storch-Eltern ihren Nachwuchs als erstes geführt." Man könnte -- bei entsprechender Textexegese! -- auch die Vorläufigkeit des Urteils aus einer weiteren Aussage Wiedings herauslesen: "In den gesamten 25 Jahren, die ich im LBV das Weißstorch-Schutzprogramm betreue, ist mir noch nie der Abschuss eines Storchs untergekommen. Für die meisten Menschen in Bayern, so auch in Spalt, sind Störche absolute Sympathieträger." (Quelle: SZ vom 14. Juli 2020, Spalt: Jungstörche abgeschossen). Jedenfalls wurde auch in verschiedenen Medien sehr schnell von "Schußverletzungen" gesprochen. (Gut, da mag man vielleicht durchaus kritisch einwenden, woher die dann diese "Gewißheit" und eine dazugehörende Terminologie wählen ...)
Nun liegt das Ergebnis der vorgenommenen Obduktion vor (Meldung u.a. BR vom 24.07.2020): die in Spalt tot aufgefundenen Jungstörche sind NICHT erschossen worden. (Eine beruhigende Nachricht, wie ich finde, denn damit scheidet zumindest so eine perverse, kriminelle Tat aus!).Dies zeigt das Gutachten des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Erlangen; es wurde auch festgestellt, daß auch keine Infektion vorliegt. Die festgestellten zahlreichen Frakturen waren Folge des Aufpralls. Es wurden jedoch "Unregelmäßigkeiten im Bereich des Verdauungstrakts der Störche festgestellt", (...) irgendetwas (ist) den Störchen nicht bekommen", so ein Polizeisprecher. Deshalb hat die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth nun ein chemisch-toxikologisches Gutachten des Mageninhalts und von Organproben angeordnet. Man will herausfinden, ob es sich dabei um Natürliches wie Beeren oder aber um giftige Stoffe handelt. Auch die LBV-Storchenbeauftragte Oda Wieding zeigte sich erleichtert, daß ein illegaler Abschuß auszuschließen ist und legt Wert auf weitere Untersuchungen: "Das ist dringend erforderlich, da wir aufgrund unserer langjährigen Erfahrung weiterhin eine unnatürliche Todesursache vermuten." Sie geht auch nochmals auf den geäußerten Anfangsverdacht ein und gibt zudem eine Erklärung für die Kopfwunden der toten Jungstörche: "Da die beide Tiere Verletzungen am Kopf vorwiesen, bestand zunächst der begründete Verdacht, dass die Vögel illegal abgeschossen wurden. Durch die auf den Fotos sichtbaren kreisrunden Blutspuren ist nicht auszuschließen, dass das Blut erst durch den Aufprall aus den Ohren der Tiere ausgetreten ist." Und sie betont, sie habe "in den vergangenen Jahrzehnten unzählige Bilder von abgestürzten Störchen gesehen, aber noch nie wies irgendeiner dieser Vögel ein derartiges Verletzungsbild auf. Auch ist es sehr ungewöhnlich, dass die beiden Jungvögel gleichzeitig vom Himmel stürzten." Und sie rechtfertigt ihre erste Einschätzung nochmals: "Ferndiagnosen sind natürlich immer etwas schwierig. Im ersten Moment erschien das Ohrenbluten auf den Bildern jedoch wie die kreisrunden Löcher eines Durchschusses. Darüber hinaus ging die Polizei von einer vorsätzlichen Verletzung aus." Ich jedenfalls vermag diese ersten Stellungnahmen durchaus nachvollziehen, sehe darin allein schon deshalb kein Problem, weil erstens dadurch keine konkrete Person in Mißkredit gebracht worden ist und zweitens all das vielleicht doch dazu beigetragen hat, schnelle und intensive Untersuchungen einzuleiten. Aus zwei ähnlichen Fällen in meinem Nahbereich ist das leider nicht so verlaufen (es ging um Tod durch Windrad oder Kollision mit einem Zug, in einem anderen Fall auch um vermutete Schußverletzungen ...).
Was kann ich aus meiner persönlichen Einstellung über den Umgang mit Fauna (aber auch mit der Flora!) sagen: Wir müssen alledem dieselbe Achtung entgegenbringen wie wir sie für uns selbst beanspruchen! Es geschieht hierzulande immer noch viel zu wenig für den Tierschutz. Leider führt unser Umgang mit der Natur verstärkt dazu, daß Tieren ihre Lebensräume weggenommen werden, dies nur um einer krankhaften Wachstumsideologie zu frönen und (materielle) Gewinnmaximierung zu betreiben. Die Corona-Epidemie wäre eigentlich ein guter Anlaß gewesen, sich einmal tiefer zu besinnen und eine Umkehr einzuleiten: mehr qualitatives Wachstum, weniger quantitatives! Aber wie die Zeichen so scheinen wird es weiterhin in die falsche Richtung gehen. Dabei sollte man sich immer ganz deutlich vergegenwärtigen: Die Natur braucht den Menschen nicht, der Mensch die Natur jedoch als notwendige und hinreichende Bedingung für sein Überleben. Und die Natur und wir Menschen brauchen eine radikale Änderung in der Landnutzung: weniger Bodenversiegelung, naturnahe Landwirtschaft (und nur diese sollte subventioniert werden, das dann gut und wohlwollend!), weg mit den Monokulturen, weg mit den landwirtschafltichen Großbetrieben (= Agrarfabriken), um nur ein paar Anregungen zu nennen ...
Da freut man sich natürlich über jedes Engagement, sei es noch so klein, welches die Notwendigkeiten richtig einschätzt und Lebensbejahung auch für die Umwelt fordert und praktiziert. Hierzu gehört natürlich auch eine gegenwärtig eingereichte Landtagsanfrage der SPD (ich bin weder Mitglied noch Anhänger!) zur illegalen Tötung von streng geschützten Tierarten; hier wird recht deutlich ein konsequenter Handlungsbedarf bei Artenschutzkriminalität aufgezeigt. In diesem Zusammenhang sei auch auf das Projekt "Naturschutzkriminalität dokumentieren und stoppen!" des LBV und der Gregor-Louisoder-Umweltstiftung hingewiesen: damit will man eine bessere Aufklärung von Tierfrevel, Verstößen gegen die Tier- und Umwelt erreichen und in der Folge dann dafür sorgen, daß die Täter auch zur Verantwortung gezogen werden (können).
Und was können wir durch den Tod der beiden Spalter Jungstörche lernen? Natürlich für uns selbst auch viel über "Brüchigkeit". Aber vor allem -- und ich hoffe, darüber geben die weiteren Untersuchungen deutlich Auskunft! --, daß wir im Umgang mit der Umwelt, mit dem Entsorgen von "Müll", Utensilien aus Plastik o.ä., falschen Fütterungsmaßnahmen (das Füttern der Wasservögel mit Brot etc. -- häufig dann noch verschimmelt, vergammelt -- sei als ein Beispiel genannt: die Mägen von Schwänen sind beispielsweise hinsichtlich Verdauung nicht für Brot ausgerichtet ...) u.a.m. viel sorgsamer, empathischer und vor allem auch mit Perspektivenwechsel beim Betrachten und Bewerten (Motto: Wie sieht, wie empfindet das jeweilige Tier? Auch ganz wichtig: der Ruhe- und Distanzbedarf!) verfahren.
Und der Stadt Spalt (und allen anderen Orten, die für Störche offen sind, sich an ihnen freuen) wünsche ich in der Zukunft das erhoffte und ungetrübte "Storchenglück". Spalt hatte ja vor vielen Jahren eine Nisthilfe für Störche auf dem Dach des historischen Kornhauses (darin das bekannte Hopfen- und Biermuseum HopfenBierGut) errichtet und nach Jahren des Wartens ist dann 2019 endlich das Storchenpaar eingezogen, hat dieses Jahr 3 Kinder großgezogen -- mit dem teilweise nun sehr traurigen Ergebnis. Ich wünsche vor allem auch den Kindern im Kindergarten, die sich so sehr an den Störchen freuen, daß sich alles wieder zum Besseren wendet. Es gibt wahrlich Erlebnisse, die man nicht braucht ...
Und es bleibt zuletzt nur noch ein abschließender Gedanke: der an die wirkliche Ursache des Storchentodes. Vielleicht erfährt man dann ja, daß es auch andere Formen des Tierfrevels als den durch Schußwaffen gibt. Und wenn jene Ursachen dann weniger werden oder ganz verschwinden würden -- wie schön wäre das. (Allein mir fehlt der Glaube ..., so das Dichterwort. Oder sollte man doch an diesem "Die Hoffnung stirbt zuletzt!" besser festhalten ...)
Lucius Annaeus Seneca ließ in dem Stück "Thyestes" Atreus einmal sagen "Tacere multis discitur vitae malis!" Das mag aus meiner Sicht häufig das Ergebnis von erlittenem Leid sein; jedoch sollte man gegen die vielleicht daraus resultierende Resignation, eben zu schweigen, angehen, auch wenn es mühsam ist und bestimmt einem nicht immer Freundschaften verschaffen wird ... Gerade bei großem erlittenen oder gesehenen Leid ist Schweigen oft der falsche Weg!
Vollständige Aussage: "Tacita tam rudibus fides non est in annis; detegent forsan dolos: tacere multis discitur vitae malis." So spricht Atreus im Dialog mit Satelles, seinem Diener und Wächer. (Seneca, Thyestes, Zeile 319). Der Hintergrund der Geschichte: Atreus sinnt auf Rache an seinem Bruder Thyestes, denn jener hat ihm das Goldene Vlies und den Königsthron geraubt und obendrein noch mit seiner eigenen Frau betrogen. Atreus wurde zudem verbannt. MIt Hilfe Jupiters gewinnt Atreus dann seine Herrschaft zurück, ist wieder König und nun ist Thyestes verbannt.
Dennoch hat Atreus immer nur noch eines im Sinn: Rache zu üben. In dieser Hinsicht sind Atreus alle Mittel recht. So verzeiht Atreus seinem Bruder zum Schein, holt ihn ins Königreich zurück, mordet dessen Kinder und serviert sie ihrem eigenen Vater als Essen. In Anlehnung an griechische Tragödien erscheint immer wieder ein (recht schwierig zu interpretierender) Chor, der zum Beispiel als Folge der frevelhaften Tat die Sonne untergehen und anderes Unheil aufkommen sieht (der hellichte Tag wird zur Nacht werden, die Sterne werden verschwinden und die Welt in ihr ursprüngliches Chaos zurückstürzen). Im letzten Akt des Stücks (V. Akt) erzählt Atreus seinem Bruder Thyestes von seiner grauenvollen Tat, dies wohl um seine Rache zu vervollkommnen und auszukosten ...
Ich denke, die Geschichte zeigt unter anderem auch einmal mehr, daß "Schweigen" nicht immer der richtige Weg sein kann; Satelles, der Atreus stets von dem Rachegedanken abbringen wollte, hätte besser -- jetzt das Stück als "Wirklichkeit" umgedacht -- sich anderen anvertrauen müssen, um das Umfeld von den Rachegedanken seines Herrn zu informieren. Letztlich bewegen wir uns hier auch in einem Dilemma, mit dem ich mich schon an mehreren Stellen auseinandergesetzt habe, nämlich bei dem (sicherlich kritisch zu sehenden) Satz "Wer schweigt, stimmt zu." Diesem Satz uneingeschränkt zu folgen, hieße letztlich, sich dem Bemühen um Erkennen von Wahrheit und Wirklichkeit zu entziehen. Die Frage muß in solchen Fällen immer lauten: Weshalb wird denn geschwiegen? Und erst, wenn darauf eine (zutreffende) Antwort gegeben werden kann, ist das Schweigen richtig zu deuten: als Ablehnung, als Angst / Furcht vor Sanktionen, als Gleichgültigkeit oder aber, eher in seltenen Fällen, wie ich denke, als Zustimmung.
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Ist das vielleicht nicht doch auch eine Variante von Rassismus? Überlegungen zu Hengameh Yagoobifarahs Kolumne "Abschaffung der Polizei. All cops are berufsunfähig" (taz vom 15.06.2020)
Versuch einer Spurensuche
Nachdem heutzutage immer wieder sehr schnell jede noch so anders interpretierbare Aussage unter das Rubrum "Rassismus" gestellt wird, möchte ich -- freilich in sehr subjektiver Wahlfreiheit -- den von Yagoobifarah in der taz präsentierten und anschließend in der Öffentlichkeit heftig kritisierten Inhalt unter anderem auch einmal in dieser Hinsicht betrachten. Vor allem soll es auch um die Frage gehen, ob hier die Grenzen der Meinungs- und Pressefreiheit überschritten wurden.
Vorab: nach meiner Einschätzung ist ein juristisches Vorgehen gegen den Inhalt, also gegen Yagoobifarahs Traktat eher zum Scheitern verurteilt: ich denke, die Gerichte werden hier die satirischen Elemente betonen und die Höherwertigkeit der freien Meinungsäußerung gegenüber anderen Interessen bestätigen. Aber es gibt aus meiner Sicht noch eine andere Perspektive: Spontan dachte ich mir, derartige Ergüsse sollte man schlicht nur ignorieren, sie sind letztlich für die jeweiligen Verfasser selbsterklärend und aus auch nur halbwegs kursiver "Draufsicht" irgendwie zudem psychogrammatisch bestückt.
Andererseits sollte man -- und das gilt für alle Auffälligkeiten innerhalb einer Gesellschaft! -- an all den Irritationen nicht sprach- und kommentarlos vorbeisehen, besonders dann nicht, wenn jene Autoren für sich vermuteterweise oder tatsächlich so eine Art von Deutungshoheit und Definitionsmacht beanspruchen.
All jene, die sich -- aus welchen Gründen auch immer -- im Leben, im Dasein, in der Wahrnehmung ihres jeweiligen Seins, als zu kurz gekommen oder als zu falsch wahrgenommen geben, dabei dann so in einer Art "Rache" die aus ihrer Sicht notwendigen Formen der Gegenwehr etablieren (wollen), sollte man schon den Diskurs anbieten. Wohlgemerkt: Diskurs, und nicht das, was vor allem jene sich oft so zutiefst getroffen gebenden Subjekte fälchlicherweise immer wieder als "Diskurs" bezeichnen, dies im völligen Mißverstehen dessen, was Diskurs tatsächlich ausmacht. Gerade in öffentlichen Auseinandersetzung wird diese Begriffsverwirrung eifrig praktiziert, besonders in der Politik wird häufig Geschwätzigkeit, Phrasendrescherei, Gerede, Aneinandervorbeireden, Belehrungsakrobatik -- fern jeglicher Angemessenheit -- als "Diskurs" bezeichnet, sodaß die Bedeutung von Diskurs sui generis entwertet, verfremdet, des eigentlichen Inhalts beraubt wird.
So gehe ich auf Yagoobifarahs Darbietung überhaupt nur ein wegen eines m.E. exemplarischen Charakters ihrer Darstellung, sozusagen als ein pars pro toto für allgemeine Mängel geistiger Auseinandersetzung innerhalb unserer Gesellschaft; es ist also mein Versuch, einen grundsätzlichen Mangel innerhalb unserer Gesellschaft, was ernsthafte und geistige Auseinandersetzung betrifft, anzusprechen. Der Autorin selbst möcht ich da wirklich nicht zuviel der Ehre antun, denn ihr "Abschaffung der Polizei. All cops are berufsunfähig" erscheint mir schon sehr niveaulos, bewegt sich sicherlich auch unter der Gürtellinie und vor allem -- auch sprachlich -- ist ihre Kolumne alles andere als gelungen, selbst oder gerade wenn man dies als Satire abtun möchte (was bestimmt unternommen wird, allein schon um rechtliche Probleme zu umschiffen ...).
Besonders auf Kritik dürfte gestoßen sein, wenn Hengameh Yaghoobifarah in ihrem Artikel schreibt: "Ich hingegen frage mich: Wenn die Polizei abgeschafft wird, der Kapitalismus jedoch nicht, in welche Branchen kann man Ex-Cops dann überhaupt noch reinlassen? Schließlich ist der Anteil an autoritären Persönlichkeiten und solchen mit Fascho-Mindset in dieser Berufsgruppe überdurchschnittlich hoch. Wohin also mit den über 250.000 Menschen, die dann keine Jobs mehr haben? Einfach in neue Berufe stecken? Weil das nach 1945 so gut funktioniert hat? Fehlanzeige. Aber welche Bereiche der Arbeitswelt wären sicher? Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten." (a.a.O.) (Hervorhebung durch Fettdruck, d.V.)
Voreilig und wohl schneller gesprochen als gedacht -- was bei ihm m.E. nicht gerade überraschend ist -- hat Bundesinnenminister Horst Seehofer in aller Öffentlichkeit eine Strafanzeige gegen die Kolumnistin angekündigt (sicherlich in guter Absicht, einer Fürsorgepflicht gegenüber der Polizei gerecht zu werden), allerdings ist er tagsdarauf da schon wieder zurückgerudert und hat sich auf eine Vorabprüfung der Erfolgsaussichten zurückgenommen. Klug so, auch wenn er besser sofort diese Relativierung vorgenommen hätte. Wie ich oben schon angeführt habe: die Aussichten auf eine einschlägige Verurteilung der Kolumnisten dürften äußerst gering sein. Hierzu möchte ich weiter unten kurz meine Anmerkungen machen. Vorab nur dies: Als seinerzeit der Schriftsteller Joseph von Westphalen seinen Protagonisten Harry von Duckwitz im ersten Band der Duckwitz-Trilogie "Im diplomatischen Dienst" sagen läßt, er würde sich mich schwarz-rot-gold nicht einmal den Arsch abwischen, veranlaßte dies eine Staatsanwaltschaft zum Tätigwerden. Joseph von Westphalen stand nun im Zentrum deren juristischen Interesses. Allerdings wurde auch hier noch rechtzeitig eingesehen: es dürfte nicht funktionieren mit einer Bestrafung. Vielleicht war man auch doppelt klug, indem man zusätkich einsah, besser mit weiterem Öl in das Aufmerksamkeitsfeuer zu gießen vorsichtig zu sein ... Was das mit dem Artikel von H. Yaghoobifarah zu tun hat? Vielleicht hätte man ihr überhaupt keine weitere Aufmerksamkeit als die durch die taz-Verbreitung ermöglichte widmen sollen. Aber da gibt es aus meiner Sicht noch einen weiteren Aspekt, sozusagen einen arbeitsmethodischen: Während Joseph von Westphalens Buch sowohl inhaltlich als auch sprachlich durachaus meisterlich gelungen ist, kann man dem "Abschaffung der Polizei. All cops are berufsunfähig" wirklich nichts Positives abgewinnen: inhaltlich primitiv und phrasenhaft armselig, sprachlich alles andere als ein Genuß und dann wirkt das ganze zudem verkrampft, an den Haaren herbeigezogen und erinnert mich an meine Pennälerzeit, wo wir bei derart anödenden Beiträgen bisweilen jenes Witz komm' raus, du bist umzingelt ausgähnten.
Aufhänger der Kolumne dürfte die im Rahmen der Krawalle in den USA, besonders der in Minneapolis, getätigte Verlautbarung sein: Demnach möchte nach dem Tod George Floyds (er verstarb als er sich der Personenkontrolle entziehen wollte als Folge einer brutalen Festnahme durch einen Polizisten) eine Mehrheit des Stadtrats die örtliche Polizei durch eine neue Organisation für öffentliche Sicherheit ablösen. Es heißt von Teilen des Stadtrats (neun von zwölf Stadträten), in seiner gegenwärtigen Aufstellung sei das Minneapolis Police Department nicht mehr reformierbar. (so laut dem örtlichen Sender KTSP und der "New York Times").
Dieses Vorhaben wird natürlich sehr kontrovers diskutiert, die örtliche Zeitung "Star Tribune" meint, eine Abwicklung der gegenwärtigen Polizeibehörde dürfte ein "langer und komplizierter Kampf werden", eine sicherlich sehr realistische Einschätzung. Als Jacob Frey (Bürgermeister von Minneapolis) bei einer Demonstration gegen eine Abwicklung der örtlichen Polizei ausgesprochen und stattdessen für Reformen geworben hatte, wurde er von den Teilnehmern ausgebuht und aufgefordert, den Protest zu verlassen. Es wird auch eine seit Jahren von Teilen der Öffentlichkeit erhobene Forderung immer lauter: "Defund the police!", der Polizei also die Geldmittel (erheblich) zu streichen. Befürworter einer Veränderung der Polizeistruktur in den USA sind der Auffassung, daß die Zuständigkeiten der Polizei dort zu weit reichen, daß sich vor allem bestimmte soziale Probleme wie Drogenprobleme, Kampf gegen Obdachlosigkeit und der Umgang mit psychischen Erkrankungen auf eine andere Weise besser lösen ließen als durch Polizeieinsatz. So kritisiert die Georgetown-Professorin Christy E. Lopez in der "Washington Post": "Die Kriminalisierung von Sucht und Armut, zehn Millionen Festnahmen pro Jahr und Masseninhaftierung haben nie zu der öffentlichen Sicherheit geführt, die wir wollen, und sie werden das auch nie tun" und meint, die Geldmittel stattdessen in psychische Gesundheitsvorsorge, Gewaltvorbeugung und Streitschlichtungsprogrammen zu investieren.
Zwei Dinge seien an dieser Stelle aus meiner Sicht besonders betont:
Erstens scheint die Diskussion um Veränderungen hinsichtlich Polizeiaufgaben in den USA nun voll im Gange zu sein (u.a. hat auch Bill de Blasio, Bürgermeister von New York City, seine Meinung gegen Budgetkürzungen der Polizei plötzlich geändert und möchte nun Gelder umschichten, um sie für Jugend- und Sozialhilfe auszugeben), auch gab und gibt es immer wieder Klagen aus Reihen der Polizei, man müsse sich um viel zu viel kümmern. Einigkeit herrscht jedoch hinsichtlich Neustrukturierungsmaßnahmen keineswegs. Während beispielsweise auch der Bürgermeister von L.A. 150 Millionen Dollar bei der Polizei einsparen möchte, um das Geld in Projekte für "People of Color" zu investieren, dabei gleichzeitig eine Abschaffung der Polizei jedoch ablehnt, stellt für Chicago die Bürgermeisterin fest, sie werde nicht weniger Geld für die Polizei ausgeben, sie schon gar nicht reduzieren oder abschaffen, wobei sie sich auch auf Gespräche mit Bewohnern der Stadt bezieht: "In meinen Gesprächen mit den Bürgern über die Ereignisse der vergangenen Woche (Tötung, Proteste, d.V.) habe ich gehört: die Leute wollen mehr Schutz durch die Polizei, nicht weniger." (so Lori Lightfoot)
Beachtenswert dürfte auch die Positionierung der Polizeigewerkschaften hier sein. Sie lehnen die Forderungen der Protestbewegungen ab. So schrieb der Gewerkschaftschef Bob Kroll am 1. Juni 2020 einen Brief an die Mitglieder, in dem er die Protestierenden eine "terroristische Bewegung" nannt, die auch nur deswegen so erfolgreich sein konnte, weil die Polizei seitens Führung der Stadt (Minneapolis ist hier gemeint) keine Unterstützung erhalte und meint unter anderem: "Es geht damit los, dass man versucht, die die Menge der Polizisten zu reduzieren und das Geld an Aktivisten mit einer Anti-Polizei-Agenda zu schleusen." Auch die Gewerkschaft der Polizei von Los Angeles lehnt die vom Bürgermeister angekündigten Budgetkürzungen ab: "Es ist ein reines politisches Manöver, das auf dem Rücken der Black-Lives-Matter-Bewegung ausgetragen wird. So etwas muss auf dem richtigen Weg getan werden, nicht nur, weil einzelne Gruppen das fordern. Die einzigen, die darunter leiden werden, sind die Bürger von Los Angeles." (so die Vizepräsidentin der Polizeigewerkschaft, Beretta Sanchez) Und aus New York heißt es von einer Polizeigewerkschaft (der Präsident im Sender Fox News): "Wenn an der Polizei gespart wird, ist ein Desaster vorprogrammiert."
Wer nun jedoch im Kontext der Kampagnen gegen die Polizei auf bereits durchgeführte Auflösung von Polizeibehörden (so in Camden, New Jersey, im Jahre 2012 und in Compton, California, im Jahr 2000) verweist und dies als eine Art Beweis für Praktikabilität anführt, der wird auch wissen, daß in beiden Fällen dann jeweils das County für die Polizeiarbeit in den beiden Städten zuständig wurde; die Hauptfrage wäre hier nun: was hat sich de facto -- außer einer anderen Zuständigkeit -- geändert, woher hat man das (neue?) Personal genommen, wie geht man mit den weiterhin gültigen Gesetzen und deren Einhaltung durch alle Bürger um, welche Durchsetzungsstrategien wurden wirksam, hat sich bei der Rekrutierung Entscheidendes verändert, um nur ein paar Aspekte zu nennen. Kurz: Welche Wirkung und Durchsetzungskraft hat dann so eine "neue Polizei"?
Die Aufgaben einer Polizei hängen nämlich immer mit den Aufgaben zusammen, die ein Staat der Polizei auferlegt, die Durchsetzungsmaßnahmen (man denke z.B. an den "wehrhaften Staat", an Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit! Im Falle Deutschlands: auch an die "FDGO") hängen von den Verhaltensweisen und Maßnahmen ab, welche z.B. Gesetzesbrecher zeitigen, aber natürlich auch davon, wie man der Polizei entgegentritt, ob mit Achtung oder mit Aggressivität. Man wird also "Polizei" niemals so organisieren können, man wird sie niemals so ausstatten dürfen, daß sie wehrlos und resignativ Widrigkeiten zu erleiden, zu erdulden hat; Polizei wird immer -- bei aller psychologischen Geschicklichkeit -- leider auch mit roher Gewalt und Gefährdungen zu tun haben und darauf eine entsprechende Antwort geben müssen (können und dürfen). So gesehen ist natürlich auch "Polizei" als dynamische Struktur zu sehen und entsprechend zu gestalten, auszustaffieren, allerdings man wird sie nicht zu einem wehrlosen Amboß von Übergriffen degenerieren dürfen. Wer jedoch die Polizei per se gänzlich (also ersatzlos -- ein Ersatz wird sicherlich immer auch "Polizei" sein müssen, anders funktioniert es nämlich nicht!) beseitigen möchte, der huldigt einem Menschenbild fern jeglicher Realität! Es wäre ja schön, wenn die Menschen in toto so beschaffen wären, daß eine "Polizei" überflüssig wäre -- diesen Gedanken braucht man jedoch wirklich nicht weiterverfolgen, denn wie Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit -- im Guten natürlich auch, aber leider vielfach auch im Bösen!) tatsächlich beschaffen sind, wird einem tagtäglich vorgeführt. Man darf hier ruhig ein wenig auch an jenes "Bellum omnium contra omnes" von Thomas Hobbes denken, muß es ja nicht gleich in dieser Totalität unterstellen; Tatsache ist jedoch schon, daß eine gewisse Ordnung im Zusammenleben gegeben sein muß, daß diese gesetzt, organisiert sein und gegebenenfalls dann auch durchsetzbar sein muß. Damit haben wir eine wesentliche Funktion des Staates. Und ein Arm des Staates zur Wahrung einer notwendigen Ordnung, zu deren Durchsetzung, ist die Polizei. Bei uns unterliegt die Polizei zudem demokratischer und rechtsstaatlicher Kontrolle (auch wenn diese zugegeben nicht immer wie eigentlich notwendig funktioniert, aber doch in den allermeisten Fällen dürfte es ja klappen ...) Kurz: Polizei kann und darf man nicht abschaffen. Und diejenigen, die dort in ihr ihren (und für die Allgemeinheit so wertvollen Dienst leisten) haben einen Anspruch auf Dankbarkeit und auf Achtung ihrer Würde. Man sollte ihr vor allem nicht mit Hass, Verleumdung, Diffamierung und Unterstellungen entgegentreten! (Hierzu gehört vor allem auch die Unterstützung durch ihren Auftraggeber, dem Staat!) Und wenn es -- wie halt überall -- da und dort einmal vereinzelte Exzesse gibt, dann ist gegen diese vorzugehen, nicht aber gegen eine Gesamtheit, auf die wir -- es sei nochmals betont -- ohnehin nicht verzichten können ... Aber so Ergüsse wie die von Hengameh Yaghoobifarah sind hier alles andere als hilfreich ... (Übrigens: auch mir sind einige, besonders von sensationsheischenden Magazinsendungen immer wieder hervorgehobene Entgleisungen seitens Polizei bekannt; diese gehören natürlich aufgearbeitet und rechtlich sanktioniert. Was jedoch keinesfalls sein darf: von derartigen, auch statistisch gesehenen, Einzelfällen ein Gesamt zu diffamieren und in Frage zu stellen!)
Zweitens, und das erscheint mir besonders wichtig insofern Hengameh Yaghoobifarah (in der Folge überwiegend mit H.Y. abgekürzt) die Vorgänge in den USA als Ausgangspunkt für ihren m.E. unerträglichen Artikel (wohl als "Satire" gedacht) genommen haben sollte, ist die Situation der Polizei in den USA überhaupt nicht mit der unserer Polizei in Deutschland vergleichbar, auch nicht was Aufgabenstellungen, Rechte / Befugnisse und Umgangsweisen angeht. (siehe hierzu auch meine Überlegungen im vorangegangenen Abschnitt)
Warum also so ein Blick auf die Polizei wie ihn H.Y. in der taz geliefert hat?
Fakten, welche ein derart böses Bild auf die Polizei (aus ihr selbst erläuterbar!) erklären könnten,sehe ich jedenfalls -- trotz mancher bisweilig in Einzelfällen angemessenen Kritik --- wahrlich nicht. Warum ist jene Autorin diesen Weg gegangen? Letztlich dürfte es ihr Geheimnis bleiben. Weil aber ich persönlich (und wohl die große Mehrheit in der Bevölkerung!) die Arbeit der Polizei, die Notwendigkeit ihrer Existenz bejahen, versuche ich (meine) Antwort darauf zu geben. Freilich ein Versuch. Natürlich auch mit der Möglichkeit des Irrtums behaftet ...
Bei der Beurteilung von Verhaltens- und Handlungsweisen von Menschen, gehe ich sehr oft von der Biographie, von der Sozialisation und Enkulturation sowie von den Ambitionen einer Person aus. Das ist nun mal meine Herangehensweise beim Versuch, jemanden (besser) verstehen zu können. So frage ich allerdings -- was viele, wohl aus ihrer Sicht zu Recht dann ablehnen -- auch häufig nach dem Beruf eines Menschen. Dieser Blick wäre aber auch mir zu fehlerbehaftet, würde ich ihn im jeweiligen (gewiß: vorläufigem) Ergebnis dann absolut oder gar sakrosankt setzen. Ausschließlichkeit tut eben nicht immer gut, hat sehr oft keinen bedeutsameren Platz als den der: Ausschließlichkeit. Also ein Aspekt der (richtigen!) Gewichtung. Gleichwohl: der Gedanke an das, was gemeinhin als "deformation professionelle" bezeichnet wird, hat in vielen Fällen seine Berechtigung, will man Verhaltensweisen, Verfestigungen, Weltsicht eines Menschen besser erfassen als es bloße Oberflächlichkeit zuläßt. Ebenfalls ist die Sprache, die jemand wählt oder (nur) wählen kann sicherlich auch ein Merkmal (unter mehreren), das hilfreich zum Erfassen einer Person, einer Persönlichkeit ist. Bei dieser Aussage denkt man doch irgendwie auch sofort an Wittgensteins blitzgescheiten Satz (den er trotz so mancher entgegengesetzten Behauptung nie widerrufen hat!), wonach die Grenzen meiner Sprache die Grenzen meiner Welt ausmachen.
In diesem Zusammenhang wäre da vielleicht dann von Interesse: Warum ernsthafte Probleme mit einer (zumindest behaupteten) ironischen Sprache behandeln, warum Formen der Diffamierung wählen, weshalb eine solch aggressive Konnotation schaffen UND: sind hier die Grenzen der Welt jene, deren Peripherie durch dieses Stilmittel (immer unterstellt: es handelt sich hier um Ironie, Satire) gezogen werden, sind sie nicht mehr transzendierbar hinein in die Weite einer sachlicheren "Begutachtung" und Würdigung? Des weiteren auch noch: welche Funktion wird hier hinsichtlich Aufmerksamkeit erreichen wirksam? Und vor allem: Welche Art von Aufmerksamkeit?
Diese (gewiß unvollständigen) Vorüberlegungen lassen mich nun mit der Biographie von H.Y. beginnen, da daraus immer auch zumindest einige Rückschlüsse auf die Person gezogen werden können. Sie ist 1991 in Kiel geboren, wuchs in ihrer Jugend in Buchholz in der Nordheide auf. Ihre Eltern stammen aus dem Iran. Sie legte das Abitur erfolgreich am Albert-Einstein-Gymnasium in Buchholz ab, studierte ab 2011 Medienkulturwissenschaft und Skandinavistik an der Uni in Freiburg (Breisgau) sowie an der Universität Linköping (Schweden). Ihr Abschluß: Bachelor und in diesem Rahmen eine Arbeit über die Farbe Pink im feministischen Diskurs.
Seit 2014 lebt sie in Berlin, arbeitet redaktionell für das Missy Magazine, schreibt freiberuflich für deutschsprachige Medien wie SPEX, an.schläge "Das feministische Magazin" (hier die rotierende Kolumne "neuland". Seit 2016 schreibt sie für Die Tageszeitung (taz) die Kolumne "Habibitus". Von 2014 bis 2017 betrieb sie einen Blog Queer Vanity, in dem sie sich mit Mode und "Körperpolitik" beschäftigte. Sie beschäftigt sich vor allem mit folgenden Themen: Queerness (siehe nachfolgende Box), Feminismus, Antirassismus, Popkultur und Medienästhetik (sic! d.V.).
Wikipedia gibt an: "H.Y. identifiziert sich als "nichtbinär", also als weder weiblich noch männlich, verwendet für sich selbst aber zumeist weibliche [Pronomina]. Auch die taz-Redaktion bezeichnet H.Y. geschlechsneutral ("Autor:in"; "Autor.in")". Ebenfalls laut Wikipedia leidet H.Y. "seit ihrer Jugend an Depressionen (...), hat sich im Rahmen ihres journalistischen und künstlerischen Schaffens mehrfach öffentlich mit ihrer Krankheit auseinandergesetzt, um eine breitere Akzeptanz für dieses Thema in der Gesellschaft zu erreichen."
Versuch einer Erläuterung (in Anlehnung an Wikipedia): Das Wort "queer" stammt aus dem Englischen und war zunächst negativ besetzt. Es bezeichnet Dinge, Handlungen oder Personen, die "durch oder als Ausdruck einer sexuellen oder geschlechtlichen Identität von der gesellschaftlichen Cis-Heteronomität abweichen. [Cisgender / Zissexuelle ist das Gegenteil von Transgender; den Begriff hat der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch 1991 eingeführt: "Wenn es Transsexuelle gibt, muss es logischerweise auch Zissexuelle geben. Die einen sind ohne die anderen gar nicht zu denken." Diesen dialektischen Sachverhalt diskutiere ich an dieser Stelle nicht weiter, ich habe ihn andernorts mehrfach, insbesondere mit Blick auf Theismus versus Atheismus, aufgegriffen. Fakt scheint hier jedoch zu sein, daß das als "normal" unterstellte Zusammenfallen von Körpergeschlecht und Geschlechtsidentität bei einigen Menschen keine Selbstverständlichkeit ist. So ist Transgender eine Bezeichnung für Personen, deren Geschlechtsidentität nicht oder nicht vollständig mit dem nach der Geburt anhand der äußeren Geschlechtsmerkmale eingetragenen Geschlecht (also die zunächst rechtliche Setzung / bürgerliche Zuordnung) übereinstimmt oder die eine binäre Zuordnung ablehnen. Insofern gibt es logischerweise auch das Gegenstück zu dieser (Eigen-)Definition, was rein sprachlich allein schon aus Diskussionsgründen dann auch zu benennen ist. Auf die für einen Begriff eigentlich stets notwendige Trennschärfe sei hier nur hingewiesen. ]
Die negative Konnotation von "queer" ist durch Fortentwicklung von Sprache und Bewußtsein sowie Haltungsfaktoren zunehmend in den Hintergrund getreten (leider natürlich nicht bei allen!). So steht "Queer" nun für die Gesamtbewegung wie auch für einzelne ihr angehörendenPersonen und ist ein Sammelbegriff für Schwule, Lesben, Bisexuelle, Intersexuelle, Transgender, Pansexuelle, Asexuelle, BDSMler, aber auch für heterosexuelle Menschen, die Polyamorie (eine Form des Liebeslebens, bei der eine Person mehrere Partner liebt und zu jedem einzelnen eine Liebesbeziehung pflegt, wobei dies dann allen Beteiligten bekannt ist und einvernehmlich gelebt wird) praktizieren. Wikipedia: "Eine Besonderheit von queer im Vergleich zu Identitäten wie lesbisch oder schwul ist, dass die Betonung auf der eigenen – von der Heteronormativität abweichenden – Geschlechterrolle, Geschlechtsidentität bzw. Lebensweise liegt, während ein etwaiger Partner eine geringere Rolle spielt." (Hervorh. d.V.) Es herrscht jedoch die alle verbindende Überzeugung vor, daß der angenommene Zwang zur Heteronormativität aufzulösen ist und Menschen so ihr Leben mit unterschiedlichen Vorstellungen, sexuelle Identitäten und Geschlechtsidentitäten ungestört, in Frieden, leben können. Ein Teil der Queerbewegung ist stark mit dem aus den USA kommenden postmodernen Feminismus verbunden (Ideal der Trennung dieser Identitäten vom Geschlecht!), daher auch ihr Selbstverständnis als "Queerfeminismus".
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Zusammen mit Fatma Aydemir veröffentlichte sie 2019 ein Sachbuch "Eure Heimat ist unser Albtraum" (das ist ein Manifest gegen einen als antisemitisch und rassistisch verstandenen deutschen Heimatbegriff, mit Texten verschiedener Autoren). Auch im 2020 von Amina Aziz herausgegebenen Nachschlagewerk "Enzyclopaedia Almanica" (hier werden Tweets von "People of Color" dargeboten) kann man Äußerungen von H.Y. finden. Bekannt ist -- zumindest in einschlägigen Kreisen -- ihr seit April 2020 geleisteter Podcast "Auf eine Tüte: Der Potcast mit Hengameh" , wo verschiedene Personen aus der Politik und Popkultur zu Gast sind. Motto auf der Startseite: "Jede Folge trifft Hengameh eine beeindruckende Person aus Popkultur und Politik auf eine Tüte. Den Inhalt dieser Tüte bringen die Gäste mit, schließlich packen sie aus ihrem Innersten aus. Welchen Emotional Baggage schleppen sie mit sich herum? Welches Thema war für sie so schambesetzt, dass sie es lieber im Sack versteckt haben? Wer oder was ist die It-Bag, die sie feiern? Welchen Rat wollen sie anderen in die Schultüte packen? Jeden zweiten Montag begegnen wir den Stars auf Augenhöhe. Abheben ist nicht!" Auf der Startseite kann man sich auch schon mal einen kleinen Überblick über Gäste und Themen machen. Soweit ich es beurteilen kann, handelt es sich überwiegend um Personen, die in der Gesamtgesellschaft nicht besonders bekannt sein dürften, auch die Themen dürften sich eher an einen kleinen Kreis Interessierter richten.
Wenn H.Y. die Gäste als "beeindruckende Person" im Trailer ankündigt, dann ist dem sicherlich nicht zu widersprechen, denn wer wie und warum "beeindruckend" ist, dürfte sich einem breiten gesellschaftlichen Konsens entziehen -- und das ist auch gut so, finde ich.
Es muß gerade bei der Macht der "Mainstream-Medien" zu jenen Gegengewichte geben ... Grundsätzlich stehe ich auf dem Standpunkt: es muß Foren vor allem für jene geben, die nicht in das allgemeine Schnittmuster von Popularität passen, damit der Forderung nach und dem Anspruch auf Pluralität entsprochen werden kann. Gerade die Öffentlich Rechtlichen sind durch Alternativen in ihrem Einfluß zu relativieren.
Besonders kontrovers (dies wohl nicht in einem diskursiven Sinne!) wird es dann, wenn H.Y. in einem polemischen Artikel "Fusion Revisited: Karneval der Kulturlosen" dem Veranstalter des Festivals und dem "weißen Publikum" so etwas wie "kulturelle Aneignung" und dann auch gleich noch "Rassismus" vorwirft, dies unter anderem wegen nur mild gewürzter "exotischer" Imbissangebote und des Tragens von Dreadlocks ... Was soll man mit Aussagen wie folgenden denn anfangen und wie vor allem mit ihnen möglichst objektiv umgehen, wenn H.Y. feststellt: "Mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, dass die Fusion nichts für mich ist. Weil mein Selbsthass oder einfach der Wunsch, die Welt brennen zu sehen, mich manchmal überschüttet, fuhr ich Sonntagabend in die Wursthaar-Hölle. Ja, ich wusste schon vorher, dass viele weiße Personen mit Filzhaaren das Festival besuchen würden. Schon allein die Fahrt brachte mich an meine Grenzen. In der Regionalbahn begegneten mir zwei weiße Hippies. (...) Mir war klar, dass die Fusion sehr weiß sein würde. Aber so weiß? Das Verhältnis zwischen weißen und rassifizierten Personen stellte ich mir bei 80 zu 20 vor. Nicht 99 zu 1, wie es in der Realität dann war."? Da fällt es schon sehr schwer, der Autorin nicht eine fast schon krankhafte Besessenheit zu unterstellen, ihr nicht genau das zum Vorwurf zu machen, was sie gerne anderen so vorschnell und gerne generalisierend unterstellt: Rassismus. Rückt sie sich denn mit derartigen Interpretationen (und Definitionen) von "Weltsicht" und "Wirklichkeitsverständnis" nicht in den üblen Bereich extremer vorurteilsbehafteter Umgangsweisen mit anderen? Von Toleranz, von Ausgewogenheit, von Bemühen um Offenheit vor eigener Urteilsbildung kann ich hier leider keine Spuren erkennen. Liegt es vielleicht an einem eigenen reduzierten Blickfeld, wenn sie feststellen zu müssen glaubt, daß jene, die "seit Anfang des Festivals vor Ort" gewesen waren "sich emotional irgendwo zwischen Lebenskrise und Nervenzusammenbruch" bewegten? Warum widerspricht sie nicht bzw. sucht sie nicht eine diskursive Erörterung wenn "ein*e Freund*in" am Lagerfeuer "Ein[en] Schauplatz der White Supremacy" feststellt? Ist es denn so verwunderlich wenn mitten in Europa zahlreiche Weiße, dies in großer Überzahl gegenüber Andersfarbigen (den Ausdruck setze ich als dialektischen Gegenbegriff zu dem immer mehr grassieren Weiß-Getue-und-Beklagen ganz bewußt hier!), auf einem Festival oder anderswo zu sehen sind? Und weiter: Was ist daran denn so schlimm, so völlig unerträglich -- wie es nach ihren öffentlichen Verlautbarungen H.Y. so vorzukommen scheint? Vielleicht weiß sie das selbst nicht einmal stringent und sachlogisch zu erklären ... Und wenn nicht: Liegt es vielleicht an der eigenen Psyche, an einem eigenen gefühlten Minderwertigkeitsgefühl? Warum beklagt H.Y. sich in diesem Artikel denn so sehr, daß "weiße Leute Personen of Color cosplayten" und bemerkt für sich (und wohl auch für Gleichgesinnte) daß "ihre stereotypen, rassistischen Kostüme (...) jedenfalls überall [waren]"? Weshalb scheint es sie negativ zu erregen, daß "neben Dreadlocks (...) weiße Menschen Kimonos, Kegelhüte, Oberteile mit random chinesischen Zeichen, Bindis, Saris, Federkopfschmuck, Tunnel, Turbane, Sharwals oder einzelne Federn im Haar (gerne ins verfilzte Haar gesteckt) [trugen]"? Ist doch ein Festival! Weshalb will man hier (weißen) Menschen verwehren, was man für sich selbst immer wieder beansprucht?! Man sehe doch nur sich die durchaus sehr mannigfaltigen Erscheinungsformen bei der Love Parade und ähnlichen Veranstaltungen an! Es gibt, Frau H.Y., da einen sehr schönen Begriff der zugleich Ansporn und Aufgabe sein sollte: nämlich den der (gegenseitigen) Toleranz. Subjektiv mag man ja manches als komisch oder gar als rechtlich fragwürdig, vielleicht auch rechtswidrig und vielleicht auch nicht mit dem Grundgesetz konform empfinden, das geht mir nicht anders; freilich sollte man aus diesem subjektiven Empfinden und der ebensolchen Befindlichkeit ohne weitere und tiefgehende Überprüfung der Faktenlagen nicht gleich Ex-cathedra-Doktrin fügen oder / und eine Generalisierungs- und Verdammungswalze in Gang setzen. Nochmals H.Y. zu ihrer Sichtweise, wie sie Exzesse der "White Supremacy" auf dem Festival konstruiert: "Wir schreiben das Jahr 2016 und bei der Mehrheit der Festivalbesucher*innen ist nicht angekommen, dass Red-, Black-, Brown- und Yellow-Facing unterste Schublade in der Garderobenwahl sind. Selbst bei Noise ist die Info bekannt. Warum ist es für so viele Leute so schwierig, ein Outfit zu finden, ohne andere damit anzugreifen? Wie wäre es mit einer Jeans und einem Shirt? Einem Blümchenkleid? Einem karierten Rock? Oder, wenn es dich glücklich macht, einem Einhornkostüm?" Als sachliche Kritik kann ich das wirklich nicht empfinden (und damit stehe ich sicherlich nicht allein da ...), lustig ist es aber auch nicht (zugegegen: Humor wird unterschiedlich definiert), als Ironie taugt es wegen der m.E. immanenten Dogmatik auch nicht und es bleibt leider der Eindruck, daß hier jemand, der sich gegen Formen von Rassismus und Intoleranz wehrt, gerade diese beiden unerträglichen Untugenden durch eigenes Negativbeispiel befördert ... Was soll das denn, das mit dem "Einhornkostüm"? Da zwingt sich mir eine andere Assoziation mit "Ein -" beginnend auf: Einfalt. Und das wäre, sollte dies als Denk- und Handlungsmodus zugrunde liegen, wohl noch die harmloseste Erklärungsvariante ...
Es muß schon wirklich unerträglich und impertinent sein,wenn mitten in Europa "die meisten (fast alle) Stände (...) von "weißen Personen betrieben" wurden und "der Geschmack (...) nach dem deutschen Gaumen ausgerichtet [war]." Ja, mit einem ganz speziellen Hintergrund des Erkennens und Denkens kann man dann schon mal -- scheinbar sogar leicht tolerant und gönnerhaft -- formulieren: "Was an sich ja in Ordnung wäre, würden sie nicht den Exotikfaktor erzwingen. Stichwort: Black and brown food served by white people." Und dann mußte H.Y. noch "ungläubig" geraten "vor dem Stand stehen, der laut eigenem Schild 'Indianisches (sic!) Essen' verkaufte." Diese für sie so leidvolle, offensichtlich unerträgliche Erfahrung mußte dann fast schon zwangsläufig in ihr eigenes Fazit münden: "Wenn die Fusion wirklich so auf links und kritisch macht, warum gibt es null Sensibilität in puncto Rassismus [da muß ich nun das berühmte "sic!" einfügen!]?" Und wenn H.Y. sich den "Ort auch queerer vorgestellt" hatte, wenn sie meint, sie wäre wohl in ihrer "Vorstellung über das Festival zu wohlwollend" gewesen, wenn sie als weiteren Maßstab für ihre Erwarungshaltung und Beurteilung "die meisten" ihrer "Bekannten, die hinreisten, überwiegend queer oder of Color -- oder sogar beides -- hinzuzieht und dann derart enttäuscht ist, daß "stattdessen (...) einfach ganz, ganz viele Cistypen dort" waren, dann frage ich mich schon, was ihr tieferliegender Wunsch, ihre eigentliche Handlungsmaxime sein könnte: Soll das Festival für gewisses Klientel gesperrt werden, also statt Miteinander ein Gegeneiander betrieben werden, sollen die einen Vorurteile mit anderen ausgetauscht werden, soll man das Miteinder- und Voneinander-Lernen unterbinden, will man gar eine Festival-Quoten-Regelung einführen? Ich denke, H.Y.s Sicht- und Zugangsweise zum Feiern und Erleben aber auch zur Förderung eines toleranten und sozialen Miteinanders erscheint vor diesem Hintergrund jedenfalls als eine zutiefst reduzierte, eingeschränkte, letztlich: intolerante. Dann sollte sie auch ein simples quantitatives Problem einmal sich näherführen: Wenn auf diesem Festival zu viele "Weiße" und zu wenig "Andersgeartete" waren, wenn der Zugang jedoch für jedermann offen und frei war, woran kann dann das von ihr konstatierte Mißverhältnis der Zahlen denn liegen? Allzu schwer dürfte die Antwort darauf ja nicht fallen ...
Einen Punkt den sie anspricht, sollte man jedoch schon in mehrfacher Hinsicht ernst nehmen: Wenn H.Y. feststellen mußte, daß "auch einige von der bedrängenden Sorte" anwesend waren (dies von ihr in engen Kontext zu den "Cistypen dort" gestellt!), dann bedarf dies einer näheren Konkretisierung und bei Notwendigkeit auch der rechtlichen Sanktionierung. Die Frage ist hier natürlich nicht immer ohne den Blick auf jeweils persönliche Definitionen von "bedrängend" und die subjektive Empfindlichkeit zu beantworten. Auch der Aspekt des eigenen Wehrvermögens spielt in derartigen Situationen häufig eine beachtenswerte Rolle.
Ich bin auf diesen Artikel an dieser Stelle deshalb ausführlich eingegangen, weil ich denke, aus ihm ein persönliches Sein herauslesen zu können, das letztlich auch für den Schmähartikel gegen die Polizei (und als solchen sehe ich diese Verlautbarungen!) zumindest in Teilen verantwortlich ist.
Kein Wunder, daß es bei derartigen Veröffentlichungen dann auf der Gegenseite auch zu bisweilen härten Formulierungen (Motto wohl: wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück.)kommt (ich wähle diese freilich nicht, denn sie dienen nicht dazu, die Dinge so zu versachlichen, daß der oder die Angesprochene in Richtung Diskurs -- sofern überhaupt möglich -- bewegt wird!); als ein Beispiel sei hier ein Kommentar zu jenem Artikel aufgezeigt: "Immer schön, wenn bestätigt wird, wie rassistisch, heterohassend und weißhassend viele Linke sind. Gerade Weiber, die sich nicht einem Geschlecht zuordnen wollen und auch entsprechend aussehen. Cultural Appropriation is so ein enorm fehlgeleitetes verqueres und ja rassistisches Konzept. Weiße dürfen also nur weiße Klamotten tragen, und weiße Dinge tun, jeder soll sich schön in seinen ethnisch festgelegten Grenzen bewegen. Solidarität zwischen den Kulturen wird dadurch natürlich gleich mit verhindert. Und die Fusion muss sich dafür rechtfertigen, dass ein Festival im Herzen von Europa zu wenig Nicht-weiße Gäste anzieht. Wie lächerlich. Wie dumm. Die Autorin will doch nur ihren Selbsthass auf andere projizieren. Komm erstmal klar mit dir Mädchen." (Daniel J. Bauer) Gewiß enthält jener Kommentar jedoch einige durchaus zu hinterfragende Sachverhalte.
Der im Missy Magazine am 05.07.2016 erschienene Artikel (Fusion Revisited: Karneval der Kulturlosen), in dem H.Y. dem "weißen Publikum" des Fusion Festivals und dessen Veranstaltern kulturelle Aneignung und Rassismus u.a. vorwarf, indem sogar Teile der dort präsentierten Speisen zur Nährung weiterer Vorurteile bemüht wurden und das Tragen von "Dreadlocks" auch noch zum Vorwurf geriet, wurde allerdings auch innerhalb der Linken teilweise kontrovers diskutiert, unter anderem wurde H.Y.s Text als "ein Beispiel für neurechte oder ethnopluralistische Argumentationsmuster in der 'anitrassistischen Szene' " gewertet. Y.H. hat im Jahr 2018 noch auf ihren Artikel draufgesattelt, dies mit dem sinnigen Titel: "Ich war auf der Fusion, und alles was ich bekam, war ein blutiges Herz." Na ja, wenn dem so sein sollte, dann ist es halt so ...
Schauen wir noch ein wenig auf ein anderes "Stilmittel", dessen sich H.Y. offensichtlich gerne zu bedienen scheint. So schrieb sie im Oktober 2017 in einer taz-Kolumne m.E. sehr Merkwürdiges, indem sie die deutsche Kultur wortwörtlich als "Dreckskultur (von) Kartoffeln" verglich, sich dabei wohl an denSlangausdruck "Kartoffel" für Deutsche anlehnend. Ob man so für ein besseres Zusammenleben verschiedenartiger Menschen werben oder sorgen kann? Da habe ich einen absoluten Zweifel. Jan Fleischhauer lag damals aus meiner Sicht richtig, als er kritisierte, "dass man die Maßstäbe, die man an andere anlegt, nicht für sich gelten lässt." Und genau das werfe ich H.Y. -- so wie sie sich immer wieder medial darstellt -- vor: Intoleranz, übergroße Empfindlichkeit und Kurzsichtigkeit beim Umgang mit Problemfeldern; Perspektivenwechsel und Empathie (für Andersdenkende) scheinen bei ihr nicht gerade besonders intensiv ausgeprägt zu sein. Und Elke Halefeldt (sie ist Journalistin und schreibt für unterschiedliche Medien) kommentierte über H.Y.s Verhalten: "Wir lernen: Rassismus gegen Deutsche ist kein Rassismus". Es tut mir leid, es so sagen zu müssen: Yaghoobifarah trägt durch solches Verhalten eher zur Spaltung statt zu einem umfassenderen, besseren Verständnis bei.
Wie mit H.Y.s Traktat über die Positionierung umgehen?
Falsch dürfte -- ich stelle das aus meiner Sicht nochmals, hier nur den juristischen Hintergrund ins Auge fassend, fest -- es jedenfalls sein, wie es der Bundesinnenminister Horst Seehofer mit der unverzüglichen Ankündigung einer Strafanzeige getan hat, einer Klage gegen H.Y. und gegen die taz. Er betonte zunächst, der werde juristisch gegen die aus seiner Sicht "unsägliche" Kolumne der taz-Autorin H.Y. vorgehen. Wie schon häufiger, hat Horst Seehofer aus meiner Sicht hier etwas vorschnell geredet, statt sich erst einmal so (in diesem Fall: rechtlich!) richtig sachkundig zu machen. Denn hier den Erfolg auf dem Rechtsweg zu erreichen, dürfte zumindest viel Optimismus (Motto etwa: Die Hoffnung stirbt zuletzt ...) voraussetzen, gleichwohl: so ganz aussichtslos, wie manche Kritiker meinen, erscheint mir der Versuch einer Strafverfolgung wiederum auch nicht. (Zu dieser Erkenntnis bedarf es nicht eines in vulgo "Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.", sondern besser eines ganz genauen Blickwinkels auf einschlägige Urteile des Bundesverfassungsgerichts.) Die Frage ist: Lohnt sich im Falle der H.Y. das Risiko, schafft man ihr durch so einen prozessualen Verlauf nicht noch mehr Aufmerksamkeit als ihr zukommen sollte, liefert man ihr da nicht ein weiteres Forum für öffentliche Selbstdarstellung? Es geht also letztlich auch um eine Abwägung von Risiko und Effektivität ...
Anerkennenswert ist sicherlich, daß sich der Bundesinnenminister da konsequent vor die Polizei stellt (das ist auch eine seiner Aufgaben!). Und das ist auch notwendig! Die Polizei bedarf der uneingeschränkten Rückendeckung des Staates. Das könnte jedoch auch konterkariert werden, wenn die Rechtsverfolgung hier erfolglos bleiben würde.
Gleichwohl dürften andere ihm das, was er sich selbst im ersten Impuls versagt hatte, nämlich Ursache und Wirkung erst einmal gründlich zu erforschen, angeraten haben. So dann -- nach einigen internen Gesprächen (die Rede war sogar von Seehofers "Eigentor" ...) -- der schnelle Rückzug Seehofers: er werde von einer Strafanzeige absehen. Seehofer wäre nicht Seehofer, wenn er diesen Rückzug nicht in ein positives Licht (somit aus der Schußlinie einer Bankrotterklärung) zu rücken versucht hätte; plötzlich sah er sein "Hauptziel" mit seiner Anzeigedrohung erfüllt, jenes sei gewesen, eine öffentliche Debatte über den "unsäglichen Artikel" anzustoßen. Seehofer wörtlich: "Ich habe in meinem ganzen politischen Leben keinen Artikel gelesen mit einer so menschenverachtenden Sprache gegenüber Polizisten." (gegenüber der Augsburger Allgemeinen) Und er betonte, auch in einer Demokratie hätte Meinungs- und Pressefreiheit ihre Grenzen und niemand habe das Recht, andere Menschen, ungeachtet der Gruppe, der sie angehören, mit menschenverachtender Sprache herabzusetzen. Und trotz des persönlichen Verzichts auf eine Strafanzeige, beharrt Seehofer auf eine weitere Prüfung: "Ich bleibe bei meiner Überzeugung, dass hier Straftatbestände durch diesen Artikel erfüllt sind. Dies zu prüfen, obliegt jetzt den Ermittlungsbehörden." Und weil für die Polizei die Rückendeckung durch die Politik von höchster Bedeutung ist -- "das ist auch der Hintergrund meiner Auseinandersetzung mit der taz", so Seehofer -- und wir der Polizei "zum großen Teil" verdanken "dass wir einem stabilen Rechtsstaat leben" sieht er es auch als seine Aufgabe an, der Polizei den Rücken zu stärken und sie zu schützen. Horst Seehofer über die Polizei weiter: "Sie ist Freund und Helfer, nicht Feind. (...) Gerade auch die jüngsten Ereignisse in Stuttgart oder Göttingen zeigen, dass der Respekt gegenüber der Polizei nicht mehr so vorhanden ist, wie das für einen demokratischen Rechtsstaat erforderlich ist, und dass ein kleiner Teil der Bevölkerung die Polizei geradezu als Feind betrachtet. Das gilt für Extremismus - rechts wie links." In diesem Zusammenhang kritisierte Seehofer auch die wachsenden Angriffe gegen Rettungskräfte, gegen Feuerwehrleute und die zunehmende Respektlosigkeit gegenüber Personen in Behörden und Kommunalpolitik. Und er meint dazu: "Da hilft nur eine harte Hand und ein starker Staat, um diese schlechte Entwicklung zu beenden. Ich hoffe da sehr auf die Unterstützung der Bevölkerung." Jeder, der an Recht und Ordnung interessiert ist, jeder, dem Demokratie wichtig ist, wird Horst Seehofer in seiner Bewertung der Lage ganz oder zumindest überwiegend zustimmen. Die Frage ist nur: Wie kann es gelingen, in diesem Land wieder mehr Recht und Ordnung durchzusetzen, dies dann ohne wesentliche Elemente der Verfassung auszuhöhlen, zu untergraben? Ich fürchte, man hat dem Treiben bereits viel zu lange untätig zugesehen, hat allenfalls mit unwirksamen Mitteln versucht, Entgleisungen und unsoziale Abweichungen zu begegnen. Es bedarf hier wieder mehr Effizienz, mehr Konsequenz und vor allem auch eine Abkehr von der übergroßen Wunschbildmentalität. Wünsche und Hoffnungen sind eben keine Wirklichkeit, das zeigen besonders jene auch von Horst Seehofer angesprochenen Exzesse überdeutlich.
Statt auf prozessuale und strafrechtliche Komponenten zu setzen, möchte Seehofer nun das Gespräch mit H.Y. suchen, dies wohl auf der Grundlage eines grenzenlosen Optimismus oder vielleicht auch Gutmütigkeit und guten Willen gegen einseitige Verhärtung und Diffamierung (Motto: Die Hoffnung stirbt zuletzt ...) zu setzen. Ich jedenfalls fürchte: ein Gespräch mit H.Y. dürfte bei ihrer gezeigten Grundhaltung sinnlos, nicht fruchtbringend sein! (Die Chefredakteuring der taz hat sich übrigens für den kritisierten Artikel bereits entschuldigt.) Ob dazu auch H.Y. willens ist, ob sie dazu die Notwendigkeit erkennt, dürfte nach bisherigem Kenntnisstand eher bezweifelt werden. (Innerhalb der taz scheint es jedoch zwei Gruppierungen zu geben: die eine kritisiert den Artikel von H.Y., die andere -- zumeist die jüngeren Mitarbeiter -- sieht darin nichts Anstößiges.) Grundsätzlich ist ein Gespräch immer das Mittel erster Wahl, zumindest sollte es so sein. Allerdings bezweifle ich persönlich, zumindest nach Kenntnis all dessen, was ich bislang von H.Y. gelesen und gehört habe, daß so ein Gespräch zielführend sein kann, zumindest wenn man die Besserung der Verhältnisse als Zielsetzung nimmt. Der Streit fing schon wieder damit an, wo denn so ein Gespräch stattfinden soll. Während Seehofer eine Einladung in sein Ministerium vorschlug, wollte H.Y. so ein Gespräch an einer (kritisch-modernen) Polizeischule vorziehen.
Ungeachtet der Ortswahl, so ein Gespräch macht nur dann Sinn, wenn die Fronten nicht derart verhärtet, geradezu unversöhnlich scheinen. Und dies scheint mir hier nicht der Fall zu sein. Man sollte Menschen, die beleidigende und extreme Positionen einnehmen, die sich ausgegrenzt fühlen und dabei gleichzeitig eine andere Form von Ausgrenzung produzieren, vielleicht es auch gar nicht anders können, weil ihre subjektiven Erlebnisse und die eigene Lebenserfahrung nichts anderes zulassen, nicht noch ein Podium zur Selbstdarstellung bieten.
Ein Ringen um die beste Lösung unter verschiedenen Möglichkeiten setzt aus meiner Sicht immer auch voraus, daß die Gesprächsbasis (weitestgehend) frei von Identitätskrisen der Beteiligten ist. Wäre das im vorliegenden Sachverhalt der Fall? Da bin ich mir nicht so sicher. Wer so verhärtet, wer so einseitig, wer so abstrahierend agiert, wird wohl kaum eine Annäherung an Wirklichkeit leisten können. Wer derart aggressiv, beleidigend und auch -- leider muß ich das zumindest auf der Basis meiner bisherigen Kenntnis (s. auch oben) sagen -- ausgrenzend und rassistisch argumentiert, wird es wohl schwer schaffen, ein Gespräch auf einer sachlichen, frei von persönlichen Beleidigtseinattitüden zu führen. Und: Ist ein solches Gespräch überhaupt gewollt, wenn man ohnehin der Ansicht ist, man selbst habe Recht, man selbst weiß alles besser, man selbst habe die (einzig) richtige Welt- und Wirklichkeitssicht? Ich fürchte, mit dem Gesprächsangebot ist Horst Seehofer in diesem Fall viel zu großzügig und dürfte -- so es denn überhaupt zustanden kommt -- seine Zeit nur verschwenden. Es gibt eben Fälle, Situationen, Ereignisse, Vorkommnisse, da muß man schlicht deutliche Grenzen ziehen und zeigen und nicht noch dazu beitragen, Unwichtigkeit zu einer Imposanz aufblasen zu helfen.
Aber das ist "nur" die psychologische Seite der Angelegenheit. Sollte die nicht gelöst werden können, wäre es (höchstwahrscheinlich!) jedoch, wenn nicht schon ein Trugschluß, doch mit mehreren Risiken verbunden, es mit dem Rechtsweg zu versuchen. Weshalb? Dazu möchte ich nachfolgend ein paar kurze Anmerkungen nun machen.
H.Y. hat in ihrem Artikel von der Polizei, so scheint es zumindest zunächst, in einem generalisierenden Sinn gesprochen. Man könnte in diesem Zusammenhang an eine Art Gattungsbegriff denken. Keinesfalls hat H.Y. jemanden konkret benannt, konkret angesprochen, persönlich beleidigt. [Dies schließt natürlich nicht aus, daß sich Angehörige der Polizei beleidigt oder verleumdet fühlen, was jedoch rechtlich in einem solchen Fall grundsätzlich (!)ohne Belang sein dürfte.]
Für den Rechtsweg denkleitend und entscheidungsstiftend dürfte auch hier das "Alle-Soldaten-sind-Mörder"-Urteil aus dem Jahre 1995 sein. Hier hat das Bundesverfassungsgericht zum Verhältnis von Meinungsfreiheit und Ehrenschutz bei Kollektivurteilen über Soldaten Stellung bezogen. Es lagen damals diesbezüglich mehrere einschlägige Verfassungsbeschwerden vor.
Hierzu stellte das BVerfG dann fest: "Die zur gemeinsamen Entscheidung verbundenen Verfassungsbeschwerden betreffen strafgerichtliche Verurteilungen wegen Beleidigung der Bundeswehr und einzelner Soldaten durch Äußerungen wie "Soldaten sind Mörder" oder "Soldaten sind potentielle Mörder". Der Erste Senat gab schließlich den Verfassungsbeschwerden der vier verurteilten Pazifisten statt. Er verkündet am 7. November 1995, daß der Ausspruch "Soldaten sind Mörder" weiterhin nur als Beleidigung strafbar sei, wenn damit eindeutig ein einzelner Soldat oder speziell etwa die Bundeswehr herabgesetzt werde. Eine Verurteilung sei jedoch dann ausgeschlossen, wenn die Äußerung als generelle Kritik an "Soldatentum" und "Kriegshandwerk" zu verstehen sei. Solch eine allgemeinpolitische Aussage werde durch das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung gedeckt.
Zu untersuchen bleibt, inwiefern eine Subsumtion der "Kollektivbeleidigung" unter § 185 StGB ("Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Beleidigung mittels einer Tätlichkeit begangen wird, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.") mit Art. 5 GG ("(1) Satz 1:Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Satz 2: Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Satz 3: Eine Zensur findet nicht statt. (2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre. (3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.") zu vereinbaren ist. Welcher der drei Abchnitte des Art. 5 GG ist hier relevant? Möglicherweise alle drei, insbesondere jedoch Satz 1. (Strittig dürfte sicherlich auch sein, ob es sich bei H.Y.s Artikel um die in Absatz 3 erwähnten Begriffe "Kunst" handelt, gewiß jedoch dürfte die Anwendung von "Wissenschaft", "Forschung und Lehre" hier irrelevant sein.)
Nun kann jedoch die Grenze zwischen einem Angriff auf die grundgesetzlich geschützte persönliche Ehre (ein Grundrecht!) als Schranke der Meinungsfreiheit (auch ein Grundrecht!) -- eben gerade weil Art. 5 GG auch einen Freiraum für Kritik an sozialen Phänomina, staatlichen oder gesellschaftlichen sowie sozialen Rollen etc. garantieren soll, dies gilt natürlich grundsätzlich selbst bei herabsetzenden Äußerungen unter Verwendung einer Sammelbezeichnung! -- nicht scharf gezogen werden. Es gilt also juristisch hier jeweils zu prüfen, ob bei Äußerungen in Form einer "Kollektivbeleidigung" die Gefahr einer überschießenden Beschränkung der Meinungsfreiheit besteht. Und da wäre Seehofers erster Impuls, hätte er ihn dann auch umgesetzt, vielleicht bereits auf ein gewisses Risiko gestoßen, denn wie Gerichte hier urteilen, kann nicht mit Sicherheit vorhergesagt werden ...
Nochmals auf die Abwägung beider Grundrechte bezogen im Klartext: Deshalb muß bei der Anwendung von § 185 StGB in diesen Fällen stets geprüft werden, ob durch sie überhaupt die "persönliche" Ehre der einzelnen Gruppenangehörigen beeinträchtigt wird und ob gewährleistet wird, dass es nicht zur Unterdrückung kritischer Äußerungen über politische und soziale Erscheinungen kommt.
Zur Prüfung eines solchen Sachverhalts hat der BGH (Bundesgerichtshof) zwei Voraussetzungen aufgestellt: Erstens muß es sich um eine abgrenzbare und überschaubare Gruppe handeln und zweitens muß die herabsetzende Äußerung an ein Merkmal anknüpfen, das bei allen Angehöringen des Kollektivs vorliegt.
Betrachten wir nun nochmals genauer das Urteil über die herabsetzenden Äußerungen über Soldaten ("alle Soldaten sind Mörder" o.ä.): Hier wurde festgestellt, daß derartige Äußerungen NICHT auf die persönliche Ehre eines Individuums durchschlagen, wenn sie sich auf alle Soldaten der Welt beziehen.
Wichtig nun aber auch: Dagegen spricht die Bedeutung des Art. 5 I 1 GG nicht zwingend gegen die strafrechtliche Beurteilung, dass die aktiven Soldaten der Bundeswehr eine hinreichend überschaubare Gruppe darstellen, so daß eine auf sie bezogene Äußerung auch jeden einzelnen Angehörigen der Bundeswehr kränken kann, wenn sie an ein Merkmal anknüpft, das typischerweise auf alle Mitglieder des Kollektivs zutrifft. Inkonsequent wäre es demgegenüber, eine herabsetzende Äußerung auf Soldaten im Allgemeinen nur deswegen speziell auf Soldaten der Bundeswehr zu beziehen, weil diese Teil der Gesamtheit aller Soldaten sind. Eine solche Auslegung der §§ 185 ff. StGB würde auch die Meinungsfreiheit über das Maß hinaus einschränken, das zum Schutz der persönlichen Ehre erforderlich ist und dadurch Art. 5 (1) Satz 1 GG unzulässig beschränken. Es ist wohl so, daß bezüglich herabsetzender Äußerungen über Soldaten geschlußfolgert werdenkann, daß diese rein rechtlich nicht die persönliche Ehre des Indivduums betreffen wenn jene Äußerungen sich auf das Sodatentum per se, also auf alle Soldaten der Welt beziehen. Seinerzeit wurde auch die Tatsache, daß ein Transparent mit dieser Äußerungen am Ort eines stattfindenden großen Nato-Manövers präsentiert wurde für die Urteilsfindung relevant; hier sah das Gericht unter Berücksichtigung der "außertextlichen Umstände", die stets einzubeziehen seien, daß es möglicherweise (sic!) nicht um die Diffamierung eines abgegrenzten Personenkreises (von hier: Bundeswehr-Soldaten) ging, sondern um eine "drastische Kritik am Militär an sich".
Der Erste Senat hatte in einem zweiten Urteil mit Bezug auf das Tucholsky-Zitat ("Soldaten sind Mörder", aus der Glosse "Der bewachte Kriegsschauplatz, 1931 in der Zeitschrift "Die Weltbühne" publiziert), das ein Beklagter verwendet hatte, geurteilt, jenes Zitat sei so lange vom Grundrecht auf Meinungsfreiheit gedeckt, wie es sich um eine allgemeinpolitische Aussage handele. Und auch hier wichtig als Ergänzung: Dies sei aber kein Freibrief für die Beleidigung einzelner Soldaten oder der Bundeswehr (sic!) ... (so das Gericht!)
Die Empörung einiger politischer Kreise über dieses Urteil war natürlich groß und folgte unverzüglich (vor allem seitens CDU und FDP; sie forderten Konsequenzen des Gesetzgebers zwecks Klarstellung für zukünftige Verhaltensweisen; so forderte Volker Rühe, der damalige Verteidigungsminister, die Justiz auf, aus dem Urteil die "richtigen Konsequenzen zum Schutz der Ehre der Soldaten zu ziehen und für ihn seien Leute Straftäter, die bei Zapfensteichen "Mörder, Mörder" riefen. Edmund Stoiber, CSU, damaliger bayerischer Ministerpräsident, warf dem Gericht vor, den Schutz der Soldaten vor ehrverletzenden Äußerungen ausgehebelt zu haben). Dabei hatte das Gericht im Einklang mit seiner ersten Entscheidung vom September 1994 klargestellt, daß es gerade nicht die Gleichsetzung von Soldaten mit Mördern erlaubt habe, daß jedoch Aussagen wie "Soldaten sind Mörder" oder "Soldaten sind potentielle Mörder" nur dann nicht strafbare Handlungen sind, wenn damit das "Soldatentum" und "Kriegshandwerk" an sich verurteilt werden. Es sei aber ein Angriff auf die persönliche Ehre, wenn jemand einzelne Soldaten oder die Bundeswehr (sic!) pauschal als Mörder bezeichne. Es komme also darauf an, ob eine solche Aussage allgemeinpolitisch gemeint oder auf bestimmte Soldaten abgezielt war. (Übrigens nur in einem Fall wurde einstimmig geurteilt, ansonsten war das Stimmenverhältnis jeweil fünf gegen drei, in einem Sondervotum hatte die Richterin Evelyn Haas per Sondervotum erklärt, in drei Fällen seien die Äußerungen verbotene Schmähkritik gewesen.)
Das BVerfG hat immer wieder auf die erforderlichen Abwägungsprozesse bei etwaigen strafrechtlichen Sanktionen von Meinungsäußerungen abgehoben. So war ein Rechtsanwalt durch alle Instanzen verurteilt worden, weil er das Verhalten eines Behördenvertreters ob seines Umgangs mit einem Sachverhalt ihm und seiner Mandantschaft gegenüber als "nur noch als offenbar persönlich bösartig, hinterhältig, amtsmissbräuchlich und insgesamt asozial uns gegenüber" bezeichnet hatte. Das BVerfG hob die Urteile jedoch auf, sah das Verhalten des Anwalts durch die Meinungsfreiheit gedeckt. (1 BvR 362/18) Auch wurde das Urteil eines Steuerpflichtigen, der den heutigen SPD-Vorsitzenden im Zusammenhang mit der Haushaltsgestaltung als "rote Null" bezeichnet hatte, vom BVerfG wieder aufgehoben, erneut mit Bezug auf die Meinungsfreiheit. (1 BvR 1094/19)
Ich bin an dieser Stelle deshalb so ausführlich auf das "Soldaten-Urteil" eingegangen, weil man damit aufzeigen kann, wie kompliziert die Rechtslage ist, wenn es darum geht, strafbare Beleidigungen (oder gar Verleumdungen) mit den Schranken der Meinungsfreiheit abzugleichen.
Wie die Gerichte im Fall des Artikels von H.Y. da wohl geurteilt hätten? Wir werden es nach aller Erkenntnis, die bislang vorliegt, nicht erfahren. Würde hier von einer generellen Aussage, gar von einem weltweiten Bezug ausgegangen werden? Haben wir es hier mit einer "überschaubaren und abgrenzbaren Gruppe" zu tun und knüpfen die herabsetzenden Äußerungen auch an ein Merkmal (oder mehrere Merkmale) an, das (die) bei allen Angehörigen des "Polizei-Kollektivs" vorliegt (vorliegen)?
Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen und dem Gesamtkontext gehe ich (bei gewisser nicht zu leugnender Unsicherheit) nun davon aus, daß eine Strafverfolgung höchstwahrscheinlich gescheitert wäre.
Ich darf nochmals aus H.Y.s Kolumne zitieren: "Ich hingegen frage mich: Wenn die Polizei abgeschafft wird, der Kapitalismus jedoch nicht, in welche Branchen kann man Ex-Cops dann überhaupt noch reinlassen? Schließlich ist der Anteil an autoritären Persönlichkeiten und solchen mit Fascho-Mindset in dieser Berufsgruppe überdurchschnittlich hoch. Oder haben Sie schon mal von einem Terrornetzwerk in der Backshop-Community gehört? Ich nämlich auch nicht. Wohin also mit den über 250.000 Menschen, die dann keine Jobs mehr haben? Einfach in neue Berufe stecken? Weil das nach 1945 so gut funktioniert hat? Fehlanzeige. Aber welche Bereiche der Arbeitswelt wären sicher? (...) Soziale Arbeit schon mal nicht. Das Problem löst sich nicht dadurch, dass ein Cop Uniform gegen Birkenstocks und Leinenhosen umtauscht. Ob Behörden, Lehrer_innen, Justiz, Politik, Ärzt_innen oder Sicherheitskräfte: Machtpositionen gegenüber anderen Menschen kommen nicht infrage. Streng genommen möchte man sie nicht einmal in die Nähe von Tieren lassen. Bitte nicht noch mehr Chicos erziehen!"
Greifen wir einmal die genannte Zahl der "über 250.000 Menschen" (jener Berufsgruppe "Polizei", d.V.) auf. Ein weltweiter Bezug läßt sich daraus gewiß nicht ableiten, damit schon eher der einer "abgrenzbaren und überschaubaren Gruppe": Wieviele Polizeivollzugsbeamte gibt es denn in Deutschland? Laut Statistischem Bundesamt wird für den Zeitraum 2016 - 2018 die Zahl 250768 genannt (Quelle: Polizeistärke und Kriminalität in Deutschland, Statistisches Bundesamt; Polizeiliche Kriminalstatistik 2017). Es dürfte also -- trotz des ursprünglichen "Aufhängers" der Ereignisse in den USA -- die deutsche Polizei gemeint sein, also nicht der Polizeiberuf als solcher in einer globalen Sichtweise.
Schauen wir uns aber einmal den Aspekt "Merkmal" mit Bezug auf das genannte Kollektiv an: Es fällt auf, die Rede ist von "autoritären Persönlichkeiten" (der Begriff dürfte wohl kaum den Tatbestand einer Beleidigung erfüllen!) und von einem "Fascho-Mindset" der in "dieser Berufsgruppe überdurchschnittlich hoch" sei; insofern dürfte auch hier zu verneinen sein, daß ein Merkmal genannt wurde, das "bei allen Angehörigen" eines genannten Kollektivs vorliegt. Insofern vermute (schließe mit aller Vorsicht) ich, der von Seehofer zunächst beabsichtigte Rechtsweg wäre wohl gescheitert.
Daß die Begrifflichkeit "Fascho-Mindset" mit ihrer geringen Trennschärfe zusätzlich Grundlage für eine sehr weite Auslegung geliefert hätte, darf durchaus angenommen werden. Nochmals: eine Äußerung ist -- nicht nur nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichts -- nie von ihrem Gesamtkontext getrennt zu sehen und zu bewerten! Und die (sicherlich: sehr extremen) subjektiven Überlegungen der Autorin, wo man denn nach der (ohnehin nur einem utopischen, weil allzu hypothetischen, Gedanken entspringenden) Auflösung der Polizei jene Personen dann beschäftigen könnte bzw.sollte oder wo auch nicht, mag allenfalls ein Merkmal persönlicher Attitüden, privater Gedankenkonstrukte, vielleicht auch: welt- und wirklichkeitsentfremdeter Seinslage und Auseinandersetzung mit eigener Umweltsicht und daraus resultierenden (Wunsch-)Vorstellungen sein, dürften jedoch strafrechtlich zumindest von keinerlei Relevanz sein.
Es läßt sich eben nicht alles (zufriedenstellend) auf Rechtswegen lösen, Gesellschaft muß grundsätzlich (dieser Begriff hier nun in seiner Alltagsbedeutung, nicht in seiner juristischen Konnotation verstanden!) anders funktionieren, vor allem mit Respekt, mit Achtung, mit sachlichen Auseinandersetzungen; letztere sind allerdings nur dann noch möglich, wenn man wieder einen großen Abstand zu der grassierenden politischen Korrektheit, der Feindin jeglicher Diskursbemühungen, gewinnt, damit aber auch Abstand zu Rechthaberei, zu Besserwisserei, zu der Einstellung, nur man selbst habe die Wahrheit gepachtet.
Ich sehe hier Y.H. sowohl als sprachlich verarmt, als inhaltlich bodenlos, als persönlich armselig an, nicht zuletzt weil sie einen alles andere als der zu Verständigung und Ausgleich gedient habenden Beitrag abgeliefert hat. Hat sie sich damit nicht auf das Niveau herabbegeben, das in den sozialen Medien immer wieder aufflammt und von vielen Seiten -- auch von ihr selbst -- zu Recht kritisiert und abgelehnt wird? Ich fürchte, es ist leider so geschehen. Und ihr Fehlen jeglicher Einsicht, das Vermeiden von Richtigstellungen bzw. Entschuldigung bestätigt doch diesenEindruck, nicht wahr?
Ein Kommentar in einem Forum liest sich folgendermaßen: Meine Torelanzschwelle ist an dem Punkt überschritten, wo man das Recht, beleidigend, vulgär, gruppenbezogen menschenverachtend und extrem polemisch zu sein für sich selbst in Anspruch nimmt und es im gleichen Atemzug anderen abspricht. Wenn Hengameh Yagobifarah oder Deniz Yücel das "dürfen", dann "darf" es eben auch ein Gauland, oder, sehr viel harmloser, eine Lisa Eckard. Hat irgendjemand von ihren erbitterten Verteidigern hier noch im Ohr, mit welcher intensiven Feindseligkeit Y. hier vor kurzem eine Kollegin verrissen hat? Gleichermaßen sachlich auch ein anderer Kommentar: (...) dass die komplette Kolumne von Frau Yaghoobifarah eine Sprache hat, die ich persönlich nicht für sinnvoll und für persönlich abwertend halte.
Leider dürfte A.Y. selbst von derart sachlichen Einwendungen unbeeindruckt bleiben, denn ich vermute, sie benötigt gerade diese Darstellungsformen und Umgangsweisen für ihre Identität; dieser Stil scheint mir für sie so eine Art "Markenzeichen", vielleicht auch eine gesellschaftsbezogene Überlebensstrategie, zu sein -- und / denn für ihre einschlägige Positionierung wird sie sicherlich immer wieder ihren Adressatenkreis finden, in dessen Dunstkreis dann ein Prozeß intersubjektiver Übereinkunft mit dem Ziel des Rechthabens, des Gepachtethabens von Wahrheit und Richtigkeit abläuft und so stets zur Selbstbestätigung beitragen wird: richtig liegt man da selbst, alle anderen (von diesem Zirkel dann logischerweise ausgegrenzten Menschen) liegen falsch, verhalten sich falsch, sind uninformiert, sind aggressiv, sind bisweilen dann auch rassistisch, sind natürlich auch (extrem) intolerant und werden nicht selten vorschnell in die "rechte Ecke" oder in sonstige Abgründe verschoben, erfahren also die ganze Bandbreite von Unterstellungen und Vorurteilen (also gerade das, was die Urheber dieser Szenarien für sich selbst heftigst verneinen würden) ... (Daß dieses Phänomen nicht nur auf A.Y. zutreffen kann, versteht sich auch nur halbwegs kritischen Menschen hoffentlich von selbst. Wer regelmäßig in die Medien blickt, wer die vielen Selbstdarsteller in Magazinsendungen und Talkshows -- gerade im Öffentlichen Rundfunk mit seinen Zwangsgebühren! -- erlebt, wer die nicht nur geistig voreilige Saturiertheit in diversen gesellschaftlichen Kreisen fortlaufend erfährt, wer also die Abwesenheit von Bescheidenheit und die Absage an das Bemühen um Annäherung an Wahrheit immer wieder erlebt, der oder die weiß sehr wohl, wovon ich hier rede ...)
Gegen so manche Disposition ist der Rechtsweg weniger tauglich als eine konsequente Mißbilligung und Ächtung durch breiten gesellschaftlichen Konsens! Es war und ist für mich immer wieder verwunderlich, wie manche Leute unser Land, unsere Kultur verächtlich machen (Yaghoobifarah hat bekanntlich die deutsche Kultur schon mal als "Dreckskultur", s.o., bezeichnet, ein anderer wie Denis Yücel *) war da auch nicht gerade zimperlich, aber was soll man sich darüber noch groß wundern angesichts der Tatsache, daß es auch im deutschen Parlament bisweilen Mitläufer bei durchaus fragwürdigen Demonstrationen gibt, die dadurch alles andere als ein positives Beispiel geben ...
*) So lief die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth Ende November 2015 bei einer Anti-AfD-Demonstration mit, bei der "Deutschland, Du mieses Stück Scheiße", "Deutschland verrecke" skandiert wurde, auch Rufe wie "Nie wieder Deutschland" seien zu hören gewesen, ein Plakat, laut Aufschrift eines der Linkspartei, zeigte den Schriftzug "Vaterland war als Kind scho scheisse!" Laut Hannoversche Allgemeine Zeitung konnten Roth und alle anderen die Parolen hören "und liefen doch mit".
Die HAZ weiter: "Aus Lautsprecherwagen wurden die bürgerlichen Parteien, die Stadtverwaltung und die Bundesrepublik beschimpft." Dies nicht zu hören, war also unmöglich. Bei der Demo sind laut der Zeitung sogar "bevorzugt schwarz gekleidete Linksautonome" anwesend gewesen. Spätestens dies hätte doch abschrecken müssen. Nicht so Claudia Roth und ihre Mitstreiter. (Quelle: Bayern Kurier, 04.12.2015) Florian Herrmann (CSU): "Obwohl sie das auch gehört haben muss, hat sie sich bisher davon nicht distanziert -- im Gegensatz zu anderen Beteiligten." Florian Herrmann stellt hier, durchaus nachvollziehbar, folgenden Sachverhalt fest: "Sie trägt damit zur Radikalisierung der Gesellschaft bei und macht sich mitschuldig, wenn sich das Klima in Deutschland hochschaukelt." (ebd.) Kritik, ebenfalls leicht nachvollziehbar, über dieses Mitläufertum kam auch von Rainer Wendt, DPolG: "Mir würde es im Traum nicht einfallen, Linksextremisten hinterherzulaufen, selbst wenn sie für eine vermeintlich gute Sache auf die Straße gehen." Und daß nicht alle anderen gegenüber jenem Treiben blind, taub und teilnahmslos geblieben waren, schildert der Bayer Kurier so: Einige der Teilnehmer sind offenbar etwas feinfühliger als die sonst so feinfühlende Claudia Roth. Eine Sozialdemokratin meinte laut der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung: „Der schwarze Block hat uns richtig vorgeführt.“ Auch beim DGB besteht „Gesprächsbedarf“. SPD-Bürgermeister Herrman will nun angeblich besprechen, wie es zu dieser peinlichen Situation kommen konnte: „Das ist suboptimal gelaufen und ärgerlich für das Ansehen des Bündnisses.“ Da hätte man sicherlich auch früher draufkommen können. Nun, bei diesem unsäglichen Vorfall kann man ja nicht gerade behaupten, jemand hätte sich hier hinter "Satire" o.ä. versteckt, hier wurde offensichtlich deutlich und gezielt gezeigt, welch Geistes Kind man denn zu sein scheint.
Anders verhält es sich mit der -- höchstwahrscheinlich als "Satire" gedachten -- Kolumne von Deniz Yücel in der taz vom 06.11.2012, erschienen unter dem Titel "Geburtenschwund: Super, Deutschland schafft sich ab". Aus meiner Sicht vordergründig diente hier als Aufhänger Thilo Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab". Man könnte sicherlich die von Sarrazin aufgezeigte Gefahr bzw. einen von ihm gesehenen (und durchaus belegten) Trend in eigender Bewertung der Fakten ironisch aufgreifen und satirisch bearbeiten. Wenn man dann aber in so einem Text Passagen wie (gegen die Person Sarrazins gerichtet) "Buchautor Thilo S., den man, und das nur in Klammern, auch dann eine lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur nennen darf, wenn man weiß, dass dieser infolge eines Schlaganfalls derart verunstaltet wurde und dem man nur wünschen kann, der nächste Schlaganfall möge sein Werk gründlicher verrichten." präsentiert bekommt, dann kann man das sicherlich nicht mehr als Satire oder ähnliches sehen; daraus spricht Inhumanität, Menschenverachtung, m.E. auch ein Verstoß gegen Grundwerte. So emotionslos und haßerfüllt gehen anständige Menschen doch nicht mit Gesundheitsproblemen anderer um, mögen jene ihm noch so zuwider sein -- anders vermag ich das nicht zu sehen! Aber das mag mit Deutschland und deutscher Kulur vielleicht allenfalls mittelbar etwas zu tun haben und fällt eher in den Bereich persönlicher Entwicklung und Selbstdefinition.
Anders in einem überpersönlichen Kontext verhält es sich dann doch noch, wenn D. Yücel schreibt "In der Mitte Europas entsteht bald ein Raum ohne Volk. Schade ist das nicht. Denn mit den Deutschen gehen nur Dinge verloren, die keiner vermissen wird.", "Der Erhalt der deutschen Sprache übrigens ist kein Argument dafür, die deutsche Population am Leben zu erhalten.", "diese freudlose Nation also kann gerne dahinscheiden." und "Etwas Besseres als Deutschland findet sich allemal."
An all jene gerichtet, die unser Land, unsere Kultur (die gewiß keine ist, die rigoros ausschließt, wie die geschichtliche Entwicklung gezeigt hat und immer wieder zeigt!) so schäbig, so schlecht, so unerträglich finden, die das gerne mal schon in einem Begriff wie "Dreckskultur" gipfeln glauben zu müssen: Was hält euch denn dann noch hier, weshalb genießt ihr trotzdem all die Annehmlichkeiten, die dieses Land, diese Bevölkerung, diese Politik, dieser Sozialstaat u.a. hierzulande bieten? Natürlich gibt es auch in unserem Land viel, vielleicht sogar: sehr viel, zu kritisieren. Natürlich gibt es auch in unserem Land hier viele Zukurzgekommene, sei es unverschuldet, sei es -- und so selten dürften jene Fälle auch nicht gerade sein -- selbstverschuldet. Natürlich ist (konstruktive!) Kritik ein stetes Gebot. Aber vor allem jene, welche hierzulande eher wie die Made im Speck leben, sollten schon bedenken, ob sie bisweilen mit ihrer Schimpferei auf Land und Leute den Bogen nicht weit überspannen. Und nochmals: Wer hier alles so "scheiße" findet, wer glaubt, Deutschland "müsse verrecken", wer der Überzeugung ist, "etwas Besseres als Deutschland findet sich allemal", der oder die sollte dem eigenen Herzen einen Stoß geben und sich entsprechend auf den Weg in ein gelobteres Land machen. Die Welt ist bekanntlich sehr groß, der Möglichkeiten gibt es viele, die schlechteste davon jedoch ist, sich im eigenen Sumpf hierzulande zu suhlen und Rundumschläge zu verteilen, zu beklagen wie übel hier alles so ist. Rundumschläge haben mit Gestaltung jedenfalls nichts, aber auch gar nichts zu tun.
Nur eines sollte allein schon wegen des oft sich selbst entlarvenden äußerst niedrigen Niveaus auch klar sein: Bisweilen wird "Satire" als (juristisch vielleicht gerade noch stichhaltiges?) Alibimäntelchen für schlichte Unverschämtheiten, Gemeinheiten, Oberflächlichkeiten, ja: wohl auch Dummheit -- wegen des zumindest verkürzenden Niveaus jener "Darbietungen", bemüht. Merke also: nicht alles, was unter der Rubrik "Satire" firmiert ist auch eine solche ...
Es ist eben mehr als fragwürdig, sich mit einer (sicherlich hypothetischen) Abschaffung der Polizei zu beschäftigen und dann zu schlußfolgern, jener Personenkreis sollte unter "ihresgleichen" auf der Mülldeponie arbeiten. Ich persönlich sehe es als Frechheit -- und nicht als Satire! -- an, wenn es heißt, der geeignete Platz für die "über 250.000 Menschen, die dann keine Jobs mehr haben" sei dort, "wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten." Gott sei Dank gab es in der taz für jenen unsäglichen Artikel nicht nur Zustimmung. So schrieb Bettina Gaus, eine seit 1989 bei der taz arbeitende Redakteurin, die Autorin der Müll-Kolumne habe um des Clickbaiting willen das Grundprinzip der taz-Redaktion, die Achtung der Menschenwürde verletzt. Wörtlich über Y.H.: "Sie wusste, was sie schrieb. Und sie hat die Menschenwürde verletzt. Was denn sonst?" Ähnlich kritisch gegenüber der Kolumne auch Barbara Jung, die Chefredakteurin der tat: "Eine Kolumne, so satirisch sie auch gemeint gewesen sein mag, die so verstanden werden kann, als seien Polizisten nichts als Abfall, ist daneben gegangen. Das tut mir leid."
Auch andere Journalisten sehen die Kolumne sehr kritisch. Marc Felix Serrao bezeichnet sie "als Satire verbrämte Volksverhetzung", Brigitte Baetz meinte im Deuschlandfunk, der Text enthalte "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Der Bundespräsident kritisierte am 22. Juni dann in einer öffentlichen Rede die Metapher von der "Entsorgung". Ich kann nur hoffen, daß die kritische Sicht jener Kolumne weitverbreitet ist, dies auch: um ein Zeichen zu setzen, bestimmt auch mit Blick auf wehrhafte Demokratie und wachsende Mündigkeit innerhalb der Gesellschaft, auch mit dem Ziel,endlich das zu verwirklichen, was viele immer wieder im Munde führen, jedoch selbst nicht praktizieren und durch eigenes Verhalten eher konterkarieren oder gar unterbinden: nämlich diskursive Aueinandersetzungen. Wer hier den Kritikern der (aus meiner Sicht auch: niveaulosen) Kolumne ein "falsches Textverständnis" (so der Schauspieler und Autor Schlecky Silberstein) unterstellt, hat jedenfalls bereits den Ansatz für einen Diskurs mißverstanden; daß er im Deutschlandfunk ie Kolumne als "gelungene Satire" bezeichnet, ist schlicht seiner sehr subjektiven und eigenwilligen Sicht darüber zuzuschreiben (und dann natürlich auch entsprechend zu tolerieren ...), was er unter Satire zu verstehen scheint. Der bayerische Kabarettist Helmut Schleich, der auf seiner Webseite u.a. mit den Begriffen "Kabarett, Satire, Unfug" auf sich aufmerksam macht, dürfte Silbersteins Sichtweise milde mit einem "Alles eine Frage der Perspektive" abtun ... Inwieweit dies allerings dann für die gesellschaftliche Praxis genügt, wird sich im Falle eines Falles immer erst erweisen müssen. Während Horst Seehofer von seinem Rechtsbegehren ja schnell wieder Abstand genommen hat, sind die Deutsche Polizeigewerkschaft und die Gewerkschaft der Polizei (nach meinem heutigen Kenntnisstand) den anderen Weg gegangen: sie haben gegen die taz Anzeige gestellt. Sollte dieser Weg dann auch konsequent durchgezogen werden, wird es am Ende allerdings "nur" eine juristische Klärung geben, gesellschaftspolitisch dürfte damit zu wenig gewonnen sein,egal wie ein Urteil letztinstanzlich dann aussehen sollte. Wir müssen (nicht nur) in solchen Fällen da schon mehr auf Diskurs, Toleranz und Abstand von Political Correctness setzen, wollen wir in und mit unserer Gesellschaft wachsen wollen ...
Das Leidvolle, das Unerträgliche, die Verständnislosigkeit, das Elend revisited ...
Greife ich nochmals -- weil ich die Argumentation für sehr schlüssig halte -- die Gedanken von Elke Halefeldt auf; sie schrieb am 30. Oktober 2017 aus meiner Sicht sehr zutreffend in der Zeitschrift Cicero unter "Rassismus-Debatte im Netz -- Guter Hass, böser Hass" mit Blick auf H.Y.: "Die taz-Kolumnistin Hengameh Yaghoobifarah hat mit einem Beitrag die Rassismus-Debatte erneut entfacht. Denn obwohl darin von der deutschen „Dreckskultur“ die Rede ist, sah die No-Hate-Speech-Initiative offenbar keinen Handlungsbedarf. Wir lernen: Rassismus gegen Deutsche ist kein Rassismus." Wenn dann Elke Halefeldt -- aus meiner Sicht aus gutem Grund -- kritisch-ironisch schreibt "Hengameh Yaghoobifarah sah sich mutmaßlich nicht als „Haterin“, als sie ihrem Text, im Kern wohl als Sympathiebeweis für die Idee eines islamischen Feiertags in Deutschland gedacht, den kecken Titel 'Deutsche, schafft Euch ab!' (Anm.:taz 22.20.2017, d.V.)verpasste, die Deutschen als Kartoffel und Lauch darstellte und sich in spätpubertärem Ton darüber aufregte, dass offenbar nicht alle „Kartoffeln“ die Einführung eines solchen Feiertags gutheißen.", dann geschieht das ja nicht aus purer Laune oder heiterem Himmel heraus, sondern findet die Gründe in Äußerungen von Hengameh Yaghoobifarah wie "Der deutsche Hass auf Muslim_innen und die Paranoia vor einer – was auch immer das sein soll – Islamisierung der deutschen (wortwörtlich) Dreckskultur (...) hält Kartoffeln davon ab, ein schöneres Leben zu führen. (...) Lieber Bremsspuren in der Unterhose und ein erhöhtes Risiko für Geschlechtskrankheiten verteidigen als ein islamisches Klo im Kölner Bürgerhaus zulassen.“ (zit. nach Halefeldt, a.a.O.) Mit "Kartoffeln" und ähnlichen aus ihrer Sicht wohl angeblich für deutsche Kultur typischen Assoziationen meint H.Y. natürlich uns Deutsche, also Dich und mich, dabei vergessend, daß gerade sie und die ihr Gleichgesinnten einen Anspruch auf Bürger dieses Landes zu sein erheben. (Auf H.Y. trifft das bekanntlich bereits qua Geburt zu. Deshalb besonders an sie die Frage: Warum dieser Haß, weshalb diese Verachtung?) Und H.Y. liefert natürlich sogleich ihre Analyse über das Sein der "Kartoffeln"; ihrer Ansicht nach sind sie "nicht strategisch klug" (hier hätte ich eine Definition / Erklärung erwartet, was H.Y. für besondere "strategische" Verfahrensweisen denn erwartet, vermutlich nur das, was ihre Sichtweise den "Kartoffeln" genehmigt ...), dafür seien sie (also: wir Deutschen) "ignorant, geschichtsverdrossen und besserwisserisch." In der Welt scheint sich jene Autorin jedenfalls noch nicht hinreichend umgesehen und sachkundig gemacht zu haben und falls doch, hat zumindest zu wenig von all den Geschehnissen verstanden und begriffen. Was dann ihre Einlassung "Würden AfD-Wähler_innen zuhören, wüssten sie, dass die AfD einen Großteil von ihnen unter den Bus schmeißen würde, wäre sie an der Macht." bedeuten soll, dürfte ein weiterer Mosaikstein in ihrer allzu persönlichen Betroffenheitsperspektive ausmachen, zu verstehen ist davon jedenfalls nichts, zu bedauern jedoch jede Menge. Nochmals Elke Halefeldt: "Schlussendlich hofft die Autorin (geb. 1991 in Kiel, in Berlin lebend, nach eigenen Angaben Feministin, Aktivistin, geschlechts-fluide, mit Migrationshintergrund) darauf, dass die Deutschen sich abschaffen und sich bitte dabei „beeilen“ sollten."
Nun könnte man ja derart haßerfüllte -- oder bei wohlwollender Sicht: unausgegorene -- Medienbeiträge getrost übersehen, sie einfach nur als das bezeichnen, wie man sie empfindet: schlicht als Mist, haltlos, gemein, pubertär, unintellektuell (auf jeden Fall!) und was weiß ich nicht noch alles für Attribute, die solchen Ergüssen angemessen erscheint. Sie könnten freilich auch Ausdruck einer völlig kaputten Psyche, einer gestörten Persönlichkeit sein, was jeweils im Einzelfall zu untersuchen und zu beurteilen wäre. Wer aber hier mit Ignorieren -- ich habe das schon mehrfach erwähnt -- arbeitet, der geht höchstwahrscheinlich von der falschen Vorstellung aus, es handele sich hier nur um (bedauernswerte) Einzelfälle. Diese Vorstellung erscheint mir falsch zu sein. Denn derartige Beiträge -- sie sind eben keine unbedeutende Einzelerscheinung -- sagen nämlich zugleich sehr viel über die Entwicklung und den Zustand unserer Gesellschaft aus! Deshalb kann ich auch hier erneut nur dieses "Wehret den Anfängen!" beschwören, eine Forderung, welche auch für all das Inhumane, Menschenverachtende, Beleidigende, Lügenverbreitende gilt, was uns immer häufiger im Tarnanzug von angeblicher Satire, Ironie, Komik, Comedianergüsse, Kabarettniederungen, etc. begegnet. (Es gilt gerade bei den sich gar als "Kunst" generierenden Auftritten die Spreu vom Weizen zu trennen!)
Sybille Berg hat hierzu dagegen eine andere, sehr merkwürdige Position: sie meint, eine neue faschistische Bewegung kommen zu sehen und sagt, die Zeit des Redens sei vorbei: "Vielleicht ist der Schwarze Block, die jungen Menschen der Antifa, die Faschisten mit dem einzigen Argument begegnen, das Rechte verstehen, die einzige Bewegung neben einem digital organisierten Widerstand, die eine Wirkung hat." (so auf Spiegel Online) Frau Berg, was soll das noch mit demokratischen Diskurs zu tun haben?! Von ihr hätte ich, nach allem, was ich von ihr gelesen habe, eigentlich eine differenzierte Beurteilung der Problemlage erwartet ... Sowohl die Sichtweise von Yaghoobifarah als auch die Bergs zeigen zumindest eine Gemeinsamkeit: eine unausgegorene Weltsicht. Bei der einen kann man eine Unterstellung von Fähigkeit zu Mord bzw. Mordabsichten bei AfD-Wählern (weshalb wohl sonst ihr "unter den Bus schmeißen") herauslesen, die andere erwartet / erhofft sich gerade vom "Schwarzen Block" offensichtlich eine Lösung der anhängenden Probleme. Welche Einheit in deren Welt- und Feindbild ...
Auf ein besonders auffälliges Problem bezüglich von Veröffentlichungen wie der von H.Y. weist Jan Fleischhauer hin wenn er sagt: "Das Problem an solchen Texten ist, dass sie sich nur schwer mit den Empfehlungen der Anti-Hatespeech-Broschüren in Einklang bringen lassen, deren Produktion inzwischen eine ganze NGO-Industrie am Leben hält." Diese Aussage dürfte allerdings auch für staatliche und überstaatliche Einrichtungen und Stellen wie auch für jede Menge wie Pilze aus dem Boden schießenden Privatinitiativen zutreffen. Es ist hier auch einmal mehr die Diskrepanz zwischen den eigenen Gutmenschparolen und der dann tatsächlich gestalteten eigenen Lebenspraxis aufzudecken und zu erkennen. Übrigens hat die Initiative No Hate Speech DE *) auf eine Twitter-Nachfrage bezüglich des umstrittenen taz-Beitrags gesagt: "Wir sehen da keine Menschenfeindlichkeit, höchstens satirisch zugespitzte Kritik, ergo auch keinen Handlungsbedarf."
*) Die Kampagne "No Hate Speech" wurde vom Europarat initiiert, erfährt Unterstützung vom Bundesfamilienministerium (dieses möchte zudem mit seinem Großprojekt "Demokratie leben" Formen von Fremdenfeindlichkeit bzw. "gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" entgegentreten; der Begriff "Deutschen-Feindlichkeit" taucht hier jedoch nicht auf, als gäbe es hier keinen Handlungsbedarf ... Koordiniert wird dieses Projekt durch die "Neuen Deutschen Medienmacher", die im Internet "Formulierungshilfen für KollegInnen" bieten.
Frage: Wenn No Hate Speech aus Bezeichnungen wie "deutsche Dreckskultur" offensichtlich "keine Menschenfeindlichkeit, höchstens satirisch zugespitzte Kritik" herauszulesen vermag, bedeutet dies dann zugleich daß das Bundesfamilienministerium und die Medienmacher-Vereinigen stillschweigend (oder gar expressis verbis) der Ansicht sind, "Deutsche" schlechtzureden sei irgendwie nicht so schlimm, nicht sanktionswürdig? Wie hätte die Reaktion wohl ausgesehen, jemand hätte z.B. gesagt "Ausländer bzw. Muslime, schafft euch mit eurer Dreckskultur möglichst schnell ab"? Da braucht es nicht viel Phantasie, um dann eine (sicherlich zu Recht) aufgekommene Empörung sich auszumalen: wie schnell da beispielsweise dann die Amadeu-Antonio-Stiftung lautstark zu vernehmen gewesen wäre, wie massenhaft emotional aufgewühlte Demonstrationen die Straßen deutscher Städte verstopft hätten, wie unüberhörbar Rassismus-Vorwürfe skandiert worden wären. Wenn man hier denn schon ein "Gleiches Recht für alle!" nicht mehr gelten lassen möchte, dann sollte zumindest auch der Schutz "Deutscher" verbindlich sein und wirksam gesichert werden.
Ist denn "Rassismus" in den Hirnen der "Antirassisten" weniger auf Deutsche anwendbar als auf Minderheiten jedweder Art? Auf der einen Seite übrigens lehnen viele mittlerweile den Begriff "Rasse" als untauglichen und angeblich diffamierenden Zuordnungsbegriff ab, pochen dennoch weiterhin auf das daraus abgeleitete "Rassismus" und wollen dann jenen Sachverhalt nicht universell gelten lassen ... Schon eine extrem merkwürdige Haltung, die sich da zeigt! Interessant in diesem Zusammenhang eine Auffassung der Staatsanwaltschaft Hamburg: laut der Zeitung Die Welt sei es keine Beleidigung "aller Personen mit deutscher Staatsbürgerschaft" (hier wurden die Deutschen als "Köterrasse" bezeichnet!), der Tatbestand der Volksverhetzung wäre nicht erfüllt, da es sich nicht um einen "hinsichtlich der Individualität seiner Mitglieder fassbaren Kreis von Menschen handelt". Gut, man mag das rechtlich so sehen, aber dann sollte auch in allen anderen Fällen genauso gehandelt werden und nicht Sammelbegriffe als Tatbestand der Beleidigung einzelner umgedeutet werden.
Das mit der Beleidigung ist natürlich eine diffizile Angelegenheit, stimmig erscheinen Beurteilungen für die breite Öffentlichkeit sicherlich nicht immer. Und sich hinter "Satire" dabei verstecken zu können, sollte tunlichst schwieriger gemacht werden. In der ohnehin nicht geistig berauschenden Sendung des NDR extra3 wurde beispielsweise die AfD-Politikerin als "Nazi-Schlampe" bezeichnet. Die Klage wegen Beleidigung dagegen blieb jedoch erfolglos: so urteilte das Landgericht Hamburg, es liege "für den Zuschauer auf der Hand, dass die Bezeichnung nur gewählt wurde, weil die Antragstellerin eine Frau ist, die Äußerung aber keinerlei Wahrheitsgehalt aufweist, sondern allein die Forderung [der Antragstellerin], die politische Korrektheit auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen, Anlass für ihre Verbreitung war." Ist denn eine politisch nicht korrekte Äußerung (allein über diese Ein- bzw. Ausgrenzung wäre m.E. gesondert kritisch nachzudenken!) und eine Beleidigung ohne Wahrheitsgehalt wirklich dasselbe??? Ich halte es für wirklichkeitsfremd, wenn das Gericht der Auffassung ist, daß die Zuschauer nicht annehmen würden, "dass die Antragstellerin etwas Anhängerin der Nazi-Ideologie wäre, sondern [der Zuschauer] begreift es als grobe Übertreibung, die an die Wahl der Antragstellerin zur Spitzenkandidatin der A. anknüpft." Da liegt das Gericht, wie ich meine, gründlich daneben: Was Zuschauer "annehmen" und materialisieren zeigen immer wieder gegen die AfD und deren Personal gerichtete Demonstrationen und Handlungsweisen! Selbst politische Gegner der AfD bezeichnen die AfD häufig mir "Nazi-Partei" o.ä. Diffamierungen. In welcher Wirklichkeit leben eigentlich jene, die zu solchen Urteilen kommen. Politiker, so sehr man sie immer wieder kritisieren mag (und auch muß!) dürfen kein Freiwild für Beleidigungen, Verleumdungen, Hetzkampagnen sein und werden! Auch hier muß gelten: Gleiches Recht für alle!
Wie schwer ist es eigentlich eine von No Hate Speech so gesehene "zugespitzte Kritik" vom Verdacht befreien, nicht doch Haßrede zu sein? Wo liegt denn die Grenze zwischen manifestiertem Haß einerseits und nicht wirklich aggressiv gemeinter, legitimer und legaler Kritik und ebensolchem Spott andererseits? Fakt ist doch, daß die Abgrenzung von ausgelebtem und fixiertem Haß und (gerade) noch zu (er-)duldender Kritik / Satire objektiver Definition zumeist entzogen ist, denn eine Analyse des Inhalts hängt eben ab von dem Empfinden und Bewerten der jeweiligen "Sender" und dann natürlich von dem der "Empfänger". Die Aussage von No Hate Speech hinsichtlich Haßrede scheint jedenfalls nicht hinreichend, will man zu einem gerechten Urteil gelangen: "Wenn Menschen abgewertet und angegriffen werden oder wenn zu Hass oder Gewalt gegen sie aufgerufen wird." Der Interpretationsspielraum scheint eben viel zu groß. Vielleicht wäre hier eine Orientierung an einem "case-law" wie in Großbritannien hilfreicher, da es zumindest zu größerer Wahrscheinlichkeit einer Gleichbehandlung von anhängigen Fällen könnte. Um es einfach auszudrücken: Wird bei einer Gruppe die Bezeichnung als "Scheiß-X" als nicht individualisierte Aussage abgelehnt, also der Tatbestand einer Beleidigung nicht zuerkannt, dann muß auch bei einer anderen Gruppierung entsprechend verfahren werden. Und übrigens ist es dem Zwangsgebührenzahler nicht zumutbar, wenn er auf derartigem journalisten Minderniveau unterhalten oder belehrt wird (auch wenn es ganz gewiß Leute gibt, die sich auf diese Art köstlich und intelligent genug unterhalten fühlen mögen) ...
Wenn die stellvertretende taz-Chefredakteurin Katrin Gottschalk die Kolumnistin "eindeutig als Opfer" sieht und meint "Die Autorin macht sich lustig. ... Manche unserer Leser*innen fühlen sich von ihrem aktuellen Text persönlich beleidigt, sehen ihn als Diffamierung Deutscher oder gar als Rassismus von links. Diese Polemik hat mit Rassismus allerdings nichts zu tun. Rassismus ist, wenn unsere norddeutsche Autorin Yaghoobifarah jetzt massiv in rechten Foren als Ausländerin beschimpft wird, die sich ‚selbst entsorgen‘ solle. So etwas wird Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland bis heute entgegengeschleudert." Wird hier denn nicht die Ursache mit der (Aus-)Wirkung verwechselt? Wenn sie dann noch fragt, wie es denn wäre "aber mal mit der selbstkritischen Analyse, ob es wirklich nur 'lustig' war, was die forsche (sic! d.V.) Kolumnistin ihren Mitbürgern ohne Migrationshintergrund entgegengeschleudert hat?", dann sieht man zumindest kaum eine Spur von Bereitschaft, eine offene und ehrliche Auseinandersetzung über die Grenzen journalistischer Arbeit hinsichtlich möglicher Beleidigungsempfindungen und Be-/Getroffenheit bei anderen zu führen.
Wenn Horst Seehofer sagt "Eine Enthemmung der Worte führt unweigerlich zu einer Enthemmung der Taten und zu Gewaltexzessen, genauso wie wir es jetzt in Stuttgart gesehen haben. Das dürfen wir nicht weiter hinnehmen.", dann stimme ich ihm hierin zu und vor allem sagt er da über die Wirkung nichts anderes, was Sprachkritiker, vor allem auch zunehmende Anzahl von Sprachpuristen und "Sprachpolizisten" bei nur jeder sich bietenden Gelegenheit im Munde führen. Jene allerdings haben entgegen Seehofers leicht auszumachender Absicht, anderes im Sinn, nämlich Bevormundung sowie faktisch eine Verarmung der Sprache, um so dann auch eine reduktionistische Sicht der Wirklichkeit zu erzeugen, dies mit der sich daraus logisch ergebenden Gesprächsniveauabsenkung. Ich denke, der Grünen-Politiker Michael Keller wirkte m.E. nur noch populistisch und lächerlich, als er Seehofers ursprüngliche Absicht, Anzeige wegen Beleidigung zu erstatten mit einem "Ein Innenminister, der eine Journalistin anzeigt, klingt nach Orban und Kaczynski" kommentierte.
Auch dürfte die Linken-Bundesabgeorndete Ulla Jelpke völlig falsch liegen mit ihrem "Einschüchterungsversuche gegenüber unliebsamen Journalistinnen und Journalisten" und dies auch noch vergleicht mit einem Vorgehen " welches wir kennen (...) vom türkischen Despoten Erdogan, in einem demokratischen Staat sollte sich das von selbst verbieten." Ähnlich armselig, was das Niveau angeht, dann auch Renate Künast (Die Grünen), wenn sie sagt es sei "ungeheuerlich, wenn ein Innenminister schreibt, er erstatte 'als Innenminister' Anzeige gegen eine Journalistin wegen eines Kommentars. (...) Das soll eine Botschaft sein!? Gegen Pressefreiheit!? Seehofer am Ende." (so die Abgeordnete auf Twitter)
Stefan Kuzmany greift in seinem Kommentar "Grobe Klötze" (gemeint sind damit Seehofers Absichten und Art, gegen die Kolumne von H.Y. vorzugehen) noch einen anderen Aspekt auf, der direkt auf die tatsächliche oder angebliche Stellung von "Minderheiten" (auch dieser Begriff gehört je nach aktueller Lage immer wieder auf seine Angemessenheit und Konnotation hin überprüft!) abhebt. Mit Bezug auf die Kolumne schreibt er -- aus meiner Sicht allzu wohlwollend und aus extrem einseitiger Sicht -- dann: " Yaghoobifarah gibt sich in ihren Texten als Stimme der "PoC", der Persons of Color, die nicht mehr darauf warten wollen, von der weißen Mehrheitsgesellschaft gnadenvoll als gleichwertig anerkannt zu werden, sondern sich das Recht herausnehmen, auch mal ausfallend zu werden." Na ja, wenn man es denn so sehen kann resp. möchte, wenn man dann beleidigendes Verhalten so relativieren kann -- ich denke, diese Nachsicht ist der falsche Weg, der falsche Blickwinkel. Und der Grund hierfür liegt für mich vor allem darin, daß das Wichtigste im Miteinander außen vor bleibt: die Toleranz. Diese gilt für Mehrheiten gegenüber "Minderheiten" aber auch vice versa!

Versuch, eine Antwort in der Psychologie zu finden ...
Ich wähle hier unter mehreren möglichen Modellen die neopsychoanalytische Erklärung für die Beziehung zwischen Aggression, Identität und Selbstwertgefühl aus. Hier werden Verhaltensweisen als ein Versuch der Wiederherstellunge eines beschränkten Selbstwertgefühls gesehen und -- in diesem Kontext -- geht es vor allem auch um das Finden einer Identität bzw. um deren Aufrechterhaltung. Oft fehlt eine stabile Identität (z.B. weil in der Erziehung vermittelt wurde, daß darauf positiv bezogene Gefühle "schlecht" seien). Menschen mit brüchiger Identität (oder fehlender) hassen sich häufig selbst dafür, daß sie ihre erlebte Hilflosigkeit und den Zustand innerer Verzweiflung nicht überwinden können und projizieren diesen immanenten Haß auf andere, um den Zustand der eigenen inneren Verzweiflung und der Leere besser ertragen zu können.
Aus der sozialkognitiven Forschung wissen wir recht gesichert, daß Aggressive typische Defizite in der Informationsverarbeitung aufweisen; diese Defizite lassen sich als feindselig-ablehnende Kognitionen umschreiben. Aggressive weisen spezifisch dysfunktionale Muster kognitiver Wahrnehmung auf welche an der Ausbildung und Aufrechterhaltung aggressiven Verhaltens beteiligt sind.
Solchen Menschen geht vor allem auch die Fähigkeit zur Empathie sowie zum Perspektivenwechsel (oft gänzlich) ab. Wir sehen also bei aggressiven Menschen vor allem: fehlendes Selbstwertgefühl, mangelnde Identität, (für alle offene) Empathie, Unfähigkeit zu einer sozialen Perspektiveübernahme. Die Welt des Aggressiven ist eine extrem ich-reduzierte; von der Umwelt verlangen sie all das an Verhaltensweisen, was sie anderen (außer jenen innerhalb ihrer eigenen Subkultur, die meistens das eingeengte eigene Weltbild uneingeschränkt teilen und mittragen helfen) verweigern. Kurz: oft wird diese "andere Umwelt" als eine feindliche, eine immer wieder zu bekämpfende erlebt. Mit diesem Aggressionspotential und dessen Entstehung sowie Auswirkungen hat sich neben vielen anderen Wissenschaftlern Arno Gruen intensiv beschäftigt. Lesenswert neben anderen sein Werk "Der Fremde in uns" (2000), das trotz des starken Fokus auf Hitler und die Nazi die Genese von Aggression und deren Auswirkungen deutlich macht.
Wer unter Identitätsdefiziten leidet, benötigt -- und verlangt! -- stets eine ganz besondere Aufmerksamkeit! Diese wird -- wir erleben das auch in der Gegenwart häufig -- durch Diffamierung anderer, durch Gewaltexzesse, durch unsachliche Attribuierungen jener, die z.B. Genderangelegenheiten, Besonderheiten und Auffälligkeiten im Sozialgefüge und Political Correctness in der Sprache nicht unwidersprochen hinnehmen wollen sondern derartige Themen diskursiver Auseinandersetzung zuführen möchten -- häufig einfach mit unkonventionellen Mitteln bis hin zu psychischer oder physischer Gewalt erzwungen) Aggressive sehen und definieren (besonders auch öffentlich, mit Unterstützung Gleichgesinnter) ihr Anliegen, ihr Sein als ein Alleinstellungsmerkmal, dem sich alles andere unterzuordnen hat. Man fühlt sich unterdrückt, betrachtet alles, was den eigenen Zielvorstellungen sich nicht bedingungslos unterordnet, als repressive Struktur, als Ausbeutungsmechanik, als repressiv-autoritär, letzteres meistens mit der Zuschreibung Andersdenkender als "rassistisch", "rechts(radikal)", ... u.a.m. dann versehen. Die Etikettierung, welche man für sich -- sicherlich zu Recht -- ablehnt, scheint für den Aggressivbelasteten dann kein Tabu mehr zu sein, wenn man es eben auf andere anwendet ...
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Identität erfassen zu versuchen. Ich wähle hier jene aus, in der man seinen augenblicklichen Zustand zu erfassen vermag und dann sein Ich als sein Selbst begreifen kann, dies mit dem Ziel es in die Zukunft fortzuschreiben. Natürlich beinhaltet dieses "Festhalten-wollen" des Selbst für die Zukunft bei einem gesunden Menschen auch das Wissen um Weiterentwicklung, somit eine zumindest gewisse Offenheit in jeglicher Hinsicht. Wenn nun ein Mensch eine Diskrepanz zwischen seinem Real-Selbst und seinem Ideal-Selbst erleben sollte, haben wir es höchstwahrscheinlich mit einer Identitätsentwicklungsstörung zu tun. Ist also das selbstdefinierte Selbstbild sehr verschieden von einem relativ konstanten Gefüge von Überzeugungen und Entwicklungszielen, gerät man sehr schnell in einen massiven Konfliktbereich. Je nach Naturell wird ein Mensch dann die Differenz, das erlebte Mißverhältnis, für sich zu erklären versuchen. Das dürfte in aller Regel in wechselnden bzw. sich überlappenden Formen von Ursachenzuschreibungen ablaufen. Idealtypisch auf zwei Antipoden bezogen gesprochen: Man "schiebt" die Schuld, die Ursachen Phänomen zu, die außerhalb des eigenen Selbst liegen (d.h. man "arbeitet" mit Fremdattribution) oder aber -- m.E. ebenso falsch und problematisch -- man sucht alle Schuld, alle Ursachen dann nur ausschließlich bei sich selbst (Selbstattribution). Diese unterschiedlichen Attributionsstile (da natürlich auch fließend -- je nach Situation und Erleben -- ineinander übergehen können) sind habituelle "Voreinstellungen" hinsichtlich der folgenden Zuschreibung von Ursachen für bereits eingetretene (oder erfundene, phantasierte, aber auch als real selbstdefinierte) Ereignisse.
Seligmann meint u.a., gewisse Attributionsstile fördern auch Depressionen: Sieht man negative Erlebnisse als a) intern, b) stabil und d) generell verursacht an; a) man sieht sich selbst als das Problem, nicht äußere Umstände, b) man sieht das Problem als unveränderlich und nicht nur als vorübergehend, c: man sieht das Problem als allgegenwärtig und nicht nur auf bestimmte Situationen begrenzt.
Bei der Zuordnung spielt natürlich eine große Rolle, wie stabil die Resilienz eines Menschen ist oder ob überhaupt diese Widerstandskraft in einem vorhanden ist. Wer also sich permanent von der "bösen Umwelt" angegriffen fühlt, wer immer wieder sich einbildet, man lehne einen wegen Hautfarbe, sexueller Orientierung, politischer Einstellung, eigener Religiosität, Herkunft und Kultur ab, der oder die dürfte die Auswirkung entsprechender persönlicher Ursachenzuschreibung bitter spüren, fühlen, darunter leiden. Leiden? Ja, das ist die eine Form, nämlich alles in sich hineinzufressen und daran im schlimmsten Fall psychisch und / oder physisch zugrunde gehen. Die andere Form ist kampfhundhartig auf alles loszugehen, was man in seiner subjektiven Definition und Empfindung als feindlich, kriegerisch, bösartig, ausgrenzend, diffamierend o.ä. erlebt. (Daß es auch hier wieder Zwischenstufen von Reaktionsweisen gibt, braucht nicht näher erläutert zu werden; sicherlich spielen da die jeweiligen momentanen Alltagsstimmungslagen eine große Rolle.)
Die Auseinandersetzung des Selbst findet also häufig ihre Klimax im Kampf gegen das (eingebildete) Bild, das andere angeblich von mir haben, haben könnten. Daß das nicht gesund sein kann, ist klar. Daß dies zu Zerwürfnissen führt ebenso. Daß damit eine sowohl rationale als auch von Empathie getragene Auseinandersetzung mit Problemlagen (zumindest fast) unmöglich ist, dürfte ebenso einleuchtend sein.
ACHTUNG: DIES VORSTEHENDE TRIFFT NATÜRLICH NICHT ZU, WENN JEMAND TATSÄCHLICH ANGEGRIFFEN, DIFFAMIERT, BELEIDIGT, IN DER EHRE GEKRÄNKT u.a.m. WIRD; Denn dann bestehen ja die vorgenommenen externen Ursachenbeschreibungen zu Recht und sind dann je nach Notwendigkeit bis hin zu strafrechtlicher Relevanz zu sanktionieren.
Gefährlich für die eigene Psyche ist es auf jeden Fall, wenn das eigene Selbst sich einer eingebildeten oder tatsächlichen Übermacht, einer Bedrohung ausgesetzt sieht und meint, dagegen nun angehen zu müssen. Man kennt das z.B. auch von einigen "Berufsbeleidigten", die sich immer und überall angegriffen fühlen und meinen, auf Schritt und Tritt sich selbst oder eine Gruppierung, für die sie sich -- als Funktionär oder auch "nur" als Bürger, als sich dafür verantwortlich Wähnender -- zur Wehr setzen zu müssen. (Natürlich gibt es auch die rudimentärere Variante der Unheilswitterer, der sich beständig angegriffen Fühlenden à la "Was guckst du so?" und dabei sogleich die Fäuste ballen oder zu anderen Utensilien der körperlichen Auseinandersetzung greifen zu müssen glauben.)
Weshalb häufig diese offenen bzw. latenten Aggressionen? Der Definition von Felson (1984, S.184) folgend, ist Aggression eine Handlung, mittels derer ein Individuum ein anderes zu verletzen versucht oder zu verletzen droht, ungeachtet dessen was das Ziel dieser Handlung ist. Dies greift meines Erachens etwas zu kurz, da aggressive Handlungen auch von einem Individuum gegenüber mehreren anderen, also einer Gruppe (oder noch größeren Einheit) gegenüber sowie vice versa erfolgen können, aus vielfach leidvoller Erfahrung wissen wir auch von Aggressionen vieler gegen viele andere (schlimmstes Beispiel, was die Quantität angeht, dann kriegerische Auseinandersetzungen). So sehe ich die Kolumne, in der unsere Polizei als Gesamt herabgewürdigt wird, durchaus als einen aggressiven Akt an. Dies läßt sich nicht mit dem Hinweis, das sei "nur" Satire leugnen. Gerade in Kreisen in denen gemeinsame Identifikation lebendig sind und deutlich erkennbar (aus-)gelebt werden, sollte man wissen, daß dieser Seinszustand auch für andere Gesamtheiten gelten kann, meistens sogar umgesetzt wird. Insofern kann sich ein einzelner Polizist sehr wohl beleidigt fühlen, als aggressiv angegangen betrachten, wenn der soziale Gesamtkontext dieser Gruppe verächtlich gemacht wird. (Wie eben zum Beispiel ein einzelner Muslim in aller Regel sich beleidigt fühlen dürfte, wenn die gesamte Glaubensgemeinschaft diffamiert wird. Dieses Prinzip gilt sicherlich auch im Kontext von "Queer", Lesben, Schwulen, "Farbigen", "Weißen" -- Stichwort: "Weiße Männer" z.B., Lokführer, Müllwerket, ach was: es gilt für jede auch nur denkbare und existierende Gruppe!)
Schwierig wird es jedoch, wenn man sozusagen eine "Zweckbezogenheit" als ausschließliches Kriterium der Aggressionshandlung wählen würde. Wir sind dann sehr schnell bei einer subjektiven Deutungsvielfalt angekommen, die zur (endgültigen, auch: rechtlichen) Klärung von Einzelerscheinungen nicht besonders zielführend sein dürfte. Wir sollten uns deshalb stets um ein Verständnis in sozusagen "wertneutraler" (ich weiß: reine Wertneutralität gibt es nicht, das ist spätestens seit dem Positivismusstreit in der deutschen Soziologie bekannt) und sachbezogener Disposition mühen.
In unserer Gesellschaft werden viele Menschen durch den Beruf, das berufliche Umfeld (mit-)definiert. Das hängt sicherlich in erster Linie auch mit dem Zwang zur Existenzsicherung zusammen. Auch werden wir durch sozialintegrative Arbeit definiert bzw. empfinden uns selbst durch diese (mit-)bestimmt. Durch andere Faktoren der Moderne wie beispielsweise zunehmende Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und Teilnahme / Teilhabe an Interessengruppierungen (z.B. auch Bürgerinitiativen, Teilnahme an Demonstrationen, Funktionsträgerschaften) hat die Arbeit in ihrer Bedeutung für die Identitätsbildung bei vielen Menschen abgenommen, weil sie ihre Identität auch außerhalb eines Arbeitskontextes aufbauen können; im Extremfall, wie z.B. bei Menschen die dauerhaft Hartz IV beziehen, ist dann die Bedeutung von Arbeit für eine positive Identifikationsbildung gänzlich bedeutungslos geraten, hat sich im schlimmsten Fall geradezu in ihr Gegenteil verkehrt. Wir können sehr leicht erkennen, daß der faktische Wert (nicht der theoretische!) von "Beruf" heutzutage sehr differenziert zu betrachten ist. Insofern muß man das von Fend (1991, S. 24) festgestellte "Ich bin, was ich kann." heute hinsichtlich dem "Können" über den reinen Arbeitskontext hinaus fassen. Auch hier ist die Selbstwahrnehmung ein sehr relevanter Aspekt. Ich kannte einmal eine Verkäuferin, die den ganzen Tat an einer Käsetheke verkaufen mußte, viel Freude an ihrer Arbeit hatte und ganz stolz mir einmal eine verliehene, sehr ernst gemeinte und schön gestaltete Urkunde "Miss Käsetheke" zeigte. Dabei leuchteten ihre Augen. Gut vorstellbar, daß jemand dies völlig anders empfunden hätte, vielleicht sogar als "Verarschung" (obwohl es genau so nicht gedacht war!) oder als Ausdruck dafür. laß dich ruhig weiter mit stupider Tätigkeiten ausbeuten. Um nicht mißverstanden zu werden: Ich halte den Beruf einer Verkäuferin -- ganz im Gegensatz zu so mancher anderer Branche die sich dessen in überschätzter Eigengewichtung oder aus Gewinninteressen (z.B. Banken) -- für einen systemrelevanten Beruf. Dies zeigt(e) sich gerade während der Corona-Epidemie immer wieder. Und meine Darstellung sei fern jeglicher geringen Wertschätzung: mag noch so viel Außenanerkennung gegeben sein (sei es durch Lob, durch Betonung der Unverzichtbarkeit, hoffentlich auch -- was derzeit in vielen systemrelevanten Berufen überhaupt nicht der Fall ist! -- durch entsprechende Bezahlung, entscheidend dürfte letztlich doch immer wieder das Gefühl über sich selbst und sein Tun sein, was man selbst sich zuzuerkennen vermag, also die eigene Wertschätzung vor allem! Gegenbeispiel: eine Bäckereifachverkäuferin, die ich von früher kannte, setzte sich kurz zu mir an den Tisch (es war ein kleines Café jener Bäckerei angegliedert), klagte, daß sie nun wisse, in der Schule nicht genug getan zu haben und dafür hier nun den Preis bezahlen müsse. Wörtlich: "Du siehst, hier bin ich nun, tagein, tagaus, langweile mich zu Tode, bekomme für die Arbeit nur wenig Geld und in der Freizeit bin ich nichts als müde." Eine andere Bäckereifachverkäuferin, mit der ich mich häufiger unterhielt sprach genau das Gegenteil aus. Zwei Menschen in einem sehr ähnlichen Berufsfeld, fast identisch bezahlt, aber sie trenn(t)en Welten, was die Eigendefinition angeht. Was das hier mit meinem Thema zu tun hat? Viel, nein: alles! Denn es spielt wirklich nicht die größte Rolle, in welcher beruflichen Position, auf welcher Stufe einer möglichen Skala man sich bewegt, das Gefühl von Unzufriedenheit und einen leiden am jeweiligen Zustand ist auf allen Ebenen möglich. Leider. Aber belegbar durch viele, viele Begegnungen während meines bisherigen Lebens. Und ich vermute auch, daß durch diesen Mangel an Fähigkeit, sich selbst einen (auch akzeptablen) Wert zuschreiben zu können, jede Menge an Aggression gegen sich und gegen andere geboren wird. (Wer hier nun einwendet, es mache sehr wohl einen Unterschied auf welcher gesellschaftlich definierten Wichtigkeits-Rangstufe ein Berufsleben abläuft, der hat natürlich grundsätzlich recht: Wer nicht einmal die primären Bedürfnisse in seinem (Erwerbs-)Leben bestreiten kann, hat natürlich eine noch schlechtere Ausgangsbasis für das Erreichen und Erhalten psychischer Gesundheit. Aber Fakt ist auch: auf welcher Ebene man sich immer auch bewegen mag resp. kann, vor psychischem Leiden ist fast niemand völlig gefeit (freilich sind die Kompensationsmöglichkeiten sehr unterschiedlich bis hin zu einem Verhalten, das ein Verdrängen eigenen Leids auf Kosten anderer erlaubt ...). Wer mit sich selbst (weitgehend) im Reinen ist, es sein kann (also somit auch, wenn ihm oder ihr die Umstände dies leichter ermöglichen), der oder die wird keine oder nur sehr selten Aggressionen entwickeln, diese gar ausleben müssen, andere mit einer Art "Haltet-den-Dieb"-Arroganz behelligen. Eine gesunde Persönlichkeitsakzeptanz ist notwendige Bedingung für ein soziales Miteinander ...
Die Identitätsentwicklung hängt natürlich mit der jeweiligen Vergangenheit zusammen. Hier ist es weder zielführend, Vergangenheit zu leugnen, aber schon gar nicht, mit "bösem Blick zurück" in ihr zu verharren. Ich habe einige Menschen kennengelernt, die selbst noch bei fortgeschrittenem Alter die Schuld für ihr -- zumindest so selbstdefinierte -- Versagen im Leben den Eltern zugeschrieben haben, sich dabei in diesem Schimpf-, Schmoll- und Bezichtigungsmodus bequem eingenistet haben, anstatt endlich einmal selbst ihr Geschick in die Hand zu nehmen. In "Lebensgeschichte und Identität" schreibt Friedemann Maurer über das Schicksal des modernen Menschen, "daß er in allen Phasen seiner Entwicklung mehr oder minder bewußt seiner Vergangenheit vis-a-vis bleiben muß, also im Kern unfähig, sich seiner Identität aus reiner Gegenwart gewiß zu werden." (1981, S.105) Die retrospektive Sicht ist also unverzichtbar für eine (gesunde) Selbstfindung, sie darf aber auf gar keinen Fall zu einem "Erstarren in Vergangenheit" führen. Irgendwann muß ein (erwachsener) Mensch auch damit umgehen können, mit Ursachenforschung für Versagen, bei Frustrationsgefühlen, sich einzubeziehen: und zwar als ein Stück Kontinuum, bestehend aus Vergangenheit, vor allem: Gegenwart und natürlich auch (etwas) Zukunft. Jeremias Gotthelf hat dies einmal so formuliert: "Wer die Gegenwart unzufrieden verachtet, dem kommen seltenTage des Friedens." Und mit etwas anderer Schwerpunktsetzung sagte zwar Albert Einstein einmal "Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.", wobei der ganz gewiß damit nicht die dafür beiden Fundamente "Vergangenheit" und vor allem die Gegenwart geringschätzen wollte. Man wird immer zwischen den drei Zeitspannen hin- und herdenken, will man sich über "Identität" klarwerden und an ihr konstruktiv arbeiten. Aber: es ist die Gewichtung, die entscheidend ist. Henry David Thoreau hat dies einmal sehr prägnant gefaßt: "Zerstöre nicht durch Rückwärtsschauen deinen Seelenfrieden. Lebe in der Gegenwart und habe Freude an ihr." Bei vielen überragt jedoch der Blick zurück alles andere, vor allem wenn sie sich einer Therapie unterzogen haben bzw. unterziehen. Immer wieder lernte ich Menschen kennen (oder erlebte es an Leuten, die ich bereits kannte / kenne), für die therapieinduziert plötzlich die Vergangenheit eine übergroße Bedeutung bekam, sich in den schlimmsten Fällen ih ihr gleichsam suhlten, so als wäre das Leben fast nur noch ein "Gestern". Nein, all jenen -- und natürlich einem selbst -- sei es immer wieder gesagt, sei immer wieder betont: "Denke immer daran, daß es nur eine allerwichtigste Zeit gibt, nämlich Sofort!" (Leo Tolstoi) Aber auch jene, die sich vor der Gegenwart drücken, die Vergangenheit gar leugnen, und deshalb nur in einer fiktiven Zukunft verweilen, träumen, sich von der Selbstverpflichtung davonstehlen, sollten sich Mark Twains Diktum "Über die Zukunft zu reden, ist der beste Vorwand, sich von der Gegenwart zu drücken." mehr als nur einmal zu Herzen nehmen.
Ich frage mich schon, welcher psychische Hintergrund von all dem hier angerissenen gespeist wird, wenn Vergangenheit kritiklos und unverändert fortzuschreiben versucht wird, wenn Gegenwart immer nur ein Amalgam aus Frust, Versagensängsten, Anerkennungsnot und unbefriedigtem Geltungsdrang, vor allem auch gespeist aus einem Fühlen des Verkanntwerdens und Ausgebeutetseins, und ähnlichen eigentlich nur den Prozeß der Selbsterniedrigung beschleunigenden Minderwertigkeitsgefühlen und wenn man Zukunft nur oder überwiegend mit Angriffswehen und Haßtiraden sowie mittels Erniedrigung anderer und Beschneidung derer Rechte und Kultur gestalten zu müssen glaubt. Das kann nicht funktionieren, das wird eine kranke Seele zur befördern und bislang vielleicht da noch Gesunde mit in die Tiefe ziehen. Ausgewogenheit und richtiges (ja: richtiges) Gewichten ist verlangt, ist hier gefordert. Lassen wir eben nichts falsch gewichten und nehmen wir die Erinnerung eines alten chinesischen Sprichwortes ernst: "Vergangenheit ist wichtig! Zukunft ist wichtig! Doch leben wir in der Gegenwart!" Eine ständige Vergewisserung dieser einfachen Einsicht könnte gewiß zu einer positiven Identitätsfindung beitragen, den Weg zu eigener Mündigkeit und vor allem zu eigenem Verantwortungsbewußtsein (gegenüber sich, aber auch gegenüber dem Umfeld!) ebnen helfen. Wenn eben viele traditionelle Orientierungspunkte weggefallen, teilweise durch andere ersetzt worden, sind, wenn die Möglichkeiten individueller Identitätsentwicklung im Lichte heutiger Vielfalt an Entscheidungsmöglichkeiten zugenommen haben, dann bedeutet dies -- sicherlich bei Wissen um die damit verbundenen Nachteile aber auch gegebenen Vorteile! -- vor allem auch eines: an seiner Biographie als sowohl für sich als auch für die Gesellschaft und ein konstruktives Miteinander Verantwortung tragende Person mit dem Ziel weitgehender Eigenverantwortlichkeit intensiv zu arbeiten. Dies schließt aus meiner Sicht jegliche Form von Hängemattenideologie sowie "Selbstfindung" durch Passivität und einem damit abdriftenden Weg in die Not (z.B. kann und darf Unterstützung nur in Fällen echter Not angestrebt werden, im Allgemeinen hat man sich um die materielle Absicherung eigener Lebensgrundlagen und -bedürfnisse selbst zu kümmern, dafür einzustehen. (Ich kenne einige Personen, für die ist es selbstverständlich nur mehr auf einem Hartz IV - Dauerdasein ihr eigenes Leben fristen zu wollen und auf alles andere, was diese Orientierung in Frage stellt, extrem aggressiv reagieren. Für jene ist es selbstverständlich, daß andere für sie zu "bezahlen" haben. Nochmals: ich rede hier nicht von Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind und wirklich sehr dringend der Hilfe und einer Unterstützung durch die Gesellschaft bedürfen!)
Spätestens seit René Spitz wissen wir natürlich, daß Aggression nicht nur einen negativen Aspekt hat. In seinem Buch "Vom Säugling zum Kleinkind" schreibt er unter anderem: "Selten wird erläutert, daß der Aggressionstrieb sich nicht auf Feindseligkeiten beschränkt. In Wirklichkeit dient bei weitem der größte und wichtigste Teil des Aggressionstriebes als Motor jeder Bewegung, aller Aktivitäten, ob groß oder klein, und letzten Endes als Antrieb für das Leben selbst." (1969, S.124) So gesehen wird Aggression erst dann problematisch und zu einem Ärgernis oder gar zu einer Bedrohung für andere, wenn durch sie in schädigender und verletzender Weise auf Menschen, Tierem Umwelt oder Sachen eingewirkt wird. Der gesunde Mensch wird seine (angeborene) Aggression kontrollieren können, sie in den Dienst gesunden Aufwachsens und Entwickelns stellen. Die negative Orientierung entsteht in den allermeisten Fällen erst durch Erlebnisse, falsche Sozialisation und entsprechende Enkulturation. Aus dieser gewaltorientierten Aggression ergeben sich diverse Verhaltensweisen wie beispielsweise natürlich erst einmal auf einer relativ harmlosen Stude Unmutsäußerungen, dann Beschimpfungen, Bloßstellen anderer, Beleidigung, Verleumdung, Erlangungsaggression, Vergeltungsgedanken, aber auch Abwehraggression (dies nicht nur bei notwendig werdender Verteidigung!) und Lustaggression (so z.B. im Sexualverhalten, Tierquälen, Erniedrigen von Menschen, etc.) Diese Aufzählung ist freilich unvollständig. Man sollte auch an eher latente Formen von Aggressionen denken. Selbstverständlich gehören mutwillige Sachbeschädigungen und Zerstörung (auch kultureller Güter oder Erinnerungen) wie auch Tierquälerei zu verdammenswerten Formen von Aggression. Letztlich läßt sich eine freigewordene Aggression mit Friedrich Hacker als Erscheinungsform unkontrollierter, bloßer Gewalt verstehen, die im optimalen Fall durch Charakter, Gewissen und Normen eine zumindest relative Zähmung, eine Kontrolle, ein Im-Zaum-Halten, erfahren kann.
Theodor W. Adorno hat aus Aggression resultierende brutale Gewaltakte -- wohl wegen des Ausbleibens oder Aussetzens der in unserer Kultur eigentlich gebotenen Kontrolmechanismen -- einmal als "antizivilisatorischen Moment" bezeichnet. Ich folge diesem Gedanken und wenn man dies tut, dann wird man unweigerlich auf den Weg geleitet, darüber nachzudenken, was die dazu gehörende Antithese "zivilisatorischer Moment" beinhaltet, beinhalten müßte, beinhalten sollte (Sollenskategorie!).
Und ich fürchte, wir sind da zumindest gegenwärtig auf einem nur wenig bzw. sehr schlecht bestellten Acker, denn außer dem (sicherlich sinnvollen und notwendigen) Verweis auf unsere Grundrechte und das Grundgesetz sowie auf die diverse Normierungen findet gegenwärtig leider keine konstruktive Auseinandersetzung (hier fordere ich einmal mehr die hohe Kunst des Diskurses ein!) darüber statt, wo entschieden Grenzen im sozialen Verhalten zu ziehen sind, Grenzen zu ziehen sind, um u.a. Aggression zu reduzieren und deren Entfaltung nicht auch noch zu befördern. Hier darf ich, diesen Abschnitt abschließend, einen kurzen Inhalt aus Wikipedia zitieren, der eigentlich ohne belehren zu wollen das Wichtigste beschreibt: "Menschliche Aggression ist ein Verhalten, das entweder mit der Absicht geschieht, anderen Menschen zu schaden oder um sie in ihrem Rangordnungsstatus herabzusetzen. Man kann emotionale und instrumentelle Aggression unterscheiden. Im ersten Fall ist das aggressive Verhalten eine Reaktion auf erfahrenes physisches oder psychisches Leid, im zweiten Fall ist es eine rationale Aktion, eine Methode, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. (...) Formen der Aggression sind: offene, verbale oder nonverbale Form: Beleidigen, Spotten, Gesten und mimische Ausdrucksweisen, Schreien, rohe und bewusst vilgäre Sprachstile und Umgangsformen." Und ich entdecke in alledem leider auch sehr viele Spuren, die mir aus den Äußerungen von Hengameh Yaghoobifarah bekannt vorkommen bzw. die ich mit ihrem Verhalten -- gegenüber z.B. der Polizei und aber auch bezüglich ihrer Sicht auf ihre Mit-Deutschen (Stichwort nochmals: "Kartoffeln" etc., s.o.!) -- in Verbindung bringen muß. Vielleicht erklärt da auch so manches, weshalb H.Y. sich so gibt, wie sie sich gibt. Aber viel bedeutsamer, weil auch problematischer, ist es, daß dieser Sprachduktus, diese Hetze, diese Oberflächlichkeit -- so kann ich das alles nur sehen und bewerten -- immer weitere Kreise gezogen hat, vor allem auch, daß sich Aggressionen zunehmend mit geringerer Hemmschwelle (Beispiele die letzten Randale in diversen Städten wie Stuttgart und Frankfurt) von vielen, vor allem jüngeren Leuten gezeigt und gelebt werden. Auch hier sollten sich die sonst immer so schnellschüssigen Sprachpolizisten einmal hinsichtlich eigenen Sprachgebrauchs Gedanken machen: Ist es wirklich angemessen, hier von "Feiernden" zu sprechen, wie häufig geschehen? Ich meine Nein! Hier handelt es sich um Krawallbrüder, Radikale, teilweise um Gesetzesbrecher. Leider zeigt dann auch die Zusammensetzung der jeweiligen Gruppen von Gewaltausübenden alles andere als das ansonsten immer so schöngeredete Sozialgefüge. Will man überhaupt eine Verbesserung der Lage, dann muß man auch schon zunächst einmal ehrlich und ungeschminkt die Tatsachen in die Öffentlichkeit bringen. Mängel und Fehlentwicklungen lassen sich nicht beseitigen, wenn man die wahren Ursachen nicht zur Kenntnis nehmen möchte und mit verharmlosender oder gar beschönigender Sprache agiert. Wer schon in der (teilweise recht unsinnig geführten) Gender-Diskussion auf sprachliche Differenzierung und (tatsächliche oder vermeintliche) Exaktheit pocht, der oder die sollte dies in anderen Bereichen zumindest ebenso handhaben. Und bei all den Umtrieben und häufig rechtswidrigen Akten, muß vor allem unsere Polizei ihren Kopf hinhalten und wieder für Ordnung sorgen, genau die Polizei, die sich dann in Kolumnen, Berichterstattungen Einseitigkeit und böse Beschimpfungen gefallen lassen muß ... Es läuft da etwas kräftig falsch in diesem unseren Lande ...
Epilog (oder: wie umgehen mit all dem, was man am liebsten meiden möchte, es aber aus guten Gründen nicht tun sollte?)
Es gibt im Leben so vieles, was einem eigentlich (persönlich) egal sein könnte (es aber dann aus vielerlei Gründen dann doch nicht ist ...), Erscheinungsformen die einfach nur unerwünscht oder vielleicht auch nur irritierend sind, Situationen, die zum Ausweichen, zum Ignorieren, zum Gleichgültigsein anstacheln. Allerdings -- weiter unten werde ich diesen Aspekt ausführlich aufgreifen -- besteht dann immer auch die Gefahr, daß man dadurch anderen Personen, Entwicklungen und Ansprüchen ein Feld sozusagen "kampflos", unwidersprochen überläßt, was sich letztlich irgendwann vielleicht als Bumerang erweisen könnte. Es ist die Kunst, den Spagat über der schmalen Kluft von Schweigen / Ignorieren einerseits und Aufgreifen / Gegenpositionen zu erklären andererseits auszuhalten und ihn in die als richtig erachtete Bahnen zu lenken...
Ich benütze immer wieder gerne das Bild vom "Leben als eine Art Slalompiste": Durch Geburt ist man auf sie sofort und weiterhin verworfen, jede Menge Slalomstangen sind vorgegeben (= heteronom bestimmte Verhaltensweisen, sozial-gesellschaftliche Vorgaben); hier wird es im Laufe eigener Entwicklung dann zur Aufgabe, diese Vielzahl an Stangen jeweils einzeln zu bewerten, für sich und für sein eigenes Leben zu gewichten. Die Bewertungsmaßstäbe sind unter anderem Normen, sittliche und ethische Erwägungen, ideologiekritische Betrachtung der "Stangensetzer", andere diverse Beziehungsgeflechte (vor allem: persönliche) und -- wichtig, wie ich meine! -- das, was man selbst vom eigenen Leben erwartet (diese Erwartungshaltung ist natürlich jeweils ein Ergebnis aus einem dynamischen Prozeß, wird sich also auch schon mal im Laufe eines Lebens ändern ...).
Nun hat der Mensch die Möglichkeit, auf dieser Slalompiste alle vorgegebenen Slalomstangen anzunehmen, sich deren Diktat unterzuordnen. Diesen Weg halte ich jedoch für falsch, nicht nur weil er von Unmündigkeit und geistiger Armut zeugt. Ich sehe, mich weiterhin an diesem Bild orientierend, das -- sicherlich meine sehr subjektive Perspektive! -- so: Erstens einen Teil der vorgegebenen Stangen sind unveränderlich, weil sie zum Beispiel Ableitungen aus den Menschenrechten und Grundrechten, aber auch aus gewachsenen kulturellen "Pfeilern" sind. Diese Stangen hat man nolens volens zu akzeptieren und sich daran orientierend entsprechend zu handeln. Zweitens: den (sicherlich sehr großen) Rest der "Stangenvorgaben" sollte man kritisch hinterfragen, auch nach Sinnhaftigkeit sowie nach dem jeweils immanten Zweck, dies verbunden mit einem scharfen und klugen Blick auf die dahinterliegenden Interessen (Ideologiekritik ist das dann letztlich erneut!), zum Beispiel nach dem Motto, warum will jemand / eine Instituion / ein jeweils intersubjektiv übereinstimmendes Klientel meine Verhaltensweise in dieser Form festlegen.
Und aus den Überlegungen zu erstens und zweitens ergibt sich dann: Drittens selbst die Stangen auf der Piste zu setzen, die man für sich als notwendig, sinnvoll, zielführend erachtet, also dem Gebot der Verwirklichung von weitestgehender Autonomie zu folgen. Diese Stangen sind häufig dann zugleich "no-go areas" für andere, stellen u.a. den (hoffentlich nicht allzu eng gefaßten) Bereich eigener Einfluß- und Verantwortungssphäre dar, grenzen ab, grenzen aus -- dies bei jeweils persönlich zu gestaltender "Durchlässigkeit".
Dieser dritte Punkt bringt mich nochmals auf den ersten Punkt, also auf den Bereich -- nennen wir es mal so -- "relativ statischer Stangensetzung" zurück: auch hier wird bei grundsätzlicher Akzeptanz der Vorgaben ein individueller Spielraum gegeben sein, den man dann entsprechend persönlicher Eignung und Fähigkeiten (also Gesichtspunkte der Kompetenz und Performanz sind hier wirksam!) auszuschöpfen wissen sollte.
Man kann auch das mediale Geschehen nun in mein "Slalom-Pisten-Modell" verankert sehen; hierzu gehören alle Produkte -- ungeachtet erst einmal der Qualität -- die sich in diesem Sektor tummeln. Das fängt an bei den seriösen, um Wahrheit und Aufklärung bemühte Erzeugnisse und führt über den weiten Bogen an Mittelmäßigkeit bis hin zu den vor allem auch in den sozialen Medien (aber nicht nur dort!) gezeigten unerträglichen Praktiken (wie Halbheiten, Lüge, Diffamierung, Beleidigung, Faktenabstinenz, u.a.m.).
Hier heißt es m.E. auf jeden Fall jeweils die Qualität zu ergründen,die interessenbezogenen Hintergründe aufzudecken, sicherlich auch die sprachliche und kommunikative Qualität zu berücksichtigen, um dann zu einem fundierten ausgewogenen Ergebnis bezüglich Bewertung zu kommen. Aber gerade auch bei Medienbezügen stellen sich Relevanzaspekte aus persönlicher Sicht und Vorlieben. Das halte ich insoweit für ein Problem, denn wer hier vorschnell ausgrenzt, abschottet, der wird wohl weder zu einem fundierten Urteil hinsichtlich Inhaltlichkeit (gefordert ist aus meiner Sicht hier: Pluralität der Information) noch bezüglich "Informationswert" eines Organs (dies nun der Aspekt längerfristiger Betrachtungsweise) und dessen Verortung kommen können.
Ich halte es so: Kritisieren und bewerten kann man nur das, was man auch hinreichend zur Kenntnis nimmt. Dazu gehören allerdings auch jene Informationen, die einem (zumindest zunächst) "unwichtig", "fremd", "absurd", etc. erscheinen mögen. Ich kann mir gut vorstellen, daß es sich viele mit der Kolumne von Hengameh Yaghoobifarah über "die Polizei" da vorschnell zu leicht gemacht haben, sowohl in die eine (Lob) als auch in die andere (Kritik,Tadel) Richtung: vielleicht etwa mit einem "so etwas lese ich erst gar nicht", oder mit dem "aha, steht ja in der taz", vielleicht auch mit "toll, daß es der Polizei mal wieder gegeben wird"; vielleicht ist so eine Schreibe auch für manche ein Anlaß, die Autorin persönlich anzugreifen (vielleicht nach der Devise 'tit for tat' oder so ähnlich), und, und, und ... Mit Vorurteilen an eine Sache heranzugehen ist allemal der falsche Weg! Diese Maxime gilt natürlich auch für Berichterstattungen ...
Ich gebe zu: als ich von dem Beitrag in der taz (eher zufällig) erfuhr, wollte ich mich gerne selbst sachkundig machen -- habe ihn dann auch sofort gelesen, denn ich wollte mich wirklich sachlich und umfassend informieren, um zu einem eigenen Urteil zu kommen -- war ich allein schon deshalb irritiert (um es gelinde auszudrücken), weil ich mir -- da möchte ich unverbesserlich bleiben! -- gerade auch in der Medienlandschaft eine Rückkehr zu diskursiver Arbeit wünsche. Andererseits weiß ich natürlich um die unterschiedlichsten Formen des 'Bashing', man sieht und hört das ja tagtäglich mittlerweile.
Nun habe ich natürlich weder Zeit noch Lust, mich mit allem, was da so über diverse Medien (und auch sonstwie) in die Öffentlichkeit getragen wird, (allzu intensiv) zu befassen. (Ein Aspekt meiner persönlichen Schwerpunktsetzung im Leben ...) Hier machte ich dann jedoch eine Ausnahme, vor allem deshalb, weil ich glaube, damit Exemplarisches in mehrfacher Hinsicht aufzeigen zu können. (Eine Intention meines schriftstellerischen Tuns übrigens, auch hier, gerade auch hier!)
Wie ernst soll man derartige Außendarstellungen wie beispielsweise die der Y.H. (nochmals: sie steht letztllich nur als "pars pro toto" all der präsentierten, kritisch zu würdigenden Inhalte!) denn nehmen? [Oder sollte ich besser sagen: Ergüsse?] Darüber läßt sich füglich streiten. Meine Antwort ist: ernst genug, damit derartige Ansichten nicht eines (im Verständnis von Pluralismus!) notwendigen Diskurses sowie redlicher Aufmerksamkeit entzogen werden / bleiben und sie dadurch vor allem nicht mehr Gestaltungsmacht und Definitionskraft erhalten als es aus gesamtgesellschaftlicher Sicht geboten scheint (also: stets dabei auch den Aspekt der Relativität bedenken!), aber andererseits dürfte aus dem Eigeninteresse an einer sinnvollen Gestaltung der ohnehin knapp bemessenen eigenen Lebenszeit gleichzeitig der notwendige Abstand -- die sich allein schon inhaltlich aufdrängende Distanz -- durch ein "relatives Ignorieren" angeraten sein (es sei denn, man gehört -- neudeutsch gesprochen -- zu den "Followern" solcher Aufmerksamkeitsheischereien und anderen, gelinde gesagt, als seicht empfundenen Beiträgen).
Das Beschreiten eben dieses schmalen Grats zwischen Ernstnehmen und Mißachten/Ignorieren ist entsprechend eine Angelegenheit persönlicher Wertentscheidung; diese sollte freilich nicht völlig abgehoben von möglichen gesellschaftlichen Auswirkung erfolgen. (Es gilt nämlich immer noch, sofern man nicht als Eremit lebt: "Jedes Leben ist politisch!",damit auch "Jedes Verhalten ist irgendwie auch politisch!") Und eines sollte längst klar geworden und allgemeinverständlich sein: Schweigen per se ist noch lange keine Zustimmung *), gleichwohl wird es vielfach von Politik und Medien aber auch im persönlich-sozialen Umfeld als solche "behandelt" ...
*) Vielleicht muß man an dieser Stelle auch jenes -- leider oft verkürzt und bisweilen einseitig falsch dargestellte -- "Wer schweigt, stimmt zu!" einmal wieder genauer betrachtet werden: Schweigen ist nämlich in aller Regel KEINE Willenserklärung (das juristisch definierte konkludierte Handeln greift in diesen sozial-politischen Kontexten keineswegs!), schon gar keine daraus ausmachbare zustimmende. Unter anderen wird Thomas More (Morus) in "A Man for All Seasons" das Lateinische "Qui tacet consentit." in den Mund gelegt. Daraus wird abgeleitet "The maxim of the law is "Silence gives consent!" Im Deutschen wird das gerne übernommen und mit dem "Wer schweigt, stimmt zu!" vielfach zu gängiger Abstimmungspraxis hochstilisiert. Als lateinisches Sprichwort ist diese Form jedoch nicht überliefert, dagegen jedoch jenes "Qui tacet, consentire videtur!" von Bonifatius VIII. Hier ist das von mir Hervorgehobene zu beachten: "videtur", was nichts anderes bedeutet als "scheint" -- Bonifatius sagte also, wer schweigt scheint zuzustimmen.
Daraus wurde übrigens häufig fälschlicherweise abgeleitet, es handele sich beim Schweigen um die "mildeste Form der Zustimmung", statt auf das der Aussage Immanente abzuheben: in solchen Fällen wäre nämlich zu prüfen, was die eigentliche Absicht des Schweigenden ist und nicht ob des Schweigens auf eine wie auch immer geartete Zustimmung zu beharren.
Auch hier ist es jeweils sehr zu überlegen, ob man sich Albert Einsteins gegenteilig lautende -- und ganz gewiß in vielen Fällen (allein schon aus Gründen der Psychohygiene!) zutreffende -- Aussage "Wer schweigt, stimmt nicht immer zu. Er hat nur manchmal keine Lust, mit Idioten zu diskutieren!" als Erklärung für Nicht-Handeln oder gar als Verhaltensmaxime zu Eigen machen sollte, denn Passivität gegenüber Unerträglichkeiten ist genauso gefährlich wie ein Ignorieren von Strömungen innerhalb einer Gesellschaft! Es gibt nämlich -- nicht wenige Fälle -- wo Schweigen, dies in Form von Passivität, fehl am Platze bis hin zu unmoralisch (Ludwig Marcuse setzte die Grenzen der Toleranz u.a. dort, wo "Schweigen unmoralisch" sei!) ist.
Wer sich hier übrigens mit dem lateinischen Spruch eines unbekannten Verfassers "Etiam tacere est respondere." (Schweigen ist auch eine Antwort) begnügen möchte, der oder die sollte sich dann wenigstens intensiv der Mühe unterziehen, herauszufinden, wie jene Antwort dann tatsächlich beschaffen ist ...
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Man könnte also sicherlich schnell geneigt sein, angesichts all der zahlreichen mehr oder weniger aufgebauschten Gegebenheiten einfach zu irgendeiner -- für sich persönlich -- viel besseren und angenehmeren Tagesordnung überzugehen anstatt sich mit den unterschiedlichsten Erscheinungsformen menschlicher Existenz und deren jeweiligen Lebensgestaltung zu beschäftigen ...
Persönlich etwa so gesehen: Was soll das denn, sich mit all den Spinnereien, Dummheiten, Komplexen und Oberflächlichkeiten auseinanderzusetzen, sich gar mit jenen, denen Oberflächlichkeit und fortwährendes Beleidigtsein sowie intern oder extern induzierte Aufgeblasenheit eine Art Lebenselixier und Daseinsgestaltung zu mühen?! Dennoch: es wäre natürlich falsch, jenen Darstellungsweisen fortwährend kritiklos das Feld zu überlassen, denn dann könnte u.a. schnell der Eindruck einer falschen Normalität entstehen. Normalität sowohl im statistischen wie auch im seinsbezogenen Verständnis! Leider (auch wenn es bisweilen Zeit kostet, Aufwand bedeutet oder zum Ärgernis gerät) gilt hier das bekannte "Wehret den Anfängen!" **)
**) Der pluralische Gebrauch ist natürlich mit Blick auf gesellschaftsbezogene Wachsamkeit sehr sinnvoll, entspricht jedoch nicht dem lateinischen Original. Dieses lautet "Principiis obsta!" (also nicht: Principiis obstate!) und wird oft fälschlicherweise Cicero zugeschrieben. Tatsächlich stammt die Redewendung aus Ovids "Remedia amoris" (Heilmittel gegen die Liebe). Dort heißt es: "Sero medicina parata, cum mala per longas convaluere moras. Sed propera, nec te venturas differ in horas: Qui non est hodie, cras minus aptus erit." [ frei übersetzt: Wehre / Widerstehe schon den Anfängen / zu Beginn! Zu spät wird die Medizin bereitet, wenn die Übel durch langes Zögern erstarkt sind / sich vermehrt haben. Beeile dich und verschiebe die Heilung / das Beseitigen der Sorge nicht in die Zukunft. Wer nicht (schon) heute (zu handeln) bereit ist, wird es morgen noch weniger sein. / = Was nicht heute geschieht / erledigt wird, wird morgen noch schlechter zu beweerkstelligen sein. ]
Publius Ovidius Naso ("Ovid") wandte sich in seiner Remedia amoris jedoch an unglücklich Verliebte, gab ihnen sozusagen "Heilmittel gegen die Liebe" : sie sollten den unglücklich Verliebten helfen, sich wieder zu "entlieben". Und je eher man damit beginnt, umso erfolgversprechender könnte der Vorgang verlaufen, bei allzu langem Zuwarten gerät der Erfolg in Gefahr ... Sozusagen Therapie in und durch Übersättigung -- dies allerdings zur "richtigen" Zeit. Eben: am besten schon bei den ersten Anzeichen (am Anfang) gegensteuern. [Übrigens läßt sich in Ovids "Remedia amoris" vielfach Ironie und Pathos entdecken; der heutige Gebrauch von "Principiis obstate!" (hier von mir mit dem Imperativ in der 2.Person Plural leicht abgewandelt!) in unserem Alltag dürfte davon kaum mehr etwas aufzeigen, zu Recht.]
Die Verwendung der Redewendung heute geschieht vor allem im Kontext mit den unterschiedlichsten Bezügen; sie wird vor allem auch aus sozialem und politischem Blickwinkel, sicherlich immer auch noch in sehr persönlichen Kontexten, gebraucht. Man soll(te) bei Dingen / Geschehnissen, deren weitere Entwicklungen entweder nicht absehbar oder gar schon als schädlich diagnostizierbar sind nicht erst lange mit dem Handeln, mit dem Gegensteuern, mit dem Unterbinden einer solchen als negativ bewerteten bzw. so gesehenen Entwicklung zuwarten. Am besten: das Ganze gleich am Anfang unterbinden oder zumindest entsprechend wirksam entgegenwirken. Allgemein kann man sagen: die Redewendung wird heutzutage verwendet, wenn man vor einer verderblichen oder gefährlichen (bisweilen auch nur lästigen) Entwicklung warnen möchte. (Und von derartigen Entwicklungen dürfte es auch hierzulande mittlerweile mehr als genug geben ...)
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Wir haben es sicherlich bei all den Irritationen, Zerwürfnissen, Wogen der Verständnislosigkeit, Anklagen, Rechtfertigungen, Selbstdarstellungen, wie sie vorstehend einmal mehr sich zeigen, gewiß auch mit diversen Erscheinungsformen von "Peinlichkeiten" zu tun. Damit meine ich nicht solche Peinlichkeiten wie beispielsweise jene, wo ein eigentlich recht selbstverliebter Bekannter sich nicht traute, in ein Geschäft zu gehen, um sich eine Nasensalbe zu kaufen. Ihm war das "peinlich", ebenso "peinlich" war es ihm, Präservative zu kaufen (und sicherlich, das kann man aus diesen beiden "Seltsamkeiten" schon vermuten!) und so vieles mehr, wo sich andere vielleicht nicht einmal eine Hundertstelsekunde entsprechende Gedanken gemacht hätten. Manchen ist es "peinlich", wenn sie stockbesoffen waren, andere (dann meist mit entsprechender Bestätigung aus ihrem sozialen Umfeld) dagegen mag so ein Zustand als heldenhaft erscheinen. (Auch hier schließe ich stets beides Geschlechter grundsätzlich ein ...)
Dagegen war es einem anderen Herrn, der irgendwann einmal kurz mein Leben (eher als Zufallsbekanntschaft einer meiner sehr guten Bekannten) kreuzte überhaupt nicht peinlich, in südlichen Ländern aus Lastkraftwagentanks Diesel für seinen alten Mercedes zu stehlen (er nannte das euphemistisch "schnorcheln") und zudem bestehende Schulden bei einem Freund (zumindest bezeichnete jener Salonrevoluzzer diesen als solchen) zunächst gar nicht und dann erst nach mehrmaligen massiven Aufforderungen zurückzuzahlen. Dem einen (natürlich gilt da auch: der einen) ist es peinlich in der Schule "durchgefallen" zu sein, anderen geht so etwas am sprichwörtlichen A... (Hintern! natürlich) vorbei.
Einem mag es peinlich sein, daß ihm die Frau davongelaufen ist (oder ihr der Mann, soviel "Gender" mag sein ...), einem anderen vielleicht dagegen, daß sie immer noch da ist (nochmals: ihr, daß er noch nicht das Weite gesucht hat).
Mancher ist hocherfreut, wenn er einen Orden bekommt, andere schämen sie da zutiefst (zumindest partiell, also je nach Aufenthalt in einem sozialen Kontext ...), Orden sozusagen als Lobpreisung oder Schmähkritik, je nach Perspektive -- dann aber auch mit dem entsprechenden Gefühl Euphorie versus Schamgefühl.
Ja es soll auch eine große Zahl an Leuten geben, die sich kabarettistisch gebärden (damit sogar -- von Corona-Zeiten einmal abgesehen -- gutes Geld verdienen) und dabei bei offensichtlich niederstem Niveau keine Spur von Peinlichkeit empfinden (was ihnen zugegeben die jeweils zu ihnen passende Zuhörerschaft durch Beifallskundgebungen schon gar nicht nahelegt ...) und dann kennen wir [aber: wer ist das hier, das mit dem "wir"?-- sicherlich "wir", eine überschaubare Menge, zugegeben: auch sehr subjektiv -- und gut abgrenzend -- jeweils definiert ...) so viele von "Film, Funk, Fernsehen und Presse" (klingt ja auch wie die seinerzeitige Dauerwerbeberieselung: man weiß es doch noch? -- "Bekannt aus ...") ja auch jene, die sich und ihre Ergüsse darbieten, [aus der vorgenannten Abgegrenztheit der "Wir-Perspektive" und dieser Perspektive alles andere als gehaltvoll oder gar wertvoll gesehen], denen nichts, aber auch gar nichts "peinlich" ist; dabei wäre es nicht nur aus Gründen realistischer Selbsteinschätzung zumindest bisweilen fruchtbringend, wenn dort dem einen oder der anderen ab und zu (gut, bei einigen nicht "ab und zu", sondern häufig oder gar immer!) jenes Gefühl einer mindestens sehr rudimentären "Peinlichkeit" zum Begleiter werden würde. Es muß ja nicht immer nur auf der "Nasensalbenebene" oder im Rahmen der "Kondomlichkeit" oder gar rechtlicher Verirrungen verweilen, wenn es heißen sollte: peinlich, peinlich, peinlich ...
Leider ist es auch vielen aus jener Gruppe, die sich aus einer sicheren Pfründe der Absicherung durch Zwangsgebühren (ich denke da an den Öffentlichen Rundfunk!) gefestigt sehen, nicht "peinlich", sich selbst über jegliche Kritik erhaben zu fühlen (sozusagen Formen der Besserwisserei und Rechthaberei zu pflegen), und weiter -- vor allem: finanziell ungestört -- ihrem Darstellungmodus der "Richtigkeit", der "Wahrheit", des "Sendungsbewußtseins" frönen zu können. Während man selbst also -- ungeachtet der eigenen Qualität und des eigenen Verhaltens -- durch den verpflichteten Gebührenzahler abgesichert ist, sind die häufig Verfemten, Angegriffenen, der Unlauterkeit bezichtigten allerdings den üblichen Marktgesetzen (Angebot und Nachfrage) ausgesetzt -- dies mit all den Risiken, auch jenen, die den Verlust des Arbeitsplatzes bedeuten können ... Statt echten Diskurs zu betreiben, statt über das eigene Selbstverständnis gründlicher nachzudenken, es zu hinterfragen, statt ehrlich und kritisch über die Höhe eigener Gehälter (dies in Relation zu tatsächlicher Leistung, dies dann im Vergleich mit dem allgemeinen Markt!) nachzudenken, geht man dort vielfach andere Wege, den der willkürlichen Ausweitung eigener Einflußsphären (man erinner sich nur an den Einbezug des Besitzes von PCs als gebührenverpflichtendes Merkmal, weil man ja plötzlich Angebote über das Internet bereitstellte -- die Frage, wer das dann auchsehen will, spielte faktisch keinerlei Rolle!), aber auch gibt es immer wieder (zumindest vereinzelte) Versuche andere Veröffentlichungen und Veröffentlicher zu mokieren, sie gar anzugreifen, sie aus dem Konkurrenzfeld um Meinungshoheit und quasi Ex-Cathedra-Deutungsmuster am liebsten zu verbannen. Die Öffentlich-Rechtlichen sozusagen als "Staat im Staate", abgesichert durch Gebühren auch jener, die diese Angebote überhaupt nicht in Anspruch nehmen wollen ... Auch das alles ist irgendwie "peinlich", gehörte längst wieder in normale Bahnen zurechtgerückt; aber gerade dieses Beispiel zeigt einen anderen Aspekt von dem, was "peinlich" ist: normalerweise entsteht das Gefühl der "Peinlichkeit" jeweils aus dem subjektiven "es so"- Erleben.
Kleiner Exkurs: Dies ist mit der Zwangsgebührenzahlen verbundenen Verfestigung eines Zustands jedoch nicht der Fall: die Betroffenen (genauer: die Begünstigten) werden wohl kaum hier ein Gefühl der "selbst-verspürten Peinlichkeit" aufkommen lassen, ganz im Gegenteil, sie werden eher empfinden, das stehe ihnen mindestens zu. So der nicht gerade besonderer Objektivität zu verdächtigende Georg Restle, Chef von Monitor, der laut eigenen Angaben auf twitter am 16. August 2019 sagte: "Als fest angestellter Redaktionsleiter und Moderator von MONITOR verdiene ich rund 4.600 Euro netto/Monat (...)"; er fände das auch angemessen. So wie auch der WDR-Intendant Tom Buhrow es in Ordnung findet, daß er 399.000 Euro/Jahr erhält, was u.a. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, CDU, zu der Aufforderung veranlaßte, diese Bezahlung mindestens an die Bezüge des Bundespräsidenten, etwa 214.000 Euro anzupassen, so eine Meldung im tagesspiegel vom 29.01.2020. Die Bundeskanzlerin verdient übrigens ca. 250.000 Euro Bruttojahresgehalt,merkur.de vom 06,07,2020) Hier drängt sich ein Vergleich von Buhrows Stellung zu der eines Bundespräsidenten oder eines Bundeskanzlers / einer Bundeskanzlerin geradezu auf, um zu sehen, daß hier längst etwas aus dem Ruder gelaufen ist ...
Wenn eins im Fernsehen ständig steigt, dann ist es nicht
die Qualität der Unterhaltung, sondern ihre Peinlichkeit.
Karl Talnop
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Allein, wozu das peinliche Gegrübel?
Was sichtbar bleibt, ist immerhin nicht übel.
Wilhelm Busch
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"Der gesittete Mann wartet gar nicht ab, bis die Gesetzgebung etwas unanständig finde, und ihr Verbotsdekret anschlage:
es wäre ihm eine Schmach, wenn er dieser Belehrung erst bedurft hätte; er kommt dem Gebote zuvor, und unterläßt,
was der Gemeinere um ihn her sich ohne Bedenken erlaubt, lediglich deswegen, weil es dem höher Gebildeten nicht ansteht."
Johann Gottlieb Fichte
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Die obige Aufzählung möglicher "Peinlichkeiten" könnte sicherlich beinahe endlos fortgesetzt werden; aber eigentlich geht es mir überwiegend nicht um das "Minutiöse" an Peinlichkeiten; es geht um Grundsätzlicheres:
Denn es führte aber nicht nur hier sicherlich zu weit, alle möglichen Aspekte, welche irgendjemand als "peinlich" empfinden könnte, aufzuzählen. Diese Formen von Peinlichkeit meine ich hier ganz bestimmt nicht, wenn mir bei alledem nun wieder einmal mehr der leider viel zu früh verstorbene Wilhelm Genazino einfällt, der in seinem "Ein Regenschirm für diesen Tag" (Hanser Verlag, München, 2001) den Protagonisten (Ich-Erzähler) so schön sagen läßt: "Ich warte auf den Tag, an dem alles, was lebt, seine Peinlichkeit eingesteht." (S.85) *)
Da geht es wohl nicht mehr um die mehr oder weniger einem Allgemeinen entkleidete und aus ihr herausgelöste jeweils nur persönlich erlebte Peinlichkeit (oder um eine solche, welche die jeweilige Person erleben müßte, sich aber mit tausenderlei Mitteln dagegen schützt, diese Empfindung auch nur in leisen Ansätzen aufkeimen zu lassen, sozusagen der geronnene Eigenpanzer gegen Selbstkritik), da geht es wohl: um ein Ganzes, um ein Großes, um Peinlichkeit als Metaebene und von dieser Höhe aus der Blick in die vielen Tiefen eigentlicher Belanglosigkeiten. Wobei belanglos keineswegs heißt, daß diese alles frei von Ärgernis, frei von Impertinenz, frei von Dreistigkeiten (zumindest bisweilen) ist. Mitnichten. All die kleinen Peinlichkeiten (die solches ja nur für diejenigen sind, die dann auch so empfinden) steigen aus den Niederungen empor und verdichten sich zu jenem übergeordneten Gebilde, was dann alles umschlingt, aufsaugt und hermetisch beheimatet. Von dieser PEINLICHKEIT ist die Rede dann: von der Peinlichkeit aus all den Peinlichkeiten. Eben: METAPEINLICHKEIT. Der Ich-Erzähler ist bei Genazino auf der Suche nach dem erlösenden Begriff (Wort), der die "Gesamtmerkwürdigkeiten" des Lebens benennen könnte und sieht sein Leben als eine "Peinlichkeitsverdichtung ohne Beispiel". Um nicht in seinem Bestreben nach diesem Sammelbegriff beeinträchtigt zu werden, flieht er vor allem, was ihn aus seinen Tagträumen reißen könnte und wirkt als sanftmütiger Bezichtiger alles Bestehenden (das er dennoch immer wieder auf sich bezieht ...). Diese Sanftmut gegenüber Bestehendem (Seienden) geht allerdings den meisten derer, die heutzutage ihren Status, ihre Situation, ihre gewählte Positionierung gegen eine als böse, als feindlich, als aggressiv, als rassistisch etc. gesehene Gegenmacht behaupten zu müssen glauben, in aller Regel ab. Da wird -- gegen jegliche Sanftheit -- sehr häufig mit schweren Geschützen aufgefahren, wird versucht, einer Mehrheit Vorschriften über deren Lebenseinstellung und Haltung zu machen. Von der Toleranz, welche man für sich (zu Recht!) beansprucht, bleibt da allzu oft für andere keine Spur mehr übrig. Und das sollte eigentlich "peinlich" sein, was es jedoch mitnichten ist -- "peinlich" sind dann nur die anderen, die ihren für sie normalen Rhythmus leben und ihren Lebensstil pflegen. Es stellt sich da m.E. häufig die Frage: Welche Person steht tatsächlich hinter der im sozialen Geschehen gezeigten Erscheinung?
Auf diesen Aspekt ist Wilhelm Genazino in einem Interview mit Manfred Suber gezielt eingegangen, als jener ihn fragte, auf Genazinos Aussage "Peinlichkeit ist etwas Authentisches und zutiefst Humanes" eingehend, ob "in der Peinlichkeit etwa ein Erkenntniswert" stecke. W. Genazino antwortete darauf: "Ich weiß nicht, ob ich gleich von Erkenntniswert reden wollte. Aber etwas zutiefst Menschliches steckt durchaus in der Peinlichkeit drin, weil sie die Menschen aus ihren angelernten Rollen wirft. Normalerweise läuft der Verkehr zwischen uns ja über Eingeübtes, Erlerntes. Und plötzlich tauchen da so peinliche Momente auf, es kommen hinter den Masken die Individuen zum Vorschein, die zeigen sich anders, als sie sich zeigen wollen. Peinlichkeit heißt ja auch, dass man sich plötzlich an einer unvorhergesehenen Stelle offenbart. Das haben wir mit unseren sozialen Masken schon völlig verlernt. Man hat seinerzeit von Charaktermasken gesprochen, so weit würde ich nicht gehen. Es sind Sozialmasken, Rollenmasken. Man muss eben eine Nummer spielen, damit man durch den Alltag kommt. Das gelingt den meisten Menschen so gut, dass sie nur noch als Rollen durchs Leben gehen. Und weil auch das ganz gut klappt, vergessen sie völlig, dass darunter noch eine ganz andere menschliche Authentizität steckt. Die ist ja auch schwieriger zu leben als die Maske." (Massakrierte Gedanken. Interview mit Wilhelm Genazino über Sehnsucht, Peinlichkeit und Wahnsinn. Martin Stuber, literaturkritik.de vom 2. Februar 2002) Wenn Genazino in diesem Zusammenhang feststellte, wir hätten eigentlich "Anlass, über die Peinlichkeit erfreut zu sein, aber die Menschen antworten mit Scham", weil wir "an einer Stelle veröffentlicht (werden), die nicht zur Veröffentlichung vorgesehen war", daß wir also letztlich unsere wahre "Authentizität" verbergen, dann sehe ich da eine Verbindung zu all jenen, die ihre Ich-Identität entweder (noch) nicht entwickelt haben und / oder schamlos mit einem falschen Sein ihre Spielchen betreiben.
*) So wurde der Protagonist in einer Rezension schon mal als "ein Lebenskünstler, der Kunstlosigkeit zum Prinzip erhoben hat" gedeutet, als ein "Reflexionsathlet, der den Müßiggang als Schwerstarbeit betreibt", dies fortwährend. Schön aus meiner Sicht auch die Formulierung, er sei ein "Workaholic des Nichtstuns" sowie ein "sanftmütiger Bezichtiger alles Bestehenden", der eben auf den Tag wartet, an dem sich der Inhalt des oben genannten Zitats verwirklicht: also das Eingestehen der eigenen Peinlichkeit. Er ist permanent auf der Suche "nach dem erlösenden Wort (sic! d.V.), das die 'Gesamtmerkwürdigkeiten des Lebens auf den Begriff bringen könnte." Dabei ist er "immer auf der Flucht vor Begegnungen, die ihn aus seinen Tagträumen reißen könnten" und letztlich ist er sich darüber im Klaren, "daß sein ganzes Leben eine 'Peinlichkeitsverdichtung ohne Beispiel' ist." (vgl. auch: faz vom 15.09.2001, Artist der Umständlichkeit)
Genazino läßt seinen Ich-Erzähler als Schuhtester durch Frankfurt laufen, freilich ein Job der einerseits einem intellektuellen Altachtundsechziger auf keinen Fall Befriedigung verschaffen kann und andererseits zudem sehr schlecht bezahlt ist, sodaß diese Einkünfte kaum zum Bestreiten des Lebensunterhaltes hinreichen. Prekärer wird dieser Zustand dann noch, als ihm sein Auftraggeber zu verstehen gibt, man müsse aus betriebswirtschaftlichen Gründen die Zahlungen radikal reduzieren. Auch diese finanzielle Situationen führt dann dazu, daß der Ich-Erzähler enorme Beziehungsschwierigkeiten bekommt, letztlich allein gelassen wird. Die Monologe des intellektuellen Stadtstreichers beschreiben bis in die Details das Verhalten und die Erscheinung von Alltagsmenschen; die Beobachtung jener verschafft ihm freilich auch immer wieder Ablenkung: sein Blick- und Wahrnehumungsfeld werden stets dadurch getrübt, was ihm jedoch häufig eher willkommen scheint. Wohl deshalb nimmt er sich auch sehr viel Zeit, bei all jenen alltäglichen Ereignissen und Begebenheiten ausführlich hinzusehen. Eines betont er implizit aber auch explizit immer wieder: er hat das tiefe Gefühl, ohne seine Genehmigung auf der Welt zu sein. Er spürt die Zerbröckelung, Zerfaserung und Ausfransung seines Lebens als einen traurig stimmenden Prozeß, von ihm im Roman als "Verflusung" bezeichnet. Soll man ihn nun vielleicht gar als einen Tagedieb und / oder Habenichts, als jemanden der "dem Herrgott den lieben Tag stiehlt" (um diese häufig gebrauchte mißliebige Redewendung zu bemühen), als jemanden, der sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung entzieht, bezeichnen? Vielleicht, wenn man es rein quantitativ sieht, trifft am ehesten noch "Habenichts" als Attribut zu. Alles andere verneine ich, zumal es diesen Herrgott, dem man auch nur irgendetwas stehlen könnte, wohl kaum geben dürfte.
Weshalb dieser kleine Ausflug in Genazinos hervorragende Schaffenskraft gerade an dieser Stelle? Weil eben der Aspekt der Peinlichkeit zugleich mit Verlorenheit, mit innerer Zerfransung, mit selbstzerstörerischem Sein in Zusammenhang gebracht werden kann. Und auf einer solchen Basis ist nicht mehr weit bis zu Haßgefühlen, Aggressivität und verzerrter Darstellung von "Welt" mit dem Ergebnis dummdreister Rechthaberei und dem Hang zur Demagogie. Allerdings ist der Ich-Erzähler im Gegensatz von der von mir eben angerissenen Zerstörungswut weit entfernt: er zieht friedlich seine Kreise und hadert letztlich nur mit sich selbst und seinem Dasein. Er läßt andere (weitestgehend) unbehelligt. Er gesteht sich und seinem Dasein die Peinlichkeit ein, welche andere, die innerhalb der Gesellschaft, innerhalb einer Gemeinschaft, nur mit Rundumschlägen zu verleugnen versuchen. Dabei sind gerade Rechthaberei, Demagogie und Verabsolutierung eigener Bedürfnisse auf Kosten und zu Lasten anderer manifestierte Formen von eklatanter Peinlichkeit! Wohl auch Beispiele der von Wilhelm Genazino kreierten "Verflusung" ...
Ich komme hier nochmals auf Genazinos Schlüsselsatz zurück: "Ich warte auf den Tag, an dem alles, was lebt, seine Peinlichkeit eingesteht." Das muß ja nicht gleich unbedingt in krankhafter Selbstzerfleischung enden, also in der Zerstörung eigener Identität. Es wäre schon hilfreich und für ein besseres Zusammenleben innerhalb einer Gesellschaft zielführend, würde man sich mehr um eine tolerante Zuwendung zu der außerhalb des jeweiligen So-Seins wahrzunehmenden Erscheinungsformen und Seinsweisen bemühen, letztlich also auch sein eigenes Ego nicht "kriegslüstern" und verleumderisch auszuleben versuchen. Es könnte so einfach sein, wenn man nur wollte: einfach sich mehr um Fakten bemühen, Generalisierungen von wahrgenommenen einzelnen Ärgernissen und Entgleisungen vermeiden und sich bemühen, welchen Beitrag man denn selbst leisten könnte, damit innerhalb der Gesellschaft wieder zu echtem Diskurs zurückgefunden werden kann. Und wie so oft landet man auch bei diesem Gedanken wieder bei er unerträglichen politischen Korrektheit, die sowohl ein angemessenes Wirklichkeitsverständnis als auch den Gedankenaustausch darüber verhindert und Nährboden für Einseitigkeit, Halbwahrheiten, Verhindern von hinreichender Problemerkenntnis, ja auch: Macht um der reinen Macht über andere ausüben zu wollen bedeutet. Dem sollte man, sofern man Vernunft und Mündigkeit als Tugend pflegen möchte, aber auch als Grundlage für Perspektivenwechsel sowie empathischen Umgang im Miteinander (also nicht jenes vielfach zu beobachtende praktizierte Gegeneinander!) jedenfalls nicht zuarbeiten.
Und für all jene, die sich selbst oder in unsäglicher intersubjektiver Übereinkunft auf ein Podest der Anmaßung erhoben haben und sich immer noch dorthin begeben zu müssen glauben, möchte ich zum Nach- und Überdenken aus der lateinischen Schatzgrube mit Blick auf Verstand und Gefühl drei gescheite (und dadurch auch: mahnende!) Weisheiten mitgeben:
1. Qui alterum incusat probri eum ipsum se intueri oportet. (Plautus) [ Wer einen anderen einer schlechten Tat beschuldigt, der soll sich selbst zunächst betrachten.)
2. Ut sementem feceris, ita metes. (Cicero) [ Wie du säest, so wirst du ernten.]
3. Bonis nocet, quisquis pepercerit malis. (Publilius Syrus, sententiae 55) [Den Guten schadet derjenige, der die Schlechten schont.]
Nun kann man sich ja bemühen, Irrtümer zu vermeiden, gelingen wird das jedoch (leider) nicht immer. (Manche versuchen sich erst gar nicht darin, Irrtum zu vermeiden, im Gegenteil: sie generieren Irrtum auf Irrtum, dies allein schon wegen ihrer extremen Unzulänglichkeit und der konstanten Verweigerung diesen Orientierungsmodus zu vermeiden resp. zu verändern ...) Wer jedoch irrt, und im Irrtum dann noch trotz der Möglichkeit diesen zu entlarven verharrt, der ist doch schlicht und einfach nur eines: dumm, dumm, dumm. Wahre Größe ist es doch, den Irrtum einzugestehen, ihn zu korrigieren. Und in diesen Zusammenhang gehört natürlich die Bereitschaft, seine eigenen oder von anderen übernommenen Hypothesen stets als "vorläufig" zu betrachten und sie für eine Widerlegung offenzuhalten, dazu auch einen eigenen Betrag (nämlich den des suchenden und kritischen und offenen Menschen!) zu leisten. Da sei abschließend nochmals Cicero zitiert (Philippica 12, 2): "Cuiusvis hominis est errare, nullius nisi insipientis in errore persevare." Dem ist nichts hinzuzufügen ...
Zu guter Letzt nochmals zurück zum "Aufhänger" meiner dargebotenen Überlegungen: Hengameh Yaghoobifarah und ihr Artikel. Die Folge des von ihr, der taz und einigen Kreisen als satirisch bezeichneten Artikel: zahlreiche Anzeigen, Einschaltung des Deutschen Presserats und leider auch angeblich massive Bedrohungen von H.Y. (Quelle: merkur.de, eine Chronologie der Ereignisse, entnommen 26.07.2020) Es seien "zahlreiche Telefonate und E-Mails mit bedrohlichem Inhalt" bei der taz eingegangen, wovon einige "als Gefährdung für das körperliche Wohl Yaghoobifarahs eingestuft werden können." (ebd.) Laut dem Nachrichtenmagazin Focus habe H.Y. nun angeblich die Berliner Polizei um ein "Beratungs- und Sicherheitsgespräch" gebeten. (Allerdings habe es eine offizielle Stellungnahme seitens Polizei dazu noch nicht gegeben.) Sollte es so sein, kann man vielleicht darauf hoffen, daß sie ihre Äußerungen über Wirkung und Notwendigkeit von Polizeiarbeit, vor allem über das Personal, in ihrem vielfach kritisierten Artikel kritisch überdenkt und so dann gewisse Einsichten gewinnt, die ihr bislang anscheinend nicht gegeben waren.
Nachdem Horst Seehofer seine Drohung einer Anzeige zurückgenommen hatte, stattdessen ein Gespräch in seinem Ministerium anbot, "um mit ihr (= H.Y., d.V.) den Artikel und seine Wirkung zu besprechen", ging das Tauziehen um Klärung in eine neue Runde, nämlich die Uneinigkeit über den passenden Ort: die taz zeigte sich angeblich für die Gesprächseinladung Seehofers offen, schlug jedoch einen anderen Gesprächsort vor: diesbezüglich erklärte die taz-Chefredakteurin Barbara Junge "Ich halte aber das Bundesinnenministerium nicht für den richtigen Ort für dieses Gespräch und schlage einen gemeinsamen Besuch der Polizeischule in Eutin vor, die ihrem Rassismusproblem in den eigenen Reihen begegnet, indem sie sich dem Netzwerk „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ angeschlossen hat.“ (Quelle ebd.), was mir schon die Frage aufdrängt, ob hier nicht der Versuch einer Pseudo-Versachlichung seitens taz vorliegt. Die journalistische Entgleisung in der Darstellungs- und Ausdrucksweise sehe ich notwendigerweise als etwas an, das man nicht durch Ablenkungsmanöver durch Verweis auf einschlägige Aufarbeitungen faktisch relativieren sollte.
Ebenfalls halte ich die einseitig verkürzte Einlassungen der SPD-Esken, die Seehofers Überlegung, Strafanzeige gegen die Autorin zu erstatten, mit einem "Die Autorin ist schon sehr unter Beschuss geraten. (...) So was dürfen wir als Staat keinesfalls befördern." kritisiert hat, als wenig sachbezogen, denn Frau Eskens verwechselt hier offensichtlich Ursache und Wirkung. Eine offene Diskussion um diese "polizeikritische (so man es überhaupt auf diese Art attribuieren möchte, denn was ist daran überhaupt kritisch gewesen ..., Anm. d.V.) Schmäh-Kolumne" ist unbedingt notwendig und sollte dann auch entsprechend frei von politischer Korrektheit und mit Benennung von Roß und Reiter geführt werden.
Daß sich der Deutsche Presserat über die angedrohte Anzeige besorgt gezeigt hatte, läßt sich mit der Besorgnis des Geschäftsführers Roman Portack erklären, der betonte "Der Weg über das Strafrecht ist immer mit Einschüchterung verbunden. (...) Eine Folge könnte daher sein, dass Journalisten möglicherweise später einmal zögern, bevor sie etwas veröffentlichen. Wir wollen aber keine Schere im Kopf." Portack räumte jedoch gleichzeitig auch ein, daß es das Recht des CSU-Ministers (sei), gegen die polizeikritische Kolumne der 'taz' vorzugehen: "Natürlich hat Seehofer als oberster Dienstherr der Bundespolizei auch eine Fürsorgepflicht für seine Beamten - dazu kann auch das Erstatten von Anzeigen gehören, (...) Es stünde aber einem Bundesminister des Inneren besser zu Gesicht, den Fall von der Selbstkontrolle der Presse, dem Deutschen Presserat, klären zu lassen.“ (so gegenüber der "Augsburger Allgemeinen", Quelle: merkur.de) Bis zum 25. Juni 2020 sollen beim Presserat bereits rund 300 Beschwerden über die taz-Kolumne vorgelegen haben. Seehofer selbst habe sich ebenfalls an den Presserat gewandt, da in seinen Augen die taz-Kolumne "einen schweren Verstoß gegen den Pressekontext darstellt".
Es ist schon eine Gratwanderung, zugegeben: mit dem Strafrecht gegen Ärgernisse (um es gering-gewichtig auszudrücken) vorzugehen und dann dennoch eine "Schwere im Kopf" bei journalistischer Arbeit zu vermeiden. Jedoch gibt es längst schon auch zahlreiche andere Sachverhalte, die bereits für diese "Schere im Kopf" sorgen; zu diesen gehört natürlich die vielfach praktizierte unsägliche politische Korrektheit als Vorgabe, dazu gehört auch die jeweils ideologische Positionierung eines jeweiligen Presseorgans sowie die Tatsache, daß die Ausrichtung an absoluter Objektivität ein Wunschtraum sein dürfte. Nicht vergessen werden sollte bei "Schere im Kopf" auch die merkantilistische Orientierung (Medienterzeugnisse sind letztlich auch eine "Ware")und die sich daraus ergebenden Zwänge; leider stehen die Medien hier in einem harten Konkurrenzkampf, der hinsichtlich "Schere im Kopf" nicht so gänzlich unbedeutend ist ...
Wer hier nun hier in der Angelegenheit "Schmähkolumne" auf eine "Ende gut, alles gut" hofft, der dürfte aller Wahrscheinlichkeit enttäuscht werden: all das wird im Sand verlaufen, der Anfangsdonner wird verhallen, die Zeit wird ihren Mantel über all die Geschehnisse ausbreiten, die ideologisch unterschiedlichen Fronten bleiben weiterhin verhärtet (und verstärken sich jeweils in ihren Gruppierungen gegenseitig, das bessere, das einzig-richtige Weltbild zu haben) und es wird, nun allgemein gesprochen, mit Sicherheit bestimmt nicht sehr lange dauern, bis man wieder eine neue Beleidigungs- / Sensations- / Ärger - / Verleumdungs- / Diskreditierungs- / Ausgrenzungs- / Diskussionsvermeidungs - Sau (o.ä.) durchs Dorf zu treiben findet ... Die Peinlichkeiten (s.o.) werden schon ihre Entsprechungen immer wieder finden.
"Die Wahrheit siegt in und durch sich selbst; die Meinung nur in anderen."
Epiktet
Mach es wie die Sonnenuhr: zähl die heitren Stunden nur!
Anmerkung: Versuche, diesem alten deutschen Sprichwort zu entsprechen, sollte es -- trotz sicherlich vorhandener Skepsis hinsichtlich Erfolg -- immer wieder geben ...
Freunde gibt's genug, aber sie sind wie die Sonnenuhr, die solange ihren Dienst versieht, wie die goldene Sonne zu scheinen pflegt. Sobald aber die Sonne untergeht, ist auch bei ihr alles aus.
Johann UIrich Megerle (aka Abraham a Sancta Clara, 1644 - 1709, Augustiner-Barfüßer)
Man kann daran vorbeikommen, davon unbehelligt bleiben: wenn man Medien meidet, nicht hinhört wenn Politiker reden, Zeitungen ignoriert, sich von TV und Radio nur mehr berieseln läßt (die bessere Alternative: einfach ausschalten!), Gespräche mit den allermeisten Leuten meidet, am Arbeitsplatz (oder wo auch immer) gute Ohrenstöpsel trägt: an der Political Correctness, die politische Korrektheit begegnet einem ansonsten überall. Wer nun meint, sich davon in Kneipen oder sonstwohin davonstehlen zu können, der oder die irrt gewaltig. Ein Platz mag noch so sorgsam ausgewählt sein: dieser Niedergang des Geistes begegnet einem immer und überall. (Vielfach vielleicht nicht beim Sex, aber wer ist sich da schon so ganz sicher.) Längst fehlen Mindeststandards für eine sachliche Debatte: den Begriff "Diskurs" traut man sich da als gebildeter Mensch schon gar nicht mehr in den Mund zu nehmen, denn wirklichen Diskurs gibt es längst nicht mehr, allenfalls in Efeutürmen, die man gleichwohl wie die berühmte Stecknadel im Heuhaufen dann suchen müßte -- und wenn gerade Medienschaffende und Politiker von "Diskurs"sprechen, diesen gar für sich selbst beanspruchen, dann weiß der aufmerksame Zuhörer eines ganz gewiß: jene wissen gar nicht wovon sie reden, vergewaltigen diese eigentlich Ehrfurcht und Respekt sowie Toleranz gebietende und versprechende Begrifflichkeit und synomisieren ihn zu Geschwätzigkeit, Phrasendrescherei, Hohlkopfakrobatik, Oberflächlichkeit, Leerformeln, na ja, halt zu allem, was zu wirklicher, d.i. anspruchsvolle, Kommunikation nichts, aber auch gar nichts taugt.
Milosz Matuschek hat das in der NZZ vom 21.07.2020 unter der Überschrift "Der brutale Kannibalismus der Gutmenschen -- hysterische Political Correctness kann jeden treffen" auf den Punkt gebracht: "Wir diskutieren nicht erst seit gestern über Political Correctness und Identitätspolitik, den Lochfrass für die Freiheit. Im Kern steckt darin eine Privatisierung des Debattenraums durch einige wenige im Dienst einer selbst proklamierten höheren Moral – oder eben «der richtigen Seite»." In diesem Zusammenhang verweist er auf eine lange Kette der Beispiele, die leider ohne Ende sei, und erwähnt das Framing-Manual der ARD, das Relotius-Desaster beim "Spiegel", den (indirekt erzwungenen) Rücktritt der New-York Times-Kolumnistin Bari Weiss. (Zu den Vorgängen um Bari Weiss gebe ich weiter unten noch ein paar weitere Hinweise!) Letztere wurde von der NYT nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA beschäftigt, um auch nicht-linksliberale Leserschichten für die Zeitung zu interessieren, zu gewinnen. Das Ende: sie wurde ob ihrer politischen Haltung und ihrer journalistischen Positionierung gemobbt und kündigte ihren Job wieder entnervt. Aber die faktisch (oder gar expressis verbis) geforderte Parteinahme und Einseitigkeit (man beachte hier nur die Aussage Georg Restles, dem Monitor-Chef, wie aus seiner Sicht journalismus zu verstehen sei: er nennt die von ihm gezeigte Verhaltensweise einen "wertorientierten Journalismus", wohl meinend daß ausschließlich die von ihm vertretenen Sichtweisen "wertorientiert" seien. Wie banal! Jede Position und Haltung dürfte als "wertorientiert" in einem abstrakten Sinn zu sehen sein; entscheidend ist jedoch: welche Werte man vertritt und wie man sie durch Offenlegung des eigenen ideologischen Hintergrunds transparent macht. Leser, Zuschauer, Zuhörer sollen schließlich wissen, mit wem sie es jeweils zu tun haben, welche Ab- und Ausgrenzungen ein Journalist (natürlich auch jede andere Person!) wahrnimmt und wofür er (mit öffentlichen Geldern) bezahlt wird. Gut vorstellbar, daß auch hier der alte Spruch "Wes Brot ich eß, des Lied ich sing!" bisweilen seine Entsprechung erfährt. Und welche Arroganz häufig hinter dem Verhalten und Gebaren so mancher aus der journalistischen Zunft steckt, ist schon erstaunlich, um nicht zu sagen: dreist. So einige Journalistinnen und Journalisten meinen offensichtlich, "sei seien ihren Lesern (und anderen Adressaten, d.V.) intellektuell meilenweit überlegen und diese warteten nur darauf, von ihnen belehrt zu werden." (M. Matuschek, ebd.) Wer die Rede vom "Bildungsauftrag des ÖR" im Gedächtnis hat, das Agieren der ÖR seinem vollen Umfang dagegen spiegelt, der weiß spätestens wie unberechtigt so mancher Auftritt einiger Akteure tatsächlich ist. Ein Jahrmarkt journalistischer Mittelmäßigkeit? Zu diesem Schluß kann man immer wieder mal kommen ... Wie sehr wünscht man sich da doch die Verwirklichung des von dem Pulitzerpreisträger Walter Lippmann an die Journalisten gerichtete Moral: “There can be no higher law in journalism than to tell the truth and shame the devil.” (so in seiner Sammlung von Essays "Liberty and the News", 1920) [ man kann diese Aussage zurückverfolgen bis zu dem Prediger Hugh Latimer, der bereits 1555 in seinen Twenty Seven Sermons sagte "There is a common saying amongst vs, Say the truthe and shame the diuel." In Shakespears "Henry IV" (Part 1, Act 3, Scene 1) finden wir dieses: "And I can teach thee, coz, to shame the devil / By telling the truth. Tell the truth and shame the devil. / If you have power to raise him, bring him hither. / And I'll be sworn I have power to shame him hence. / O, while you live, tell the truth and shame the devil."] Es wäre schon einmal interessant, wie so manche Journalisten und "Lückenfüller" (z.B. in Nachrichten mit Wiederholung von kurz zuvor gemeldeten oder Blick in ihre ureigene Glaskugel mit dem Ergebnis, eigentlich nichts zu wissen und dies mit Wortgirlanden zu verstecken versuchen, natürlich dafür nicht schlecht bezahlt durch Zwangsgebühren) ihre Überlegenheit in Analyse und Kenntnis gegenüber dem Konsumenten begründen können. All das Elend in Talkshows, in vielen Magazinsendungen und leider auch in der Nachrichtenberichterstattung fordern so eine Begründung geradezu heraus. Nicht nur M. Matuschek erkennt hier ein "systemische Problem" und verwahrt sich gegen Forderungen wie nach einem "Ende der Neutralität im Journalismus" (so laut Matuschek der Spiegel-Journalist Philipp Oemke), kritisiert die "Tugendolympiade", die so manche betreiben und meint schließlich: "Gegen schlechten Journalismus hilft nur guter, wenn man nicht Demagogen, Schreihälsen und Rattenfängern das Feld überlassen will. Deshalb braucht es jetzt eine neue brancheninterne Selbstverpflichtung auf Mindeststandards."
Alles richtig, alles gut, wie ich meine. Jedoch wie soll man und vor allem wer soll eine Forderung, man brauche "endlich branchenintern eine neue Selbstverpflichtung auf Mindeststandards der öffentlichen Debatte" (M. hat dies auf die Printpresse bezogen, all das ist m.E. natürlich auf alle Medien übertragbar!), denn angesichts der längst zementierten Negativ-Situation durchsetzen, wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen? Leider ist zumindest gegenwärtig und wohl auch für absehbare Zeit die Macht der Nutznießer jener Strukturen und Verfahrensweisen übermächtig, als daß eine positive Veränderung, vor allem in Richtung: Diskurs!, durchsetzbar wäre. Dabei ist die Printpresse immerhin noch von einer Leistungsbewertung der Öffentlichkeit abhängig, die dann entscheidet, ob und wie man entsprechende Publikationen bewertet und dann auch konsumiert.
Ganz anders dagegen der ohne Konkurrenz dastehende Öffentliche Rundfunk! Er kann angesichts garantierter Zwangszahlungen der Öffentlichkeit relativ frei schalten und walten (hier sollte man das Gewicht der Aufsichtsorgane für eine tatsächlich wirksame Kontrolle nicht überschätzen ...) Solange es nicht gelingt, einen Modus zu finden, die Zwangszahlungen abzuschaffen, sodaß jene, die das Angebot des ÖR auf Grund eigener Bewertung nicht wahrnehmen wollen, sich davon befreien können, wird es da keine Besserungen geben. Die Lösung kann nur sein: den ÖR auch finanziell der Konkurrenz auszusetzen, ein steuerfinanziertes (wirkliches) Basis- und Bildungsprogramm anzubieten und den Rest all der Angebote des ÖR über eine (heutzutage technisch problemlos zu leistende) Bezahlschiene anzubieten.
Wenn M. Matuschek hier vor einem "destruktive(n) Anreizsystem jeder Gesinnungsideologie" warnt, dann möchte ich ihm da nicht widersprechen. Allerdings teile ich seinen Optimusmus, wonach wir "gerade den Peak des Prozesses, wie ein öffentlicher Brief von 150 Intellektuellen zeigt, den u.a. J. K. Rowling, Malcolm Galdwell oder Noam Chomsky unterzeichnet haben" erleben, keineswegs. Ein Gipfel zeigte an, es gehe nun wieder bergab, also in diesem Fall hin zu einem an Diskursivität, Offenheit und Toleranz orientiertem Journalismus. Diesen Trend vermag ich nicht zu erkennen, ich fürchte wir befinden uns da eher immer noch auf einer bislang offenen Negativ-Skala nach oben, was den Einfallsreichtum an Bevormundung und Platzhirschmentalität angeht. Schön wäre es jedenfalls, wenn ich hier falsch liegen würde ... Und klingt es wirklich hoffnungsstimmend, wenn M. Matuschek selbst festhält: "Da «Journalist» kein geschützter Begriff ist, kann die gemeinsame Grundlage nur lauten: Faktenbasiertheit und anerkannte Methodik. Partisanenjournalismus ist eine Form von Korrumpiertheit, ein Betrug am Leser, ein Bärendienst an der eigenen Profession und eine Versündigung an der Wahrheit. Und wie der Fall der «NYT»-Kolumnistin Weiss zeigt, ist es ein systemisches Problem. Diversität und Meinungsvielfalt sind eine PR-Nummer, ein Feigenblatt. Wenn am Ende die Mittelmässigen, Feigen und Korrekten den Ton angeben, braucht es auch keine Zeitungen mehr."? Er verweist ja hier erneut auf die Mängel, auf die Hindernisse, implizit erneut auch auf die Verfestigung innerhalb des Systems. Hier fehlt leider die Handlungsanleitung wie man diese Zustände unter den vorherrschenden Bedingungen beseitigen kann. Vor allem bleibt auch die Antwort auf die Frage, wie man "Faktenbasiertheit" im steten Arbeiten und "anerkannte Methodik" schaffen und garantieren will! Ich muß vorerst dabei bleiben: nicht nur die politischen Verhältnisse werden dafür sorgen, daß sich da kaum etwas ändern wird. Seriöser Journalismus wird somit wohl eher zunehmend zu einer Mangelware werden. Das System wird sich -- entgegen Matuscheks Einschätzung -- (leider) nicht "selbst kannibalisieren" und dadurch auf eine anspruchsvollere, bessere Ebene gehoben werden.

Der Tussenhausener Storchennachwuchs 2020 (Aufnahme vom 24.06.2020)
Wie weiter oben angekündigt, hier ein paar Ergänzungen zu Bari Weiss und ihrem Weg hin zur New York Times und dann wieder weg davon ...
Nachdem Donald Trump für viele etwas überraschend 2017 zum amerikanischen Präsidenten gewählt worden war, spürte man in den linksliberalen Redaktionsstuben vor allem an der Ostküste dann offensichtlich doch, daß es auch noch ein anderes Amerika als das ihrer eigenen reduzierten Sichtweise gab. Man wurde durch Fakten letztlich gezwungen, Augen und Sinne weiter zu öffnen als es bislang gepflegt worden war. Das betraf / betrifft natürlich auch die journalistische Arbeit sowie deren strukturelle Gestaltungsweisen.
Nun ist journalistische Arbeit nicht nur notwendig und aufwendig, sondern auch: teuer. Man benötigt dafür Finanzmittel, ohne Geld geht auch dort nichts. Wie aber kommt man zu den notwendigen Einnahmen? Über Werbung und vor allem auch über eine umfangreiche Leserschar / Leserschaft. Wie kann man -- wenn notwendig (und im Konkurrenzkampf ist es eben immer: notwendig!) -- neue Leser hinzugewinnen? Natürlich vor allem über entsprechend gute Arbeit. Diese ist jedoch in vielen Fällen notwendig, jedoch lange nocht nicht hinreichend. Es bedarf auch der Ausweitung des quantitativen Zuspruchs.
So kam man wohl bei der New York Times auf die Idee, die 36-jährige Journalistin Bari Weiss ins Boot zu holen, denn mit ihr wollte man das Spektrum und den Blick über den linksliberalen Horizont hinaus weiten, sprich: auch neue Leser gewinnen, damit auch: mehr Einnahmen erzielen. Schließlich sind Zeitungen (natürlich nicht nur sie!) auch eine (Konsum-)Ware, die man so gut es geht den Marktgesetzen unterordnet resp. unterordnen muß. (Neu ist das ja alles gewiß nicht, man erinnere sich z.B. nur an Kurt Tucholskys Gedicht "An das Publikum", in dem es unter anderem heißt: "(...) So dumm, dass in Zeitungen, früh und spät, / immer weniger zu lesen steht? / Aus lauter Furcht, du könntest verletzt sein; / aus lauter Angst, es soll niemand verhetzt sein; / aus lauter Besorgnis, Müller und Cohn / könnten mit Abbestellung drohn? (...)"; erschienen 1931 unter dem Pseudonym Theobald Tiger )
Bari Weiss war allerdings schon lange auch als streitbare Journalistin bekannt gewesen, man wußte bei der NYT also sehr wohl, mit wem man es zu tun bekommen würde. Bari Weiss hatte schon auf dem College sich gegen den sich fortschrittlich gebenden Antisemitismus im akademischen Mileu gewandt, wurde vielfach als "progressive, zionistische Feministin" (so Vanity Fair) gelobt, hat sich selbst wiederum eher "links von der Mitte" stehend verstanden, dabei sich gleichzeitig u.a. sehr kritisch zur #Me Too - Bewegung sowie zu "Womens's March" geäußert. Es war mehr als deutlich: Bari Weiss erfüllte ihre Aufgabe als Meinungsredakteurin aus tiefster Überzeugung, einen fundierten, kritischen Journalismus betreiben zu wollen und es auch zu müssen. Damit eckte sie bei der New York Times dann immer wieder an, stieß auf den Widerstand der "Linksliberalen", gab letztlich entnervt dort ihre Tätigkeit wieder auf. Der Vorfall erregte weltweit Aufsehen!
Was man auch am Beispiel von Bari Weiss deutlich sehen kann, ist der Umstand woran es zur Zeit in der Meinungsauseinandersetzung und Meinungsbildung erheblich krankt: Vertritt jemand eine unliebsame Position (also eine, die vor allem den Vertreterinnen und Vertretern der Political Correctness nicht paßt!) zu Fragen von Geschlecht, Rasse oder Religion -- und zwar wirklich egal von welcher Seite aus -- geht es heutzutage alles andere als sachlich zu, da herrschen Dogmatismus und Ausgrenzungen bis hin zu Diffamierungen vor. Mit Toleranz, mit aufrichtiger Suche nach "Wahrheit", mit dem ehrlichen Erkennen von Problemlagen und entsprechenden Lösungsversuchen hat das alles dann überhaupt nichts mehr zu tun.
"Das Wahre fördert; aus dem Irrtum entwickelt sich nichts, er verwickelt uns nur."
Johann Wolfgang von Goethe
Zweifel muss nichts weiter sein als Wachsamkeit, sonst kann er gefährlich werden.
Georg Christoph Lichtenberg
Unsere ganze Geschichte ist bloß Geschichte des wachenden Menschen; an die Geschichte des schlafenden hat noch niemand gedacht.
Georg Christoph Lichtenberg
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