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Alles hat seine Zeit! Ein Spruch, dessen Bedeutung man bei längerem Leben immer mehr anerkennen lernt; diesem nach gibt es eine Zeit zu schweigen, eine andere zu sprechen.
(Johann Wolfgang von Goethe)
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Weitere Weihnachten
Wie Goethe es schon sagte: es gibt eine Zeit zu schweigen, eine andere zu sprechen. Nicht zwanghaft am zeitlichen Verlauf und dessen äußeren Vorgaben festhalten, sich daran gar zu klammern. Sprechen und zeigen eben dann, wenn es in den jeweiligen Rhythmus gut paßt. Wenn man glaubt, es sei sinnvoll, gar notwendig. Hier mag es zutreffen, daß man sich (nicht nur) zur Weihnachtszeit darüber äußert, was aus eigener Sicht eigentlich falsch läuft, wo man es für geboten erachtet, die eigenen Akzente deutlich zu machen. Mich stört sehr empfindlich die in vielen Kreisen vor allem gegenwärtig gepflegte "Kriegsrhetorik": nicht "kriegstüchtig machen" sollte Leitlinie von Herz, Vernunft und Wachsein sein, sondern fester Wille zu Friedfertigkeit und die Einsicht, sich nicht immer in andere (zumeist faktisch fremde!) Sphären einmischen zu müssen, andere belehren zu müssen, als hätte man den Stein der Weisen selbst längst gefunden, als dürfe nur die Definition eigener hostorischer Sicht und Bewertung gleichsam 'ex cathedra' gelten. Aus der Geschichte lernen heißt unter anderem zunächst auch, sie vor allem in allen Dimensionen zu fassen versuchen. Also: wirklichen Perspektivenwechsel wie auch allumfassende Empathie leisten! Die (eigene) eindimensionale Sicht der Dinge dürfte da kaum wirklich hilfreich sein, will man Konflikte (ver-)meiden bzw. lösen.
Vielleicht sollte man diesbezüglich gerade auch für Weihnachten wieder andere Schwerpunkte setzen, einen wertvolleren Raum geben, als es leider in zunehmenden Maße durch ausufernde Hektik und abnormes Gewinnstreben geschieht. Weihnachten wieder mehr auf den ursprünglichen Sinn zurückführen; dies kann gelingen, vor allem dann, wenn man sich nicht im Kontext von Allmachtsphantasien (seitens Religionen, Politik, Marktbeherrscher, Machtgelüsten, etc.) saturiert einfangen läßt. Man kann es auch so betonten: Bitte wieder viel, viel mehr Sein als Schein. Leider wird der letztere Gedanken auch wieder zur Weihnachtszeit 2024 / 2025 nicht gerade befördert, fällt doch in diese Zeit aus ganz besonderen Gründen obendrein noch das traurige Politspiel mit diversen Machtgerangel politischer Parteien, von denen offensichtlich eine unangehme Zahl von Parteigängern gar nicht willens, vielfach wohl auch nicht fähig sind, die grundlegenden Tugenden des anständigen Umgangs mit- und untereinander zu leben, beispielhaft vorzugeben. Gerade deshalb also dieses Jahr wieder einmal meine Gedanken zur Notwendigkeit eines "richtigen" Weihnachten, also ein Weihnachten als Zeichen für Bemühen um Menschlichkeit, Anständigkeit, Toleranz, Empathie, Wertschätzung -- auch selbst dann, wenn es um "Machtgerangel" geht. Hier also nun:
Weihnachten 2024 /25
Zunächst ein Zitat, das leider unsere Wirklichkeit recht zutreffend beschreibt (ich habe es -- leider weil m.E. so gut zutreffend -- bereits zu früheren Zeiten mehrfach verwendet):
"Weihnachten: ein besonderer Tag der Völlerei, Trunksucht, Gefühlsduselei, Annahme von Geschenken, öffentlichem Stumpfsinn und häuslichem Protzen gewidmet."
("Bitter Pierce" / Ambrose Gwinnett Bierce)
Wenn James Henry Leigh Hunt einst sagte "Weihnachten ist die große Zeit des Zuviel", dann stimmt dies leider, wenn man die ursprüngliche Idee von "Weihnachten" und das, was heutzutage daraus geworden ist, zugrunde legt: zuviel an Leere und Oberflächlichkeit(en) und Vordergründigkeit, zuviel an Masse statt Klasse, zuviel an völlig falschem Schein! Man muß Hunt ergänzen: Weihnachten ist einerseits die große Zeit des Zuviel, andererseits aber vor allem die besondere (meist nur implizit betriebene) Hervorhebung des "Zuwenig".
Zu wenig an eigentlich notwendiger Tiefe, an Menschlichkeit, an Wärme, an Echtheit, an Geborgenheit, an Vertrauen, an wirklicher Nähe, an gelebter Empathie.
Wer sich hier nicht des wirklich Wertvollen -- also weg von der Oberflächlichkeit, weg vom Schein -- nur an Weihnachten erinnert, der oder die geht zumindest nicht den Weg eigentlich geforderter Humanität. Zuviel an Worthülsenakrobatik! Zuviel an Wörtern! Viel zu wenig an Worten!
Wie zutreffend hat all jene üblen Erscheinungen der Deutsch-Kanadier Willy Meurer in einer Art Gesamtschau aus meiner Sicht einmal festgehalten: "Die in der Gesellschaft so weit verbreitete 'Vortäuschung falscher Tatsachen' verändert sich zur Weihnachtszeit in die 'Vortäuschung falscher Gefühle'!"
Eine Welt der Verlogenheit? Ja und nein. Nicht für jene, die das, was sie ehrlich und möglichst eigenbestimmt (aus-)leben auch so nennen und bekennen. Sozusagen: jeder lügt oder lügt nicht in die eigene Tasche. Es sei jedem unbenommen, auch hier die gewählten Schwerpunkte auszuleben. Nur: man sollte sich dessen bewußt sein und dies dann auch so benennen. Nun, einfache Gemüter (und die sind wahrlich nicht wenige!) bewegen sich auch da im Hamsterrad des Irrtums: sie glauben autonom zu handeln, sind jedoch fremdbestimmt, manipuliert durch mannigfaltige Interessensphären. Einfach ausgedrückt: sie lügen, ohne sich dessen wirklich bewußt zu sein. Für all jene ist Weihnachten sicherlich nicht das "Fest der Liebe", zumindest nicht im ursprünglichen Weihnachtsgedanken.
Wie "neu" ist sie nun, diese Umkehrung weihnachtlicher Gedanken? Das hängt freilich davon ab, wie man selbst in die jeweilige Jahresrhythmik hineinsozialisiert wurde. Ich kannte diese Zeit noch anders: selbst die äußerlichen Gestaltungsrahmen waren sehr dicht an diese dann (eher wirklich!) stillen Tage angepaßt. Plätzchen gab es nicht vor dem 24. Dezember, all die Lichter hielten sich ebenfalls im zeitlichen bzw. im kirchlich vorgegebenen Rahmen. In den Geschäften plärrte nicht bereits Wochen häufig vorher kitschige oder für kommerzielle Zwecke funktionalisierte "wirkliche" Weihnachtsmusik.
Heute ist das anders: kaum hat man sich die Badehose wetterbedingt ausziehen müssen, locken die Supermärkte und Sonstige mit "Weihnachtsangeboten". Wie gesagt, ich habe die Vorweihnachtszeit früher schöner, ruhiger, gelassener, wirklich von Vorfreude getragen, erlebt. Insofern war auch das Warten auf die tatsächliche Weihnachtszeit sicherlich innerlicher, ja: auch "innerlich vorbereitender" oder um es als kleine Geste ungern an den (sprachlichen) Zeitgeist auszudrücken -- auch "spannender" [schrecklich, ja wirklich schrecklich, was heute alles -- besonders in den oberflächlichen Medien -- als "spannend" bezeichnet wird, das allein erfordert schon einen konsequenten und wirksamen Gegenpol durch weihnachtliche Sprache, durch weihnachtlichen Blickwinkel, durch adäquate Relativierung ...; Frage: Ist es beispielsweise wirklich "spannend", wenn man erwarten muß, wie eine Regierung unübersehbare Probleme lösen möchte und es nicht schafft, ist es wirklich "spannend", wie ein weiteres Kriegsgeschehen sich entwicklen wird? Leider ist das alles von mir nicht erfunden, im Gegenteil, die Liste all dieser "Spannend-Dämlichkeiten" ließe sich beinahe endlos fortsetzen ...]. Nein, wo es ernsthaft werden müßte, da ist der Begriff "spannend" fast immer deplaziert! Insofern paßt auch "spannend" nicht zu weihnachtlicher Entfaltung; ich denke, kluge Menschen haben die Ironie von mir weiter oben schon herauslesen können. als ich das, was eigentlich als "Vorweihnachtsfreude" zu sehen wäre, andeutungsweise mit dem Allerweltslapsus "spannend" andeutete ... Weihnachtliche Vorfreude ist eben nicht "spannend", schon gar nicht "von Spannung getragen", sondern sie ist ein Eingebettetsein in die Entwicklung hin zu einer (immer wieder) kommenden Zeit, eine Zeit mit einem ganz besonderen Inhalt. Ich weiß, meine Weihnachtserinnerung sind natürlich sehr subjektiv und wer mir hier kritiklos folgt, könnte sehr schnell meinen, man könnte sozusagen einen Tag X -- oder eine Phase X -- festlegen, von wo aus es weihnachtlich gesehen bergab ging -- bis hin zum heutigen tiefen Tal weihnachtlicher Entwicklung (man sollte da übrigens nicht allzu optimistisch sein: noch tiefer geht immer -- der weitere Lauf der Geschichte wird es zeigen oder, was sehr schön wäre, uns eines Besseren belehren ... Wer also nun meint, "mein Tag X der Erinnerung an qualitatives Weihnachten und die darauf Rücksicht nehmende Zeit davor", war sozusagen der 'Nullpunkt', von dem aus die rasante Abwärtsentwicklung ihren Ausgang nahm, dem sei der Blick in viel weiter zurückliegende Chroniken anempfohlen. Stellvertretend blicke ich hier auf jemanden, der weit vor meiner ureigenen Zeit (schönster Empfindungen über "Weihnachten"), einen äußerst kritischen Aufsatz über das "tatsächliche betriebene Weihnachten" (um es einmal so zu nennen) geschrieben hat: Hermann Hesse schrieb also bereits 1927: "Weihnachten ist ein Inbegriff, ein Giftmagazin aller bürgerlichen Sentimentalitäten und Verlogenheiten, Anlaß wilder Orgien für Industrie und Handel, großer Glanzartikel der Warenhäuser, riecht nach lackiertem Blech, nach Tannennadeln und Grammophon, nach übermüdeten, heimlich fluchenden Austrägern und Postboten, nach verlegener Feierlichkeit in Bürgerzimmern unterm aufgeputzten Baum, nach Zeitungsbeilagen und Annoncenbetrieb, kurz -- nach tausend Dingen, die mir bitter verhaßt und zuwider sind und die mir alle viel gleichgültiger und lächerlicher vorkämen, wenn sie nicht den Namen des Heilandes und die Erinnerung unserer zartesten Jahre so furchtbar mißbrauchten." (Hermann Hesse, Mein Glaube, Teil III: Der Glaube, den ich meine, Bibliothek Suhrkamp, Frankfurt am Main 1971, 1. Auflage, S. 95)
Durchaus leicht vorstellbar, wie Hesse sich über die gegenwärtigen "Weihnachten" heutzutage äußern würde ...
Wenden wir uns also von dem zunehmend entqualifizierten "Weihnachten" ab, suchen wir wieder nach Möglichkeiten, es zu einem wirklichen Fest zu machen, einen Raum für Besinnlichkeit und Innehalten, eine Zeit des Nach- und Überdenkens zu gestalten, sich auch den Fragen zu Möglichkeiten und Grenzen von Transzendenz konstruktiv zu stellen, suchen wir nach Antworten, die das Ziel des Seins -- ganz im Gegensatz zum: Schein -- fest in den Sinnen, im Herzen und im Verstand behalten und bewahren. Daß dabei Wünschen, Träumen, ja: auch Traumwelten, Phantasien, ihr jeweiliger Platz gehört, dürfte einleutend sein. Und selbst diejenigen, welche sich reiner Rationalität unterordnen, denen religiöse Assoziationen eher oder ganz fern sind, dürften in den Bereichen dieser kulturell gewachsener (wirklich weihnachtlicher!) Werte (das gelte in jeglicher Hinsicht!) den einen oder anderen Platz für Entschleunigung, Ruhe, Besinnlichkeit, Achtung und entsprechender Bescheidenheit gegenüber dem, was gemeinhin als "Schöpfung" bzeichnet wird, finden.
Ich denke, man muß nicht unbedingt gläubig im landläufigen Sinne sein, schon gar nicht instituiell gebunden, um all die weihnachtliche Gedanken und Gefühle zu spüren, sich mit und durch "Weihnachten" auch im Sinne eigener Entwicklung zu wirklicher Humanität zu öffnen. Ja, ich finde, der tiefe Grund weihnachtlicher Gedanken dürfte / sollte auch für agnostisch bzw. atheistisch orientierte Menschen ein guter Nährboden sein ...
(Zur Thematik siehe auch w.u.: Anselm Grün, der allerdings da mit "Kirchlichkeit" offensichtlich die Institution als solche gemeint haben dürfte, "Gott" also wohl kaum in Frage stellt.)
So kann man das folgende Gedicht von H. Hesse durchaus auch mit diesen kleinen Einschränkungen lesen, verstehen und wertschätzen.
Weihnachten
(Hermann Hesse)
Ich sehn' mich so nach einem Land
der Ruhe und Geborgenheit
Ich glaub', ich hab's einmal gekannt,
als ich den Sternenhimmel weit
und klar vor meinen Augen sah,
unendlich großes Weltenall.
Und etwas dann mit mir geschah:
Ich ahnte, spürte auf einmal,
daß alles: Sterne, Berg und Tal,
ob ferne Länder, fremdes Volk,
sei es der Mond, sei's Sonnnenstrahl,
daß Regen, Schnee und jede Wolk‘,
daß all das in mir drin ich find,
verkleinert, einmalig und schön
Ich muß gar nicht zu jedem hin,
ich spür das Schwingen, spür die Tön'
ein's jeden Dinges, nah und fern,
wenn ich mich öffne und werd' still
in Ehrfurcht vor dem großen Herrn,
der all dies schuf und halten will.
Ich glaube, das war der Moment,
den sicher jeder von euch kennt,
in dem der Mensch zur Lieb' bereit:
Ich glaub, da ist Weihnachten nicht weit.
"Es geht sicherlich ohne Kirchlichkeit. Aber ohne ein Gespür für Transzendenzen und etwas, was mich übersteigt, geht es nicht."
(Anselm Grün, auf die Frage, ob ein Leben ohne Gott möglich sei, Stern Nr. 38/2008 vom 11. September 2008, S. 119)
Durch die notwendig gewordenen vorzeitigen Bundestagswahlen im Februar 2025 hat sich leider das Wahlkampfverhalten der um die zukünftige Macht Ringenden in die Weihnachtszeit 2024 verlagert -- dies sicherlich nicht gerade zum Vorteil möglicher weihnachtlicher Stimmung und Gedanken ...
Viele Politiker zeigen es leider immer wieder: ihr Verhalten gegenüber jenen, die auch um ihren Einfluß ringen, die ebenfalls um "Deutungshoheit" sich bemühen, ist alles andere als fair, anständig und mitmenschlich. Wo eigentlich Toleranz und Achtung geboten wären, zeigen sich allzu oft nämlich Verhaltensweisen und eine Rhetorik, welche nicht nur nur gegen die "guten Sitten" verstoßen, sondern die auch den Gedanken des Menschenbildes, das ganz besonders zur Weihnachtszeit betont werden soll(te), zuwider laufen.
Nicht nur wünschenswerte Empathie und das Bemühen um Perspektivenwechsel, um Achtung und um respektvollenUmgang mit jenen, die faktisch eher als "Gegner" denn als Mitbewerber um das Gestaltungsgeschehen behandelt werden, sucht man vielfach vergebens, sondern es bildet sich allzu häufig auch das ab, was gemeinhin als "schlechtes Benehmen" (um es noch gelinde auszudrücken!) und "üble Vorbildswirkung" (nimmt man humane und demokratische Grundvoraussetzungen im Umgang miteinander als Maßstab!), zu verstehen ist.
Man kann da durchaus den Eindruck gewinnen: Weihnachten und Politik passen einfach nicht zusammen. Und, so gesehen bzw. so gefühlt, kommt man schnell zu dem Gedanken, den da vielfach als "weihnachtlich Botschaft und Mahnung" medial oder anderweitig vermittelten Botschaften und Reden der zu weihnachtlichen Zeiten (aber auch zu Neujahr!) sogenannter professionell oder qua Amt sich zuständig Fühlenden die qualititative Tiefe, den wirklichen "Human Touch" (wie es Bruce Springsteen dereinst besungen hat), abzusprechen.
Soll es denn auch wirklich verwundern, wenn all diese Reden, wie auch immer drapiert, von vielen als Kunstprodukt bar jeglicher tatsächlichen (qualitativen) Tiefe empfunden, gesehen, werden. Ist es den wirklich verwunderlich, wenn man nach den immer wieder gemachten Erfahrungen mit jener Rhetorik da immer mehr Menschen diese Veranstaltungen meiden, abschalten, sich abwenden? Ist es wirklich nicht nachvollziehbar, daß viele all diese Reden als abgedroschen, bestenfalls als Erfüllung subjektiv gebotener Anteilnahme am allgemeinen Geschehen, empfinden und sich davon eher angeödet fühlen? Wenn man zum x-ten Mal den Appell auf Zusammenhalt und Nächstenliebe sowie Achtung und Toleranz wie auch "Liebe" auf dem "Redentablett" serviert bekommt, jedoch das sonstige Verhalten in der gesellschaftlichen Wirklichkeit das Jahr über diese (hoffentlich wenigstens wohlgemeinten) Wörter / (Worte?) Lügen straft, dürfte zumindest der Grat zur Wirksamkeit dieser Botschaften recht schmal geworden sein, vielleicht sogar von vielen Menschen eher als scheinheiligen Ausdruck empfunden werden.
Natürlich wäre es unvollständig -- gewiß auch ensprechend unfair, weil eine einseitige Sicht erzeugend --, würde man hier nicht auch mit den Fingern auf klamaukhafte Mediengestaltung gerade zur Weihnachtszeit (wo man es schafft, das niedere jahresübliche Niveau noch um ein gehörig Maß zu unterbieten) zeigen, auf blödsinnige Gefühlsduselei und Unterhaltungstrash zu verweisen. Gerade hier zeigt sich in viel zu vielen Fällen, welche Oberflächlichkeit hier das Weihnachtliche konterkariert. Welch armseliges Niveau nicht selten, gerade wenn man glaubt Weihnachten für sich funktionalisieren zu können! Dem Volk vorgaukeln, Feststimmung erzeugen zu wollen und dabei schafft man meist nichts anderes, als dem üblichen Tingeltangel ein biederes Mäntelchen umzuhängen. Leider verfängt diese Masche viel zu oft. Der Mensch läßt sich eben gerne täuschen, findet im So-tun-als-ob die ihm jeweils genehme (zweite) Wirklichkeit. "Zweite" deshalb, weil eigentlich eine erste, die tatsächliche, Wirklichkeit damit nicht weggeschwemmt, weggefegt werden kann. Seichtigkeit statt echter Besinnung -- offensichtlich das Handlungsmotto vieler Medienmacher! Unerträglich für all jene, denen Weihnachten tatsächlich noch mehr bedeutet, als sich in paar freien Tagen dümmlich berieseln zu lassen, wenn einem beispielweise popdudelhaftes Weihnachtsgesäusel als "Kultweihnachtslieder" mit den dazu wohl passenden Verrenkungen offeriert wird! Vergleiche das einmal mit ernsthaften weihnachtlichen Darbietungen kulturell gewachsener Weihnachtsmusik (Beispiele: Auftritte der Drei Tenöre, Klassische Aufführungen aus den Konzertsälen von Wien und anderen Metropolen, etc.)! Vergleiche das einmal mit wirklicher Literatur, die weihnachtliches Denken und Bedeutsames, auch ohne dies stets so benennen zu müssen, pflegt und befördert.
Daß diese Kommerzialisierung -- häufig die Grenze zur Peinlichkeit gar weit überschreitend! -- die Crux ist, die ein wirklich lebendiges Weihnachten eigentlich eher verunmöglicht, wird nicht nur durch das wiederholte Fragen nach "Geschäftsverläufen" (dies meist natürlich dann synchron mit dem Klagen über zu geringen Umsatz!) auch dieses Weihnachten wieder einmal mehr deutlich. Ausgelebte Pentetranz!? Weihnachten also nur noch oder überwiegend ein materiell orientiertes Bilanzsummenspiel? Offensichtlich, aber, wie uns nicht nur Hermann Hesse (s.o.) aus früheren Zeiten lehrt: nicht gerade ein neues Phänomen, aber eines, das graduell sich in immer dreisteren materiellen Bezüge entwickelt.
Nein, wer tatsächlich weihnachtliche Stimmung fühlen und erleben will, kann nur noch eines tun: sich den allermeisten fremdbestimmenden Angeboten (seien sie materiell verortbar oder geistig-dogmatisch genährt) entziehen, mit eigener Kraft und innerlichem Vermögen Entschleundigung und wieder mehr Einfachheit suchen: sich dem wirklich menschlichen Befürfnissen und elementarer Verwirklichung entsprechenden Auftrag zu öffnen. Möge so gesehen wieder mehr "wirkliche Weihnacht" werden, möge all jenen Kräften, welche dabei aus Profitgier unterschiedlichster Art (seien es z.B. Gewinnmaximierung oder Ausleben von Machtgelüsten!) die gebotene Gegenwehr bereitet werden. Werde wieder: Weihnacht!

Vielleicht an dieser Stelle auch die Erinnerung daran, daß die gesamte Weihnachtszeit nicht aus ein, zwei, drei Tagen echten oder gespielten (bisweilen krampfhaften) Frohsinns, wirklich oder pharisäerhaft betriebenen Tiefschürfens und wie auch immer gearteter Geschenklaune besteht: es handelt sich hier selbst im reinen Bezug auf Weihnachten um einen längeren Zeitraum: man sollte die Adventszeit als Vorbereitungszeit hier miteinbeziehen (also vom 1. Advents-Sonntag bis einschließlich zum "Heiligen Abend" -- bei uns ist das der 24. Dezember, auch der "Vorabend zu Weihnachten"); mit dem sogenannten Weihnachtstag (25. Dezember) bis hin zum Sonntag nach dem 6. Januar (Epiphaniasfest). Für die Katholiken beginnt neben der Vorbereitungszeit auf Weihnachten mit dem 1. Advent auch das Kirchenjahr.
Die "Weihnachtsgeschichte" erzählt uns da eben etwas über den "Tag der Erscheinung", über das sog. "Fest des Kindes in der Krippe", auch genannt "das Fest der Heiligen Drei Könige". Die Erzählung ist als in einem etwas weiter gefassten Zeitrahmen zu sehen als in einer Reduktion auf den 24. / 25. Dezember. Schon gar nicht zielt diese Erzählung auf eine wochenlange Kosumgigantomanie ab, sondern vielmehr auf eine Art von Vorbereitungszeit für Verinnerlichung und Einkehr, damit natürlich auch von: Bemühen um Einsicht und Verantwortung. [Vielfach wird / wurde als Ende der Weihnachtszeit auch mit dem 02. Februar -- Mariä Lichtmess, genau 40 Tage nach der Geburt Jesu -- kirchendogmatisch festgelegt. Mit dieser Zeitspanne wird vielfach auf den jüdischen Gedanken der 40 Tage anhaltender Unreinheit nach einer Geburt abgehoben. Teilweise wird der Ursprung dieses Gedankens auch in heidnischen Gebräuchen (heidnische Sühneprozession) vermutet. So war es früher durchaus üblich, erst an diesem Tag, Mariä Lichtmess, die Krippe und den Weihnachtsbaum aus der Stube zu entfernen. Seit der Liturgiereform in der katholischen Kirche endet die Weihnachtszeit nun mit dem Fest "Taufe des Herrn", also am ersten Sonntag nach dem 6. Januar. Dann kann auch der Weihnachtsbaum entfernt werden (wenn man eben dieser Denkhaltung folgt). Die Zeit bis zu Mariä Lichtmess wird vielfach als "Nachbereitung" zu den Geschehnissen um Weihnachten gesehen. also eine lineare Bewegung vom 1.Advent bis hin zum "Fest Darstellung des Herrn" am 02. Februar. Das letztlich festgesetzte Ende der Weihnachtszeit ist auch der Liturgie im Kirchenjahr geschuldet: es kommen da anschließend ja nun andere "Feierlichkeiten", "Geschichten", man denke nur an Ostern und Pfingsten. Mittlerweile hat man kirchlicherseits längst mit dem Sonntag nach dem 6. Januar enden lassen ...]
Wer sich nun mit all den Entwicklungen, die direkt oder peripher mit Weihnachten zu tun haben, beschäftigt, wird sehr schnell fehlende Eindeutigkeit und willkürliche Veränderungen, auch in den Darstellungen, feststellen können. (Diese Beschäftigung ist sicherlich höchst interessant, weiter ausführen werde ich das an dieser Stelle jedoch nicht.) Bei fehlender Eindeutigkeit kommt jedoch auch sehr schnell die Frage auf: Können diese Geschichten so überhaupt stimmen -- vor allem bei teilweise offensichtlicher Widersprüchlichkeit und Beliebigkeit(en)?
Darum geht es mir jedoch bei meinen Gedanken um Weihnachten nicht. Ich meine zudem: diese Geschichten müssen auch nicht so stimmen und ein Streit darüber, wer da nun jeweils richtig liege, ist eher obsolet. Ich, als Agnostiker!, sehe und (er-)lebe Weihnachten als gewachsenes Kulturgut (nicht nur in unserem Kulturkreis).
Was die Geschichten um Weihnachten so alles bieten, hat zumindest einen auch sehr märchenhaften Charakter, dies allerdings inhaltlich auch mit einem hohen Grad an ethisch-moralischen Postulaten versehen, denen zu folgen allein schon mit Blick auf Gemeinsinn und (Eigen-)Verantwortung und ja: auch im Sinne von Eigen-Sinn (dies ist gerade nicht die hier vielleicht vorschnell gedachte egoistische Ausrichtung, sondern die Forderung, seinem Leben einen wirklichen Sinn zu geben, einen eigenen Sinn zu suchen und auszuformen -- also auch das Gegenteil von Egozentrik!), ein großer Wert -- ich möchte uneingeschränkt sagen: daß all diesem mangels besserer Alternativen sogar ein unverzichtbarer Wert! -- zukommt. Sich den weihnachtlichen Gedanken zu öffnen, sich um deren Wiederbelebung bemühen, dürfte eine praktikable Erkenntnisse aus all den Weihnachtserzählungen sein. Und man muß sich ja nicht an deren Hintergrund, an dem religiös-transzendentalen Charakter stören oder gar abarbeiten. Wer damit nichts anzufangen weiß, weil er sich eben sicher ist, diesen Gott hat es nie gegeben und wird es auch nie geben, soll mit seiner wie auch immer gearteten Erkenntnis genauso glücklich werden können, wie jene, die in diesen Erzählungen Trost, Stütze und Hoffnung finden können. Jedoch beiden Teilen dieser doch recht unterschiedlichen Provenienzen sollte mit der Weihnachtszeit und jenen Geschichten eines bleiben: sie als Mahnung an und Möglichkeiten für eigene Anstrengung empfinden und daraus ein Handeln für ein zielgerichtetes besseres und verantwortungsvolles Leben ableiten.
"Man kann nie glücklich werden, wenn sich das, woran man glaubt, nicht mit dem deckt, was man tut."
Ralph Waldo Emerson (1803 - 1882
"Nichts wird so fest geglaubt, wie das, was am wenigsten bekannt ist."
Michel de Montaigne (1533 - 1592
Hier nun ein kleiner Rückblick über unterschiedliche von mir persönlich erlebten Weihnachtsgestaltungen: Bewußt gehe ich hier nicht chronologisch vor, setze eher die kindlichen Erinnerungen an den Schluß meiner Überlegungen. Ich möchte zunächst in jene Phasen blicken, in denen man das Elternhaus (längst) ganz bewußt verlassen hat, was natürlich auch eine Veränderungen im Begehen von Weihnachten bedeutete. Bei vielen war es schlicht Flucht (oft nicht einmal sachlich oder emotional begründbar), oft aber auch eine (wohl eher falsch verstandene) politische Aufsässigkeit, die einem so eine "bürgerliche" Weihnachtsfeier als nicht mehr angebracht erscheinen ließ. Natürlich dürfte vielfach auch der entstandene Gedanke, es könne keinen Gott geben, so ist also auch die Weihnachtserzählung unsinnig, nicht haltbar, damit auch ein Feiern von "Weihnachten" unsinnig, Motivation für die Abkehr von Weihnachten gewesen sein (bzw. es auch immer noch sein).
Aber ist die Kurzformel "weg von daheim = weg von Weihnachtsfeiern" eine hinreichende Erklärung? Wohl kaum, weil zu wenig Berücksichtigung all der vielen hier eingreifenden Variablen. Oft ist / war es doch schlicht so, daß ein -- freiwillig oder notwendigerweise -- eingeschlagener Lebensweg auch eine Abkehr von traditionellen Verfestigungen bedeutet(e). Ich möchte das an einigen sehr persönlichen Beispielen zumindest etwas andeuten.
Als ich irgendwann zu dem Entschluß kam, das Elternhaus endgültig verlassen zu wollen / zu müssen, bedeutete dies unter anderem auch: stetes eigenes Bemühen um materielle Absicherung, desgleichen Erleben einer neuen sozialen Umgebung, innerhalb derer man sich zu behaupten hatte. So bekam auch die Weihnachtszeit innerhalb des jeweiligen Jahresverlaufs eine neue Qualität (zumindest was Gestaltung und Ablauf angeht), ob eine bessere sei einmal dahingestellt, jedenfalls war es sicherlich oft eine: andere.
Als ich meine Lehre im Ruhrbergbau aufnahm, wohnte ich zunächst in einem Lehrlingsheim. Weihnachten gab es dort einen größeren, einfach geschmückten Christbaum, es fand eine kleinere Bescherung statt, man saß abends mehr oder weniger gemütlich zusammen, einige gingen in die örtliche Kirche zur Christmette. Ein Pfarrer schaute kurz vorbei und teilte uns seine Ansichten vom Sinn des Festes mit -- man hörte ihm aufmerksam zu, oder auch nicht. Je nach persönlichem Bedürfnis, je nach persönlicher Haltung. Ja, es war so gesehen ein "anderes" Weihnachten als früher im Elternhaus bzw. im Verwandtschaftskreis, aber es war auch von Sinnhaftigkeit, von sozialem Erleben, auch: von Nachdenklichkeit, gefüllt. Für mich ergab sich in jener Zeit zudem eine ganz besondere Erfahrung: Während meiner Bergbauzeit lernte ich sehr bald auch einen Engländer kennen (Ronald Priest) und wir wurden enge Freunde. Er wohnte damals noch daheim und seine Familie lud mich ein, mit ihnen typisches englisches Weihnachten zu begehen. Es war für mich nicht nur sehr eindrucksvoll, sondern vor allem von einer intensiven familialen Innerlichkeit geprägt, die allein im Umgang miteinander sehr wohl weihnachtliche Gedanken vermittelte und (aus-) leben ließ. Kurz gesagt: es war letztlich alles doch sehr einfach und bescheiden gestaltet, aber gerade dadurch von einem echten weihnachtlichen Wert getragen. Auch durch andere Weihnachten, die ich als 'geflohener' Bayer "dort oben" (Dortmund, Brambauer, Lünen) erlebte, ergaben sich immer wieder sehr schöne mitmenschliche Erfahrungen für mich, gerade auch zur Weihnachtszeit. Selbst in der Bergbauberufsschule -- meistens ein Ort sehr "ungewöhnlicher" Aufmüpfigkeit und Renitenz -- fand dann doch ab und zu besinnliches Weihnachten statt, plötzlich also überwiegend Ruhe und Stille, Bedachtsamkeit und auch Nachdenklichkeit. (Zusammenhalt war dort freilich zur Weihnachtszeit nicht noch besonders zu betonen, denn diesen gab es unter uns das ganze Jahr über, dies ungeachtet bildungsgetragener und sozial bedingter Provenienzen ...). Eine Erfahrung, die einen Weihnachten ebenfalls als wertvoll erleben (und genießen) ließ, also ein weiteres Mosaik für den Blick auf mögliche Vielfältigkeit. Also "Weihnachten" auch: ein weiterer wertvoller Baustein (unter vielen anderen natürlich) für die Entwicklung der Fähigkeit zum Perspektivenwechsel wie auch zu Varianten von Geborgenheit und Zugehörigkeit.
Ich mache zeitlich gesehen einen großen Sprung. Es kam die Zeit, die mich zu zahlreichen Urlaubsaufenthalten führte. Vor allem Griechenland, da besonders Kreta, war mein Ziel. So entschloß ich mich einmal recht spontan einmal zur Weihnachtszeit nach Kreta zu fliegen. (Damals gefiel mir das Fliegen noch sehr.) Ich hatte einen Flug gebucht: nach Kreta mit Umstieg in Athen. Am Tag des Abflugs fühlte ich mich allerdings ziemlich krank. Trotzdem beschloß ich, zu fliegen. Es war sicherlich keine Flucht vor heimischem Weihnachten, die mich antrieb, sondern vielmehr der Umstand, daß ich eine längere Zeitspanne frei hatte, somit dieser Ausflug sich auch rein zeitlich "lohne", dies gewiß zusammen mit dem Gedanken, wie es mir wohl ergehen wird, wenn ich abseits vom üblich gewohnten Weihnachtsrummel diese Zeit innerlich erfahren muß. Wie gesagt, ich flog, etwas kränklich, suchte mir im Flughafen von Athen (damals West Terminal Athen Ellenikon, da mit Olympic Airways gereist) drei zusammenhängende Stühle, um dort dann die Nacht bis zum Abflug der Morgenmaschine nach Heraklion zu verbringen. Gut geschlafen habe ich jene Nacht natürlich nicht, vor allem weil die ganze Nacht durch Weihnachtsmusik von einer Cassette dudelte (der Begriff beschreibt genau den Umstand, nicht jedoch die Inhalte der Lieder!). Schlafen, wachen, schlafen, wachen, dies in unregelmäßigen Abständen. Ab und zu vom Kiosk etwas zu trinken, ein klein wenig zu essen. Also: Heiligabend einmal ganz anders ... Am frühen Morgen immer noch leicht kränklich, aber schon gefühlte Besserung (warum auch immer -- der Psycholog' hätte da sicher seine schubladenhafte Antwort schnell parat ... An dieser Stelle sei Heinrich von Kleist zitiert, der über den Psychologen schrieb: "Der Psycholog. Zuversicht, wie ein Berg so groß, dem Tadel verschanzt sein, Vielverliebt in sich selbst: daran erkenn' ich den Geck." Heinrich von Kleist, Sämtliche Werke, R.Löwit, Wiesbaden, o.J., S.1096). Hinein in das Flugzeug nach Heraklion, die aufgehende Morgensonne ins Gemüt scheinend. Gelandet in Iraklio, schnell mit dem Bus zum Busbahnhof für Busse in den Osten der Insel (damals gab es noch mehrere Busbahnhöfe, je nach gewünschter Richtung) und von dort mit dem nächstmöglichen Bus nach Ierapetra. Dort angekommen, habe ich mich ans Meer gesetzt und auf die Möglichkeit zum Geldwechsel gewartet (damals eben noch: Drachmen), denn der Restbetrag aus früheren Urlauben in Griechenland neigte sich dem Ende ... Also dieser Blick in die Weite über das sonnenbeschienene Meer! Und weg waren sie plötzlich, jene zuvor gefühlten gesundheitlichen Belästigungen. Gegen Mittag dann mit dem Bus in Mirtos, wo ich vorhatte ein paar Tage zu verbringen, angekommen. Heute wohl kaum noch vorstellbar: weder an den Flughäfen noch in den Orten, selbst nicht in den Verkehrsmitteln waren viele Leute. Es war alles einfach schön langsam und gemütlich, im wahrsten Sinn des Wortes: überschaubar ... Entschleunigend! Entspannend! Trotz des völlig anderen Ambiente habe ich sicherlich gar nicht vergessen, daß daheim eigentlich gerade Weihnachten ist (bei den Orthodoxen ist es ja später als bei uns); Weihnachten war irgendwie: in mir, mich begleitend. Mirtos war wunderbar, kaum Touristen, gute Gespräche (und leckeres griechisches Essen immer abends in einer Taverne ohne Speisekarte, man wählte einfach mit Blick in die Kochtöpfe aus). Es war dort strahlende Sonne, tagsüber machte ich schöne Wanderungen (vor allem in der damals sehr wasserreichen Mithi-Schlucht), und machte mich dann von dort auf zu meiner Wanderung die südliche Küste entlang nach Keratókambos. Alles schön langsam, alles tief eingesogen und gespürt. Weihnachtszeit in einer völlig anderen Atmosphäre als daheim, aber eben nur: einfach mal etwas anderes. Weder Ersatz, noch gar Flucht. Auch dort unten eben: im Inneren gespürtes Weihnachten. Es sind nicht die Umstände, welche einen von Weihnachten entfernen sollten ... In Mirthos traf ich in meiner Unterkunft auf eine Frau aus Baden-Württemberg; sie war Krankenschwester und erzählte mir, sie wäre vor Weihnachten hierher geflohen, weil sie all den weihnachtlichen Rummel nicht mehr ertragen konnte. Sie hatte das ausführlich dargelegt, auch ihre immer zunehmendere stressige Situation in ihrem Arbeitsumfeld. Auch dieser Umstand hätte sie zur "Flucht in den Süden" (so ihre Worte) bewogen. Ich sagte ihr, ich wäre nicht "geflohen", man könne ja auch daheim sich von dem gängigen Weihnachtstrubel weitgehend fernhalten. Wir trafen uns abends in einer Taverne zum Abendessen, setzten uns zu Einheimischen, hatten Nähe und Unterhaltungen. Geschenke zu jenem Weihnachten? Nicht im üblichen Sinn natürlich, aber all die Begegnungen, die Unternehmungen, die Landschaft -- Geschenke mehr als genug! Und nicht zu vergessen die eine wunderbarste "Gabe": Als ich bei meiner Wanderung durch die Mithi-Schlucht an die bekannte Engstelle kam (sie hat immer Wasser und man muß durch den angestauten Tümpel waten ...) war das Wasser so hoch angestiegen, daß zumindest mir ein Durchqueren nicht möglich war und allzu gefährlich erschien; so ging ich ein Stück zurück, um dann den Hang hochzuklettern und die Engstelle auf diese Weise zu umgehen -- es war sehr anstrengend, aber oben -- welch Glück, welch Wunder! -- ein Orangenbaum mit reifen Früchten. Welch "Weihnachtsgeschenk"! Nach einer langen Pause wanderte ich den Schluchtrand entlang und stieg nach der Engstelle wieder hinunter. Am Abend hatte mich Mirtos wieder -- oder anders gewendet: Mirtos hatte mich wieder. Ja, auch das war für mich ein Stück Weihnacht, vor allem wegen der Gedanken und Gefühle. Kurz noch, wie es von Mirtos weiter ging. Alles zu Fuß. Richtung Arvi, entlang endloser Bananenplantagen (man konnte da aussagekräftige, eher unangenehme Gerüche wahrnehmen ...), dann nach Àno vianos mit seinem üppigen Wasserreichtum: alle grün, unzählige Zypressen, viele Olivenbäume. Bilder, die vielleicht auch ein Stück Landschaft, wie sie die Weihnachtsgeschichte liefert, erfühlen lassen. Als ich endlich in Keratókambos ankam, jenem Fischerdorf fernab der Zivilisation (zumindest damals), wurde es regnerisch und ich verbrachte zwei Tage mit den Einheimischen in dem einzigen geöffneten Kafenion. Ich hatte Kontakt mit einem Lehrer, der in dem kleinen Schulgebäude zugleich seine Unterkunft mit einem kleinen Bett hatte, neben dem Klassenzimmer. Der Regen geriet immer stärker, bald regnete es unaufhörlich in Strömen. Ich machte mir in meiner Unterkunft und im Kafenion Notizen (machte ich damals häufiger auf Reisen).Busverkehr zu meinem weiteren Ziel Iraklion gab es von dort aus nicht. Also im Regen wandern. Nach einigen Kilometern hielt ein Pickup, auf der Ladefläche konnte ich mitfahren. Zwar hatte ich einen großen Regenumhang, aber der konnte hier nur wenig Schutz bieten. Welch Gefühl, welch Glück als ich endlich über Archalochori in Archándes ankam, dort in einem Kafenion aus dem Rucksack trockene Kleidung holte, die Kleidung wechselte und die nasse am riesigen Bollerofen etwas trocknen konnte. Kein böser Blick, kein Vorwurf, nur Verständis bei all den Anwesenden und beim Wirt. Also auch ein erlebtes Stück: Weihnachten! Um das abzurunden: später fuhr ich von da mit dem Bus direkt nach Iraklion, nahm mir ein Hotelzimmer und erlebte dann dort Silvester (welch üble Böllerei! gefühlt noch schlimmer als bei "uns"!) und dann auch etwas von "griechischer Weihnacht" zu Jahresbeginn.
Ehe ich zurückkomme auf Weihnachten im Elternhaus, also sozusagen zur primären "Weihnachtssozialisation" mit ihren sicherlich tief im Innern bleibenden Wirkungen, noch einen Blick auf die Phase, in der ich Weihnachten fast immer mit anderen Personen verbrachte, mal mehr, mal weniger. Ich hatte immer für etwas weihnachtliches Ambiente gesorgt, dies aber ohne großen Christbaum, sondern mit kleinerem weihnachtlichen Schmuck. Es wurde gebacken, gekocht, getrunken; vor allem viel geredet und -- wenn es mit den Anwesenden möglich war -- auch bisweilen etwas zusammen geschwiegen. Fast immer gab Schnee damals, fast immer machten wir am Heiligen Abend dann später einen Weihnachsspaziergang in einer von Lärm und Hektik befreiten Natur. Ja nach Nähe zur jeweiligen Person beschenkten wir uns auch immer ein klein wenig. (Bevorzugte Geschenke waren Schallplatten und Bücher ...). Es wurden bestehende Bekanntschaften und Nähe fortgeschrieben, oft auch durch dieses gemeinsame Leben vertieft; bisweilen jedoch führte gerade diese Zeit auch zu einer Trennung von Menschen, die einem schnell oder langsam zur "Ferne" wurden. Vielleicht zeigen gerade auch die Weihnachtstage miot ihren Stimmungsbildern, wo es paßt und wo eben nicht ...
Weiter zurück -- in meine Internatszeit in Hohenschwangau (damals eine Oberrealschule mit Schülerheim). Dort verstand man es -- für eine Massenorganisation -- besonders gut, die vorweihnachtliche Zeit uns Schülern zu einem Erlebnis zu machen. Die Zimmer wurden entsprechend geschmückt (es gab sogar Krippenwettbewerbe unter den Schülern, was ich allerdings nicht immer so toll fand, weil es bisweilen auch zu Streit führte, zum Beispiel bis hin zu den Vorwürfen, man spioniere die Krippen anderer aus um sich auf diese Weise einen "Wettbewerbsvorteil" zu verschaffen. In den Klassen wurden Weihnachtsstücke geprobt und aufgeführt. Eine umfangreiche Weihnachsfeier fand dann in der Schulturnhalle statt (wenn sie nicht wegen allzu großer Schneelast gesperrt werden mußte ...), dies mit einem größeren Theaterstück und mit Aufführung von klassischer Musik. Es war fast alles so richtig angenehm, es gab: Vorfreude. Kurz vor dem Heiligen Abend fuhren wir dann alle heim, es gab Weihnachtsferien; wir waren recht gut eingestimmt auf diese weitgehend freie Zeit ...
Und nun letztlich zu dem Prägenden: Weihnachten daheim. In den frühen Jahren war alles sehr bescheiden, wir waren nicht allzu sehr begütert, aber alles in allem kann man schon sagen, uns ging es recht gut. Jedes Kind hatte ein eigenes Zimmer, ich hatte guttuende Anlaufstellen bei zwei meiner Tanten, der Oma väterlicherseits und vor allem bei den Eltern meiner Mutter. Überall war da "Vorweihnachtszeit": bescheidene, einfache, geschmackvolle Dekorationen, abends häufiger Stapfen im fast immer schneebedeckten Ort, alleine oder mit Begleitung, ab und zu das Zünden von Sternwerfern ("Wunderkerzen") und vor allem: besinnliche und geduldige Vorfreude. An den Adventssonntagen saßen wir zusammen, oft die Katze dabei, genossen das Licht der Adventskranzkerzen und knackten Nüsse. Vor allem: es wurde geredet, ruhiger, besonnener als sonst. (Der Vater konnte mit derartigen adventlichen Zusammenkünften weniger anfangen, entzog sich ihnen meist sogar beziehungsweise fuhr er mit dem späten Nachmittagszug zu seinem Arbeitsort.) Der Heilige Abend selbst war ein ganz besonderer Tag. Als wir noch jünger waren, schmückte die Mutter den Christbaum bereits am Vormittag alleine, später halfen wir dabei. Es wurde gekocht, ein einfaches Essen für den Abend, man roch den Punsch bereits am frühen Nachmittag und die Geschenke wurden der Mutter übergeben, damit sie alles im "Salon" (ihr Begriff, nicht meiner) an Ort und Stelle bringen konnte. Wir durften das natürlich nicht weiter beobachten. Jener Raum war von dem Rest des Hauses durch eine schwergängige riesige Schiebetüre getrennt. Aber etwas möchte ich besonders erwähnen: natürlich hat die Mutter lange vor Weihnachten Plätzchen gebacken, viele, sehr viele, extrem gute (wie wir dann am 24. Dezember stets unschwer feststellen konnten ...); aber davon bekamen wir nur den Duft in der Küche mit, wir sahen die unterschiedlichen Kreationen ehe sie sicher in Plätzchentonnen gefüllt wurden. Vor der Beschwerung gab es nämlich nichts, gar nichts, von diesen Plätzchen! Nicht anders wurde das bei den Großeltern und Tanten gehandhabt: Weihnachten als das eigentliche Fest begann vor allem hinsichtlich einschlägigen lukullischen Erlebens eben erst am 24. Dezember abends. Nicht wie heute -- lange, lange vorher (s.o.!) und schon gar nicht so individuell geschmackvoll geschaffen, vor allem häufig mit "Industrieware". Ja, Weihnachten im Elternhaus (und bei Teilen der Verwandtschaft) -- das war schon etwas, was sich in einem tief eingegraben hat, was Besonderheit erleben ließ (nochmals: leider war der Vater nicht so in der Lage, das für sich zuzulassen, er hatte eben zuviel an Belastung zu bearbeiten, dies häufig jedoch nicht mit Erfolg. Wohl auch Ausflüsse seiner Kriegserlebnisse, wie ich vermute. Vermute? Ja, sprechen konnte man mit ihm darüber jedenfalls nicht.
Dennoch kann ich ohne Einschränkung sagen: Weihnachten daheim während der Kindheit war wunderschön und häufig auch sehr, sehr besinnlich. Vielleicht geht das ja auch nur, wenn man durch die normative Kraft des Faktischen etwas einschränken, auf Wesentliches besinnen muß. Zumindest dürfte dieses "multum non multa" auch für Schlüsseltage recht hilfreich und lenkend sein ... Auch hat der damalige Umgang mit Weihnachten zusätzliches gelehrt: man muß bisweilen eben auch warten können.
Kurzum: Wie und wo immer ich zur Weihnachtszeit war (und bin): diese Zeit hat für mich, für mein Seelenleben, schon einer sehr große Bedeutung. Man muß es halt so gestalten, daß man nicht in Eindimensionalität erstarrt, sondern Herz, Blick und Denken offenhält, sich um Wesentliches bemüht.
A D V E N T
Erst dies Warten
dann: die erste Kerze
bald: die zweite
und: die dritte
zuletzt: die vierte
Teil des Jahresrhythmus
einer der schönsten
dabei: Erinnerung
und Gedanken an morgen
an Weiteres
an Möglichkeiten und Zufall
Gedanken -- weg vom Oberflächlichen
weg vom Üblichen
hin zu den ungewohnteren Dingen
Hoffnung und Zuversicht:
auf gewisse Wiederholungen, auf Leben
(FagusArua)
 Die Weihnachtszeit ist bekannterweise nicht nur auf ein paar Tage begrenzt, sondern überspannt einen doch recht großen Zeitraum (dabei sollte man auch jene in die Überlegungen miteinbeziehen, die etwas später als wir diese festliche Zeit gestalten / begehen. Für mich ist Weihnachten auch deshalb stets mit dem folgenden Jahreswechsel verbunden. Alles ist im Fluß, alles fließt. Alles. Friedrich Schiller hat schöne daraus abzuleitende Gedanken in einem Gedichtfragment zur Feier der Jahrhundertwende 1801 in Worte so gefaßt:
Höhern Sieg hat der errungen,
Der der Wahrheit Blitz geschwungen,
Der die Geister selbst befreit.
Freiheit der Vernunft erfechten,
Heißt für alle Völker rechten,
Gilt für alle ew'ge Zeit.
Wir brauchen, um derart hohe, gleichwohl notwendige Zielverfolgung zu betreiben, vor allem auch Vernunft. Viel Vernunft. Ohne diese geht es nun einmal nicht und deshalb darf man, angesichts fehlender Vernunft gerade in unserer Gegenwart, da durchaus etwas pessimistisch sein, was die Zukunft dieser Welt angeht.
Man sollte sich stets Johannn Wolfgang von Goethes Gedanken immer wieder vergegenwärtigen und dann auch entsprechend handeln:
Denken und Tun, Tun und Denken, das ist die Summe aller Weisheit. Beides muß wie Aus- und Einatmen sich im Leben ewig fort hin und wider bewegen; wie Frage und Antwort sollte eins ohne das andere nicht stattfinden.
Tun und Denken sind notwendig, freilich noch lange nicht hinreichend. Es bedarf einer tief innewohnenden Haltung und Gesinnung, es bedarf des Bedürfnisses nach einer echten Menschlichkeit, nach wirksamer Solidarität, nach wirklicher Anteilnahme, Worte (oder meistens nur: die Wörter, vor allem anläßlich von Festtagsreden) allein genügen selten. Ein oberflächliches so tun als ob man Verständnis und Nähe aufbringe, hilft allenfalls nur jenen, die von ähnlicher Oberflächlichkeit begrenzt sind.
In seinem Lied "Human Touch" hat Bruce Springsteen aus meiner Sicht das sehr schön und treffend angedeutet:
You might need somethin' to hold on to
When all the answers, they don't amount to much
Somebody that you can just talk to
And a little of that human touch
I ain't lookin' for praise or pity
I ain't comin' 'round searchin' for a crutch
I just want someone to talk to
And a little of that human touch
Just a little of that human touch
Tell me, in a world without pity
Do you think what I'm asking's too much?
I just want something to hold on to
And a little of that human touch
Just a little of that human touch
Aber wie soll er den qualitativ zu erwarten sein -- dieser "human touch". Bei Springsteens Text kann davon ausgegangen werden, daß es ihm vorrangig um eine Zweierbeziehung geht, eine, von der er eben mehr als Oberflächlichkeit erwartet. Erweitert man jedoch dieses Bedürfnis nach "human touch" auf eine breitere soziale Ebene, vor allem mit Blick auf weihnachtliche Gedanken sowie auf die (mehr oder weniger routinemäßigen) Neujahrswünsche, dann geht es wohl vor allem um menschliche Tiefe, Verantwortung und Blick auf ein lebenswertes Ganzes. Damit auch um Denken und Tun als Bausteine von Weisheit im oben dargestelten Sinn Johann Wolfgang von Goethes. Es ginge eigentlich darum, das eigene Bemühen um der "Wahrheit Blitz" (Schiller, s.o.) stets zu betreiben, damit auch die "Freiheit der Vernunft" zu (er-)leben und den (wohl bösen, dem Humanen abträglichen) Geistern den Boden zu entziehen. Wer allerdings das Jahr über all die Geschehnisse -- gerade was die Achtung vor Natur und "Schöpfung" als notwendige Bedingung fürs Überleben der Menschheit betrifft -- aufmerksam und differenziert wahrnimmt, wird zugeben müssen: der Weg einer Besserung der Verhältnisse ist nicht zu sehen, eher das Gegenteil ist der Fall. Hinterlist, Bösartigkeit, Diffamierungen, Mißachtungen treiben weiterhin ihr Unwesen im Verhalten viel zu vieler Zeitgenossen. Und wer das blödsinnige, laute, die Umwelt belastende "Freudengeknalle" zum Jahreswechsel unter die Lupe nimmt, der sieht hier einmal mehr: der Mensch in seiner überwiegenden Mehrheit ist unbelehrbar, uneinsichtig. Was einmal -- zu Zeiten, in denen man mangels anderer Wissensquellen, man es nicht besser wissen konnte -- dem Vertreiben (angeblicher) Geister zuarbeitete, ist heutzutage nicht einmal mehr mit konstruktiver Traditionspflege zu legitimieren. Hier zeigen sich schlicht Hohlheit, Ignoranz, Dummheit und gelebte Verschwendungssucht, so meine Meinung. "Die Kapitalisten werden uns noch den Strick verkaufen, mit dem wir sie aufknüpfen.", so lautet ein offensichtlich fälschlicherweise Lenin unterschobenes Zitat. Man findet es in seinen Schriften an keiner Stelle. ABER man kann diesen Gedanken durchaus übertragen: der Mensch ist so dumm, daß er seine eigenen Lebensgrundlagen zerstört. Entsprechend verhält er sich, die Beispiele dafür lassen sich fast endlos aufzählen, wobei man nicht nur den Blick auf den Umgang mit Umwelt und Natur werfen muß. Wer vor allem auch all die (nicht selten extrem dämlichen) Beiträge in den Medien sich antut (sehen muß man sie freilich bisweilen, will man sich ein Urteil erlauben können!), der kommt in einer Gesamtbetrachtung nicht umhin, Assoziationen zur Danceband on the Titanic zu verspüren: statt einem drohenden Untergang entgegen zu wirken, wird weiter mit gespieltem Frohsinn aufgespielt. Und das Publikum tut so, als läge gar nichts im Argen, als müsse man sich auf vielen Gebieten nicht besser kräftig zurücknehmen, damit es weiter eine auch lebbare qualitative Zukunft geben kann. Man sollte aus diesem Grunde auch zum Jahreswechsel (wo doch so manche ihre "guten Vorsätze" fassen) sich schon mal überlegen, ob man statt Quantität auf allen Ebenen sich nicht besser auf Qualität ausrichtet ... Wenn gerade jetzt wieder -- es stehen ja außerordentliche Wahlen in Deutschland an -- die Politikszene mit Wachstumsideologie und mit uneinhaltbaren Versprechen propagandisiert, wäre es schon angebracht, bei seiner eigenen Wahlentscheidung die Spreu vom Weizen zu trennen, sich auch zu fragen, wie all diese Versprechungen finanzierbar sind (vor allem: auf wessen Kosten!) und wie jene, die nun das Blaue vom Himmel versprechen, sich eigentlich in der Vergangenheit verhalten haben. Ja, auch diese Ebene gehört zu "human touch", zu "Freiheit der Vernunft erfechten" und zum Einklang von "Aus- und Einatmen". Dazu bedarf es gewiß nicht immer der Höchstleistung und vielfach genügte etwas Anstrengung im eigenen Nahbereich, auch der "Mut" häufiger aufzubegehren und zu bestimmten Dingen und Entwicklungen NEIN! zu sagen. Marie Freifrau Ebner von Eschenbach, die österreichische Erzählerin, Novellistin und Aphoristikerin verweist auf folgenden breitgefächerten Handlungsstrang: "Ich habe mein Leben damit zugebracht, nicht nur den andern, sondern auch mir selbst zu sagen: So sind wir! Seien wir vernünftiger und besser."
Weihnachtliche Landschaft(en) Dezember 2024:
"Den Nebel nicht als Alibi eigene Blindheit nehmen. Ihn eher auflösen, durchdringen, entwirren! Und ansonsten, vor allem in der Natur, ästhetisch genießen ...! (FagusArua)
Weihnachten 2025 / 26 ...
"Alles bei ihnen redet, nichts gerät mehr und kommt zu Ende. Alles gackert, aber wer will noch still auf dem Neste sitzen und Eier brüten?"
Friedrich Nietzsche
Stille (Weihnachten 2025)
Wiederbelebung der alten Geschichten:
Alljährlich zu den gebotenen Zeiten ...
Für die einen: verankerte Wahrheiten.
Für andere: einfach nur märchenhaft.
Für immer mehr gar: ganz unbedeutend.
Gleichwohl deren Bedeutung und Gehalt:
wertvoll, innerlich bereichernd, gültig,
Eherne Maßstäbe setzend:
Leitlinien aufzeigend –
Hinweise auf mögliche Ethik und Moral.
In der Stille sich all dessen bewußt werden –
Langsamkeit, Einsicht, Andacht, Prüfung!
Aber heutige Wirklichkeit gerät anders:
Lauthalses künstliches Festlichkeitsgeplärre,
Konsumekstasen, Umsatzgejammere, Gier.
Unerträgliche Indoktrinationsexzesse ...
Gespielte Freundlichkeiten und Heuchelei,
Maskengesichter und ekelhafte Künstlichkeit.
Federführend: Kriegsrhetorik, Panikmache.
Immense Beträge für Rüstung und Zerstörung.
Die weißen Tauben lassen ihre Flügel hängen;
Jedoch die Falken plustern sich allzu kräftig auf!
Müde versiegende Stimmen der Vernunft.
Seelentötendes Rumoren in Wort und Bild!
Eigentlich – so kein Platz mehr für Weihnachten ...
Doch gerade deshalb: gesunde Wurzeln suchen,
Der Wahrheit und Genügsamkeit Raum geben,
Die christlichen Symbole wertschätzen!
Wenigstens Kultur-Christ sein und bleiben ...
Den christlichen Botschaften gerecht werden.
Sich fernhalten von all der üblen Rhetorik:
Die wärmenden Wort suchen, Inhalte geben!
Gegebenenfalls auch in otrovertiertem Sein.
Nicht der Mehrheit törichter Massen folgen!
Nicht deren Oberflächlichkeit erliegen!
Sich gegen all jene Vereinnahmungen wehren!
Jene suchen, die diese teuflischen Spielen meiden.
Das Sein vom Schein weihnachtlich trennen.
Dem wahren Licht sich öffnen, ihm folgen –
Und die daraus fließende Stille wahrnehmen.
(FagusArua, 15.12.2025)
"Und glaubt es mir: eine kleine bescheidene Wahrheit, die ich in der Stille, nach Leid und Kampf selbst gefunden habe, fördert mehr und macht männlicher als die größte Wahrheit, die andere zu besitzen oft nur vorgeben und mir schenken."
Otto von Leixner
Weihnachtsspaziergänge ...
Man mag sich wundern -- oder auch nicht ... --, wie das zusammenpasst: Weihnachtliches Gesäusel und das Propagieren von "Feststimmung", wenn andererseits von Früh bis Spät in dem selben Zeitraum Kriegsrhetorik und hysterisch anmutende Angstmacherei und Kriegsfurcht propagiert und geschürt werden. Mir jedenfalls erscheint das unvereinbar, entsprechende Darstellungsweisen stufe ich als antiweihnachtlich, auch als antichristlich ein. Mein Weihnachten ist diese seltsame Mischung von Schein und Sein jedenfalls nicht.
Erinnern wir uns, welche Botschaft Weihnachten tatsächlich beinhaltet und übermitteln sollte. Da sollte kein Raum für Oberflächlichkeit, seichte Unterhaltung und Sorgen um den Konsumumsatz sein. Weihnachten ist für so viele in der Tat zu einem Konsumtempel, sozialen Lügengeschichten, zu Hektik und Trubel verkommen. So viele Menschen, so viele Einflussbereiche zeigen sich alles andere als weihnachtlich. Diese Masken sind eigentlich offensichtlich, aber leider halt in der Mehrheit. Hier wird eine falsche Hoffnung generiert, jedenfalls eine, die nichts mit Humanität und Tiefsinn zu tun hat.
Besinnen wir uns, lassen wir uns nicht treiben, denken und gestalten wir selbst: aus einem möglichst gesunden und kritischen Innenleben heraus! Und sehen wir die christliche Botschaft wenigstens als tragendes Zeichen unserer Kultur. Deren eklatante und armselige Verwässerung, ja: Verzerrung, sollten wir keine Beihilfe leisten .... Wenden wir uns dem zu, was wirklich FROHE BOTSCHAFT ist, was FRIEDEN wirklich bedeutet und wie man ihn erstreben kann. Für diese falsche Rhetorik ist jedenfalls ( genau genommen: nicht nur!) an Weihnachten kein Platz.
Leider trifft vielfach zu, was Ambrose Bierce einmal über Weihnachten festgestellt hat: "Weihnachten: ein besonderer Tag der Völlerei, Trunksucht, Gefühlsduselei, Annahme von Geschenken, öffentlichem Stumpfsinn und häuslichem Protzen gewidmet." Und ich möchte ergänzen: eine Zeit, die von vielen, vor allem auch in der Politik dazu mi0braucht wird, um ganz "unweihnachtliche" Zwecke und Ziele zu verfolgen.
"Gehet nach dem Stern der Liebe, meine Kinder!"
(Wilhelm Raabe)
"Ich kann die Wut durchaus verstehen, die einen packen kann, wenn zu Beginn des Novembers bereits die Weihnachtsglocken ertönen, damit die Kassen besser klingeln."
Karl Lehmann
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