Es werde Licht,
es bleibe Licht!
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Weihnachtszeit 2022
Die neue Weihnacht
Adveniat!
Wer? Was? Wann? Wie?
Barrieren aus Dornengestrüpp:
Das viel zu Laute,
Das endlos Gierige,
Das Oberflächliche,
Die Zerstreuungsmaschinerien!
Kein Durchdringen –
Scheinheiligkeitsorgien,
Verlogenheitswogen:
Wörterorgasmen, Sprachöde.
Hektisches Hin und Her:
Falsches Atmen und Pochen –
Verkümmern der Regungen.
Überbordende Aktionismen,
Geschenke der Nichtigkeit!
Weihnacht – längst ausgesperrt:
Gitterzäune, nun unüberwindbar.
Überall: Opfer der Inhaltsleere;
Selbst winterlicher Schnee:
Wo? Jener Rhythmik geflohen!
Weihnacht: geblieben der
Namen – die Erinnerungen ...
Trauriger Blick in Weiten:
Trügerisches Hoffen.
Adveniat?
Abibatur ... Abit ... Wohin?
Quod periit, periit ...
(FagusArua, Dezember 2022)
Nota bene: Man kann für sich ja das Gute wiedergewinnen,
und bei dem Unerwünschten nicht mitmachen ...
Weihnachten: ein besonderer Tag der Völlerei, Trunksucht, Gefühlsduselei, Annahme von Geschenken, öffentlichem Stumpfsinn und häuslichem Protzen gewidmet.
(Ambrose Gwinnett Bierce)
Nota bene: Man kann ja dagegen angehen, es selbst für sich und andere besser machen ... Man hat es in der Hand!
Sterne hoch die Kreise schlingen,
aus des Schnees Einsamkeit
steigst's wie wunderbares Singen -
O du gnadenreiche Zeit.
Joseph von Eichendorff
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O Weihnacht! Weihnacht! höchste Feier!
Wir fassen ihre Wonne nicht,
Sie hüllt in ihre heil'gen Schleier
Das seligste Geheimnis dicht.
Nikolaus Lenau
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... man kann das nicht oft genug sehen, lesen, darüber sich Gedanken machen, vielleicht sogar: Pläne ...
Letzte Blüten
Noch eine Ros' am kahlen Strauch
Fand im Advent ich aufgeblüht,
Noch eines Liedes zarter Hauch
Klang mir verstohlen im Gemüt.
Der Rose Blätter taumeln hin,
Da ich sie kaum berührt, ins Beet,
Das Liedchen schwand mir aus dem Sinn –
Für Sommerkinder ist's zu spät!
Paul Heyse
ADVENIAT
adveniat
woher
wohin
wege der
erfüllung
gedanken
ins licht
suchend
hoffend
blickend
wohin
woher
adveniat
(FagusArua, Dezember 2022)
Möge er / sie / es ankommen auf dem Wege des Herzens und mit den Gedanken der Lauterkeit ... Möge gegeben und genommen werden. Möge es sein: das Wahre.
Gedanken zu Weihnachten und zum Jahreswechsel
Weihnachten ist vor allem auch eines: ein wesentlicher Teil unserer Kultur. Gewiß ist das ein ganz besonderer Abschnitt in den jeweiligen Jahresverläufen, sicherlich auch stark geprägt von Kindheitserinnerungen. Eine Zeit, in der Erwartungen, Hoffnungen und besondere Zeitgefühle ihren ganz eigenen Ort finden konnten (und -- so man es denn will -- immer noch finden können). Insofern hat "Weihnachten" bestimmt immer wieder auch seine "sentimentale" Seite, verankert in schönen Kindheitserinnerungen. Weihnachten als Gelegenheit einer besonderen "Gefühlspflege".
Der "Weihnachtsgedanke" ist auch für jene eine Quelle innerer Besinnlichkeit und der Beschaulichkeit, deren persönliche Weiterentwicklung nicht (so ganz) kongruent mit ihrem religionsspezifischen Werdegang verlaufen ist. Oder einfacher gesagt: man kann "Weihnachten" durchaus (er-)leben, wenn man sich abseits religionsadministrativer Bezüge eher zuhause fühlt. Für mich ist es eine Zeit der ganz besonderen inneren Zurückgezogenheit, damit auch ein Teil anderer Gestaltungsweise und Erlebenssphäre als sie im übrigen Ablauf des Jahres "normal" zu sein scheint. Zurückgezogenheit ist jedoch nicht gleichzusetzen mit der Abkehr von "Welt", sondern eher damit, sich ganz bewußt von der mittlerweile so weitverbreiteten "Weihnachtsgestaltungs- und Geschenkehektik", von den professionell offensichtlich geschuldeten und entsprechend inszenierten "Feierlichkeitsdarbietungen" mit all ihrem Sermon fernzuhalten. Sich ganz bewußt machen, was für einen selbst eben nicht Weihnachten ist. Wer Weihnachten in einer Art organisierter "Mitmachorgie", in "fanhafter" Attitüde glaubt erleben zu müssen, soll es freilich so halten. Es mag auch hier das alte lateinische Gebot gelten: suum cuique. Es sollte jedoch auch akzeptiert werden, wenn andere so vieles an den Weihnachtsgeschehnissen als aufgesetzt, gespielt, geheuchelt, inszeniert, ja auch als: verlogen, empfinden und sich dementsprechend davon abwenden. Was hier nach einer sehr modernistischen Entwicklung von "Weihnachten" (gar nach: Pervertierung des Ursprünglichen) klingen mag, war jedoch schon zu früheren Zeiten von Übel. Hermann Hesse hat dies bereits 1917 in einer Weihnachtsgeschichte festgestellt: seine schönen Kindheitserinnerungen wurden allmählich getrübt und er distanzierte sich von der "geschäftstüchtigen Rührseligkeit, die mittlerweile das Fest der Liebe" bestimmt und in diesem Zwiespalt von Ehrfurcht und spöttischer Distanz spricht er von Weihnachten als einem "trotz allem Schwindel doch immer wunderbaren Fest".
Viele werden es nicht so empfinden, andere, die so fühlen, werden unterschiedliche Gründe dafür haben, mit Hesse zu sagen "Weihnachten und Neujahr sind, alles in allem, Feste, die ich gerne entbehren würde". (Für Hesse war es neben anderen aus seiner Sicht kritikwürdigen Dingen auch dies: "Die Hunderte von gut gemeinten und zum Teil auch wirklich lieben Briefe, fast alle von Unbekannten, übersteigen mein Aufnahmevermögen." Der Dichter fühlte sich offensichtlich von all diesen Zuneigungen überfordert, so er in einem Brief an einen Freund 1950, weil er auf all die Briefe nicht mehr reagieren konnte. Aber das wäre ja eher ein psychisches Luxusproblem, mit dem Weihnachtsgedanken als solchen hat es allenfalls nur wenig zu tun, mit der Art, wie "man" sich zu "Weihnachten" zu verhalten hat, vielleicht schon etwas mehr. Steckt dahinter nicht auch eine Art von "Inflation der Gefühle", die mit anderen "weihnachtlichen Koinzidenzen" korrespondiert: also Masse statt Klasse? Durchaus vorstellbar. Die fehlende "Klasse" beim Weihnachtsgedanken hat Hermann Hesse sehr deutlich bereits 1917 in der NZZ (Neuen Zürcher Zeitung) benannt: "Gewiß, ich feiere Weihnachten, weil ich Kinder habe, die ich nicht um eine Freude bringen will. Aber ich begehe diese Kinderweihnacht als einen festlich-offiziellen Akt verjährten Herkommens, verstaubter Sentimentalität. Die Weihnacht und das Fest der Liebe ist für uns alle schon längst nicht mehr Ausdruck eines Gefühls. Es ist das Gegenteil, ist längst nur noch Ersatz und Talmi-Nachahmung eines Gefühls." Da klingt es fast schon folgerichtig, wenn Hesse dann 1951 in der NZZ vorschlägt, Weihnachten neu zu begehen, als Fest einer tiefen Begegnung mit dem Gott der Liebe.
So mancher dürfte diesem (Hesseschen) Gedanken allerdings entgegenhalten, wie es all jene dann halten sollen, die atheistischen beziehungsweise agnostischen Gedanken folgen. Soll für jenen Personenkreis "Weihnachten" ausfallen, gänzlich getilgt werden, zur Überflüssigkeit verkommen? (Darüber später ein wenig mehr.)
 Besonders auch vor diesem Hintergrund möchte ich Hermann Hesses Kritik an "Weihnachten" noch einmal ausführlicher aufgreifen, mit seinen Ausführungen, welche er im Dezember 1917 in seinem Aufsatz "Weihnacht" veröffentlichte: "Unsere Weihnacht ist, von den paar wirklich Frommen abgesehen, ja schon sehr lange eine Sentimentalität. Zum Teil ist sie noch Schlimmeres geworden, Reklameobjekt, Basis für Schwindelunternehmungen, beliebtester Boden für Kitschfabrikation. Das kommt daher: die Weihnacht und das Fest der Liebe und Kindlichkeit ist für uns alle schon längst nicht mehr Ausdruck eines Gefühls. Es ist das Gegenteil, ist längst nur noch Ersatz und Talmi-Nachahmung eines Gefühls. Wir tun einmal im Jahr so, als legten wir großen Wert auf schöne Gefühle, als ließen wir es uns herzlich gern etwas kosten, ein Fest unserer Seele zu feiern. Dabei kann die vorübergehende Ergriffenheit von der wirklichen Schönheit solcher Gefühle sehr echt sein; je echter und gefühlvoller sie ist, desto mehr ist sie Sentimentalität. Sentimentalität ist unser typisches Verhalten der Weihnacht und den wenigen anderen äußeren Anlässen gegenüber, bei denen noch heute Reste der christlichen Lebensordnung in unser Tagesleben eingreifen. Unser Gefühl dabei ist dieses: “Wie schön ist doch dieser Liebesgedanke, wie wahr ist es, daß nur Liebe erlösen kann! Und wie schade und bedauerlich, daß unsere Verhältnisse uns nur einen einzigen Abend im Jahr den Luxus dieses schönen Gefühls gestatten, daß wir sonst jahraus jahrein durch Geschäfte und andere wichtige Sorgen davon abgehalten sind!” Dies Gefühl trägt alle Merkmale der Sentimentalität. Denn Sentimentalität ist das Sich-Erlaben an Gefühlen, die man in Wirklichkeit nicht ernst genug nimmt, um ihnen irgendein Opfer zu bringen, um sie irgend je zur Tat zu machen.
Und an gleicher Stelle fährt Hermann Hesse fort (sich dabei auch an all jene wendend, die sich in welcher Position auch immer als "Stellvertreter wähnen oder gerieren): "Wenn die Pfarrer und Frommen klagen, daß der Glaube und damit das Glück aus der Welt geschwunden sei, so haben sie recht. Unser Verhalten gegen alle wirklichen Werte des Menschen ist von einer Barbarei und Rohheit, wie sie die Welt seit Jahrhunderten nicht mehr gesehen hat. Dies zeigt sich in unserm Verhalten zur Religion, in unserm Verhalten zur Kunst, in unserer Kunst selber. Denn die beliebte Meinung, daß die Kunst des modernen Europa auf einer ungeheuer hohen Stufe stehe, ist ebenso ein Irrtum der Bildungsphilister wie die Meinung vom Vorhandensein einer hochstehenden und Respekt verdienenden “Kultur” unserer Zeit."
Hesse geht hier dann weiter auf den Zustand der "Welt" und des "Menschen" ein (damals war bekanntlich der Erste Weltkrieg) und stellt das fest, was letztlich im Jahr 2022 leider aktueller denn je ist, sich dabei auch Gedanken über "Schuld", über Verantwortung, machend: "Der “Gebildete” von heute verhält sich zur Lehre Jesu so, daß er das ganze Jahr hindurch an sie nicht denkt und nach ihr nicht lebt, daß er aber am Weihnachtsabend einer vagen wehmütigen Kindererinnerung nachgibt und ein wenig in zahmen, wohlfeil-frommen Gefühlen schwelgt, ebenso wie er noch ein- oder zweimal im Jahre, etwa bei Aufführung der Matthäuspassion, dieser zwar längst verlassenen, dennoch aber noch unheimlichen und im Verborgenen mächtigen Welt seine Reverenz macht. Ja, das alles gibt man zu, jedermann weiß es, und jeder weiß auch, daß es traurig ist. Schuld daran sind politische und ökonomische Entwicklungen, sagt man, schuld ist der Staat, schuld ist der Militärismus, und so weiter. Denn irgend etwas muß ja doch schuld sein. Kein Volk hat “den Krieg gewollt”, ebenso wie kein Volk den Vierzehnstundentag, die Wohnungsnot und die Kindersterblichkeit “gewollt” hat."

Und (auch) mit Blick auf "Weihnachten" stellt er fest: "Ehe wir wieder Weihnacht feiern und das Ewige und einzig Wichtige in uns mit einem verlogenen Ersatzartikel von Gefühl abspeisen, sollten wir uns lieber dieses ganzen Elendes recht bewußt werden, auch wenn es zur Verzweiflung führt. Schuld an unserem Elend, schuld an der Nichtigkeit und rohen Verödung unseres Lebens, schuld am Krieg, schuld am Hunger, schuld an allem Bösen und Traurigen ist keine Idee und kein Prinzip, schuld daran sind wir, wir selber. Und auch nur durch uns, durch unsere Erkenntnis, durch unsern Willen kann es anders werden."
Hier möchte ich betonen, daß der Mensch, ungeachtet welcher Religion angehörend, welcher Rasse (ich halte den Begriff gerade auch vor der grassierenden Wokeness eben nicht für "rassistisch", für respektlos, für diffamierend, sondern als ein rein deskripitives Konstrukt), welcher Nation (man erinnere sich, wie schön John Lennon das alles in seinem Lied "Imagine" formuliert hat!), seine jeweils eigene Verantwortung hat, diese einzulösen hat; sich also auch um die Kraft und Emanzipation bemühen muß, hier verantwortlich handeln zu können. Und die Weihnachsgeschichte -- wie "geschichtlich wahr" man sie auch immer für sich sehen mag respektive kann -- gibt umfassende Antworten, entsprechend auch Denkimpulse, auf die Herausforderungen an Humanität und an die Verbesserung der Verhältnisse. Nochmals deshalb die Frage: Was soll ein Agnostiker, was ein Atheist (ich meide diesen Begriff lieber, allein schon wegen seiner immanenten negativen Dialektik!) aber damit anfangen? Meine Antwort: eine ganze Menge, sehr, sehr viel! Aus der Sicht eines Agnostikers stelle ich fest: Für mich ist die Geschichte selbst -- wie religiös auch immer ausgerichtet -- ein Mythos, allerdings ein doch recht schöner, ein Stück gewachsene Kultur vor allem. Also, so man es will, so man kann, ist das alles eine Möglichkeit sich von dem Üblichen besonders fernzuhalten und in einem positiven Sinn in sich zu gehen. Ein Baum, ein Kranz, Kerzenlichter, was auch immer an der üblichen Ausgestaltung, vor allem auch in den Kirchen -- alles Symbole. Dies alles sind Symbole, die ich schön finde, die ich mit meinem Inneren teile und teilen kann. Natürlich glaube ich nicht an so etwas wie Gott, (er-)lebe das eher in einem agnostischen Ausschnitt. Warum sollte einen auch mehr daran an (ohnehin nicht gebbaren) Antworten interessieren, bekümmern? Auch wenn ich näher bei Feuerbach als bei einem Religionsstifter bin -- schöne Geschichten sind es dennoch, schon, zum Nachdenken und Überlegen regen sie allemal an. Und gäbe es sie nicht, wären da dann sicherlich andere. Vielleicht weniger schöne, weniger im positiven Sinn drängende. Irgendwie verbreitet das alles dann seinen Sinn, seinen Mantel und wenn es nur für kurze Augenblicke sein mag: es IST dann, just in diesem gefühlten Moment oder längeren Zeitraum. Irgendwie auch eingebettet in "Raum und Zeit". Vielleicht eben auch ein Umgang mit Gedanken -- oder umgekehrt: dies alles geht eben mit den Gedanken um ... Allein schon deshalb sollte man an dieser christlichen Tradition teilhaben, sie unterstützen, gerade auch in diesen Zeiten, in denen sich ihre eigentlichen Repräsentanten alles andere als systemstabilisierend und hoffnungsstimmend verhalten. Sie leben teilweise eine vollkommen falsche Offenheit, geben wesentliche Traditionen preis, sind dabei auf der anderen Seite unfähig, falsche Traditionen über Bord zu werfen, wo es unbedingt notwendig und ebenso zielführend wäre: als ein besonders übles Beispiel sei die praktizierte Männervorherrschaft genannt, die faktisch der Unterdrückung der Frau das Wort redet ... Gerade in einer am Mangel an Sinn erkrankten Zivilisation muß es Aufgabe sein, Sinnfragen wirklich wieder ernsthaft und tiefschürfend aufzugreifen (und sie nicht Sinnerzeugungsersatz-Mechanismen zu überlassen, vor allem auch nicht: falschen Propheten, seien sie überwiegend klerilaler oder rein medialer oder politischer sowie ökonomischer Provenienz ...), Kraftquellen für Lebens-Sinn und Eigen-Sinn (nicht: Eigensinn!) zu erhalten und zu fördern. Die Möglichkeit, diesen Weg zu gehen, finden wir in der Weihnachtszeit und der sie überlagernden Weihnachtsgeschichte, aber nur dann wenn wir uns um diesen Weg mühen und bemühen. Das Gute der Geschichte, läßt sich für jedermann aufgreifen, man muß es nur wollen, man muß sich dabei natürlich um mehr Selbstbestimmung bemühen und sich nicht einer Fremdbestimmung preisgeben, die von anderen Mächten und ihren Kräften allzu massiv ausgeübt werden!

Auch diesbezüglich hat Hermann Hesse in seinem Aufsatz Wesentliches betont: "Ob wir dann die Lehre Jesu wieder aufnehmen und uns neu zu eigen machen oder ob wir andere Formen suchen, das ist einerlei. Die Lehre Jesu und die Lehre Laotses, die Lehre der Reden und die Lehre Goethes ist in dem, worin sie das ewig Menschliche trifft, dieselbe. Es gibt nur e i n e Lehre. Es gibt nur e i n e Religion. Es gibt nur e i n Glück. Tausend Formen, tausend Verkünder, aber nur e i n e n Ruf, nur e i n e Stimme. Die Stimme Gottes kommt nicht vom Sinai und nicht aus der Bibel, das Wesen der Liebe, der Schönheit, der Heiligkeit liegt nicht im Christentum, nicht in der Antike, nicht bei Goethe, nicht bei Tolstoi—es liegt in dir, in dir und in mir, in jedem von uns. Dies ist die alte, einzige, immer in sich gleiche Lehre, unsere einzige ewig gültige Wahrheit. Es ist die Lehre vom “Himmelreich”, welches wir “inwendig in uns” tragen."
Und wie steht es nach Hesse um das "Feiern von Weihnachten" dann? Schlicht meint er: "Zündet euren Kindern die Weihnachtsbäume an! Lasset sie Weihnachtslieder singen! Aber betrüget euch selber nicht, seid nicht immer und immer wieder zufrieden mit diesem ärmlichen, sentimentalen, schäbigen Gefühl, mit dem ihr eure Feste alle feiert! Verlangt mehr von euch! Denn auch die Liebe und Freude, das geheimnisvolle Ding, das wir “Glück” nennen, ist nicht da und nicht dort, sondern nur “inwendig in uns”."

Es ist also auch Aufgabe, dasjenige aufzuspüren, was "inwendig" in einem vorhanden ist, was nach Entfaltung und Reifung verlangt. Diese Anstrengung mag beides zugleich sein: Freude und Ringen um die jeweils bestmögliche Lösung. Ein Aus- und Aufbrechen. Aber auch eine Absage an all die durchschaubaren Versuche der Vereinnahmung, der Ausbeutung, der Aufforderung des "Mitmachens" bei Dingen und mit Personen, die einem genau das nicht wert sind. "Weihnachten", all die "Weihnachtsbotschaften" in ihrer Ursprünglichkeit als Licht für bessere Menschwerdung; als Nähe (wo sinnvoll und möglich) und als Abstand / Distanz (wo es geboten und zielführend erscheint) zugleich. Ein sich Auf-den-Weg-begeben. Ein Ausweichen vor all den öden Versuchen, falsche Wir-Gefühle suggerieren zu wollen. Die salbungsvollen und routinisierten Allwetterbotschaften, mehr oder weniger langweilig und vor allem inhaltsleer vorgetragen, meiden. Seine wertvolle Zeit nicht vergeuden! Auch das ist eine Mahnung, welche wir den Weihnachtsgedanken entnehmen können. Wenn wir es nur wollen. Ich greife es nochmals auf, dieses "adveniat": auch ankommen bei den Gedanken um die Fragen, ob man das erreicht hat, was man erreichen wollte. Hat man überhaupt die Frage sich gestellt, etwas Sinnvolleres über das Übliche Hinausgehende, anstreben zu wollen? Hat man sich übernommen, hat man sich unterfordert: beides wäre kaum erstrebenswert. Hat man sich auf die wirklich wichtigen Dinge konzentriert oder hat man sich immer wieder unnötig ablenken, zerstreuen, einspannen lassen? Hat man sich ernsthaft bemüht, dem wirklichen Sinn des Lebens, des eigenen Lebens, dem Eigen-Sinn, auf die Spur zu kommen, um dann auch dem endlosen panta rhei nicht ohnmächtig und hilflos zu verfallen? Wo und wie will man (immer wieder) ankommen? Wo sind sie, diese: Wir? Und wo sind jene: Talmi-Wir? Findet man die für einen selbst passende Balance auf dem eigenen Lebensweg, jenem Weg, den Harry Chapin so treffend als "journey between heaven and hell" beschrieben hat? Ist man auf dem Weg, auf der Suche, im Bemühen um mehr "heaven" oder läßt man sich gleiten hinunter in jene Richtung, die bisweilen eben mit "hell" in Verbindung gebracht wird. Man muß nicht unbedingt an "Himmel" und "Hölle" glauben (dies in einem streng-religiösen Verständnis verstanden), um nicht doch mit diesen beiden Bildhaftigkeiten für sich die notwendigen, die richtigen Fragen stellen zu können. Aber ohne diese Fragen wird es vor allem eines kaum geben können: Antworten. Also "Weihnachten" auch sich die Zeit nehmen, Fragen zu stellen, Antworten zu suchen. Da aber diese Aufgabe sinnvollerweise einen stets begleiten sollte, ist es immanente Verpflichtung, Weihnachten sich über die kurze Phase des Fests hinaus zu bewahren -- erst dann wird Weihnachten zu dem richtigen "Fest", das es für die menschliche Seele sein sollte und sein kann. Weihnachen als ein "Nach Hause kommen", als eine Gegenwehr gegen Entwurzelung und Gleichgültigkeit (auch sich selbst gegenüber ...), "als Gegengift zur Rastlosigkeit und Zersplitterung der Welt." (Birgit Kelle). Advent heißt auch erwarten. Welche sinnvolle Antwort darauf geben überhaupt darauf die sich immer weiter leerenden christlichen Kirchen, vor allem deren Oberhäupter, heute noch? Keine bis wenige, und wenn dann eher phrasenhafte Leerformeln, die nichts helfen, allenfalls zu weiterer Distanz anregen. Vielleicht wird es gerade im Advent (also in der Zeit, wo man es "schwerer" hat sich vom alltäglichen Einerlei und dem üblichen Klamauk-Inszenierungen einlullen und ausbeuten zu lassen -- vielleicht rühren da auch die "plötzlichen" Lichter dagegen auf ...) besonders bewußt, wie eigentlich entwurzelt der sogenannte moderne Mensch ist, wie schwer so ein "Ankommen" in dem, was man als "Zuhause" verstehen könnte und möchte, ist: "Wie soll man auch das innere Zuhause finden in einer Gesellschaft, die alle Wegweiser und Einhegungen bekannter Strukturen weggeräumt hat unter dem Hinweis, jeder möge jetzt ganz frei nicht nur sein Geschlecht, seine Familie, sein Zuhause und auch seinen Gott gefälligst selbst suchen?" (Birgit Kelle) (Ich denke, diese Beliebigkeiten lassen sich nicht einmal im atheistischen Materialismus von Feuerbach aufspüren, insofern haben wir es hier mit einem Versagen vor allem auch jener zu tun, die sich immer wieder auf "ihr" Christentum, auf unsere "christliche Kultur" berufen, sie geradezu monstranzhaft immer wieder betonen, dabei freilich versagen, wenn es hier um eine gewisse "Wehrhaftigkeit" und "-bereitschaft" geht ...)
Es mutet bisweilen schon geradezu schizophren an, wenn man (besonders zur Weihnachtszeit, aber nicht nur da!) die monotonen und einfallslosen Berieselungen mit der Forderung nach "Solidarität", nach "Wir", nach "Opferbereitschaft", nach "Einsicht und Verständnis" und weiteren Unterordnungsanweisungen und Verhaltens- sowie Denkdiktaten von Kanzeln, aus Medienaufruhrgeistern, aus von sich dazu besonders für berufen haltenden Mündern hört und dabei gleichzeitig sich gewahr sein muß, daß alles getan wird, daß wir eben nicht diese Gesellschaft sind, in der solche Werte gedeihen können. Keine noch so schönen Sonntagsreden können darüber hinwegtäuschen: auch bei uns dominieren Verlogenheit, Ausbeutung (in unterschiedlichen Dimensionen), Einseitigkeit, Diskursarmut, Schein statt Sein, Rücksichtslosigkeit, Plapperei und die Praxis der großen Wörter, Klugscheißereien und andere Daseinsformen, die Entwurzelung fördern statt ihr entgegenzutreten. Wirkliche Weihnachtsgedanken könnten hier entgegenwirken ... In diesem Sinne dann: wirklich besinnliche Weihnachten!

Alles Metaphysische ist ein Provisorium, es wird aufhören, übernatürlich zu sein,
mit dem Eindringen in die nur scheinbar unerklärlichen Dinge.
Carl Ludwig Schleich
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Am Baum der guten Vorsätze gibt es viele Blüten aber wenig Früchte.
Konfuzius (551 - 479 v. Chr.)
Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Haben wir es geschafft, Eile und Hektik sowie Oberflächlichkeit einzudämmen, es besser zu machen als letztes Jahr? Aber nachgedacht haben wir darüber doch zumindest, nicht wahr?
Nachdem wohl -- erfahrungsgemäß -- so mancher irgendwann gefaßte Vorsatz einmal mehr "down the rivers of time" entschwunden ist, wollen wir es doch auch einmal "besser" machen. Besser? Also vielleicht sich nur das vornehmen, was man wirklich auch entsprechend eigener Möglichkeiten "schaffen" kann.
Sozusagen ein realistisches Anspruchsniveau.
Also nehme ich mir vor:
1. viel Entschleunigung, mit "kleinen" Begebenheiten zufrieden zu sein,
2. viel weniger Zeit mit dem Fernsehapparat verbringen,
2a) sorgsame Auswahl treffen,
2b) Politsendungen weitestgehend meiden,
2c) seichte Unterhaltung gänzlich meiden,
2d) gute Filme, gute Dokumentationen, gute Naturfilme,
2e) Sportübertragungen auf ein Minimum reduzieren,
3. so viel Zeit wie nur möglich in der Natur verbringen,
4. ein paar wenige gute Kontakte mehr pflegen, den Rest möglichst meiden,
5. meine Hobbies intensiver betreiben.
Das sind schon genug Aufgaben, der Rest mag sich ergeben, auch dem Zufall soll sein gebührender Ort eingeräumt werden. Und der Rest ist auch: Schicksal ...
Wer werden will, was er sein sollte, der muss lassen, was er jetzt ist.
Meister Eckhart (1260 - 1327)
Kommt da irgendwann noch mehr?
... einfach Geduld walten lassen ...
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