Der schöne, einladende Bahnhof der DB in Nesselwang mit seiner Informationswüste ...
Eigentlich hatte ich Nesselwang als einen relativ schönen und angenehmen touristischen Ort in Erinnerung. Da ich in der Nähe (in Pfronten) Urlaub machte, dachte ich mir durch eine Bahnfahrt dorthin so ein paar Erinnerungen aufzufrischen. Nesselwang liegt an der Bahnstrecke Kempten - Pfronten Steinach. Die Strecke ist eingleisig und mit einer Gegenverkehrsregelung an einigen Bahnhöfen. So grundsätzlich auch in Nesselwang.
Nun erlebe ich es immer wieder: Ein Bahnhof (der DB) ist durchaus nicht immer ein positiver Eindrück für einen vom Tourismus lebenden Ort. Anders gewendet: erlebt man nur den Bahnhof, kommt durchaus schon mal der Gedanke auf, diesen Ort schnellstmöglich zu verlassen. Warum? Tristigkeit allenthalben, allenorts. So bietet der DB-Bahnhof Nesselwang durchaus eine Spitzenposition für die Entwicklung derartiger Fluchtgefühle. Ein Kiosk -- alles mit Brettern vernagelt, unansehnlich. Das Bahnhofsgebäude gleichfalls. Ein dürftiges Wartehäuschen, na ja, schon häufiger so gesehen. Die Suche nach einem Fahrplan? Vergebens! Weit und breit kein Fahrplan. (dies alles erlebt am 7. Juli 2022). Nirgendwo!
Aber da ist ja noch die elektronische "Fahrgastinformation". Sie zeigt zumindest mal zuverlässig die Uhrzeit an. Mehr allerdings nicht -- für eine lange, lange Zeit..
Ich warte eigentlich auf den Zug aus Kempten, möchte Richtung Pfronten fahren. Es gibt zwei Geleise, Gleis 1 (Richtung Kempten) und Gleis 2 (wahrscheinlich dann in die andere Richtung, aber so offensichtlich dürfte das dort so nicht für jedermann sein ...).
Endlich dann eine Anzeige über die "Fahrgastinformation": der Zug nach Kempten wird auf Gleis 1 angekündigt. Wie aber steht es nun mit dem Gegenverkehr? Kein Hinweis! Nichts. Halt doch etwas: wer am nördlichen Bahnhofsende den Verlauf der Geleise genau ansieht, der kann erkennen, die Weiche scheint für einen Zug aus Kempten für die Einfahrt auf Gleis 2 gestellt. Aber eine Zuginformation: Fehlanzeige.
Am Bahnsteig auf Gleis 1 sammeln sich zahlreiche Leute. Wollen die alle Richtung Kempten? Wohl kaum. Aber ich werde ja sehen. Das Pfeifen eines Zuges, er biegt langsam um die Kurve, wird sichtbar -- ich gehe schon mal auf Gleis 2, denn dorthin wird das Züglein der Weichenorder folgen. Eine Anzeige für diesen Zug auf der "Fahrgastinformation"? Nein. Fast möchte ich sagen: natürlich nicht. Da scheint die Bahn -- wie so häufig -- einmal mehr gänzlich überfordert zu sein.
Auf der Fahrgastanzeige dafür nun nur eine Verspätungsmeldung für den Zug aus Richtung Pfronten nach Kempten. Fast alle Personen, die an Gleis 1 gewartet hatten (dort ist übrigens auch ein Schild: "Zughalt hier!", durchaus nicht so einfach informativ wie es den Worten nach klingen mag ...; immerhin gibt es: zwei Gleise) bewegen sich nun über das Gleis zum Gleis 2.
Interessehalber -- ich sitze längst im richtigen Zug -- blicke ich nochmals auf die "Fahrgastinformation"; nichts Neues. Geht es nach ihr, fährt offensichtlich der Zug auf Gleis 2 überhaupt nicht. Das ist halt wieder mal Service, gute DB! So macht man sich beliebt, so verhindert man ein Durcheinander, so macht man den Fahrgästen Lust auf Reisen. Nicht genug davon? Nein?
Also auf selbiger Strecke habe ich erlebt, daß im Zug von Pfronten-Steinach nach Kempten bis 1 Minute vor Abfahrt das Display im Zug aufforderte: "Bitte sofort aussteigen!" Gut, wenn man bisweilen derartige Hinweise ignoriert. Jener Zug fuhr nämlich pünktlich ab. Wer der Aufforderung gefolgt war, der konnte die Rücklichter des Zuges dann bestimmt gut und erfreut beobachten. Ja, ja, derartige "kleine" Probleme scheinen für die DB bisweilen unbedeutend zu sein ... Oder sind dies doch die primären, die wirklichen Belange so mancher Reisender, denen sachliche Information schon wichig sind, vor allem dann, wenn sie mit diversen Absonderheiten beim Bahnfahren noch keine Erfahrungen sammeln konnten / durften / mußten ..., also doch keine "kleinen" oder "nebensächliche" Probleme!? Liebe DB: auf vielen, vielen Gebieten könnt ihr wahrlich noch besser werden!
(Anmerkung 2026: Im letzten Jahr wurde der Bahnhof "verbessert"; sehen Sie selbst und urteilen entsprechend. Ich persönlich sehe keinen nennenswerten Gewinn, im Gegenteil ist jetzt der Übergang von Gleis 2 zu Gleis 1 sehr umständlich, viel längerer Weg, für Gehbehinderte dürfte es zeitlich oft knapp werden ...)
Blick auf Bergpanorama bei Pfronten-Steinach, wartender Zug der DB in Richtung Kempten am Bahnhof Pfronten-Steinach.
Wanderung im Tal von Pfronten entlang der Vils, dann über die Salober Alm nach Füssen: