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tempus fugit 1
IEH – TSEH – EH
Rollende Einheit der Geschwindigkeit:
immer schneller, immer größer,
mehr Künstlichkeit als Natürlichkeit:
verwaltet, verwöhnt, versorgt.
Vorbei: sanfte Beschaulichkeit!
Vorbei: ruhigende Entschleunigung!
Vorbei: Vielfalt und Tiefe im Reisen!
Vorbei: beschauliches Fortkommen!
Wo geblieben: vorbeigleitende Landschaften?
Wo geblieben: die Laute aus schöner Vielfalt?
Wo geblieben: Nähe und gute Begegnungen?
Wo geblieben: die alte Sprache aus Heimat?
Sänk juh werri matsch for dräffeling wiss ...!
Vieles: monoton, mechanisch heruntergeleiert:
marionettenhaft gesteuert von Vorgaben,
allzu oft sinnentleert und die falsche Moderne.
Nun: Willkommen an Bord – AN BORD!
Nun: Service Point, Counter, Kiss & Ride.
Nun: mehr trostlose Quantität statt Qualität.
Nun: Unruhe, Unsicherheit, Talmi-Mythen.
Smartphone-Idyllen als trüber Ersatz für
Wirklichkeit, Ruhe und Beschaulichkeit.
Enge und Rücksichtslosigkeit, Zeitgeist:
Hier auch wiederbelebt: IEH – TSEH – EH
Hektik, Hetze, Verspätungen, verlorene Zeit,
Ausgleichszahlung für Unannehmlichkeiten,
Massenverkehr als Humus für Aggression,
Nährboden für misanthropische Gefühle ...
Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit nur als
Bemühen – der Erfolg zumeist versagt.
Volle Züge, Zugausfälle, Materialversagen:
Erleben jener Bandbreite wahrscheinlich.
IEH – TSEH – EH, du Verwaltungsagent
Spiegel vom Ausschluß der Natürlichkeit.
Ein Singsang aus Allerweltsnivellierung,
Gefühlt: eine der dunklen Seite des Mondes.
Rollendes Geschoß aus Gigantomanie:
Verkehrung von Sinnhaftigkeit,
das Reisen zum Transport verkümmert;
entwertet, enteilt – entfremdet!
(fagusarua, 07./ 08. 10. 2019)
NICHT HÖHER, SCHNELLER, WEITER --
SONDERN: langsamer, bewußter, aufmerksamer ...
... alles fließt ... (Bild: Vils in Pfronten)
Circulosus Vitiosus
den schmerzhaften Bahnen
in den Eingeweiden folgen
schlaflose nächte
ruhelose tage
quälende hoffnungsarmut
doch noch kraftvoll festhalten
erinnerung durch die tentakeln
vergangener zeiten
welch harte dauerarbeit
häufig wie frongewitter
jene fesselnden engen
oft gleich beben
aus wiederholungszwängen
aus unausweichlichkeiten
lebensgier aus introspektion
selbstsüchtig bestimmen
was richtig
was falsch
was gut
was böse
was bleibt
was geht
bäume als feind der sinne
vogelwelt als lästigkeit
zwanghaftes ambiente
stets geräteexzesse
natürliche regungen bannen
eigensinn eisern festhalten
rechthaberei als corona
mit jammerorgasmen sich
durchsetzen
erpresserisches geheule
als medium
mit unterdrückenden schreien
unterordnen
nachrangigkeit betonieren
nachgiebigkeit als beweis
eigener weltsicht
eígener richtigkeit
nur so spüren – lebendigkeit
doch immer wieder dabei
schmerzende bahnen
brennende eingeweide
dennoch ein aufbäumen außen
andere knechten
zu richten versuchen
kreislauf aus einer wiederholung
und kreisläufe aus wiederholungen
was zuerst und was danach
was danach und was zuvor
immer wieder friedhofsstille
diese stille
(komplementär zum lauten)
dieses schweigen
(am anderen ufer gesänge)
doch eigenen vorteil auch noch
im dahinsiechen
unter schmerzen
da schon wieder –
die regelmäßigkeit der abstände
schwinden – kürzer werdend
immer kürzer 
kurz
ganz kurz
durch schmerzende adern
die sinne letzmals gleiten
nun
im ende verschwinden
keine wiederholungen
kein kreislauf mehr nun
ende
aus
(Fagusarua 16.05.2021)
Schimpflich ist es, nicht zu gehen,
sondern sich treiben zu lassen und
mitten im Wirbel der Dinge verblüfft
zu fragen:
Wie bin ich bloß hierher gekommen?
Seneca
"Und es gehen die Menschen hin zu bestaunen die Höhen der Berge, die ungeheuren Fluten des Meeres, die breit dahinfließenden Ströme,
die Weite des Ozeans und die Bahnen der Gestirne und vergessen darüber sich selbst."
(Augustinus von Hippo)
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