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Ostern und andere Gelegenheiten ...            

Tage des Perpetuierens von Machtverhältnissen
Versuche den Bestand eigener Pfründe fortzuschreiben
Und immer wieder die alten Geschichten pflegend
       allzu durchsichtige Märchenhaftigkeit
       dauerhaft inszenierte Maskenhaftigkeit
Wörterschwadroniereien aus gekreideten Mündern
Der Wolf im Schafspelz auf Bühnen der Wiederholung
Die Eigendefinition von Wirklichkeit als Verbindlichkeit
       menschliches Bedürfnis nach Unendlichkeit
       für ureigene Zwecke funktionalisierend
Ausbeutung von Leib und Seele in alten Gewändern
Populistisch freilich im Gleichschritt mit den Zeitmoden
Krakenhafte Versuche mit durchsichtiger Umgarnung
       Leid und Not für ureigene Zwecke ausbeutend
       Mitmenschlichkeit auf tönernen Fundamenten
Krankheiten als Humus für Aussaat von Verkündigung
Auf den Dächern die Inkarnation von Deutungshochheit
Vorgabe von Formen der Genügsamkeit als Zwang
       drohend mit ewiger Verdammnis und Teufelei
       lockend mit einem ewigen Glück bei Folgsamkeit

Sich nicht unter die Altäre und Throne der Zepter beugen
Leben nicht mit trüben Zeichen aus Phantasien verwässern
Wunsch und Wirklichkeit verkennend Träumerei pflegend
       sich dem Taktschlag fremder Einflüsse ergebend
       sich den wirklichen Anstrengungen entziehend
(Die Baldachine der Sinnestäuschungen verweisen in
Gefilde lebensfeindlicher Spielwiesen für Entmündigte)
Jeglichem Spuk aus Übersinnlichkeit Schranken weisend

Jene Welten ganz besonderer Sentimentalität etwas ihres
Einflußmantels entkleiden und dem Eigenwillen zuarbeiten
Wirklichkeit und Leben so selbst definieren und gestalten
Gute Menschen von all den Gutmenschen unterscheiden
     nicht den leerenVersprechungen nach Ewigkeit erliegen
     von falschen Verheißungen jener laß dich nicht belügen
Auf Erden – hic et nunc – gilt es zu genießen und zu handeln
Es gibt halt nicht das verkündete Jenseits für seliges Wandeln

(Ostern 2020)







    Ein toter Vogel


Ein toter Vogel! Blumen sehn
Mild auf des Leichnams Vergehn,
Sanftherzig ihrer Würze Duft
Vergeugend in die Totenluft.

Wie wenden wir entsetzt uns ab
Von Tod, Verwesungsduft und Grab!
Die reine Blume hier hält aus,
Versüßet des Verderbens Graus.

Sie stammt aus einem schönern Land,
Wo Tod, Verwesung ist verbannt.
Drum sieht sie dem Verhängnis zu,
Ein Pfand der Zukunft, voller Ruh‘.

Karl Friedrich Hartmann Mayer (* 22. März 1786 in Bischofsheim; † 25. Februar 1870 in Tübingen)



Der Stieglitz

Der Sommer rief: ade!
Das thät dem Stieglitz weh;
Er hing das Köpflein nieder,
Vergaß all seine Lieder.
Wie oft ich ihm auch rief,
Es schien, als ob er schlief.


Jetzt war der Winter da,
Wie ging‘s dem Stieglitz nah!
Er zog sein buntes Kleid aus
Und sah voll Gram und Leid aus.
Er saß so still und stumm
Und sah sich nicht mal um.


Und endlich schmolz der Schnee,
Der Stieglitz rief: juchhe!
Die Sonne schien aufs Bauer,
Da war hinweg die Trauer.
Der Stieglitz sprang und sang,
Daß es gar lieblich klang.


Er sprang voll Freud‘ und Lust
Und sang aus voller Brust:
„Jetzt kommt die schöne Zeit an;
Ich zieh‘ mein buntes Kleid an.
Willkommen, Sonnenschein!
Jetzt will ich lustig sein.”

Herr Stieglitz, kannst du sein
Schon froh beim Sonnenschein —
So will ich tanzen, springen,
So will ich fröhlich singen!
Nicht nur der Sonnenschein,
Der ganze Lenz ist mein.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben



          


Ach, welch Glück als du gekommen
In des Frühlings schönster Pracht
O welche Pein als du fortgenommen
Hinein in diese gar tiefe ewige Nacht
(Fagusarua)

 


Morgenerhebung

Tausend Blumen schau’n wie Eine
Selig nach dem Morgenscheine.
Kannst du, blick empor, wie diese
Blumenfromme Morgenwiese!

Karl Friedrich Hartmann  Mayer
Die Herrlichkeit der Erden

So wachsen wir auf Erden
und denken groß zu werden,
von Schmerz und Sorgen frei;
doch eh wir zugenommen
und recht zur Blüte kommen,
bricht uns des Todes Sturm entzwei.

Gryphius
Ein Gleiches

Über allen Gipfeln ist Ruh,
in allen Wipfeln spürest Du
kaum einen Hauch;
die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde ruhest Du auch.

Johann Wolfgang von Goethe






                                                                                                                                           




Das trunkene Lied


Oh Mensch! Gib Acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
Ich schlief, ich schlief -,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht: –
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh -,
Lust – tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit -,
– will tiefe, tiefe Ewigkeit!

Friedrich Nietzsche